April 13, 2008...12:45

Free Tibet? Ja, aber

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Die Fackelträger, die das Olympische Feuer um den Globus befördern, machen einen wahren Spießrutenlauf durch, da sie in jeder Stadt von wütenden „Free-Tibet“-Demonstranten, aber auch von chinesischen Gegendemonstranten umzingelt werden. Wie so oft stehen sich in den westlichen Demokratien (unter Auslassung der Exil-Tibeter und der Chinesen) zwei Blöcke gegenüber: Der weitaus größere, der auch die zumindest symbolische Unterstützung der Medien und der politischen Eliten genießt, ist jener der Dalai Lama-Sympathisanten. Bei den Vertretern dieses Blocks handelt es sich in der Regel um Neo-Buddhisten, Wohlfühlmenschenrechtler, Kulturrelativisten, Hippies aller Altersstufen und Nazis. Ihnen allen gemein ist eine entweder naive, oder im Falle der Nazis auch sehr bewusste Solidarisierung mit den Werten, die der tibetische Lamaismus vertritt, als da wären Feudalismus, Frauenverachtung, Sklaverei und Herrenmenschenphilosophie. Die andere Gruppe ist viel kleiner, aber ebenso bunt. Sie besteht aus alten Maoisten, neolinksradikalen Internationalisten und Freunden des Nationalismus und Autoritarismus chinesischer Prägung. In dem Lärm, den diese Pro- und Kontraschreier verursachen, gehen jene Stimmen leider unter, die zurecht sagen: „Freunde, so einfach ist die Sache nicht“. Wie so oft wollen die Interessensgruppen uns in eine Entweder, oder-Haltung drängen, die im Falle Tibets nicht angebracht ist.

Daher in aller Kürze des Lindwurms Meinung zu der Chose:

1. China ist ein brutaler Polizeistaat, eine Diktatur, in der Folter, Gulags und staatlicher Mord zur Anwendung gelangen und in dem es keine Meinungsfreiheit gibt.

2. Die Annektion Tibets durch China war eine imperialistische Eroberung und die anhaltende Besetzung sollte nicht als Normalität hingenommen werden.

3. Vor dem chinesischen Einmarsch herrschte in Tibet ein theokratisches, klerikalfaschistisches  Feudalregime, das nicht ohne Grund von den Nazis bewundert wurde.

4. Die chinesische Annektion brachte einerseits brutale Menschenrechtsverletzungen mit sich, führte aber andererseits zum ersten Mal in der Geschichte so etwas ähnliches wie Menschenrechte überhaupt erst in Tibet ein.

5. „Free Tibet“? Ja, natürlich, aber bitte nicht unter der Führung des „Gottkönigs“ Dalai Lama, sondern als parlamentarische Demokratie.

Ich habe gesprochen.

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