Finanzkrise, Juden und Israel

Laut einem Bericht in der Printausgabe der “Neuen Kärntner Tageszeitung” vom 21.2. 2009 machen 43 Prozent der Österreicher “die Juden” für die Finanz- und Wirtschaftskrise verantwortlich. Das geht aus einer Umfrage der Anti Defamation League hervor, welche diese in Deutschland, Österreich, Frankreich, Ungarn, Großbritannien, Polen und Spanien durchführen hatte lassen. Im Schnitt geben in diesen Ländern 31 Prozent der Befragten den Juden die Schuld für die derzeitigen wirtschaftlichen Turbulenzen. Angesichts dieser Horrorzahlen ist es verständlich, dass der Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, eine “Koalition gegen Rechtsradikale, Kellernazis und Antisemiten in politischen Funktionen” schmieden möchte. Es wird interessant sein zu sehen, ob und wie diese Koalition zustande kommt und wer dabei mitmachen wird in einem Land, in dem gleich zwei rechtsradikale Parteien im Parlament hocken, neonazistisches Gedankengut immer schon salonfähig war und immer noch ist, antisemitische Querverbindungen zwischen Neonazis, großen Teilen von FPÖ und BZÖ, Islamisten, einigen Strömungen der Linken und dem Rechtsaußen-Flügel des politischen Katholizismus bestehen und generell kaum ein Gespür dafür vorhanden ist, was in einer modernen Demokratie akzeptabel ist und was auf keinen Fall toleriert werden darf. Wenn schon jetzt, da die Wirtschaftskrise erst wenige Menschen persönlich erreicht hat, Juden wieder als Sündenböcke herhalten müssen, dann kann man sich ausrechnen, was geschehen würde, sollte sich die wirtschaftliche Lage dramatisch verschlechtern. Dann nämlich fänden sich Österreichs, nein, Europas Juden nur allzu bald in einer Situation, die jener der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts nicht unähnlich sein könnte. Mit einem großen Unterschied: Juden sind im Jahr 2009 nicht mehr wehrlos. Es gibt den Staat Israel, der als Schutzmacht eine zweite Shoah zu verhindern wird wissen. Und genau deswegen ist es das Hauptziel eines jeden Antisemiten auf diesem Planeten, Israel zu verleumden, zu bekämpfen, zu zermürben, von der Landkarte zu tilgen, denn es ist dieser kleine Staat, der den Vernichtungsfantasien der Judenhasser ins Handwerk pfuscht. Eine Koalition der zivilisierten Kräfte Europas gegen den Antisemitismus ist notwendig und begrüßenswert, doch man muss, und das hat die Geschichte bewiesen, daran zweifeln, ob diese Kräfte im Ernstfall zu ihren Sonntagsreden stehen werden, und daher sollte jeder Mensch, der ein ehrlicher Feind der Barbarei ist, vor allem und zuerst das Bestehen Israels verteidigen.

10 Kommentare

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10 Antworten zu Finanzkrise, Juden und Israel

  1. oren1

    bravo linwurm, aam israel chai!
    aber, mich stören die “einige strömungen der linken”.
    dass es heutzutage noch kellernazis gibt ist hauptsächlich der spö zu verdanken. nicht einmal kreisky der jude hatte die beizim peter mit dem nassen fetzen dorthin zu jagen wo er hingehörte. nein, dem wiesenthal hat er die emmigration empfohlen. wagner, der stolze hitlerjunge, frühbauer, wie wagner bei der napola, gallop noch immer präsident des kameradschaftsbundes? edlinger, einer der umtriebigsten “israelkritiker” überhaupt, ein erzantisemit wie er im buche steht.
    reden wir gar nicht über die unzähligen lehrer, richter, und was weiß man was, die mit hilfe der spö in deren 13 jahren alleinherrschaft an posten gekommen sind und die größten nazis überhaupt waren. erst als die spö ein bisschen links geworden ist, ist die fpö erstarkt, vorher war die spö so naziversifft, dass man keine fpö gebraucht hat. da hat der frischenschlager den reder abschmusen können, erfolg null, keine stimme mehr….

  2. Das, Oren1, ist leider wahr

  3. pol

    bravo, lindwurm, du triffst es auf den punkt. es ist sehr wichtig, klar gegen bzö und fpö stellung zu beziehen, obwohl diese parteien manchen als verbündete gegen islamistische kräfte erscheinen möchten. das ist nicht der fall. fpö hetzt nur zur stimmenmaximierung, islamkritik vom format eines geert wilders fehlt in österreich. ja, ich finde geert wilders auf eine gewisse weise gut, schlagt mich dafür.

    wie man im gaza-konflikt eindeutig gesehen hat, ist der “urfeind” der rechten kasperln in Ö noch immer “der jude”. ebenfalls sehr richtig erkannt, lindwurm: wer gegen den staat israel ist, der ist auch gegen die IDF, gegen den geheimdienst und überhaupt dagegen, dass die juden sich jetzt wehren, wenn sie angegriffen werden. antizionisten sind antisemiten.

  4. ap

    Bei solchen Umfrageergebnissen schäme ich mich wieder einmal dafür Bürger dieses Landes zu sein.

  5. Pingback: Sonntag « Weltrundguck

  6. Pingback: Instant Coffee » Blog Archive » Wiederkehr des Sozialismus oder doch eher Barbarei?

  7. gid

    und ich dachte, wir haben hier in deutschland ein ernsthaftes problem mit sogenannten ‘israelkritikern’.. aber diese, österreichischen, zahlen sind noch erschreckender. ich kenne mich nicht aus, in österreich, aber ich vermute mal, es liegt daran, das man sich dort immer als opfer der nazis hingestellt hat und es nie eine aufarbeitung der braunen vergangenheit gab.
    שמע ישראל

  8. jupanqui

    leider muss ich meinem vorschreiber recht geben. eine aufarbeitung gab es sicher nicht. um so trauriger stimmt mich dieses meinungsbild. ich weiss nicht wie differenziert man hier vorging, doch war ich entsprechend schockiert. dem staate isreal vorwürfe zu machen ist durchaus legitim und nun oute ich mich sicherlich nicht als rechter, oder linker. kritik am vorgehen eines staates ist immer legitim. auch am staate israel.
    aber mir erscheint das zu erwartende wahlergebnis zuerst in kärnten, dann in salzburg und später in wien durchaus nachdenkenswerter.
    was soll ich später einmal meinen freunden sagen, ich habe zugsehen, wie wir immer mehr im gleichen sumpf, eventuell zur fast gleichen zeit versinken, den wir schon einmal durchmachten?
    was kann man dagegen tun?
    was muss man dagegen tun?
    ich bin ehrlich gesagt ratlos, denn ich gehe davon aus, dass das bzö sieger wird, die fpö die 10% schaffen und dann gemeinsam mit absoluter mehrheit regieren. in kärnten. ich hab lang im ausland gelebt, aber die erdbeben die so manche tat von herrn haider auslöste werden hier wiederbelebt. der schaden extern und intern wird enorm sein. die auswirkungen auf wien vor allem auch. die baldigen wahlen lassen nichts gutes vermuten. bei der nächsten nationalratswahl haben wir eine andere stärkste partei, auch wenn sie zwei köpfe hat. was tun dagegen? als damals haider an die macht kam, bin ich aus dem land gegangen, jetzt seit sehr kurzem wieder zurück, holt mich einerseits das gespenst haider bei der nationalratswahl wieder ein und nach seinem tod die immer noch so dumpfe gedankenlosigkeit, bis xenophobe hoffentliche selbstzerfleischung.
    meine frage bleibt.
    jupanqui

  9. seppl

    Entschuldigen Sie bitte, aber WEM gehören denn all die Banken, welche diese Finanzkrise angerichtet haben?

  10. Ja, Seppl, wem gehören denn Hypo Alpe Adria, Raiffeisen, Deutsche Bank usw?

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