März 31, 2008...12:12 Uhr nachmittags
Frühstück im Rauchereck
Heute morgen ging der Lindwurm mal auswärts frühstücken und wählte dazu das Restaurant des Interspars in der Klagenfurter Rosenthaler Straße. Ein kurzer Blick auf die weitläufige Gastronomielandschaft zeigte Interessantes: Obwohl Interspar den Raucherbereich in die finsterste und ungastlichste Ecke des Restaurants verlegt hatte, war dort kaum ein Platz zu kriegen, während der freundliche große Nichtraucherbereich, der sich sogar direkt an den sonnendurchfluteten Großfenstern befindet, fast leer war. Nur ein einsamer, gehetzt wirkender Mann nuckelte dort an seinem Fruchtsaft. Im Raucherbereich hingegen plauderten die Leute fröhlich und gelassen bei Kaffe und Zigaretten.
Zugegeben, das war nicht mehr als eine Momentaufnahme, aber kann es nicht sein, dass die Wirte, die vor einem generellen Rauchverbot warnen, tatsächlich recht haben mit ihrer Behauptung, dass Raucher die besseren Kunden für sie sind, weil sie eben länger verweilen, dadurch mehr konsumieren und insgesamt weniger gestresst sind? Jedenfalls zeigt des Lindwurms Frühstückserlebnis eines ganz klar: Wenn man den Leuten die Wahl lässt zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich, werden sie weiterrauchen, also genau das tun, was man ihnen mit aller Gewalt austreiben möchte. Die “Missionare der Kirche des gesunden Sterbens”, wie ich die extrem zielgerichteten, um nicht zu sagen fanatischen Nichtraucherkampagnisierer nenne, wissen genau, dass sie die Repressionsschraube bis hin zur totalen Prohibition andrehen müssen, um die Menschen in ihrem Sinne zu erziehen. Das einst von den Nazis begonnene Werk, die Welt zur Nichtraucherzone zu erklären, wird von sendungsbewussten Gesundheitsfaschisten, regulierungswütigen Politikern und den Lobbyisten der Pharmaindustrie fortgeführt und vermutlich auch vollendet, denn die Mechanik dieses Prozesses läuft nur allzu geschmiert: Die Raucher werden mit jahrelangem Psychoterror bombardiert, dem Mob wird eine Bevölkerungsgruppe zum Draufhauen und Ausleben niedriger Instinkte überlassen. Die rauchende Minderheit soll so lange stigmatisiert und drangsaliert werden, bis sie von ihrem unheiligen Tun ablässt und in die große Gemeinschaft des gesunden Volkskörpers zurückkehrt.
Nun bestreite ich keinesfalls die schädliche Wirkung des Rauchens auf den Raucher. Aber eines gibt mir, obwohl ich kein Arzt bin, dennoch zu denken: Den größten Sprung nach oben in Sachen Lebenserwartung machte jene Generation, die zwischen 1905 und 1930 geboren wurde. Diese Leute lebten (und leben) länger als alle Generationen vor ihnen. Und genau diese Generation hat soviel geraucht, wie keine Generation davor und wohl auch keine danach. Hängt die Lebenserwartung vielleicht doch stärker mit ganz anderen Faktoren als Rauchen oder Nichtrauchen zusammen? Sind Fortschritte bei Hygiene und Lebensmittelversorgung eventuell viel entscheidender als Nikotinabstinenz? Und führt nicht erst eine immer besser gewordene medizinische Versorgung dazu, dass immer mehr Menschen jenes Alter erreichen können, in dem sie sich dann altersbedingte Krebsarten einfangen?
Das wären Fragen, die sachlich diskutiert werden sollten, aber dazu ist es wohl viel zu spät. Eine hysterisierte Nichtraucherlobby, deren Mitglieder schon zum Lungenfacharzt rennen, wenn sie nur im Vorrübergehen mal Tabakgeruch wahrgenommen haben, wird wohl nicht mehr locker lassen, für “Ihr Recht auf Gesundheit” zu kämpfen. Und die Politik macht da mit, denn mit der Verteidigung von Freiheitsrechten ist keine Wahl zu gewinnen, mit Verboten und Repressionen offenbar schon. Daher fordert ja auch SPÖ-Gesundheitssprecherin Sabine Oberhauser erneut ein generelles Rauchverbot in Gaststätten. Und das ist einer der Gründe, warum der Lindwurm die (Bundes-) SPÖ nicht wählen wird. Bevormundung, Verbote, Moralpredigten, Gefühlspolitik - so etwas erwarte ich mir von rechten Gruppierungen, nicht aber von Sozialdemokraten.
3 Kommentare
April 1, 2008 um 5:53 Uhr vormittags
Seit fast einem Jahr bin ich nun Nichtraucher(und auch froh darüber) aber Rauchverbot in Kaffeehäusern halte ich für Schwachsinn. Allerdings muss ich zugeben,dass ich in Speiselokalen froh bin wenn kein Raucher neben mir pafft, da das die Qualität des Essens schon beeinträchtigt. Also Raucherzimmer in Speiselokalen ja, aber alles andere ist Tinnef.
April 5, 2008 um 10:01 Uhr nachmittags
[...] eigentlich mit Alkohol (macht Leberschäden und süchtig), > > -Autos (Verkehrstote, Zucker (macht Karies) usw usf. ?????? > Griesgrämigkeit, Verbitterung, Lebensfeindlichkeit, Hysterie? Die > häufigsten [...]
April 8, 2008 um 5:36 Uhr nachmittags
[...] Der neue alte Gesundheitsfaschismus der sich an den Rauchern auslebt, ist nicht jedermanns Sache. Ein schöner Text über die neue Prohibition findet man beim Lindwurm. [...]
Eine Antwort hinterlassen
You must be logged in to post a comment.
Sie müssen angemeldet sein, um kommentieren zu können.