Es ist schon fast wieder lustig: Wenn es um Ideologie und Konzerninteressen geht, dann ist es plötzlich vorbei mit dem ansonsten so hoch gelobten Freien Markt in der EU. Denn anstatt die Bürger per Einkaufszettel darüber entscheiden zu lassen, ob sich die Energiesparlampe durchsetzt oder nicht, wird die gute alte Glühbirne einfach verboten. So fördert man den EU-Frust der Leute, so lenkt man Wasser auf die Mühlen der Rechts- und Linkspopulisten, so vergrätzt man auch Leute, die sich noch trauen, sich ihres Hirns zu bedienen, wie zB den Wiener Lichtplaner Moritz Gieselmann: “Wir wissen, dass wir CO2 einsparen müssen, um den Klimawandel halbwegs in den Griff zu kriegen. Ab 2012 sollen so durch das Verbot der Glühlampen 15 Millionen Tonnen CO2 in der EU eingespart werden – vier Promille der gesamten europäischen CO2-Emission. Global gesehen irrelevant, wenn man bedenkt, dass allein China jährlich 5000 Millionen Tonnen CO2 in die Luft bläst, mit einer Steigerungsrate von mehr als zehn Prozent jährlich. Unterm Strich bedeutet die europäische Einsparung von vier Promille eine Verzögerung der Zunahme der globalen CO2–Emission um gerade einmal eine Woche. (…) Dass Quecksilber hoch giftig ist und dass Sparlampen bis zu fünf Milligramm Quecksilber enthalten, ist bekannt. Trotzdem landet noch immer ein großer Teil der ausgebrannten Lampen im Hausmüll – unsere Enkel werden sich bedanken. Der größte Teil der in Europa verkauften Sparlampen wird in China hergestellt, einem Land, das nicht gerade für drakonische Umweltvorschriften und Arbeitsschutzrecht bekannt ist. Trotzdem ordnete die Stadtverwaltung von Foshan Tests in der Nanhai-Feiyang-Lampenfabrik an. 68 der 72 untersuchten Arbeiterinnen waren so mit Quecksilber vergiftet, dass sie ins Spital mussten. Durch die erhöhte Produktion von Sparlampen nimmt auch der Abbau von Quecksilber großen Aufschwung: Wegen der starken Nachfrage werden in der Provinz Guizhou Minen wiedereröffnet, die erst vor einigen Jahren stillgelegt wurden, weil die Flüsse tot, die Felder vergiftet und die Menschen krank waren. Ein hoher Preis für ein reines Umweltgewissen”.
Das Glühbirnen-Dramolett ist freilich nur ein Akt der großen Tragikomödie “Klimaschutz-Zwangsmaßnahmen”. So werden durch die Forderungen an die Automobilindustrie, möglichst CO2-magere Motoren zu verbauen, nicht nur ganze, ohnehin bereits abgeschlagene Industriezweige gefährdet, die Konzentration auf Kohlenstoffdioxid und die Reduktion der Umweltdiskussion auf die falsche Gleichung CO2 = das Allerschlimmste führt auch dazu, dass etwa Dieselkleinwagen mit wenig CO2-Ausstoß als besonders umweltfreundlich eingestuft werden, obwohl diese nachgewiesermaßen trotz Partikelfilter besonders viel gefährliche Stickoxide und Feinstaub in die Luft blasen, was vermutlich zahntausende Menschen in der EU mit ihrer Gesundheit und auch ihrem Leben bezahlen müssen. Zwar ist die Technologie für wirklich saubere Dieselmotoren bereits vorhanden, doch wird diese aus Kostengründen bislang nur in ganz wenige Luxuslimousinen eingebaut. Die ganz große Mehrzahl der Autos furzt fröhlich Schadstoffe in die Luft, vielleicht weniger CO2, ja, aber was nützt es den Menschen, die jetzt wegen des Feinstaubs und der Stickoxide an Atemwegserkrankungen leiden und daran sterben, wenn der Eisbär auch in 100 Jahren noch kräftig zubeißen kann? Immerhin eine positive Entwicklung ist zu vermelden: Der Benzinmotor scheint gerade ein Comeback zu feiern, vor allem bei den Volumenmodellen wie den Kleinwagen, weil sich erstens die Preise von Benzin und Diesel weitgehend angeglichen haben und zweitens sich langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass sich ein Diesel für Menschen, die nicht andauernd lange Autobahnstrecken fahren, nicht rentiert. Diese für die Umwelt höchst erfreuliche Entwicklung geht übrigens ganz von selbst vonstatten, durch Angebot und Nachfrage und durch simples Rechnen der Konsumenten. Die EU-Verbotsersinner und Planwirtschafter müssen sich darüber furchtbar grämen…

Apropos Wasser auf die Mühlen: Angeblich kommen jetzt die Duschköpfe dran. Die verbrauchen nämlich zu viel davon.
Sich über das Glühbirnenverbot aufzuregen, und dann nur auf die “Energiesparlampen” zeigen zu können, ist schwach. Die “Energiesparlampen” sind obsolet und ineffizient, u.a. wegen der langen Anlaufzeit und allerlei giftigen Stoffen. Besorgt euch einfach LED-basierte Leuchtmittel, das ist auch schön hell (und zwar ohne “Anlaufzeit”, sondern unmittelbar), kostet initial halt etwas mehr, aber hält dafür auch mal länger als 20 Jahre bei “normaler” Benützung und ist noch stromsparender als “Energiesparlampen”.
Michael: Zuzutrauen wär´s den Schwachköpfen.
Ortner meinte wohl Ecodesign requirements for energy-related products. Ist allerdings recht allgemein gehalten. Am 21.10.2011 wird eine Liste herausgebracht, welchen Produktgruppen zunächst betroffen sind.
Hier wird erklärt, dass man mit neuen Duschköpfen angeblich 18,2 bis 21,7 Mt CO2 einsparen kann.