Mai 11, 2008...7:49 Uhr nachmittags
Schönes Land, hässliche Politik
Italiens Innenminister Roberto Maroni von der rechten Lega Nord will für “sein” Land das Schengen-Abkommen suspendieren und die Grenzkontrollen wieder einführen. Damit will er gegen Rumänen, vor allem aber Roma aus Osteuropa vorgehen. Tatsächlich haben sich viele Rumänen und (hauptsächlich rumänische) Zigeuner Italien als Einwanderungsland ausgesucht, nicht zuletzt, weil sich Sprache und Kultur ähneln. Zehntausende Rumänen leben und arbeiten in Italien und erledigen vor allem jene Jobs, für die sich die Italiener mittlerweile zu fein sind, wie zum Beispiel Altenbetreuung. Einige tausend dieser Rumänen gehören der Volksgruppe der Roma an, und vornehmlich gegen diese richtet sich der Populismus der Lega Nord. Tatsächlich neigen manche Mitglieder dieser Gruppe zu asozialem Verhalten und verdingen sich in der Kleinkriminalität, und bevor jetzt jemand “Rassismus” schreit: Das Nomadenvolk wurde und wird systhematisch ausgegrenzt und benachteiligt, was mit ein Grund dafür ist, dass manche Roma nicht immer auf gesellschaftlich erwünschte Weise zu Geld kommen können. Es gibt auch eine Tradition unter kleinen Teilen der Roma und Sinti, bezahlte Arbeit abzulehnen und sich in der Untergrundökonomie zu betätigen. Das weiß jeder, der in einem Land lebt, in dem es nennenswerte Roma-Minderheiten gibt. Fragen Sie mal Spanier, Franzosen, Rumänen, Ungarn usw! Das bedeutet aber keinesfalls, dass alle Roma Verbrecher wären. Eine Minderheit der Minderheit eckt halt an. Aber: NICHTS rechtfertigt den Vorstoß der italienischen Rechten, eine der größten Errungenschaften des europäischen Einigungsprozesses ruinieren zu wollen und die Grenzbalken wieder runterzulassen. Und unabhängig davon, dass der Umgang mit den Roma und ihren kulturellen Eigenheiten eine Herausforderung für die gesamte EU ist, ist es eine atemberaubende Frechheit, dass gewisse Politiker eines Landes, das es nicht schafft, mit dem organisierten Verbrechen fertig zu werden, ja das es nicht einmal fertig bringt, den Müll entsorgen zu lassen, nun die Bürger eines anderes EU-Landes kollektiv zu Gangstern abstempeln möchten. Die Rumänen können auf Italien verzichten, die italienische Wirtschaft aber kaum auf die rumänischen Arbeitskräfte.
Sollte der dummdreiste europafeindliche Plan der Lega Nord in die Tat umgesetzt werden, ist Italien für mich als Urlaubs- und Einkaufsland gestorben und ich werde selbstverständlich dafür sorgen, dass andere Menschen das auch so sehen. Sollte Italien wieder seine Grenzer im Kanaltal aufmarschieren lassen, dann sollte die EU bitte auch wieder Zölle auf Importe aus dem schönen Land mit den hässlichen Wahlergebnissen einheben.
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