Mai 2, 2008...3:17

Gusenbauer gegen die „Erbsünde“

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Alfred Gusenbauer, österreichischer Bundeskanzler und SPÖ-Chef, nutzte seine Rede zum 1. Mai dazu, sich wie weiland Wolfgang Schüssel zu artikulieren und „Österreich zu verteidigen“. „Wir sind nicht für jeden Kriminellen verantwortlich“, donnerte er, den Inzestfall von Amstätten kommentierend, von der Tribüne, als ob das jemals jemand behauptet hätte. Aber es kam noch dicker: „Wir werden nicht zulassen, dass irgendjemand glaubt, unserer Jugend eine neue Erbsünde andichten zu können!„. Aha, und was war die „alte“ Erbsünde? Vielleicht gar das Jahrtausendverbrechen der Nazis? Und falls ja, wie kommt Gusenbauer darauf, dass die Kinder und Enkel der Täter für die Verbrechen der Nazis verantwortlich seien? Vielleicht, weil er ganau weiß, dass es gerade in seiner Partei viele alte und neue Nazis gab und gibt? Vielleicht, weil gewisse SPÖ-Politiker immer wieder durch antisemitische Statements auffallen? Vielleicht, weil manche von diesen Politikern antisemitische Gastkommentare veröffentlichen und SPÖ-nahe Organisationen Verbindungen zum mörderischen Regime von Saddam Hussein hatten? Jenem Saddam Hussein, der jedem Mörder von Juden 25.000 Dollar bezahlte?

Oder liegen die Gründe für die in Gusenbauers Rede durchschimmernde Abwehrhaltung, die so verdächtig nach „Eine Ruh´muss sein“ klingt, auch in jener Grundhaltung im Lande, wonach möglichst rasch die Tuchent über unangenehme Ereignisse gezogen werden muss, weil in Österreich eine „schlechte Nachred“ als die viel größere Katastrophe gilt, als der Grund für den schlechten Ruf? Weil hier auch die Polizei vor allem danach zu trachten scheint, Fälle „abzuschließen“, statt sie umfassend aufzuklären, so wie ja das ganze Land schon seit Jahrzehnten eine Schlussstrichmentalität hat?

Das alles spielte sicherlich eine Rolle für den Text von Gusenbauers Maiansprache, doch das Hauptmotiv war natürlich, sich positive Schlagzeilen bei den Boulevardmedien zu sichern, die ja als Sprachrohr der österreichischen Befindlichkeit immer wieder gegen das „böse Ausland“ kampagnisieren, welches „uns“ arme gute Alpenländler einfach nicht verstehen will bzw. immer bösartig und absichtlich missversteht. Jedenfalls war das eine schwache, eine schlechte Rede, die Gusenbauer da gehalten hat. Eine durch und durch österreichische und daher moralisch fragwürdige Rede.

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