FPÖ: Mörder in Wartestellung

Er werde “Sozialschmarotzern den Garaus machen” sollte er an die Macht kommen, kündigtte FPÖ-Führer Heinz-Christian Strache beim Wahlkampfinale in Linz an. Ich will nun gar nicht mit einer Diskussion anfangen, ob die Punzierung “Sozialschmarotzer” nicht viel eher auf Großsteuerhinterzieher, Subventionsabkassierer und Verlusteverstaatlicher zutrifft als auf die von Strache ins Visier genommenen Bezieher von Sozialleistungen. Schreiben will ich hingegen über die Ungeheuerlichkeit, dass Strache die Vernichtung einer Menschengruppe angekündigt hat und immer noch frei herumläuft. Was sagen die Wörterbücher dazu? Gar·aus jemandem/etwas den Garaus machen: dafür sorgen, dass jemand oder etwas irgendwo nicht mehr ist/nicht mehr existiert. Gar•aus, Ga•raus der; nur in jemandem/einem Tier/etwas den Garaus machen gespr hum; jemanden/ein Tier töten, einer Sache ein Ende machen Wictionary:  jemandem den Garaus machen – ermorden, töten, umbringen Ist das keinem aufgefallen? Hat niemand bemerkt, dass die FPÖ schon wieder einen Schritt weiter gegangen ist? Und dass sie mit diesem Schritt die letzte Grenze zivilisierter Politik überquert hat? Oder ist das egal, wird es einfach hingenommen, dass der Führer einer rechtsetxtremen Partei, die von Erfolg zu Erfolg eilt, offen mit Massenmord droht? Sind wir wieder da, wo wir in den 30er Jahren gestanden sind? Die einen unterschätzen die Gefahr und nehmen die Mörder von morgen nicht ernst, auch wenn sie ihre Morde bereits ankündigen, die anderen sympathisieren insgeheim mit den Killern, da auch sie ideologisch und praktisch gegen die bereits auserkorenen Opfergruppen sind, und das letzte Drittel schaut zu und grölt mit und will am Ende wieder von nix was gewusst haben. Da stehen wir also schon wieder? Ja, da stehen wir, aber diesmal wird es Gegenwehr geben, das sollten die braunblauen Herrschaften bedenken.

6 Kommentare

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6 Antworten zu FPÖ: Mörder in Wartestellung

  1. Von wem genau soll diese Gegenwehr kommen? Von den marginalisierten Häufchen Linker und Ex-Linker, die argwöhnen, dass das mehr sein könnte als nur sprachliche Entgleisungen? (Geht mir übrigens auch so.)

  2. Not- und Ernstfalls von mir.

  3. Alles schön und gut. Ich kenne da ja auch einige die dabei sein werden, erspare es jetzt mal vorgreifend schon meinen eigenen Mut zu beteuern, der sich dann würde erst beweisen müssen…
    Der Punkt ist schlicht: Es gab auch damals einzelne Leute die nicht mitzogen, davon zu reden dass es “diesmal” Gegenwehr geben würde, finde ich also insofern fragwürdig, als dass es die damals auch gab… nur dass sie eben viel zu spät kam, n’est-ce pas.

  4. Der Unterschied ist der, dass es diesmal keine Ausreden wie “wir konnten doch nicht wissen, wohin das führt” gibt. Aber dass eine – wirksame – Gegenwehr zu spät kommen könnte, ist durchaus zu befürchten. Wobei: Solange Deutschland nicht neonazistisch wird, werden die Neubraunen nix reißen, und es sieht mir nicht danach aus, als würden die Deutschen die braune Brut noch einmal an die Macht lassen.

  5. Naja, ich persönlich bin da weitaus besorgter als du… vielleicht ist das der jugendlich-revolutionäre Impetus, vielleicht auch etwas anderes, aber so sicher scheinen mir die Deutschen da gesinnungstechnisch allemal nicht zu sein.
    Ich glaube, du solltest da auch bedenken, dass das nicht notwendigerweise im Gewand der NPD geschieht. Denn damit behauptet werden kann:
    “Wir haben von nichts gewusst” reicht es eigentlich völlig, die richtigen Schlagworte an den richtigen Stellen einzusetzen.
    Wenn du dir dann ansiehst, wie die Kundgebung der Exiliraner und Iranerinnen, jüdischen Gemeinde und Antideutschen Antifaschisten gegen den Al-Quds Tag behandelt wurde [auch wenn es ja eine Entschuldigung gab], dass für das Herzeigen von Israelfahnen Geldstrafen verhängt werden und ähnliche Späße, wird es schon bedenklicher.
    Ich traue auch dem Frieden nicht, der jetzt mit der Wahl bezüglich Nazis in den Parlamenten scheinbar eingekehrt ist.
    Wenn wir uns nämlich an die Zeit vor “dem ersten Mal” erinnern, dann wird man da recht schnell feststellen, dass da parlamentarisch vorher auch nochmal ein starker Rückgang für die Nationalsozialisten zu spüren war.
    Gleichzeitig passiert eben hier auf immer breiterer Front ein Bündnis von Kulturrelativisten und Nationalchauvinisten, das von Links bis Rechts agiert… eine astreine Querfront eben.
    Um dieses Bündnis bin ich weit mehr besorgt, als um eine “rein-rechte” Gefahr.
    Wenn man sich dann noch anschaut, was für rassistische Prämissen unter dem Mantel “Antirassismus” hier firmieren – Seyran Ates und andere haben da das nötige schon dazu gesagt – dann kann man denke ich feststellen, dass der Konsens sich immer weiter verschiebt in eine Richtung, die allemal bedenklich ist… sodass selbst ich als – theoretisch – “Systemgegner” leider nüchtern konstatieren muss, dass die institutionalisierte, immerhin auf Kapitalrationalität abgerichtete Vernunft der Politik allemal sympathischer ist, als fast alles was hier unter pseudohumanistischen, vulgärpazifistischen Annahmen als “sozial” und “aus dem Volk” firmiert.

  6. Alexander

    Wenn man liest – oder gar hört – was der Strache von sich gibt wird einem regelrecht kalt… Angeblich hat er wieder eine neue Freundin, munkelt man seit Kurzem, wäre eigentlich seine Privatsache, aber trotzdem frage ich mich welche Frau sich mit so einem “Charakter” überhaupt einlässt? Graust denen vor gar nix?

    Aber es hat ja auch mal (vor ca. 65 Jahren) eine gewisse Frau Eva H. (geborene B.) gegeben… auch der primitivste Topf findet also seinen Deckel!

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