Der Lindwurm war vor kurzem in Wien, um seinen Freiwilligendienst bei der IDF abzusprechen, und bei Satan, wie sehr ist des Wurms Herz aufgeblüht als er endlich wieder, nach fast sechs jahren, die ihm sehr vertrauten Straßen entlang watschelte und die Luft der einzigen österreichischen Großstadt einatmete. Was für ein Kontrast zum verschlafenen Kleinbürgernest Klagenfurt, welch Unterschied in den Möglichkeiten und Verlockungen! Sicher, auch Wien ist Österreich und daher ein Sumpf, aber im Gegensatz zu Klagenfurt ist die Bundeshauptstadt so voller Gelegenheiten und Möglichkeiten, sich seelisch über Wasser zu halten, dass mich die Erkenntnis wie ein Blitz traf: Ich bin ein Wiener, genauer: ein Großstadtmensch, denn Zufall kann es ja wohl kaum sein, dass meine Angstzustände verschwanden, sobald ich das Gewusel und Geschwirre wahrnahm, dass es in Klagenfurt nicht gibt, dass ich in Wien einen Lebenshunger verspürte, den ich, seit ich in Kärnten lebe, für immer verloren geglaubt hatte. Ok, das mag jetzt für jene Menschen, die permanent in Wien leben, lächerlich klingen, und ich habe ja sogar in der Person meines Cousins mein Spiegelbild erblickt, also einen Wiener, der sehr gerne in Kärnten leben möchte. Aber weder bin ich mein Cousin, noch zwingt mich eine höhere Macht, in Klagenfurt zu verwelken. Es ist bloß eine Art von Faulheit, die mich hier noch hält, und natürlich auch die Tasache, dass das Leben in Wien um einiges teurer ist als jenes in der Provinz. Der Lindwurm ist leider arm, und Wien ist eine Stadt für wohlhabende Menschen. Doch der Geruch des Windes, der über die Kopfsteinpflaster in der Wiener Innenstadt weht, ist extrem verlockend, und ich denke ernsthaft daran, Klagenfurt einmal mehr gegen Wien einzutauschen.
November 29, 2008...1:40
Wien, oh du mein Wien
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7 Kommentare
November 29, 2008 um 2:24
Ich merke an: Als Wiener, der schon mal in Klagenfurt war, klingen diese Gedanken ganz und gar nicht lächerlich.
November 29, 2008 um 9:21
ad Freiwilligendienst: Sar-El oder Machal?
November 29, 2008 um 6:09
Als Wiener, der nicht in Klagenfurt, dafür in anderen Nestern war, verstehe ich dich zu 100%. Auch wenn ich mich immer wieder über Wien ärgere, so ist mir doch klar: Ich brauche Großstadtluft! Nichts gegen Landluft für zwei Wochen Urlaub – aber zum Leben brauche ich die Abgase auf den Straßen
November 29, 2008 um 6:57
Ich kann es lebhaft nachvollziehen. Wien war für mich sowas wie Heimat. Ok, ich habe zwar außerhalb gewohnt (NÖ), aber mich jeden Morgen, wie alle anderen auch, auf die Tangente geworfen um zur Arbeit zu kommen.
Und jedesmal wenn ich wieder in Österreich war, dann konnte ich es nicht erwarten bis ich endlich Steinhäusel hinter mir hatte und Wien unter mir lag. Wie Perlen auf dunklem Samt. Dann wußte ich, “ah endlich Du bist daheim!”
Diese Athmosphäre in Wien, einfach unglaublich! Und wenn einem die Stadt, oder die Wiener auf die Nerven gingen, dann konnte man in den 19ten, rüber nach Florisdorf, a bissl in’s Burgenland, oder Niederösterreich erkunden. Obwohl mir genügte schon die Ruhe in Petronell.
Dezember 2, 2008 um 2:32
versteh die affinität sehr gut. habe als obersteirer wien auch sehr lieb gewonnen – trotz seiner schwächen.
Dezember 3, 2008 um 2:55
Das mit der Gr0ßstadt, kann ich verstehen. Ich habe selbst 5 Jahre in Klu gelebt und habe es verglichen mit anderen Örtern in Ösiland nicht so schlecht gefunden (das Wetter, der See, die Landschaft – um ja kein Klischee auszulassen), obwohl es doch ein wenig langweilig ist. Aber, dass es den Lindwurm in das biedere und betuliche Wien zieht, ist schon ein bisschen komisch. Verglichen mit anderen europäischen Gr0ßstädten (etwa Berlin) geht die Bedeutung oder die kulturelle Attraktivität dieser Stadt doch gegen null. Mengenmäßig mag sich schon einiges in Wien tun. Aber wenn ich z.B. die Qualität der dortigen Kino-, Literatur-, und auch Musikszene mit der hier in “big B.” vergleiche, kann ich mir ein abfälliges und mitleidiges Grinsen über W. nicht verkneifen. Darüberhinaus ist W. bekanntermaßen ziemlich hässlich und der Dialekt nicht zu ertragen.
Also
Januar 15, 2009 um 9:20
Hässlich isses nicht, aber grau – vor allem der Himmel von Oktober bis März. Ich bin jetzt seit 8 Jahren in der Stadt und verspüre so manchmal Sehnsucht nach Kärnten. Das hat aber auch damit zu tun, dass dort Italien und Slowenien bzw. Kroatien gleich in der Nähe sind. Z.B.: 2,5 h (mit Auto) an die Adria, 5,5 h mit dem Zug nach Milano oder Bologna, etwa 1,5h nach Ljubljana… das hat schon was.