Die Loveparade und ihre Feinde

Neben vielen anderen Dingen, die Nazis und religiöse Extremisten einen, ist wohl der Hass auf Lebensfreude und befreite Sexualität besonders auffallend. Daher können diese Leute vor lauter Schadenfreude über die Tragödie bei der Loveparade in Duisburg kaum noch an sich halten und lassen es einfach laufen.

Die christlich-rechtskonservative Sicht der Katastrophe liefert Eva “Mutterkreuz” Herman in einem Kommentar auf der Internetseite des einschlägig berüchtigten Kopp-Verlages. Die strafende Hand Gottes habe eingegriffen, was Herman “Mit Erleichterung” aufnimmt. Und schuld an allem sind natürlich “die 68er”: Das ohrenbetäubende, stereotype Rave-Gehämmere, das nicht mehr im Geringsten etwas mit dem einstmaligen Begriff von Musik zu tun hat, zerschmettert ihnen über zahllose Stunden Trommelfelle und Nervenkostüme. Doch das scheint den 1,4 Millionen Partygästen nichts auszumachen. Sie wussten, was sie erwartet, haben sich freiwillig dazu entschieden, hierher zu kommen. Viele Mädchen haben den Busen blank gezogen, manche sind fast völlig nackt. Sie wiegen sich in ekstatischer Verzückung im ohrenbetäubenden Lärm, Begriffe wie Sittlichkeit oder Anstand haben sich in den abgrundtiefen Bassschlägen ins Nichts aufgelöst. (…) Man muss nicht ausgesprochen prüde sein, um sich hier nach kurzer Zeit mit Grausen abzuwenden. Riesige dunkle Wolken der Enthemmung und Entfesselung treiben über dem Geschehen, die jungen Menschen wirken, als hätten sie jegliche Selbstkontrolle abgegeben, ekstatisch und wie im Sog folgen sie dem finsteren Meister der sichtbaren Verführung. (…) Selten wurde ein Begriff mehr durch den Dreck gezogen als bei der Loveparade. Man fragt sich verzweifelt, welche Definition von »Liebe« die jungen Menschen durch derartige und leider selbstverständlich gewordene Falschbezeichnungen für das eigentlich Schönste und Höchste in dieser Schöpfung erhalten müssen? Die unheilvollen Auswüchse der Jetztzeit sind, bei Licht betrachtet, vor allem das Ergebnis der Achtundsechziger, die die Gesellschaft »befreit« haben von allen Zwängen und Regeln, welche das »Individuum doch nur einengen«. Wer sich betrunken und mit Drogen vollgedröhnt die Kleider vom Leib reißt, wer die letzten Anstandsrnormen feiernd und tanzend einstürzen lässt, und wer dafür auch noch von den Trägern der Gesellschaft unterstützt wird, der ist nicht weit vom Abgrund entfernt. Die Achtundsechziger haben ganze Arbeit geleistet! (…) Für die Zukunft wurden jedoch Weichen gestellt: Denn das amtliche Ende der »geilsten Party der Welt«, der Loveparade, dürfte mit dem gestrigen Tag besiegelt worden sein! Eventuell haben hier ja auch ganz andere Mächte mit eingegriffen, um dem schamlosen Treiben endlich ein Ende zu setzen. Was das angeht, kann man nur erleichtert aufatmen! Grauenhaft allerdings, dass es erst zu einem solchen Unglück kommen musste.

Wo der christliche Gott straft, darf Allah nicht nachstehen, meinen die netten islamischen Fundamentalisten von “dawa-news”, die ihre Leser mit dem Gedankenspiel zu erschrecken versuchen, sie könnten einst, falls sie sich verführen lassen, in Raver-Kluft ihrem Schöpfer gegnenüberstehen, quasi das muslimische Äquivalent zu den berühmten Albträumen, in denen man sich plötzlich nackt auf dem Podium wiederfindet: (…) Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein “nackter Wahnsinn”, der sich dort abgespielt hat.  Zu kaum einer anderen Zeit und an kaum einem anderen Ort wurden so viele Drogen konsumiert und Menschen sexuell missbraucht. Ein treffen, wie vom Teufel inszeniert, welches zu schlechten Taten aufruft und durch selbige durchweg begleitet wurde. Niemand kann eine Sache stoppen, die Allah s.t. bestimmt hat. Wenn jemand einem anderen gegenüber ungerecht ist, so wird Allah s.t. den Ungerechten am Jüngsten Tag bestrafen, aber auch in der Dunja wird er seine Strafe bekommen. Stellt euch vor ihr wäret auf so einer Party und verbringt dort eure letzten Minuten, bis der Tod euch ereilt. Welch grausames Schicksal, wo wir doch wissen, dass wir vor Allah s.t. so stehen werden, wie wir gestorben sind. Doch genau solch ein Tod ist jetzt 19 Menschen wiederfahren. Noch dazu gibt es über 300 teils schwerverletzte.

Und wer geifert sonst noch gegen die Love Parade? Genau, unsere lieben Nazis natürlich. Gerd Honsik, Neonazi und, was am schlimmsten ist, Verfasser grauenhafter Lyrik und Anwärter auf den Titel “schlechtester Poet des Universums”, dichtete bereits im Jahr 2002:

Im Freudentaumel schiebt sich und Frohlocken
ein Menschenstrom soweit das Auge schweift,
betäubt, enthemmt. Schweißnaß die blonden Locken,
der Lemminge, indess die Dealer zocken
und millionenschwere Ernte reift.Die Jugend hier, dem Angesicht der Väter
erschütternd ähnlich und doch seelenlos,
ekstatisch längst verfallen dem Verräter -
dem Gold’nen Kalb, dem ewig bösen Täter.
Und wieder kroch es aus demselben Schoß.In allen Stimmen lag ein frommes Beben
als in wohl fünf Kanälen uns davon
Reporter dann geschönt ein Bild gegeben
vom Elendzug, als würden sie erleben
die Krönung eines Kaisers einst in Rom.

Und die Alleen, die einstmals hörten Märsche,
von Deutschlands Ruhm, von Preußens Gloria,
die deutscher Reiter klingend Spiel beherrschte,
die füllen tätowierte Brüste, Ärsche.
Der Text? Ist leicht. Sag einfach: Bla, bla, bla!

Wo deutsche Jugend schritt zum letzten Gange
im Volkssturm einst, als letztes Aufgebot,
da taumeln sie zum letzten Abgesange
mit Schwulen und mit Lesben Wang’ an Wange
und in den Büschen stinken Harn und Kot.

Die zehn Gebote kennen keine Sünde,
die hier nicht öffentlich getrieben wird:
Der Christustreue blickt in Höllenschlünde!
Der Papst sagt nichts. Zersprengt in alle Winde
bald ist die Herde ohne jeden Hirt.

So singen sie, Politiker und Pfaffen,
ihr Lied vom Tod. Und Kollaboration.
Sie sind dabei, beim Kriechen und beim Raffen,
dabei um Deutschlands Untergang zu schaffen,
wenn möglich noch in dieser Gen’ration

Einmütig lobt der Chor dies Fest der „Liebe”
und Techno-Klänge blasen hier den Marsch.
Welch endlos Drängen, Zucken und Geschiebe
im Drogentaumel der entmenschten Triebe:
Die Jugend Deutschlands auf dem Todesmarsch!

Ob Hinz und Kunz hier heut zur Party baten?
Mit Modedrogen niedlich weiß, wie Schnee?
Woher die Schufte Millionen hatten,
der Medien Gunst – doch für sich selber Schatten?
Du weißt es nicht? Frag doch die CIA!

Eva Herman, Möchtegernmullahs und Gerd Honsik vereint im Kampf gegen Party und Nacktheit – da kriegt man richtig Lust, sich die Kleider vom Leib zu reißen und diesen Kreaturen mit dem Arschgeweih voraus ins Gesicht zu springen.

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20 Kommentare

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20 Antworten zu “Die Loveparade und ihre Feinde

  1. aber am hämischsten und gehässigsten ist wieder eimal der “Discomiezen”-Kritiker und Ahmadinejad-Gratulant:

    http://juergenelsaesser.wordpress.com/2010/07/25/death-parade/

    der Anti-Antideutsche, der sich aus welchen Gründen auch immer noch für einen “Nazi-Gegner” hält:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2010/07/23/der-ur-antideutsche-und-seine-antideutschen-keule/

  2. @ Petra: Ein unfassbarer Blog!

  3. Wolfi Rössler

    @ Elternhilfe. Naja, ich würd eher sagen eine unfassbar zynische Persiflage, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

  4. @ Wolfi: Ja, scheint mir bei näherer Betrachtung auch eine Satire zu sein. ;-)

  5. Ulrich

    Hmm, der erwähnte Blog ist ja äußerst seltsam.
    Ist das wirklich ernst gemeint? Ein paar behaupten, es wäre Satire, andere wieder nicht. Selbst wenn, krank ist es alle mal.

  6. Ulrich

    O.K., es ist tatsächlich Satire.
    Hier der Beweis: http://elternhilfe.wordpress.com/elternhilfe-online-%E2%80%93-ihre-kompetente-beratung-im-internet/
    Die haben wohl einen eigenen Humor. Gruselig.

  7. gerk

    Lebensfreude und befreite Sexualität haben mit so einer Veranstaltung eben nicht mehr viel zu tun. Das sind Dinge, die man für sich selber finden muss anstatt sie auf viel zu kleinem Raum unbedingt mit 1,4 Millionen Menschen zu “teilen”. Da hört der Spaß dann auf.

    Die Hermann interessiert mich nicht.

  8. Udo

    “Da hört der Spaß dann auf”
    Wer bestimmt das?

  9. Danke für diesen Beitrag. Der Nagel wurde hier wirklich auf den Kopf getroffen. Ich habe den Beitrag gerade bei mir verlinkt …

  10. Zashimi

    Wie sagt Bernd (von KC) in solchen Fällen immer?

    Eva Hermann 𝖜𝖊𝖌𝖇𝖚𝖝𝖊𝖓

  11. Udo

    Sorry, hab nen Teil deines Kommentars überlesen.

  12. Die Frau ist für mich nicht ganz normal. Ich bin katholisch und in meiner Sicht ist Unser Gott immer gut zu Menschen und will sie nicht bestrafen, umso mehr nicht mit dem Tod für Drogen oder Alkohol-Konsum…
    Diese Frau redet viel Blödsinn und erreicht was sie will..Aufmerksamkeit…Eine arme Frau, die kein Bewußtsein hat und ein bisschen Aufmerksamkeit braucht-traurig…

  13. Beim Lesen fiel mir die Kinnlade immer weiter runter – bis zu diesem Satz:

    “da kriegt man richtig Lust, sich die Kleider vom Leib zu reißen und diesen Kreaturen mit dem Arschgeweih voraus ins Gesicht zu springen.”

    Mach, dass das aufhört. Ich kann nicht mehr vor lachen… :lol:

  14. Pingback: Duisburg « Zwischenwelten

  15. Tatzlwurm

    Schon interessant, welche Querfronten sich bilden, wenn es gegen die Freiheit und bestimmte Manifestationen westlicher Lebensart geht. Dass die abendländische Kultur schon immer rauschende Feste hervorgebracht hat (Stichwort “Bacchanalien”), sollte vielleicht nicht unerwähnt bleiben. Seltsam auch, dass kaum jemand daran Anstoß nimmt, wenn im Fasching hemmungslos gesoffen und gevögelt wird.
    Zum Konsens zwischen Herman, Elsässer, Islamisten und Neonazis kann man nur sagen: “Da wächst zusammen, was zusammengehört.”
    Ich bin für ein Ende der Geduld: Wem es bei uns nicht passt, der soll sich in den Iran, nach Nordkorea oder in andere Länder, in denen Zucht und Ordnung großgeschrieben werden, verpissen. Aber ach: In einer überheizten Wohnung mit einem dekadent gefüllten Kühlschrank macht das Moralaposteln gleich doppelt so viel Spaß.

  16. Rechtbrand

    @”yael1″

    Jemand der sich Margarete Thatcher nennt, wird auch nicht Elton John feiern. :(

  17. Tatzlwurm

    Dass der auch noch seinen Senf dazugeben würde, war zu befürchten:

    http://salzburg.orf.at/stories/461198/

  18. Pingback: Spirituelle Lebensberatung Kostenlos

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