April 3, 2008...7:21
PingPong-Conspiracy
Der österreichische Tischtennisspieler Werner Schlager, der sein Land bei den Olympischen Spielen vertreten wird, gab dem “Standard” ein Interview und gewährte Einblicke in seine selektive Vorstellung von Moral und Realität. Einerseits hält er einen Boykott der Spiele wegen der Ereignisse in Tibet für nicht sinnvoll, denn “Sportler sollten sich generell auf das besinnen, was sie am besten können, nämlich sportliche Höchstleistungen erbringen. Um Weltpolitik zu machen, sind unkoordinierte Aktionen von ein paar Sportlern nicht geeignet. Politik sollten Politiker betreiben.” Andererseits betreibt er sehr wohl Politik und boykottiert die USA, weil: “Ich nehme seit Jahren an keinen sportlichen Veranstaltungen in den Vereinigten Staaten mehr teil. Die Außenpolitik der USA, sowie die Informationspolitik bezüglich der schrecklichen Ereignisse am 11. September 2001 haben mich dazu veranlasst. Dieser Schritt war, nach intensiver und anhaltender Meinungsbildung, für mich moralisch zwingend.”
Ist es nicht faszinierend, wie ein Mensch nach “intensiver und anhaltender Meinungsbildung” zum Schluss kommen kann, die demokratischen Vereinigten Staaten seien eines Boykotts würdiger als die kommunistischen Gulagbetreiber, die seit 50 Jahren ein anderes Land besetzt halten? Und wie so ein Mensch die USA wegen deren “Informationspolitik” angreift, womit er wohl sagen will, dass die Illuminaten und die Israel-Lobby hinter den 9/11-Anschklägen stecken, und dann nichts, aber auch gar nichts gegen die Zensurweltmeister aus Peking einzuwenden hat? Nicht sehr schön zu wissen, dass Österreich durch Verschwörungstheoretiker bei den Olympischen Spielen vertreten sein wird.
ps: Dass die durchgeknallte Postergemeinde des “Standard” in Schlager einen neuen Helden gefunden hat, überrascht nicht wirklich.
3 Comments
April 4, 2008 at 4:57
Nix für Ungut,aber “Sportler” und “Intelligenz”schliessen sich doch gegenseitig seit je her aus. Es heisst zwar “Mens sana in corpore sano”,aber in WIRKLICHKEIT schaut´s wohl komplett anders aus… Dumm,uninteressant aber fotogen: Das Los der Spitzensportler.
April 4, 2008 at 11:05
Wobei der Schlager ja nicht dumm zu sein scheint, was die Sacher nur noch schlimmer macht.
April 4, 2008 at 2:14
[...] ist, dass diese besonderen “Denker” immer wieder Fürsprecher unter Prominenten finden. Werner Schlager, Ex-Tischtennisweltmeister, will zwar keinen China-Boykott, spielt aber keine Tuniere mehr in den [...]
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