UNO: It´s not okay to be gay

Der Umgang mit Sexualität und sexuellen Minderheiten ist ein guter Maßstab für den Grad an Zivilisiertheit einer Kultur. In der UNO prallen Zivilisation und Barbarei immer öfter aufeinander, denn die Barbaren sind, ermutigt durch geistige und wirtschaftliche Erschöpfungssymptome der westlichen Demokratien, selbstsicherer geworden. “So ist halt unserer Kultur”, sagen sie, wenn man sie auf Menschenrechtsverletzungen anspricht, und westliche Kulturrelativisten klatschen artig Beifall. Alle zwei Jahre verabschiedet die UNO-Vollversammlung eine Resolution, in der außergerichtliche und willkürliche Tötungen verurteilt werden. So auch heuer. Doch eines ist diesmal anders: Der Zusatz, wonach die Tötung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung ausdrücklich missbilligt wird, fehlt.  Ich zitiere den “Standard”: Eine Koalition afrikanischer und nahöstlicher Staaten hat die Streichung beantragt und sich knapp durchgesetzt. Homosexuellen- und Menschenrechtsorganisationen legten scharfen Protest ein. Auf Antrag von Mali und Marokko, die vorgeblich für alle afrikanischen und islamisch geprägten Staaten sprachen, wurde der explizite Passus gestrichen und durch “Diskriminierung aus jedwedem Grund” ersetzt. Bei der Abstimmung gaben 79 Staaten der 192 Mitgliedsstaaten, darunter Nordkorea, Kuba, Haiti, Iran, Irak und auch das vergleichsweise liberale Südafrika der Änderung ihre Zustimmung. 70 Delegationen vor allem amerikanischer und europäischer Staaten sowie Israels stimmten gegen die Streichung. Russland und Kasachstan sind die beiden einzigen europäischen Staaten, die gemeinsam mit der Koalition der Befürworter abstimmten.

Das genaue Abstimmungsverhalten:

Für die Streichung des Passus (79 Länder): Ägypten, Äthiopien, Afghanistan, Algerien, Angola, Aserbaidschan, Bahamas, Bahrain, Bangladesch, Belize, Benin, Botswana, Brunei, Burkina Faso, Burundi, China, Dschibuti, Elfenbeinküste, Eritrea, Ghana, Grenada, Guyana, Haiti, Indonesien, Iran, Irak, Jamaika, Jemen, Jordanien, Kamerun, Kasachstan, Katar, Kenia, Komoren, Kongo (Demokratische Republik), Kongo (Republik), Kuba, Kuwait, Libanon, Lesotho, Liberia, Libyen, Madagaskar, Malawi, Malaysia, Malediven, Mali, Marokko, Mozambique, Myanmar, Namibia, Niger, Nigeria, Nordkorea, Oman, Pakistan, Ruanda, Russland, Saint Kitts und Nevis, Saint Lucia, Saint Vincent, Sambia, Saudi-Arabien, Senegal, Sierra Leone, Simbabwe, Somalia, Südafrika, Sudan, Surinam, Swasiland, Syrien, Tadschikistan, Tansania, Tunesien, Uganda, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Vietnam.

Gegen die Streichung des Passus (70 Länder): Andorra, Argentinien, Armenien, Australien, Belgien, Bhutan, Bosnien-Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Chile, Costa Rica, Dänemark, Deutschland, Dominikanische Republik, Ecuador, El Salvador, Estland, Finnland, Frankreich, Georgien, Griechenland, Großbritannien, Guatemala, Indien, Irland, Island, Israel, Italien, Japan, Kanada, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Mazedonien, Mexiko, Mikronesien, Monaco, Montenegro, Nepal, Neuseeland, Niederlande, Norwegen, Österreich, Osttimor, Panama, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Moldawien, Rumänien, Samoa, San Marino, Schweden, Schweiz, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südkorea, Tschechien, Ukraine, Ungarn, Uruguay, USA, Venezuela, Zypern.

Enthaltungen (17 Länder): Antigua und Barbuda, Barbados, Fidschi, Kambodscha, Kap Verde, Kolumbien, Mauritius, Mongolien, Papau-Neuguinea, Philippinen, Singapur, Sri Lanka, Thailand, Trinidad und Tobago, Tuvalu, Vanuatu, Weißrussland.

Nicht an der Abstimmung teilgenommen (26 Länder): Äquatorialguinea, Albanien, Bolivien, Dominica, Gabon, Gambia, Guinea, Guinea-Bissau, Honduras, Kiribati, Kirgisistan, Laos, Marshallinseln, Mauretanien, Nauru, Nicaragua, Palau, Sao Tome und Principe, Salomonen, Seychellen, Togo, Tonga, Tschad, Türkei, Turkmenistan, Zentralafrikanische Republik.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “UNO: It´s not okay to be gay

  1. “Diskriminierung aus jedwedem Grund”

    Das ist doch Klasse: Egal welche Diskriminierung -> ab nun ist sie geächtet!

    Klar, dass diese ganzen Hinterwäldlerstaaten damit etwas anderes beabsichtigen. Aber wo ist am Ende das Problem? Homosexuelle zu diskriminieren ist nach wie vor eine Diskriminierung.

  2. pol

    “wurde der explizite Passus gestrichen und durch „Diskriminierung aus jedwedem Grund“ ersetzt.”

    nicht ganz korrekt und imo irrefuehrend wiedergegeben vom standard.

    The reference in the three-page draft came in the sixth of 22 paragraphs and urged investigations of all killings “committed for any discriminatory reason, including sexual orientation.”
    nichts wurde ersetzt, es wurde nur der zusatz including sexual orientation gestrichen. grund: Morocco, on behalf of the Islamic Conference, argued that there was no foundation for gays in international human rights instruments as there was in cases of race, gender and religious discrimination.

    d.h. unter any discriminatory reason fallen nur mehr rasse, geschlecht und religion; sexuelle orientierung nicht.

    so wie der standard es schreibt, koennte man denken, dass der zusatz nur durch einen allgemeineren ersetzt wurde – tatsaechlich wurde der zusatz aber einfach nur gestrichen.

  3. was Ayaan Hirsi Ali einem westlichen Kulturrelativisten (Naomi Kleins Ehemann) entgegnet:

    „You had the luxury to grow up in freedom – and so you can spit on freedom, because you don´t know what it is, not to have freedom“

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/09/27/spit-on-freedom/

  4. @ Oren1: Steht eh im Artikel. Österreich hat zusammen mit der zivilisierten Welt gegen die Streichung des Passus gestimmt.

  5. diese Abstimmung zeigt, wie wichtig es nach wie vor ist, dass die zivilisierten Staaten Asyl-Schutz vor der Barbarei der unzivilisierten Staaten gewähren.

    leider wird ausgerechnet durch ein falsch verstandenes Asylrecht den Anhängern der Barbarei ermöglicht, ihre Barberei in die zivilisierten Staaten zu exportieren.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/04/11/asyl-als-entschadigung-fur-die-kolonialzeit/

  6. Pingback: Asyl vor Barbarei « Aron Sperber's Weblog

  7. richard shulamith

    es gibt ein paar staaten, bei denen mich das noch einen tacken wütender macht: allen voran russland, welches sich immer mehr und mit aller gewalt zu einer neuen antidemokratischen hochmacht aufspielen will, und auch die sonst in sachen lgbt-rechte zumindest nominell so progressiven südafrika, ruanda und madagaskar (oder wie gabon oder die zentralafrikanische republik, die nicht teilnahmen) – alles nur um als kontinent geschlossen dazustehen.

    ein weiterer wunderbarer beweis für die hippiethese von den guten, edlen entwicklungsländern und den bösen industriestaaten.

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