Juli 17, 2008...3:21

Die “Ordentlichen” & “Anständigen”

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Das “Bündnis Zukunft Österreich”, Jörg Haiders Abspaltung von der FPÖ, gibt sich nur allzu gerne als politische Heimat der “ordentlichen und anständigen” Österreicher aus. Das BZÖ, das überall in Österreich unter der Wahrnehmungsgrenze herumgondelt und nur dank der politischen Dummheit vieler Kärntner im Nationalrat sitzt, kämpft, neben dem Erhalt der gut dotierten Posten im Parlament, auch für und gegen etliche andere Dinge. Gegen Ausländer ist man bei Haiders Truppe sowieso, gegen Gipfelhalbmonde statt Gipfelkreuze sowie gegen Rauchverbote, den Verfall der Sitten und gegen Kindesmissbrauch. Letzteres mag durchaus gut gemeint sein, wird dann aber durch peinliche Meldungen konterkariert, wie zB jener, wonach sich der C-Promi und BZÖ-Wahlkampfhelfer Walter Pirchl wegen des Verdachts, seine fünfjährige Tochter und seinen sechsjährigen Sohn sexuell missbraucht zu haben, vor Gericht verantworten wird müssen (es gilt die Unschuldsvermutung). Zweifel, Wie ernst es das BZÖ mit dem Schutz von Jugendlichen vor sexuellen Übergriffen meint, lassen auch Fotos wie dieses aufkommen, welche den Kärntner Landeshauptmann und BZÖ-Übervater Haider beim bierseligen Infight mit jungen Burschen zeigen:

Doch auch der Spitzenkandidat der “Ordentlichen und Anständigen”, Peter Westenthaler, der seinen Geburtsnamen “Hojac” eindeutschen hatte lassen, als er von Haider in die Politik geholt wurde, hat mit strafrechtlichen Kalamitäten zu kämpfen, die das Bild des Saubermannes doch deutlich eintrüben. Gegen ihn läuft nicht nur ein Prozess wegen falscher Zeugenaussage in der so genannten “Prügelaffäre” (ein Leibwächter Westenthalers hatte einen politischen Gegner verprügelt, Westenthaler hatte vor Gericht in krassem Widerspruch zu vielen anderen Zeugen ausgesagt, er hätte davon nichts mitgekriegt), die Staatsanwaltschaft prüft auch, ob sie gegen den Ottakringer Spitzenintellektuellen ein Verfahren wegen Körperverletzung einleiten soll, denn der Herr Ex-Hojac soll nach dem EM-Spiel Österreich gegen Deutschland einen Polizisten angefahren haben. Die Polizei, die Anzeige gegen Westenthaler erstattet hat, schildert den Vorfall laut “Presse” so: Westenthaler habe nach dem Spiel am 16. Juni den Parkplatz P5 beim Ernst-Happel-Stadion möglichst schnell verlassen wollen. Er habe gegen 22.40 vom Parkplatz aus links abbiegen wollen. Dies sei ihm aber von der Polizei verwehrt worden, weil die Straße dort für die Staatskarosse der deutschen Kanzlerin Angela Merkel reserviert gewesen sei. Daraufhin soll es zu einem Wortwechsel gekommen sein. Westenthaler sei dann auf den Beamten losgefahren. “Er hat ihn leicht am Knie erwischt”, schilderte die Sprecherin. Der Gesetzeshüter habe “deutliche Schmerzen” verspürt. Am Ende habe sich Westenthaler dann aber doch an die Anweisungen gehalten und sei rechts abgebogen. Der Vorfall soll auch von zwei Zeugen bestätigt werden.

Angesichts dieser Kulmination nicht sehr ordentlicher und anständiger Vorgänge darf man sich bei einer Partei wie dem BZÖ natürlich keinesfalls Selbstkritik erwarten, nein, eine finstere Verschwörung ist am Werk. “Man will mich fertigmachen”, jammert der im Austeilen sonst so starke Westenthaler. Na klar, das BZÖ ist den “Mächtigen” ein Dorn im Auge, weil es so unerbittlich für die “kleinen Leute” kämpft, oder wie es einst ein Wahlplakat von Haider behauptete: “Sie sind gegen ihn, weil er für euch ist”. Österreichs Polizei und Justiz als Horte linksextremer, freimaurerisch-jüdischer Verschwörungen. Das nenne ich mal plausibel.

Auch auf einem anderen Gebiet, nämlich jenem des Postenschachers, fällt das BZÖ immer peinlicher auf. Einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner früheren Wahlerfolge konnte Haider mit seinem angeblichen Kampf gegen Vetternwirtschaft und Günstlingspolitik einfahren. Nun wird es immer deutlicher und für immer mehr Menschen ersichtlich, dass die Haider-Truppe in politisch motivierten Postenbesetzungen den anderen Parteien nicht nur in nichts nachsteht, sondern diese locker übertrifft. Jüngstes Beispiel sind die skandalösen Ereignisse am Klagenfurter Landeskrankenhaus, wo der BZÖ-Mann Dieter Mandl eine fröhliche Jagd auf alles eröffnet hat, was nicht BZÖ-nahe genug ist.

Kurz: Das alles wirkt auf den Lindwurm nicht sehr “ordentlich” oder “anständig”, sondern erinnert eher an süditalienische Verhältnisse.

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