Roma, Araber und Linke

Die Tschechische Regierung weiß, wie man unzweideutig gegen Rechtsradikale Stellung bezieht. Ha, reingefallen, war nur ein Scherz. Schauen wir einmal, was dem offiziellen Tschechien zu Aufmärschen von pogromlüsternen Rechtsradikalen, die mit Hassparolen durch Romasiedlungen marschieren, einfälltDie Menschenrechtsbeauftragte der Prager Regierung, Monika Simunkova, warnte die Menschen in der Grenzregion vor rechtsextremistischen Gruppierungen. Sie äußerte aber zugleich Verständnis für den “Frust der Einwohner”, die mit den “Problemen sozial schwacher Bürger” konfrontiert seien.

Es ist aber auch wirklich ein wachsendes Ärgernis, dieses “Problem mit sozial schwachen Bürgern”. Aber zum Glück geht die europäische Politik immer entschlossener gegen die Zumutung des sicht- und spürbaren Elends vor. In Österreich wird das Betteln verboten, in Deutschland werden Parkbänke mit einer Eisenlehne zweigeteilt, um Obdachlose zu ärgern, in Italien und Frankreich räumt man Romasiedlungen und will die “Zigeuner” loswerden (obwohl diese EU-Bürger sind), und in Ungarn werden wieder Arbeitslager samt bewaffneten Aufsehern eingerichtet. Jenes unbekannte Genie, das in den 70er Jahren an eine Hausmauer den Satz “Eure Armut kotzt uns an” sprayte, fasste damit perfekt zusammen, wie es um die praktische Nächstenliebe der angeblich zivilisierten, angeblich christlichen und angeblich sozialdemokratischen Europäer bestellt ist. Armut soll am liebsten unsichtbar gemacht werden, und sei es um den Preis, die Armen verschwinden zu lassen durch Abschiebung oder Internierung.

Das Groteske ist, dass es linken Gruppierungen, Parteien, NGOs und Publizisten das Herz bricht, wenn ein Gaza-Araber keinen LCD-Fernseher hat, und dass diese Leute, wie auch deren kirchliche “Kollegen”, stets zur Stelle sind, wenn es darum geht, für die Sache der palästinensischen Araber Partei zu ergreifen, dass es aber dieselben Leute nicht kratzt, wenn mitten in Europa ganze Volksgruppen ausgegrenzt werden. Sinti und Roma  leben wortwörtlich am Rande der Gesellschaft und sind wieder verstärkt an Leib und Leben gefährdet, doch Europas Linke geht lieber gegen Israel demonstrieren. Was beweist, dass großen Teilen der Linken der moralische Kompass verlorengegangen ist. Und es beweist ebenso, dass sich hinter der “Solidarität” mit den Arabern etwas ganz anderes verbirgt als aufrichtiges Mitgefühl, nämlich dürftig rationalisierter Judenhass. Europäische Gewerkschaften rufen zum Israelboykott auf, zu den ungarischen Plänen, Arbeitslose zur Zwangsarbeit einzusetzen, schweigen diese Helden der Arbeit. Europäische Friedensforscher hauen im Stundentakt Traktate wider Israel heraus, die Bedrohung großer europäischer Minderheiten ist keine Presseaussendung und keine Konferenz wert. Etliche Linke faseln von einem “Apartheidsystem” und meinen damit Israel, gegen die de facto Apartheid mitten in Europa wird kein einziges Flugblatt gedruckt.

Wenn Linke (von den Rechten und Rechtsextremen will ich gar nicht erst anfangen) die Nöte der Sinti und Roma überhaupt wahrnehmen, dann als störende Nebengeräusche in ihrer bunten Fantasiewelt, in der alle Händchen haltend Ringelreihen tanzen, was nur durch ein paar politische Böswatze gestört wird. Kaum jemand von der politischen Linken hat Lust darauf, sich in die Thematik zu vertiefen und zuzugeben, dass die Probleme der Roma nicht nur in Nazis sowie in der systematischen und seit Jahrhunderten praktizierten Ausgrenzung bestehen, sondern auch in kulturellen Eigenheiten, die bis heute den Anschluss großer Teile der Roma an die modernen Zeiten verhindern. Uralte Clansysteme, Frauenunterdrückung, Bildungsfeindlichkeit, Abschottung nach außen und ein, sagen wir mal, ambivalentes Verhältnis zur Unantastbarkeit fremden Eigentums sorgen auch zur Selbstausgrenzung vieler Roma und Sinti. Da hilft es nix, sich die Ohren zuzuhalten und laut “lalala, alles nicht wahr” zu singen. Wer den “Zigeunern” helfen will, der muss diese nicht nur vor rassistischen Übergriffen effektiv beschützen, sondern daran arbeiten, dass dieser Minderheit andere Chancen offen stehen als bloß veraltete, heute nutzlose Berufe sowie (klein)kriminelle Karrieren. Das ist nicht leicht, aber welcher Fortschritt war jemals leicht zu erreichen? Eine solidarische und kritische Arbeit zugunsten der Roma und Sinti wäre zwar unbequemer und energieintensiver als sich mit zB der Hamas zu verbrüdern, aber wohl weit näher an all dem, wofür fortschrittliche Politik einmal gestanden ist und wieder stehen sollte.

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Roma, Araber und Linke

  1. Guerrero

    “Sie äußerte aber zugleich Verständnis für den „Frust der Einwohner“, die mit den „Problemen sozial schwacher Bürger“ konfrontiert seien.”
    Nein, ich will nicht die “Rechtsradikalen” verteidigen, aber unter den Roma gibt’s Kriminelle, so einfach is’ dat. Und das ist teilweise auch der Grund warum man sie vertreibt, man will Zusammenstöße verhindern.

    “zu den ungarischen Plänen, Arbeitslose zur Zwangsarbeit einzusetzen, schweigen diese Helden der Arbeit.”
    Die sozialdemööpkratischen Helden der ungarischen Arbeitspartei haben das eigentlich zu erst umgesetzt.

    Du bedankst dich beim Falschen.
    “gegen die de facto Apartheid mitten in Europa wird kein einziges Flugblatt gedruckt.”
    Weil Irrational.

    “Eine solidarische und kritische Arbeit zugunsten der Roma und Sinti”
    Die gibt es sogar, frag doch mal beim ÖVP-Arbeitszirkel im Burgenland nach.

  2. tom93

    der lindwurm wird immer besser

  3. lebowski

    “Nein, ich will nicht die „Rechtsradikalen“ verteidigen, aber unter den Roma gibt’s Kriminelle, so einfach is’ dat. Und das ist teilweise auch der Grund warum man sie vertreibt, man will Zusammenstöße verhindern.”

    Gott sei dank, gibt es die unter Nicht-Roma nicht.
    Übrigens: jede kulturelle Gruppe pflegt ihre eigene Art der Kriminalität.
    Und so ist es kein Wunder, dass Investmentbanker nicht als Hütchenspieler Touristen ausnehmen, sondern genau die Art von Kriminalität praktizieren, die sie beherrschen.
    Das Unangenehme an den Roma ist es, dass sie ihre Kriminalität noch in liebevoller Handarbeit verrichten, so dass man gezwungen ist, sie optisch zur Kenntnis zu nehmen, während Bankster so höflich sind, ihre Art der Kriminalität im virtuellen Raum zu verrichten, wo man durch sie nicht belästigt wird.

  4. Hm, Eigentumsdelikte als kulturelle Eigenheit der Roma? Glaubst Du ernsthaft, dass die Kriminalitätsrate bei Roma (weil kulturell begründet) höher ist als bei anderen ethnischen Gruppen, die sich sozial und ökonomisch in einer vergleichbar marginalisierten Lage befinden? Oder anders: Glaubst Du, dass die diesbezügliche Kriminalitätshäufigkeit bei ökonomisch etablierten, aber ungebrochen ihre kulturelle Tradition pflegenden Romagruppen (o ja, die gibt es, nicht alle leben in Ghettos) aufgrund ihrer kulturellen Prägung ebenfalls höher ist?
    Mit dem leichtfertigen Kulturalisieren von Sozialem ist es halt eine verflixte Sache: Plötzlich plumpst man in die Fallen der altbekannten Ressentiments.

    Nichts für ungut und liebe Grüße

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