Österreichs Krieg gegen die Kranken

Der Lindwurm verleiht heute Auszeichnungen für hervorragende Leistungen im Dienste des Kapitals. Zuerst den großen Lohndumpingorden am güldenen Sozialabbauband an Herbert Buchinger, Chef des Arbeitsmarktservice, für dessen weisen Vorstoß, Arbeitssuchende bzw. invalide sollten sich bitte nicht so haben und es schon mal billiger geben. Er selbst formulierte dies, eingebettet in eine “Warnung”, berufsunfähig gewordene Akademikerinnen könnten frech die Finanzierung eines zweiten Studiums verlangen statt einer Umschulung zur Regalbetreuerin, so: Buchinger schlägt deshalb der Politik vor, beim Qualifikationsschutz noch eine Art Bremse einzuziehen, zum Beispiel eine Altersgrenze: “Dass es für Unter-50-Jährige, oder auch für Unter-40-Jährige möglich ist, auch eine Stufe unter das erreichte Qualifikationsniveau zu gehen, wenn ansonsten Berufsunfähigkeit droht.” Das, präzisierte der AMS-Chef, sollte freilich nicht etwa bei Lehrabschlüssen gelten sondern nur bei langdauernden höheren Qualifikationen.

Der Mann, dem Arbeitslose und Behinderte vertrauen –  Herbert Buchinger (Hobbys: Essen, Friseurbesuche, Löhne drücken)

Man kann diesem Großmeister der österreichischen Sozialbürokratie nur herzhaft jubelnd zustimmend! Wo kämen wir denn hin, wenn so ein an Multipler Sklerose erkrankter Turnlehrer nicht zum Altenpfleger umgeschult werden könnte? Oder wenn sich eine schwer depressive Lehrerin einfach so weigert, frisch und fröhlich putzen zu gehen? Denen werden wir schon noch Beine machen, diesen faulen Krebskranken, Schizophrenen, Depressiven, Angstpatientinnen und Alkoholikerinnen! Denn deren einziges Problem ist laut Buchinger ja, dass sie überqualifiziert und arbeitsscheu sind. Aber wartet nur, ihr dreckigen Schmarotzer, wenn euch erst das AMS in seinen gnadenlosen Klauen hat, dann werdet ihr euch brav einreihen in die lange Schlange der Arbeitslosen, von sinnlosem Kurs zu sinnlosem Kurs geschickt, ohne jede Hoffnung auf einen Job, denn welcher Vollidiot von Arbeitgeber würde bitte Leute einstellen, bei denen von Anfang an abzusehen ist, dass sie immer wieder in den Krankenstand gehen müssen? Ach, das wurde gar nicht bedacht bei eurer tollen “Reform”? Oder genauer: Das ist  völlig egal, ja einkalkuliert, da es nur darum geht, Statistiken zu schönen?

Die zweite Auszeichnung, die Gewerkschaftsbonzenbrosche in diamantener Seilschaftenumfassung, geht an den großen Sozialminister Rudolf Hundstorfer, der gemeinsam mit der ÖVP, der Gewerkschaft und der Wirtschaftskammer die Abschaffung der Invaliditätspension für Menschen unter 50 ausgeheckt hat. Ganz Sozialdemokrat in der ruhmvollen Tradition von Gerhard Schröder und Tony Blair ist dieser Mann sehr stolz darauf eine Politik zu verantworten, die unzählige Menschen ins Elend stürzen und das Lohnniveau weiter drücken wird. Ich glaube aber nicht, dass Hundstorfer, wie mutmaßlich Blair und Schröder, mit Bargeld in unauffälligen Kuverts und/oder der Aussicht auf einen tollen Aufsichtsratsposten nach der Politkarriere bestochen wurde. Nein, ich denke, der ist einfach nur dumm. Und ein bisserl niederträchtig vielleicht. Sonst hätte er sich nämlich nicht ausgerechnet die schwächste soziale Gruppe herausgesucht, um zu “sparen” (ob sich irgendwelche Einsparungen ergeben werden, indem man die Kranken aus der Rente holt und sie stattdessen in Kurse setzt, wird sich noch zeigen müssen).

Rudolf Hundstorfer, alias Jesus II, heilt Kranke per Gesetz (Hobbys: Graue Anzüge, Invalide auslachen, von Industriebossen gelobt werden)

Es ist sehr schade, dass ich nur Auszeichnungen vergeben kann, aber nicht die Macht habe, Leuten wie Hundstorfer oder Buchinger zum Beispiel eine schwere Depression angedeihen zu lassen. Eine Depression, die mit allerlei Medikamenten und Behandlungen soweit in Griff zu bekommen ist, dass sich der oder die Betroffene zwar nicht umbringt, aber ansonsten zu nicht viel mehr in der Lage ist, als mit aller Kraft Tag um Tag zu überdauern. Ich kenne solche Depressiven. Es ist denen unmöglich, einem regulären Job nachzugehen. Die werden auch nicht dazu in der Lage sein, immer zu bestimmten Terminen beim AMS anzutanzen oder Kurse zu besuchen. Was, Hundstorfer und Buchinger, soll mit diesen Menschen geschehen? Werden wir sie verrecken lassen? Oder in die Psychiatrien stecken? Wo sie dann, leider leider, einer “Lungenentzündung” erliegen werden? Ist es das, was ihr anstrebt? Aktion T4 reloaded? Aber nicht doch, ich weiß, sowas würde euch nie in den Sinn  kommen, euch Hundstorfern und Faymanns und Spindeleggern und Buchingern, ihr setzt darauf, dass sich die Leute schon selber “wegräumen” werden, wo sie doch unserer großartigen Gesellschaft und Wirtschaft nur “auf der Tasche liegen” und ihr ihnen das auch bei jeder Gelegenheit ins Gesicht sagt. Kranken Menschen die Rente wegnehmen und sie auf einen Arbeitsmarkt werfen, der nicht mal für die Gesunden genug Arbeitsplätze hat, das ist wohl das größte soziale Verbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg. Da könnt ihr wirklich stolz drauf sein.  Saubande, elende!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Österreichs Krieg gegen die Kranken

  1. tom93

    bei aller liebe zur kritik am abbau von sozialleistungen … muss das festverwurzelte, schädliche, stigmatisierende und lange bekämpfete bild von der “lungenentzündung” auf der psychiatrie wieder aufgewärmt werden?

  2. Da diese “Reform” unter anderem ja auch Zwangspsychiatrierung vorsieht, ja.

  3. edith friedl

    DANKE für diese treffende Zusammenfassung der widerwärtigen Zumutungen für die Kranken durch die SPÖler, diese Tanzmäuse der Neoliberalen.

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