Pünktlich dann, wenn den Lindwurm das Gefühl beschleicht, er könne es mit dem Österreich- und Kärntenbashing zu weit getrieben haben, nimmt das Land Anlauf und hechtet mit Wucht gegen den Watschenbaum. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider hat nun zum Fall des gesuchten Kriegsverbrechers Milivoj Ašner, der seit Jahrzehnten unbehelligt in Klagenfurt lebt, wie folgt gegenüber dem “Standard” Stellung bezogen: “Er soll seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen. Er ist seit Jahren ein Klagenfurter Bürger, der friedlich bei uns lebt. Das ist eine nette Familie. Wir schätzen diese Familie sehr”. Dass der “friedliche Bürger” für den Tod von zig tausenden Menschen verantwortlich ist und auf der Most Wanted-Liste gesuchter Kriegsverbrecher einen der Top-Plätze belegt, stört Haider nicht weiter. Warum auch? Wer dem Massenmörder Saddam Hussein ohne Auftrag die “besten Grüße des österreichischen Volkes” überbringt, zu der netten Diktatorenfamilie Gaddafi beste Kontakte unerhält, die Vernichtungs-KZ der Nazis als “Straflager” bezeichnet und alte SS-Schergen für deren Gesinnungsstandfestigkeit lobt, der kann in einem Typen wie Ašner ja keinen Verbrecher erkennen, sondern nur einen Gesinnungsgenossen.
Ašner passt gut zu Kärnten. Wenn Österreich ein “Paradies für Nazis” war und ist, wie es der Leiter des Simon Wiesenthal-Zentrums in jerusalem, Efraim Zuroff ausdrückte, so ist Kärnten die Luxus-Suite in diesem Paradies. In keinem anderen österreichischem Bundesland haben sich nach dem zweiten Weltkrieg dermaßen viele hohe Nazis aus allen Teilen des untergagangenen Dritten Reiches niedergelassen wie in Kärnten, nirgendwo sonst haben die alten NS-Seilschaften die Entnazifizierung so unbeschadet überstanden wie im Land zwischen Karawanken und Hohen Tauern. Das ist auch der echte Grund für die mit viel Paranoia aufgeladene Hetze, die in Kärnten seit Jahrzehnten gegen Jugoslawien betrieben wurde und für den Hass, mit dem alles verfolgt wurde, was nach Antifaschismus roch. Den feinen Herren Nazis steckte nämlich die Angst in den Knochen, dass sie eines Tages vielleicht doch noch für ihre Untaten zur Verantwortung gezogen werden könnten, so wie es ein paar dutzend NSDAPlern widerfuhr, die besonders brutal gegen Slowenen und Kriegsgefangene gewütet hatten und in den letzten Kriegstagen und kurz danach vom bewaffneten Widerstand liquidiert wurden, oder so wie es jenen kroatischen Ustascha-Faschisten erging, die von den Briten an die Jugoslawische Armee ausgeliefert wurden, die mit ihnen Kurzen Prozess machte. Die “Kärntner Urangst” ist also in Wahrheit nichts anderes als die Angst des Täters, geschnappt zu werden. Nur wer dies weiß kann die psychologischen Gründe für die bizarre Diskriminierung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten begreifen. Nur wem bewusst ist, dass Kärnten von Nazi-Cliquen und deren Nachkommen regiert wurde und wird, versteht, warum im südlichsten Bundesland so erbittert gegen jede zweisprachige Ortstafel gekämpft wird.
Die “Ehemaligen” reorganisierten sich in Kärnten nahezu perfekt nicht nur in der FPÖ, sondern kaperten auch große Teile der hießigen SPÖ und konnten somit die Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Exekutive, Presse, Schulwesen und leider auch Psychiatrie besetzen. Gerade letzteres ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass psychisch Kranke von den Nazis ja als “unwertes Leben” betrachtet und oft genug ermordet wurden. Die Giftspritzen, mit denen Gemütskranke getötet wurden, setzten noch keinen Rost an, da wurde die psychiatrische Abteilung des Klagenfurter Landeskrankenhauses schon wieder von Leuten wie Otto Scrinzi geleitet, einem lupenreinen Rechtsextremisten, der Kontakte zu NS-Kriegsverbrechern unterhielt und von sich sagte “ich war schon immer rechts, auch innerhalb der NSDAP“. Ungefähr zeitgleich mit Scrinzi begann auch Franz Wurst, ein wahrer Teufel in Menschengestalt, damit, seine Position in der Kinderpsychiatrie dazu zu nutzen, seinen pädophilen Neigungen nachzugehen. Erschütternd ist auch, dass Scrinzi über Jahrzehnte von der Kärntner Justiz als psychiatrischer Gerichtsgutachter beschäftigt wurde und auf diese Weise sein NS-Gedankengut nicht “nur” für Patienten der Psychiatrie, sondern auch für psychisch beeinträchtigte Straftäter mehr als einmal zum Verhängnis wurde. Der Lindwurm erinnert sich noch gut an einen Fall aus den frühen 90er Jahren, als ein Großmütterlein eines Tages von der Couch aufstand, einen Hammer nahm und seine gesamte Familie erschlug, um sich dann wieder hinzulegen, als wäre nichts geschehen. Otto Scrinzi attestierte der alten Frau “völlige Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt”. Leuten wie dem Kriegsverbrecher Ašner wurde jedoch von Scrinzi und dessen Nachfolgern stets Verhandlungsunfähigkeit und/oder Haftuntauglichkeit bescheinigt. Wie gut die rechten Seilschaften immer noch funktionieren und welchen Einfluss sie in Kärnten immer noch haben, belegt der “Standard” bezüglich der Causa Ašner : Erst vor einem Monat habe der Klagenfurter Gutachter Max Neumann das dementielle Zustandsbild Ašners bestätigt. Der schlagende Burschenschafter Neumann ist allerdings bei Kennern eines “rechten Netzwerkes” in Kärnten kein Unbekannter.
5 Kommentare
Juni 18, 2008 um 11:46
[...] – wobei er selber, wie eingangs erwähnt, sich gerne verantworten würde. Er passt wohl einfach zu gut zu Kärnten, um ihn ziehen zu [...]
Juni 18, 2008 um 1:22
[...] Ašner gut zu Kärnten passt, erfährt man beim Lindwurm. Tags » Autor: Laura Datum: Mittwoch, 18. Juni 2008 14:22 Trackback: Trackback-URL [...]
Juni 18, 2008 um 6:38
Da läuft es einem kalt den Rücken runter. Der Gedanke, dass psychisch kranke Menschen diesen Monstern wieder ausgeliefert waren….
Wirklich erschreckend
Juni 18, 2008 um 8:10
@netzklemperin: war bei gross auch schon so.
http://science.orf.at/science/news/15862
ich will gar nicht wissen, wie oft das vorkam…
Juni 18, 2008 um 8:27
Ich möchte aber trotz allem festhalten, dass die aktuelle kärntner Psychiatrie sich solcher Elemente schon vor mindestens 15 Jahren entledigt hat und zur Zeit im österreichischen Vergleich sogar recht progressiv dasteht. Hier war der Druck der Wissenschaft und der Medizin größer als der Wunsch der Rechten (und außerdem haben kaum noch Nazis Psychologie studiert).