Liebe Karin Zamernik-Rauter

Du, liebe Karin Zamernik-Rauter, bist eine von den Guten im überwiegend bösen Klagenfurt, das steht außer Frage. Wie du seit Jahren, nein, Jahrzehnten immer wieder Auftrittsmöglichkeiten für Bands schaffst und ein bisschen was von der großen Welt nach Klagenfurt holst, das nötigt Respekt ab und dafür sollte es mal ein wenig Anerkennung geben statt ewig nur den entwürdigenden Kampf um Subventionsgroschen. Du hast ja schon um finanzielle Unterstützung seitens der Stadt für dein “Ballhaus” gekämpft, als im Rathaus noch ein orientierungsloser Trinker saß, und du kämpfst jetzt weiter, wo dort ein Mann hockt, der mit Ausnahme eines starken Zuges zur Macht über keine einzige Eigenschaft verfügt, die ihn vom geistigen Subprekariat abheben würde. Aber ach, Karin, Tempus fugit, wie das Bildungsbürgerarschloch sagt. Jetzt ist es auch schon wieder an die 20 Jahre her, dass ich dich und den Herwig öfters mal in dem Bauernhaus besucht habe, in dem ihr damals so ein bisschen “2541″-mäßig zwischen Stapeln von Schallplaten und einigen Bassverstärkern gelebt habt. Und erinnerst du dich noch an die Hochzeitsfeier von D. und  E., als wir zusammen Schnaps aus einer Bottle tranken und ich, fett wie ein Harald Scheucher, die Stiege zum Künstlerhaus hinabgepurzelt bin und dann von meiner Gattin mit Ohrfeigen die ganz Strecke vom Ort des Besäufnisses bis nachhause getrieben wurde? Ja, das waren noch Zeiten, aber vor allem: Das ist alles verdammt lange her. Deswegen finde ich es ein wenig bizarr, wenn du und andere Leute aus unserer Altersklasse bei der Stadt andauernd Förderungen für die “Jugendkultur” einmahnen. Einem Teil eurer Veranstaltungen kann man zwar diese schauderhafte Schubladisierung aufdrücken, doch ein Großteil ist doch wohl einfach Rock´n Roll, oder wenn es schon was mit “Kultur” sein muss: Alternativkultur. Ich weiß, ich weiß – rein marketingtechnisch klingt “Jugend” besser als “alternativ”. Bei Jugend” denkt der Bürger an fesche Burschen und kecke Mädel, an betreutes Tanzen und Komasaufentrainig in geordneten Vereinsverhältnissen. Bei “alternativ” wird es haklig. Da tauchen im Bürgerhirn Bilder auf, die Angst machen: Besetzte Häuser, vermummte Gestalten, Widerstand gegen die Staatsgewalt, umgeworfene Automobile gar! Es ist also verständlich, dass du und die anderen zwei, die sich für eine Konzertszene engagieren, bevorzugt mit dem Begriff “Jugend” operiert.

Aber, liebe Karin: Wir Menschen um die 40 sollten die Jugendszene langsam mal Jugendszene sein lassen und uns, obwohl du eh zehn Jahre jünger aussiehst als du bist, altersgemäßg verhalten (also bessere Drogen nehmen, besseren Alkohol trinken und bessere Musik hören als die Kids), damit wir in Würde in den Sonnenuntergang reiten können.

In dem Sinne: May God bless and keep you always…

5 Kommentare

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5 Antworten zu Liebe Karin Zamernik-Rauter

  1. insider

    zum thema “doppelnamen-tussen” im allegmeinen hat harry rowohlt schon das nötige gesagt…
    zu dieser speziellen: es stimmt schon, klagenfurt hat sich in sachen jugend- und alternativkulturförderung wahrlich nicht mit ruhm bekleckert. rauter aber noch weniger. die zieht seit jahrzehnten die selbe show ab. denkt sich ein angebliches “projekt” aus, ohne sich im vorfeld auch nur einen deut um machbarkeit und finanzierung zu kümmern. dann drückt bzw. wurschtelt sie’s irgendwie durch und vergießt im nachhinein öffentlich krokodilstränen darüber, dass sie keine subventionen bekäme. alles beginnt als ruinen (ballhaus, vitrino etc.) und endet auch als solche, wahrscheinlich rauters auffassung von “alternativ”.
    einer der höhepunkte war zweifelsfrei die errichtung einer open-air-arena beim vitrino, ohne dafür um eine baugenehmigung einzukommen. dafür wurden gleich einmal großspurig “die ärzte” für einen auftritt dort engagiert. weil der “böse” magistrat aber auf die einhaltung der gesetze beharrte, konnte das ding nicht fertiggebaut und musste das konzert in die teuer angemietete) messehalle verlegt werden.
    die gute kann es wahrscheinlich schwer verkraften, dass ihr gespons in der alternativszene (und nicht nur dort) wirklich erfolgreich ist (naked lunch, fuzzman, heunburg), während sie selbst alles in den sand setzt. so sieht’s wirklich aus

  2. villacher

    ohne jetzt die genauen umstände zu kennen (in bezug auf das posting von insider) – ist das ein toll geschriebener blogpost!

  3. Piet

    Mal ganz abgesehen von insiders Posting, mal ganz abgesehen vom persönlichen Aspekt des Themas, welchen ich jetzt auch gar nicht anstreifen möchte – ich denke nicht dass “Jugendkultur” einfach nur besser zu bewerben ist als “Alternativkultur”:
    ein wirkliches Problem ist dass die Förderung ersterer mehr ein Vorwand ist, um noch mehr Plakate mit großen Gesichtern überall hinzupflastern, und dass die Förderung des zweiten in Kärnten wohl mehr wie Wunschdenken scheint…
    Allein die Druckkosten für die Jugendreferats-Werbung die bei der letzten Messe am Gelände plakatiert war übersteigt garantiert bei Weitem die Förderungen die dieses Jahr für Projekte wie das Ballhaus übrig waren.
    Und, das mag jetzt ein wenig übertrieben klingen, aber dass Menschen wie die Karin Förderungen für die Jugendkultur erhalten oder erhalten wollen finde ich dennoch weit nicht so bizarr, wie dass schlussendlich Leute aus der selben Altersklasse oder noch Älter über diese Förderungen bestimmen.

  4. @ Piet: Das unterschreibe ich sogar.

  5. ja da schau einer her!
    es gibt doch tatsächlich menschen, die da ihre werte meinung zu klagenfurts jugendkultur kundtun. das freut uns sehr und anscheinend gibt es ja ausser kärnten singt und spielt ja auch noch andere gelebte genres – nähmlich die der alternativkultur.
    das ding hier in der stadt umzusetzten hat ganz schön viel zeit und arbeit gekostet und trotz magerer förderungen haben wir doch über 14 jahre lang einiges an betriebsleistungen erbringen können. der förderanteil der klagenfurter stadtregierung betrug dabei nicht mehr als 8%.
    ja da schau her! geplante und gebaute open air bühnen sind dabei nicht auf unseren mist gewachsen, denn in zeiten vom vitrino waren wir lediglich untermieter und waren selber mehr als überrascht, wie plötzlich die bagger angerollt gekommen sind.
    how ever – krokodielstränen gab und gibt es keine. lediglich eine eingeforderte wertschätzung, welche leider in der angemessenen höhe nicht parat war wurden ausgesprochen. also für alle klugscheisserchen und besserwisser – wir freuen und auf die nächste generation von alternativveranstaltern in der stadt und danken mit 31.12.09 ab!

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