November 22, 2009

Karl-Markus Gauß und die romantischen Postboten

Ich schätze den Salzburger Schriftsteller, Essyisten und Publizisten Karl-Markus Gauß, seit ich seine Reportage in Buchform „Die Hundeesser von Svinia“ gelesen habe.  Einen besseren Text über die Lage der Sinti und Roma wird man nicht so schnell finden. Ein echtes Must-Read für alle, die sich mit der Diskriminierung einer Volksgruppe mitten im heutigen Europa, aber auch der Kultur und den archaischen Clanstrukturen dieser Gruppe befassen möchten. Seltsamerweise interessiert sich kaum jemand für die Zigeuner und deren teils erbärmliche Lebensumstände und die immer noch andauernde Verfolgung, unter der sie leiden. Sind wohl nicht so sexy für die Gutmenschen, weil sie keine Bomben in Cafes in hochgehen lassen oder Raketen auf Zivilisten abschießen…

Nun des Lobes für Gauß genug. Heute hat er sich durch einen, wie wir Österreicher sagen, echt depperten Gastkommentar im „Standard“ lächerlich gemacht. Er beklagt, in einen möchtegern-ironischen Text verpackt, die Teilprivatisierungen von Post und Bahn. Das liest sich dann so: Manchmal quälen mich Erinnerungen an die barbarischen Zeiten, in denen ich jung war. Damals mussten wir in dem Viertel, in dem ich aufwuchs, einen Briefträger erdulden, der sich die Frechheit herausnahm, die Post wirklich jeden Werktag zuzustellen. In jener Ära der Unfreiheit befand sich die Post in Staatsbesitz und sah ihren Auftrag lächerlicherweise darin, die Bevölkerung mit ihren Postsendungen, nicht Versager mit Posten als Sanierer zu versorgen. (…) Die Post, indem sie diese nicht zustellt, macht sich verdient um die Lebensqualität der Bevölkerung. Und zweitens schult uns die Post, die für einen erkrankten Briefträger keinen Ersatz mehr auf den Weg schickt, pädagogisch in die Privatisierung ein, deren Vorzüge wir erst zu nützen lernen müssen. Wenn die öffentlichen Dienste nämlich vollständig privatisiert sein werden, wird der Kunde König sein und als unumschränkter Alleinherrscher über sein Leben für alles selber sorgen dürfen: Es ist ihm dann erlaubt und angeraten, die Briefe, die er schreibt, auch gleich selber zuzustellen. Sein Geld darf er dann ohne weiteres bei Instituten der privaten Pensionsvorsorge abgeben, die es für ihn verspekulieren. Und gegen ordentliche Bezahlung darf er seine Kinder sogar auf Schulen und Universitäten schicken, in denen nicht in überfüllten Hörsälen und von überfordertem Personal staatlicher Druck ausgeübt wird, sondern private Förderung der vielen Talente angesagt ist, die in den Sprösslingen schlummern.

Nun verhält es sich so, dass das Privatisierungsdogma konservativer und liberaler Parteien tatsächlich kontraproduktiv sein kann. Der Staat braucht keineswegs alles aus der Hand zu geben, nein, er sollte sogar ein paar Schlüsselbereiche unter Kontrolle behalten, vor allem im Gesundheitsbereich, bei der Bildung und dem Sozialversicherungssystem. Die Post und mit ihr die Telekom gehört da freilich nicht dazu. Bei seiner romantisierenden Beschreibung des braven Austrägers der staatlichen Post hat Gauß wohl erfolgreich verdrängt, wie das damals, vor gar nicht allzu langer Zeit, war. Dass Briefe und vor allem Wertsendungen einfach verschwanden, war an der Tagesordnung, und geschätzte 80 Prozent der Postbeamten hatten ein schweres Alkoholproblem, das für sie jedoch nur gesundheitlich, nicht aber arbeitsrechtlich schädlich war. Im über alle Maßen aufgeblähten Apparat der Post war es völlig wurscht, wenn die Mitarbeiter schon zu Beginn der Frühschicht zu saufen begannen und dann entsprechend schludrig arbeiteten, es war auch egal, ob sie überhaupt zur Arbeit erschienen (bevor jemand „Verleumdung“ schreit: ich war dort, ich war Augenzeuge). Sie waren Staatsbedienstete, praktisch unkündbar und entsprechend kundenunfreundlich. Schlimmer noch war der Telekom-Bereich. Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich  Anfang der 90er jahre in Wien eineinhalb Monate auf den Anschluss meines Telefons warten musste. in den 70ern und 80ern konnte man froh sein, wenn man einen solchen Anschluss nach einem halben Jahr installiert bekam. Die Gespräche, die man mit dem endlich gnadenhalber zugestandenem Apparat führte, kosteten etwa das zehnfache von dem, was man heute bezahlt. Erst als man in Österreich private Konkurrenz für die Telekom zuließ, purzelten die Preise und sogar die Telekom brauchte plötzlich nicht mehr länger als ein paar Tage, um einen Telefon- oder internetanschluss herzustellen. Heute zählt Österreich zu den Ländern mit den europaweit niedrigsten Telefon- und Handytarifen – eine direkte Folge der „bösen“ Privatisierung und der Öffnung des Marktes.

Gegen die Privatisierung von Dienstleistern wie der Post und für die Zulassung von Konkurrenz spricht nichts, aber auch wirklich nichts Vernünftiges. Alles, und das vergisst Gauß, hängt von den gesetzlichen Rahmenbedingungen ab. Solange, um in der Branche zu bleiben, eine privatisierte Post oder deren Konkurrenten dazu verpflichtet sind, Telefonverbindungen noch bis zum letzten Einsiedler auf der letzten Alm herzustellen und zu warten, fehlt mir schlicht die Einsicht, warum Privatisierung schlecht sein sollte. Und dass Konkurrenz nicht nur das Geschäft belebt, sondern vor allem den Konsumenten durch niedrigere Preise für bessere Leistungen zugute kommt, müsste sogar ein Linker alten Schlages wissen können bzw. schon längst selbst erfahren haben.

Vielleicht lebt Gauß aber auch in einer untergehenden Welt, in der es keine Emails gibt und man noch Briefe mit dem Federkiel verfasst und hat daher die Entwicklungen der vergangenen jahre nicht mitbekommen? Oder in einem Paralleluniversum? In meinem Universum ist es nämlich so, dass ich Briefe und Pakete erst seit der Marktöffnung zuverlässig und zumeist pünktlich zugestellt bekomme. Denn ich habe nun ein Druckmittel: Ich kann zur Konkurrenz wechseln.

November 22, 2009

Waldsterben und Klimawandel

In der „Presse“ gibt es einen interessanten Artikel zu lesen. „Was wurde aus dem Waldsterben“. Die Parallelen zur heutigen Klimahysterie, dem marktschreierischen Umgang der Medien mit dem Thema Klimaveränderung  und der teilweise extrem unsauberen Arbeit mancher Klimaforscher sind geradezu schockierend exakt.

Ich zitiere aus dem Artikel: „Vielleicht haben wir damals ein wenig übertrieben“, meint Klemens Schadauer, Leiter des Instituts für Waldinventur in Wien. „Dem Wald ist es in den 1980er-Jahren sicher nicht sehr gut gegangen. Aber flächendeckend wäre er nicht gestorben.“ Bei den Diskussionen und Warnungen seien viele Interessen mitgeschwungen. Und wer nicht einstimmte in den Ruf der Mahner, der galt schnell als „Umweltschwein“.

„Wir wurden damals heftig kritisiert“, erinnert sich Markus Neumann vom Institut für Waldwachstum und Waldbau. Vor 25 Jahren arbeitete er in der Forstlichen Bundesversuchsanstalt, die sich mit dem Zustand der Wälder beschäftigte. Ausgerechnet diese Institution hielt sich in der Diskussion auffallend zurück. „Wir sahen die Situation nicht so dramatisch“, erklärt Neumann. Es habe zwar tatsächlich sterbende Wälder gegeben, das sei aber regional beschränkt und nicht für ganz Österreich zutreffend gewesen.

Mit Untersuchungen und Zahlen seien die Warner damals teils „sehr großzügig“ umgegangen: So habe man etwa Luftwerte aus Linz hergenommen und daraus Prognosen für das gesamte Land erstellt. Die Resultate waren entsprechend verheerend, denn in der Stadt stank kaum gefiltert die Voest vor sich hin. Ebenso habe man Schätzungen über Verunreinigungen aus dem Jahr 1980 mit Erhebungen von 1984 verglichen und die Ergebnisse hochgerechnet. „Ich unterstelle niemandem böse Absicht“, sagt Neumann. „Viele Menschen waren ernsthaft besorgt. Aber die hatten halt nicht immer sehr viel Ahnung vom Wald.“

(…) Wirklich massiv und großflächig geschädigt waren die Wälder im Grenzgebiet zur damaligen Tschechoslowakei. Auf diese Gegend verließen sich Medien, wenn es darum ging, das Waldsterben darzustellen. Als das deutsche Nachrichtenmagazin „Spiegel“ 1981 in einer dreiteiligen Serie den Tod des Waldes in Deutschland verkündete, stützte es die Illustrationen vornehmlich auf Fotos aus dem Erzgebirge, wo hunderte abgestorbene Fichten standen. Der Grund für die umfangreichen Schäden war einmal die ungezügelte Industrie im Ostblock, andererseits gab es aber auch banalere Ursachen: „Frostschäden und Borkenkäfer“, wie Neumann erklärt.

Wer also nicht mitmachte bei der allgemeinen Panikmache galt als „Umweltschwein“. Das erinnert an das furchtbar dumme Wort „Klimaleugner“. Die Medien griffen Einzelphänomene auf und verallgemeinerten sie. Parteien und vor allem NGOs schürten die Angst vor einem waldlosen Mitteleuropa massiv und profitierten entsprechend davon. Erinnert das nicht an die Diskussionskultur, genauer, -unkultur zum Klimawandel?

Ich möchte hier nun keinesfalls behaupten, dass die Erscheinungen „Waldsterben“ und Klimawandel eins zu eins vergleichbar wären und dass sich der Wald an den Grenzen zum ehemaligen Ostblock ganz ohne menschliches Zutun erholt hätte. Nein, der hat sich dort erholt, weil einerseits die Industrie in den ehemals kommunistischen Staaten nach dem Systemzusammenbruch großteils zusperrte und kein Gift mehr in die Luft bließ, und weil man andererseits in Europa die Emissionsvorschriften für Industrie und Kraftfahrzeuge verschärfte. Das „Waldsterben“ war also zum Teil tatsächlich anthropogen (den anderen Teil übernahmen Borkenkäfer und strenge Winter) und konnte daher auch durch von Menschen gemachte Entscheidungen großteils gestoppt werden.

Abgesehen von den Ähnlichkeiten im Umgang mit dem Phänomen ist der Klimawandel natürlich eine ganz andere Baustelle. Hier geht es nicht um ein lokales Ereignis, sondern um ein globales, und der Streit in der wissenschaftlichen Community darüber, ob die Erderwärmung – so es denn eine geben sollte – tatsächlich menschengemacht sei oder nicht, und ob der Mensch diese Veränderung des Weltklimas stoppen könne, ist heftig. Ich bin kein Wissenschaftler, aber ich kenne doch ein paar Fakten und Daten, die mich an dem angeblichen „Klimakonsens“ zweifeln lassen. Erstens: Ich halte es für größenwahnsinnig zu glauben, der Mensch könne das Klima beeinflussen. Die Aktivität der Sonne und der Meeresströmungen halte ich für wesentlich plausiblere Ursachen für Änderungen des Klimas als zB das Autofahren. Zweitens: Ich bin empört darüber, dass derzeit fast die gesamte wissenschaftliche und ökonomische Kapazität auf die Verhinderung von Ereignissen konzentriert wird, die in 50 bis 100 jahren möglicherweise eintreten werden, anstatt die Umwelt- und Sozialprobleme anzugehen, die JETZT weltweit Menschenleben kosten. Und wenn man schon davon überzeugt ist, die Erderwärmung samt ihrer dramatischen Folgen werde kommen, und zwar „unumkehrbar“, wie oft behauptet wird, dann sollte man doch seine Ressourcen dafür einsetzen, die Welt auf die Veränderungen vorzubereiten. Drittens: So wie die Apologeten eines anthropogenen Klimawandels ihren Kritikern unterstellen, sie seien gekaufte Knechte der Öl- und Kohleindustrie, unterstelle ich manchen dieser Apologeten, dass sie im Sold der Atomlobby, der Agrarindustrie („Bio“-Kraftsstoffe) und der Alternativenergie-Pressuregroups stehen oder einfach nur an Forschungsgelder herankommen wollen. Beide Unterstellungen beider Seiten treffen natürlich nur auf einen relativ kleinen Teil der Wissenschaft zu, denn zu glauben, alle Forscher dieser Erde ließen sich kaufen, ist eine dumme Verschwörungstheorie.  Viertens: Seit 1999 stagnieren die Temperaturen und gehen sogar zurück. Seit zehn jahren macht die schreckliche Klimaerwärmung also Pause. Warum? Um das IPCC zu ärgern oder weil doch andere Faktoren als der Mensch darüber bestimmen, ob es nun global wärmer oder kälter wird?

Ich bin allerdings kein Idiot, der Klimaveränderungen grundsätzlich leugnet. Klimaveränderungen hat es immer gegeben und wird es immer geben. Damit müssen wir leben und richtig umgehen statt an einen beinahe schon religiösen, mit Sicherheit aber übertrieben anthropozentrischen Einfluss des Menschen auf die Welt zu glauben. Wichtig: Bei aller Kritik an der hysterischen Untergangsstimmung und den beinahe schon verbrecherischen Vorschlägen mancher Klimawandel-Hohepriester, die zB die zunehmende Weltbevölkerung gerne Hunger und Elend aussetzen möchten, um damit „das Klima zu retten“, sind Bemühungen, von fossilen Brennstoffen loszukommen und die Energieunabhängigkeit zu erhöhen, zu begrüßen. Das Meiste, was der Umwelt und damit auch dem Menschen, der ja Teil der Welt und damit der Umwelt ist, nützt, ist unterstützenswert. Leider hat man sich aber völlig einseitig auf die CO2-Emissionen konzentriert, was dazu führt, dass zum Beispiel Dieselautos, die trotz Partikelfilter ganz üble Krebsschleudern sind, als besonders umweltfreundlich, weil CO2-arm, steuerlich begünstigt werden. Ja, es gibt bereits Technologien, die den Diesel fast so sauber wie den Ottomotor machen, wie etwa Audis „Clean Diesel“-Methode. Doch bis diese von den wenigen Luxusklassefahrzeugen, in die sie derzeit verbaut wird, bei der Masse der Klein- und Mittelklasseautos landet, werden noch etliche Jahre vergehen, und die jetzt verkauften und als angeblich „umweltschonend“ beworbenen Dreckschleudern werden noch etliche Jahre herumkurven und die Gesundheit der Menschen  mit ihren Feinstaubausstößen gefährden.

Abschließend noch ein Denkanstoß: Seit mehr als zehn Jahren finden regelmäßig „Klimakonferenzen“ statt, seit mehr als einem Jahrzehnt werden dort Emissionsgrenzwerte festgelegt, deren Einhaltung die westlichen Industrieländer geloben. Doch glaubt jemand ernsthaft, dass die aufstrebenden Schwellenländer wie China oder Indien die zunehmende Industrialisierung und damit den zunehmenden Wohlstand ihrer Bevölkerungen stoppen werden und damit Massenunruhen bis hin zum Sturz der Machthabenden in Kauf nehmen, bloß um westliche Klimaziele zu unterstützen? Meint jemand wirklich, Afrika und Lateinamerika und Asien würden abseits von Sonntagsreden Ideen unterstützen, die die Ernährung der dort lebenden Menschen noch mehr als bisher gefährden? Ich glaube das nicht!

November 21, 2009

Tafalan und Tschoppalan

Mir fällt dazu, also zur vermaldeiten Endlosdiskussion um die zweisprachigen Ortstafeln, nichts mehr ein. Außer vielleicht: Nur Tschoppalan regn si auf wegn a poor Tafalan.

November 21, 2009

Zionismus brutal:Israel baut Wohnungen für Araber! In Jerusalem!

Wer noch eines Beweises bedurfte, wie brutal die ethnische Säuberung in Jerusalem fortschreitet, der sollte sich mal diesen Artikel zu Gemüte führen! Ohne die Fatah und die Hamas auch nur zu fragen will die Stadtverwaltung 5.000 neue Wohneinheiten für die arabische Bevölkerung bauen. Gleich in meheren Stadtteilen sollen neue Häuser und Wohnungen entstehen. Da sieht man mal wieder den brutalen Zionismus in Aktion. Mehr über die gnadenlose Judaisierung Jerusalems findet man hier.

Wird das auch nur einen „Antizionisten“, sprich: Antisemiten zum Umdenken bewegen? Wohl kaum. Die israelische Realität ist denen doch völlig egal, und wenn sie von den neuen Wohnungen und Häusern lesen, werden sie behaupten, diese seien um einen halben Quadratmeter kleiner als jene, die für Juden gebaut werden…

November 21, 2009

Die Welt covert Dylan

Die Magokoro Brothers aus Japan:

Articolo 31 aus italien:

Sertab Erener, Türkei:

Sophie Zelmani aus Schweden:

 

 

November 20, 2009

Video-Tipp

Ein tolles Interview mit dem kritischen Journalisten und Autor Michael Miersch gibt es hier.

November 20, 2009

Die SPD am Stammtisch

Wenn man sich in Deutschland oder Österreich an einen Stammtisch setzt, wo politisiert wird, und die Sprache auf internationale Politik kommt, dann wird man alsbald hören: „Was geht das uns an?“, gefolgt von „Das sollen die Bloßfüßigen doch selber erledigen“, „Ich zahl doch keine Steuern damit die in Dschibuti Geld verteilen“ und so weiter und so fort. Die SPD unter dem Hartz-IV-Miterfinder Steinmeier hat an so einem Stammtisch Platz genommen und übernimmt dessen Haltungen, entweder aus echter Inhumanität oder aus verzweifeltem Populismus. Steinmeier will sich dagegen sperren, den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan und am Horn von Afrika um ein jahr zu verlängern. Ganz wie die ach so menschenfreundliche „Linke“ will also auch die SPD gerne wieder die Taliban an der Macht sehen. Was geht es auch den Deutschen Michel an, wenn weit weit weg Frauen zu Vieh degradiert werden und ein barbarisches Regime Homosexuelle sowie demokratische Politiker, vor allem solche mit linken Überzeugungen, ermordet? „Nix geht uns das an“, denkt sich Steinmeier.

Arme SPD. Unter Figuren wie Steinmeier und Schröder zur schlimmsten Sozialabbaupartei Deutschlands und zum willigsten Erfüller von Industriellenträumen abgestiegen, haben auch die alten Ideale von der Internationalen Solidarität längst ausgedient. Die wird zwar von der „Linken“ und der SPD gerne im Munde geführt, doch muss man hinsehen, was diese Parteien darunter verstehen. Für die „Linke“ bedeutet „Internationale Solidarität“, komplett deutschlandzentristisch zu agieren und ansonsten zumindest ideell mit Diktaturen, Klerikalfaschisten und jedem Schwerverbrecher, der zufällig die USA nicht mag, zu paktieren. Für die SPD hat der Begriff genau jene Ernsthaftigkeit, wie ein „Ich liebe dich“, das man bei einem One-Night-Stand flüstert. Wenn es vermeintlich oder real Wählerstimmen bringt, dann sollen die Leute, denen man theoretisch Solidarität verspricht, halt verrecken oder gefoltert werden oder in Arbeitslagern landen, was juckt das die Fettsäcke an der SPD-Spitze?

November 20, 2009

It´s all over now, Baby Blue

Die Originalversion von Bob Dylan:

Meine Lieblingscoverversion stammt von den 13th Floor Elevators:

Falco-Version:

Them mit einem jungen Van Morrison an den Vocals:

Auch Eric Burdon hat sich des Songs angenommen:

Es gibt unzählige Versionen von diesem Dylan-Klassiker, daher könnte der Beitrag über viele Seiten gehen, aber ich lass es mal mit diesen Songs bewenden.

November 20, 2009

Return of the Living Dead

Noch vor einigen jahren schien es denkunmöglich, dass der ca 1967 „dank“ LSD und Kokain seelisch erkrankte Beach-Boys-Mastermind Brian Wilson jemals wieder auf Tour geht und neue Platten aufnimmt. Aber siehe da, das Wunder geschah, und Brian, der neben McCartney und Lennon wohl größte Songwriter des 20. jahrhunderts, war plötzlich wieder da. Hier führt er sogar das Stück „Heroes and Villains“ auf, ein Lied von der einst als Antwort auf „Sgt. Pepper´s Lonely Hearts Club Band“ geplanten Beach Boys-LP „Smile“, während deren Aufnahmesessions Wilson psychisch erkrankte, teils wegen der Drogen, teils weil er die Platte einfach nicht so hinbekam, wie er sie sich vorstellte. Es zirkulierte danach zwar eine LP mit dem Titel „Smiley Smile“, auf der frühe Monoversionen dieser berüchtigten Sessions zu hören waren, doch erst 2003 war Wilson wieder gesund genug, um „Smile“ endlich so fertigzustellen, wie er es immer im Ohr gehabt hatte. Ein anderer Künstler, der ebenfalls viele jahre als Acid-Zombie mehr vegetierte als lebte, ist ebenfalls zurück auf der Bühne: Peter Green. Nach einer Überdosis LSD Anfang der 70er jahre verbrachte er etliche jahre in psychiatrischen Krankenhäusern, bevor er 1979 das großartige Album „in the Skies“ aufnahm. Es folgten drei weitere, eher maue Platten, dann zog sich Green wieder zurück und hauste in einer schäbigen Sozialwohnung in London, schnitt sich nicht mehr die Fingernägel und verkaufte bzw. verschenkte sogar seine Gitarren. Anfang der 90er Jahre gelang es Bekannten, ihn dazu zu bewegen, wieder Musik zu machen und zusammen mit der „Splinter Band“ auf Tour zu gehen. Der einst von B.B. King als „bester weißer Bluesgitarrist“ gelobte Green, der von John Mayall als „besser als Hendrix“ bezeichnet worden war (was für eine Bürde!), musste erst wieder lernen, wie so eine Gitarre bedient werden muss. Die Auftritte von „Peter Green´s Splinter Group“ waren dann auch entsprechend: Zumeist schrammte Green nur ein paar Akkorde und überließ die Leadgitarre einem Kollegen. Und schlimmer: Peter fiel in alte, uralte Verhaltensmuster zurück, nahm also massig Drogen und soff wie ein Loch. Es kam das fast Unvermeidbare – er erlitt einen neuerlichen Nervenzusammenbruch und verschwand wieder im Untergrund, genauer: Er zog nach Schweden, machte einen Entzug durch und formte eine neue Band mit dem simplen Namen „Peter Green & Friends“. Skandinavien hat ihm offensichtlich gut getan, denn nun beherrscht er sein Instrument wieder fast so gut wie in den 60er jahren. Eines der unwahrscheinlichsten Comebacks ist aber jenes von Roky Erickson, der in den 60er jahren mit seiner Band „The 13th Floor Elevators“ den Begriff und den Stil von Psychedelia definierte. Roky war ein großer Freund von allen Substanzen, die „das Bewusstsein erweitern“, wie man damals sagte. Er nahm massenhaft LSD, Mescalin, Peyote und kiffte wie ein indischer Wanderguru. Ende der 60er wurde er in Texas mit ganzen drei Joints erwischt, was nicht dramatisch klingt, aber im Lone-Star-State standen damals auf den Besitz nur einer Wundertüte schon 15 Jahre Knast. Roky spielte also den Irren und erzählte dem Richter von Stimmen in seinem Kopf und ähnlichem Zeugs. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte, denn „His Honour“ steckte Roky in eine Anstalt für psychisch gestörte Gesetzesbrecher, wo man „Drogensüchtigen“ mit Elektroschocks zu Leibe rückte. Als er nach drei jahren von dort wieder rauskam, war er wirklich krank. Er wurde Satanist, schrieb Oden an den Teufel und an Dämonen, und 1982 ließ er sich per Notariatsakt zum Marsianer erklären. Nur noch sehr selten und immer seltener traute Erickson sich an die Öffentlichkeit, gab hin und wieder kryptische Interviews und blieb ansonsten in seiner verlausten Bude, wo er zwei Fernsehgeräte und mehrere Radios gleichzeitig laufen ließ. Sein Bruder war es dann, der den gebeutelten Roky vorsichtig aus der Isolation holte und wieder für die Musik und das Auftreten vor Publikum erwärmte. Seit drei jahren ist Erickson nun wieder on the Road, und seine unnachahmliche, schneidende Stimme ist immer noch da, ebenso sein räudiges Garagengitarrenspiel. Und das Wichtigste: Der Mann hat Freude und Spaß an dem, was er macht.

November 19, 2009

Hört und weint, Gitarrenanfänger!