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#NotJustSad

Unter dem Hashtag #NotJustSad (“nicht einfach nur traurig”) berichten derzeit auf Twitter Tausende über ihr Leben mit Depressionen. Vielen Betroffenen gibt das erstmals die Möglichkeit, über ihren Schmerz, ihre Ängste und ihre Nöte offen zu reden. Das Soziale Netzwerk schafft eine gewisse Distanz, die es ermöglicht, frei von jener Scham zu sein, die Menschen sonst oft davon abhält, ihre Gefühle auszudrücken. Viele Tweets sind erschütternd und ungeheuer traurig, und traurig ist auch die Unfähigkeit selbst wohlwollender Journalisten, das Thema aufzugreifen, ohne genau die Fehler zu machen, über die derzeit so viele Depressive klagen. Exemplarisch dafür ist der Bericht in der “Zeit”, in dem die Journalistin schreibt: “Die Krankheit ist in der Regel gut zu behandeln, in erster Linie durch Psychotherapie, gegebenenfalls auch durch Medikamente, manchmal durch eine Kombination aus beidem. Doch nicht alle Betroffenen werden optimal therapiert. Das kann mit der fehlenden Energie der Erkrankten zu tun haben, mit der Angst vor Stigmatisierung oder schlichtweg, weil die Schwere der Erkrankung nicht erkannt wird.” Das ist gut gemeint und dennoch genau das Falsche. Fast in jedem Artikel zum Thema Depression kommt der Hinweis vor, die Krankheit sei “gut zu behandeln”. Für Depressive, die das lesen, ist das wie ein Schlag in die Magengrube, denn die Krankheit ist eben nicht immer und in jedem Fall so gut zu behandeln, dass die Betroffenen wieder völlig “gesund” und glücklich durchs Leben spazieren. Oft kann die Behandlung “nur” dafür sorgen, dass sich Depressive nicht umbringen, was ja eigentlich ein großer Erfolg ist, in einer Gesellschaft, die immer schneller und härter wird, aber als unzureichend gilt. Und unzureichend fühlt sich auch der Depressive wenn man ihm immer wieder sagt, Depressionen seien eh ganz easy zu therapieren. Wenn es dann nicht klappt mit dem Wegtherapieren der Depression, wenn die auch nach Jahren oder Jahrzehnten immer noch da ist, dann führt das immer wieder vorgebrachte Mantra von der tollen Behandelbarkeit unweigerlich zu einem weiteren Einbruch des Selbstwertgefühls, da hier zumindest im Hintergrund mitschwingt, wer immer noch krank sei, sei selbst daran schuld. Außerdem nährt die Legende von der guten Heilbarkeit die Gelüste von Staat und Gesellschaft. gegen Kranke Zwangsmaßnahmen zu ergreifen nach dem Motto: “Man muss ihn zu seinem Glück zwingen”.

Dazu nur dies: Robin Williams hatte die best möglichen Behandlungen, Therapien und Medikamente, und er hat sich erhängt.

Was Depression anrichtet, ist grauenhaft, aber die Krankheit wäre nicht ganz so schlimm, wäre die Gesellschaft ein wenig netter zu den Kranken. Leider hat unsere Gesellschaft keine Angebote für eine wirkliche Beteiligung depressiver Menschen, für eine echte Inklusion. Depressive haben grob gesagt die Wahl, bis zum Suizid irgendwie doch noch mitzumachen beim Rattenrennen oder entmündigt in der Psychiatrie zu enden beziehungsweise in betreuten Wohneinheiten, wo sie dann Körbe flechten oder, von diversen Vereinen betreut, niedrigen Arbeiten nachgehen. Richtige Erwachsenenjobs gibt es für sie nicht mehr, da sie als zu unzuverlässig gelten und man, da ja jeder Mensch für ersetzbar gehalten wird, sich gar nicht erst die Mühe macht, Arbeitsformen zu schaffen, die auf nicht voll belastbare Leute Rücksicht nehmen. Sogar Arbeitgeber wie Gewerkschaften, Kirchen und politische Parteien setzen depressive Mitarbeiterinnen einfach auf die Straße. Was soll man dann von Betrieben erwarten, die streng profitorientiert sind? In Österreich hat man mit Beginn des Jahres 2014 psychisch Kranken sogar die Möglichkeit genommen, in die Invalidenrente zu fliehen. Sie sollen stattdessen “rehabilitiert” werden. Dass man mit Begriffen hantiert, die aus dem Strafrecht stammen, lässt tiefe Einblicke zu, was jene Politiker, die sich das ausgedacht haben, von psychisch Kranken halten. Österreichs Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach sogar von “psychisch Kranken und wirklich Kranken”.

Manchmal leisten Psychiater und Psychologen großartige Arbeit und retten Leben, manchmal sind sie Teil des Problems. Die Psychiater, die derzeit die Kliniken und die Forschung dominieren, glauben fest an Gene und Gehirnscans und die Biologie, so wie ihre Kollegen in den 20er und 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts fest an Rasse, Schädelvermessung und Eugenik glaubten. Schon der Gedanke, eine psychische Abweichung von der Norm könne nicht nur endogene Ursachen haben, sondern eine Reaktion auf eine krank machende Welt sein, gilt ihnen als ketzerischer Mumpitz. Natürlich gibt es endogene Depressionen, natürlich existieren chemische Prozesse im Gehirn, natürlich ist der Mensch auch ein biologisches Wesen, aber das alles existiert nicht im totalen Vakuum steriler Forschungslabore, sondern ist andauernd äußeren Einflüssen ausgesetzt. Medikamente sind durchaus nützlich und wichtig, aber die Gehirnchemie, die sie reparieren sollen, wäre womöglich gar nicht so reparaturbedürftig, wäre die Welt ein etwas humanerer Ort. Wir drehen den Fernseher auf und sehen, wie religiöse Fanatiker Menschen die Köpfe abschneiden und Mädchen als Sklavinnen verkaufen. Danach sehen wir einen Bericht über Kinder, die 15 Stunden am Tag schuften müssen, um zu überleben. Es folgt eine Reportage über die Zerstörung unserer Umwelt. Dann wieder Bilder vom Krieg in der Ukraine. Tag für Tag werden wir mit Schreckensbildern bombardiert und in unserem Alltagsleben erleben wir, wie der Druck am Arbeitsplatz immer weiter steigt, wie der Ton immer rauer wird. Und dann soll es nur an uns selber liegen, wenn wir depressiv werden? Weil unsere Gehirnchemie halt leider zu schwächlich ist?

Depression hat teils endogene bologische Ursachen, teils ist sie eine Reaktion auf die äußere Realität. Viele Depressive sind besonders sensible Menschen, die das wahnsinnige Unrecht, das andere als Normalität erleben, nicht hinnehmen können und den Zorn und die Empörung dann nach innen richten. Depression ist auch das Produkt einer Gesellschaft, die die Wut auf unzumutbare Verhältnisse nicht akzeptieren kann, da sie dadurch in Frage gestellt würde, und daher ganz massiv die Charakterisierung von Depression als ausschließlich individuelle Krankheit oder, schlimmer noch, als individuelles Versagen fördert. Wenn alles nur Gehirnchemie und Eigenverantwortung der Kranken ist, dann läuft eh alles bestens und die armen Spinner, die an den Grausamkeiten um sie herum zerbrechen, sind einfach nicht hart genug gepanzert für diese Welt.

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Die Fans der Kindersegregation

Österreich verstößt mit seiner Weigerung, die Sonderschulen abzuschaffen, gegen die Menschenrechte, besagt ein neues Rechtsgutachten. Das schmeckt den Leserinnen und Lesern des liberalen “Standard” gar nicht. Hier ein paar Postings.

1. Der überforderte Lehrer/Pfleger, der vor den “Bärenkräften” psychisch auffälliger KInder warnt. Den und seine Kollegen findet man sonst gerne unter Artikeln, in denen über Zwangsmaßnahmen gegen psychisch Kranke berichtet wird. Auch dort weisen sie stets auf die “Bärenkräfte” der Kranken hin, derer man außer mit Zwangsjacke und Fixierung einfach nicht Herr werden könne.

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2. Der besorgte Papa, der “alles” tun würde, um Behinderte “loszuwerden”.

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3. Der, der gegen körperlich Behinderte eigentlich gar nix hat, aber die geistig Behinderten dann doch etwas eklig findet.

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4. Der, der meint, die Menschenrechte seien einfach gar zu schwierig und utopisch.

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5. Einer der denkt, man solle das mit den Menschenrechten lieber ganz bleiben lassen und das, was ihn überfordert, “schwachsinnig” findet.

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Mitfühlende Mörder

Der Abstieg in die Barbarei geht schneller voran, als ich es befürchtet habe. Rund um Allerheiligen sind die Zeitungen wieder voll von Artikeln und Kommentaren zum Thema “Sterbehilfe” und fast jeder Text befürwortet die Euthanasie. Die liberale deutsche “Zeit” bringt einen wahren Jubelartikel über den staatlich legitimierten Tod von Kranken im US-Bundesstaat Oregon und nennt das “ein Modell für Deutschland”. Und in genau diesem Artikel steht auch drin, worum es abseits des Heuchelns von Mitgefühl wirklich geht: “Diese Patienten haben keine Angst, qualvoll allein zu sterben. Es ist umgekehrt: Sie haben Angst, dass andere sich zu viel um sie kümmern müssen. Es sind Menschen, die ihren Suizid nicht als Selbstzerstörung, sondern als Selbsterhalt sehen. Die ihrer Familie unter keinen Umständen zur Last fallen wollen, selbst wenn diese Familie bereit wäre, jede denkbare Last auf sich zu nehmen.”

Die Sprache des Unmenschen ist wieder da. Diese Sprache sieht im Tod, in der finalen Auslöschung des menschlichen Lebens keine Zerstörung, sondern bedächtige Rücksichtnahme auf die armen Gesunden, denen man nicht zumuten könne, sich um überflüssige Kranke zu kümmern. Wer so schreibt, der findet es auch nicht nötig darüber zu berichten, was im Vorbildsstaat Oregon seit Einführung des staatlich legitimierten Vergiftens von Menschen noch alles passiert ist. Zum Beispiel die Fälle von Barbara Wagner und Randy Stroub. Diesen beiden Krebskranken hat die Krankenversicherung “Oregon Medicaid” eine Chemotherapie verweigert, nicht ohne in einem Schreiben darauf hinzuweisen, dass es die Möglichkeit des legalen und außerdem kostengünstigen Selbstmordes gäbe.

Es geht beim Thema Sterbhilfe nicht um Leiden. Die Schmerzmedizin hat große Fortschritte gemacht in den vergangenen Jahrzehnten und es gibt kaum noch Fälle, in denen Menschen tatsächlich unkontrollierbare Schmerzen erleiden müssten. Eine entsprechende medizinische Versorgung der Bevölkerung vorausgesetzt können Menschen heutzutage tatsächlich ohne unerträgliche Pein ihre letzten Monate verbringen. Aber genau das, diese Versorgung mit guter Palliativmedizin, kostet einen Haufen Geld, den unsere ach so zivilisierten Gesellschaften offenbar gerne für andere Sachen ausgeben möchten. Es kommt die barbarischste Art, mit Leiden umzugehen, die Art der Nazis nämlich, wieder zurück: Man beseitigt nicht das Leid, sondern die Leidenden. Es ist Mord, begangen von den Gesunden und Starken an den Kranken und Schwachen. Getarnt als Mitgefühl.

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In der großen Betäubung

Die österreichische Bundesregierung verschärft die Gesetze gegen Verhetzung, doch fällt es schwer zu glauben, dies richte sich wie behauptet gegen Dschihadisten. Obwohl man in die Dummheit der Regierenden nicht zu viel hinein interpretieren sollte, passt diese weitere Intensivierung der Verfolgungs- und Bestrafungsmöglichkeiten des Staates zu einer Tendenz der polizeistaatlichen Aufrüstung der “westlichen” Wohlstandsinseln, die sich ihrer inneren Widersprüche sehr wohl bewusst sind und sich daher wappnen für die unweigerlich kommenden Stürme. Die Demokratie, oder genauer: die auf einen gewissen gesellschaftlichen Ausgleich abzielende Politik der Berücksichtigung der Interessen verschiedener gesellschaftlicher Fraktionen wird aufgegeben zugunsten postdemokratischer Verwaltungsstrukturen, die alleine den Interessen des Kapitals dienen, in denen reale demokratische Politik zu Ritualen und Parodie ihrer selbst verkommt und in denen die Herrschaft ganz offen höhnt, sie sei unbezwingbar und ewig und jeder Mensch, der sich etwas anderes vorstellen kann als die immer weiter vorangetriebene Ausbeutung von Mensch und Natur sei ein Träumer, ein Spinner und ein Clown. Wir sind in das Zeitalter der Postdemokratie eingetreten. In diesem Zeitalter behauptet die Herrschaft nicht einmal mehr, sie sei edel und gut, sondern gesteht sich, vielleicht bei einem Gläschen Wein, selbst ein, eine von Drecksäcken und Idioten zu sein, aber es gebe, leider leider, keine Alternative zu ihr. “Ich war, ich bin und ich werde sein”, tönt sie.

Doch das Unbehagen wird nicht kleiner, es wird immer größer. Die Anzeichen sind unübersehbar. Jahr für Jahr melden die Gesundheitsbehörden neue Rekordstände an sogannten “psychischen Krankheiten” wie Depression oder Angst, bei denen es sich aber, da sich seelische Leiden ja nicht über Tröpfcheninfektionen verbreiten, um individuelle Reaktionen von Menschen auf ein wahnsinniges System handelt. Wer die Nachrichten auch nur am Rande mitverfolgt sieht sich geradezu grotesken Widersprüchen gegenüber, auf die ein noch halbwegs intakt seiendes Ich nur auf zwei Arten reagieren kann: Mit aktivem Widerstand oder mit Rückzug in eine “Krankheit”. Ein Beispiel: Seit 20 Jahren erklären Wissenschaftler, wir bewegten uns auf eine Klimakatastrophe zu, zu der der Mensch mit seinen CO2-Schleudern großen Beitrag leiste. Und ebenfalls seit 20 Jahren werden Jahr für Jahr neue Rekordemissionen an CO2 vermeldet. Wer da nicht irre wird, spürt nichts mehr. Und diejenigen, die sich nicht selbst aus dem Spiel nehmen durch Erkrankung der Seele, wenden sich politischen Strömungen zu, die eine radikale Umwälzung der Verhältnisse versprechen. Vor allem Rechtsradikale und religiöse Fanatiker schöpfen aus dem sich immer weiter füllenden Pool Verzweifelter und Wütender, die zumindest fühlen, dass man sie verarscht, dass sie innerhalb des bestehenden formaldemokratischen Systems keine Chance haben werden, die Dinge so fundamental zu ändern, wie es höcht an der Zeit wäre. Auch die radikale Linke wächst, wenn auch viel langsamer und quantitativ geringer, wieder an. Das sind keine völlig irrationalen Wallungen irgendeines fast metaphysischen “Bösen”, sondern die natürlichen Reaktionen auf die Abtötungswirkung postdemokratischer Verhältnisse, in denen, wie in Russland und Osteuropa bereits üblich, immer nur eine Gruppe von Milliardären gegen eine andere antritt und man das dann Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen nennt. Daher betrug bei den letzten Wahlen in Bosnien die Wahlbeteiligung ganze 19 Prozent. Die Bevölkerungen erkennen, dass es völlig gleichültig geworden ist, wen sie wählen, dass sie allenfalls noch über kleinere gesellschaftspolitische Ausrichtungen abstimmen, aber nicht darüber, ob sie und die sie umgebende Natur im Zuge der Ausbeutung verschlissen und vernichtet werden oder nicht.

Den Vertretern der Kapitalinteressen ist es natürlich lieber, die Reaktion auf die große Betäubung der Postdemokratie ist eine Faschisierung als eine Aufklärung, die unweigerlich einen massiven Linksruck mit sich brächte. Daher hat keine europäische Regierung ein ernsthaftes Problem mit dem neuen Ständestaat in Ungarn, deswegen bekommt Putin stehenden Applaus wenn er in der Wiener Wirtschaftskammer vor der ökonomischen Elite spricht. Es spricht derzeit alles dafür, dass wir in einen immer offeneren und immer brutaleren neuen Faschismus abgleiten, ja vielleicht uns schon mitten drin befinden, ohne es wirklich bemerkt zu haben. Das eiskalte massenhafte Sterbenlassen von Flüchtlingen vor den Toren Europas sprechen da ebenso dafür wie die Rückkehr der Euthanasie in den Benelux-Staaten und die immer härter werdende Gewalt gegen psychisch Kranke in Zentraleuropa, die sich in Sondergesetzen wie dem Maßnahmenvollzug, der das real faschistische Konzept der Bestrafung von Menschen für ihr Wesen statt für ihre Taten bereits umsetzt, ausdrückt.

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Islam Islam Islam

Islam Islam Islam. Auf allen Kanälen, in allen Zeitungen, im ganzen Internet. Man hat den Eindruck, es gibt nichts anderes mehr. Wer gerade vom Mars kommt und die irdischen Medien verfolgt könnte meinen, die Dschihadisten hätten bereits gewonnen. Weil offenbar nie genug Islam sein kann, leiste auch ich meinen Beitrag und schreibe ein paar Zeilen zu dem zugegebenermaßen recht umfangreichen Thema, dem kein Blogeintrag je nur ansatzweise gerecht werden könnte.

Der Islam und ich, wir werden in diesem Leben keine dicken Freunde mehr, die auch mal zusammen auf ein Bier gehen, denn das scheitert schon daran, dass der Islam es nicht so hat mit Bier und anderen berauschenden Getränken. Der Islam ist ein bisschen wie dieser ehemalige gute Kumpel, der früher ein richtig wilder Hund gewesen ist und jetzt, bekehrt zu Gesundheitsfimmel und Trimmdich-Religion, seine Gäste dazu zwingt, am Balkon zu rauchen und, falls er sich doch mal ein eine Kneipe verirt, sofort demonstrativ zu husten beginnt, wenn sich ein Mensch drei Tische weiter eine Zigarette anzündet. Er will gesund leben, daher haben sich gefälligst alle anderen Menschen seinem Privat-Wahn zu unterwerfen. Wer das nicht macht, ist ein Bösewicht, der ihm ans Leben will, ihn aber mindestens tief beleidigt. So ähnlich wirkt auch der Islam. Ziemlich streng und puritanisch und immer gekränkt und in Abwehrhaltung, bereit, alles und jeden als persönlichen Angriff zu sehen.

Jetzt wird die Leserin sicher sagen, man könne doch nicht von “dem” Islam sprechen, habe der doch nicht mal eine zentrale theologische Autorität. Ich mache das trotzdem, ich verallgemeinere mal so, wie es die Strengeren unter den Fans von Allah auch tun. Die sehen nämlich in jedem, der die super extreme Auslegung ihrer Religion nicht teilt, einen Ungläubigen, den man bestenfalls bekehren soll, den man aber auch einfach umbringen kann, falls das opportuner erscheint. Fairerweise ist dazu zu sagen, dass das keine Spezialität des Islam ist. Auch das Christentum war und ist ein Fan der Missionarsstellung und war dabei genauso mörderisch wie der Islam, streckenweise sogar noch grausamer. Noch heute treiben missionierende Christen viel Unfug und richten viel Unheil an. Dazu könnten zum Beispiel afrikanische Schwule, deren Unterdrücker und Mörder von evangelikalen Missionaren aufgehetzt wurden, einiges erzählen. Dass die Jesus-Leute heute insgesamt netter wirken als der Fanclub Mohammeds liegt einzig und alleine an einem langen, opferreichen politischen Kampf und an den Bedürfnissen des Kapitalismus, der mit 150 arbeitsfreien Feiertagen pro Jahr nicht funktioniert hätte. Wäre es nach den christlichen Kirchen gegangen hätten wir heute immer noch lauter vom lieben Gott gewollte Königreiche mit absoluten Herrscherfamilien, Ketzerverbrennung, Hexenwahn und feudalistischem Elend ohne Entrinnen. Das gilt für alle Religionen. Auch der Buddhismus wäre ohne Umwälzung der Verhältnisse noch heute die Leigitimationsideologie von Gottkönigen.

Aber zurück zum Islam. Den muss man ablehnen dürfen wie man jede Religion ablehnen dürfen muss, ohne deshalb als Rassist oder sonstwas Ekliges zu gelten. Darf man das nicht, ist die Freiheit der Rede ebenso wie jene der Religion, die ja auch eine Freiheit von Religion sein muss, keinen Pfifferling wert. Nach der Niederlage des realsozialistischen Blocks und dem globalen Durchmarsch der us-amerikanischen Realverfassung gelten Atheisten und Agnostiker freilich als intolerante Finsterlinge, während man religiöse Kolletivpsychosen für das Natürlichste der Welt hält. Dem Glauben, und sei er noch so irrational und grotesk, muss höchster Respekt entgegengebracht werden, geht die neue alte Lehre. Doch wer Respekt fordert, muss auch respektabel sein. Ist das der Islam? Was bringt der denn hervor, das man respektieren müsste? Klar, es gab großartige Kulturleistungen in der Geschichte dessen, was man als islamischen Kulturraum bezeichnen könnte. Und das muss man natürlich ebenso respektieren wie das, was Menschen anderer Religionsausrichtung geschaffen haben. Sieht man sich die Geschichte etwas genauer an wird man aber rasch feststellen, dass man es fast nie mit etwas zu tun hat, das vom Islam, vom Christentum oder von Scientology erschaffen wurde, sondern von begabten und klugen Menschen, die ihrer jeweiligen geisttötenden religiösen Umgebung große Werke als Huldung an Gott/Allah/L. Ron Hubbard untergejubelt hatten. “Der” Islam macht eigentlich gar nix, nix Gutes und nix Schlechtes, das machen alles die Menschen. Und wenn der Islam oft sehr befremdlich bösartig wirkt, dann ist auch das nicht seine Schuld, sondern die von denen, die ihn so auslegen, wie es ihnen in den unterdrückerischen Kram passt. Denn natürlich steht im Koran wie in allen anderen “heiligen” Büchern alles und sein Gegenteil.

Man kann selbstverständlich “den” Islam schlecht finden und ablehnen. Dafür gibt es ebenso viele gute Gründe wie bei jeder anderen Religion. Was man nicht darf, ist Menschen herab zu würdigen, die zufälligerweise Muslime sind. Wie in jeder anderen Gruppe sind auch unter Muslimen die Hetzer und Fanatiker eine Minderheit, wie bei jeder anderen Gruppe will auch die absolute Mehrheit der Muslime einfach nur in Frieden leben, ihre Kinder großziehen und neue Smartphones kaufen. Der Islam hat da auch gar nix dagegen, denn der ist ebenso flexibel wie jede andere Religion. Islam geht auch ohne Kopfabhacken und Frauenverhüllen und Fusselbart. Die meisten Muslime haben kein Interesse an heiligen Kriegen da sie wissen, dass ein Krieg nur sehr selten heilig sein kann. Die wollen auch keine islamische Weltherrschaft oder ähnlichen Unsinn, die wollen, falls überhaupt, freitags in die Moschee gehen und danach den Imam zum Essen einladen, um über eine Hochzeit, ein Begräbnis oder sonst ein menschliches Ereignis zu reden, das eines religiösen Zuckergusses bedarf. Diese Leute muss man nicht nur vor den Rassisten und Kulturchauvinisten schützen, sondern auch versuchen, sie für eine gemeinsame Sache zu gewinnen. Für Demokratie und Menschenrechte zum Beispiel. Denn so wenig ich auch wirklich über “den Islam” weiß und sagen kann, eines scheint mir sicher: Ohne diese Freitags-Muslime, diese Geburtsschein-Moslems, ohne die stille Mehrheit der Kinder Allahs werden wir den Kampf gegen die religiösen Eiferer nicht gewinnen können.

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Teufelskreise

Es fällt nicht leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn man im Fernsehen bei “Hart aber Fair” den salafistischen Prediger Hassan Dabbagh sieht mit seinem mit Henna gefärbtem Bart und seinem Ethno-Dress und man ihm dabei zuhört, wie er verkündet, er gebe Frauen selbstverständlich nicht die Hand. Da kriegt man eine Wut und im Kopf fängt ein Film an, der all das Schreckliche, das in den vergangenen Jahrzehnten im Namen des Islam über die Welt kam, abspielt. Man sieht die einstürzenden Türme des World Trade Center, die afghanischen Fußballstadien, in denen die Taliban Frauen abschlachteten, die Galgen für Schwule im Iran, die öffentlichen Hinrichtungen in Saudi Arabien, die Massengräber aus dem algerischen Bürgerkrieg der 90er Jahre… es könnte ein sehr langer Film werden. Es gibt nichts zu deuteln: Große Teile des Islam stehen derzeit für Barbarei, Zerstörung, Unterdrückung und Tod. Und wir, wir fuchteln mit Ausschimpffingern, an denen das Blut von sechs Millionen Juden noch kaum getrocknet ist und die wir jeden Tag erneut in frische Blutlachen tunken, die von den sich immer höher stapelnden Leichenbergen stammen, die unsere Kriege, unsere Flüchtlingspolitik und unser Wirtschaftssystem weltweit hinterlassen. Politiker, die gut schlafen können, obwohl sie Schreibtischmörder sind, erklären mit ernster Mine, dass die Gräueltaten des “Islamischen Staates” nun wirklich zu weit gingen. Es sind Politiker, die das Kopfabschneiden durch den IS ganz fürchterlich finden, aber kein Problem damit haben, wenn das Kopfabschneiden auf den Marktplätzen von Saudi Arabien stattfindet. Diese Grundverlogenheit ist es, die letztlich jede Glaubwürdigkeit des westlichen Systems zerstört. Viele junge Muslime in Europa und in den USA erkennen dies und können damit nicht mehr umgehen. Sie werden daran irre, und sie sind natürlich nicht die Einzigen. Organisationen wie der IS bieten denen dann einen Ausweg aus der Verwirrung an, ein ganz klares Gut-Böse-Schema und ganz einfache Lösungen. “Sobald die Ungläubigen alle tot sind, wird deine Seele wieder gesund sein”, lautet das Versprechen. Rechtsextreme Bewegungen und Parteien, die den Islam zum Feindbild erkoren haben, haben ein ganz ähnliches Versprechen im Gepäck. “Sobald alle Muslime abgeschoben wurden, wird es uns wieder gut gehen”. Zwischen diesen beiden Faschismen, die die Welt in einen Kulturkrieg stürzen wollen, wird der Platz immer enger, da er denen freiwillig überlassen wird. Daran sind viele schuld. Faule Politikerinnen, die es sich mit keiner Gruppe verscherzen wollen. Verblödete Antiimperialisten und “Critical Whiteness”-Aktivistinnen, für die ein Nicht-Europäer niemals faschistisch sein kann, auch dann nicht, wenn er Juden ins Gas und Frauen auf den Sklavenmarkt schicken will. Hysterische Medien, die eine verengte Negativberichterstattung betreiben. Und viele andere mehr. Derweil sorgt die Zuspitzung und Vereinfachung dafür, dass  immer mehr Muslime in Europa rassistische Ausfälle und Hass zu spüren bekommen, was wiederum bei einigen dazu führt, sich zu radikalisieren. Teufelskreise werden da geschmiedet.

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Ciao, Zivilisation

Ein belgischer Häftling, der wegen Mordes und Vergewaltigung seit 20 Jahren einsitzt, erstreitet sich das Recht auf ärztlich assistierten Selbstmord. In Belgien darf sich jeder umbringen lassen, der “unterträgliche Qualen” leidet. Dies sei bei dem Gefangnen der Fall, so ein Gericht. 15 weitere Gefägnisinsassen haben sich bereits nach der Todesspritze erkundigt. Die Leserinnen und Leser des “Spiegel” sind sehr erfreut über diese Entwicklung.

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