Juni 26, 2008

Barbarei gegen Barbarei?

Vergewaltigung ist ein abscheuliches Verbrechen, das bei den Opfern tiefste seelische Wunden hinterlässt, an denen diese oft ihr Leben lang qualvoll leiden. Die Vergewaltigung von Kindern ist noch viel schlimmer in ihrer Wirkung auf die Opfer und verstößt gegen sämtliche Tabus, die sich die meisten Kulturen aus gutem Grund auferlegt haben. Der Lindwurm wird also sicher nicht ausreiten, um Leuten, die solche Verbrechen begehen, alles Liebe und weiterhin gutes Gelingen zu wünschen. Er wird aber auch nicht schweigen, wenn Politiker zur Bekämpfung barbarischer Taten barbarische Strafen verhängt sehen wollen, wie es nun im US-Wahlkampf Barack Obama tut, indem er einen Entscheid des Obersten Gerichtshofes der USA kritisiert, welcher die Anwendung der Todesstrafe für Sexualverbrechen an Kindern als “grausame und ungewöhnliche Bestrafung” bezeichnete und für nicht rechtens erklärte. Klar, es ist Wahlkampf und Obama muss sich, wie jeder Politiker in den USA, der was werden möchte, als “tough on crime” präsentieren, und ausgerechnet Vergewaltigern von Kindern gegenüber “Milde” zu signalisieren, könnte ihn entscheidende Stimmen kosten. Dennoch meint der Lindwurm: Erscheint bereits die für Mörder verhängte Todesstrafe wie ein Relikt aus voraufgeklärten Tagen, so wäre es ein Schritt in Richtung Barbarei, die härteste Strafe, die an Menschen vollzogen werden kann, für Verbrechen ohne Todesfolge anzuwenden. Sollte der Weg zu immer gnadenloseren und absurd grausamen Strafen, den die USA seit fast 25 Jahren beschreiten, fortgesetzt werden, welches moralisches Gewicht hätte dann noch Kritik aus diesem Land an Menschenrechtsverletzungen, wie sie zum Beispiel in der Scharia institutionalisiert sind? So wie Guantanamo Bay wohl wesentlich mehr Imageschaden angerichtet als es Terroristen abgeschreckt hat, so könnte eine Ausweitung der Straftatbestände, die mit dem Tod geahndet werden, denjenigen Amerikahassern Auftrieb geben, die diese Demokratie für nicht besser halten als archaische Religionsdiktaturen, welche Frauen steinigen und Homosexuelle an Baukränen aufhängen. Bevor hier Missverständnisse aufkommen: Der Lindwurm kennt natürlich die Unterschiede zwischen rechtsstaatlichen Verfahren und Willkürjustiz, er sorgt sich bloß über eine weitere mögliche Niederlage der USA im Propagandakrieg.

Juni 25, 2008

Smart Bombs don´t explode

Es dauerte kaum länger als es braucht, das Wort “Waffenstillstand” auszusprechen, da flogen auch schon wieder Raketen aus dem Gazastreifen auf Sderot. Die Hamas freilich stellt sich doof und sagt: “Das waren wir nicht, das war der Islamische Jihad, wir können da rein gar nichts dafür”. Das freilich können die lieben Iran-Marionetten den 72 Jungfrauen im Paradies erzählen (bei denen es sich aber auch um Weintrauben handeln könnte wie ein deutscher Koranforscher herausgefunden haben will - eine niederschmetternde Neuigkeit für Gotteskrieger, denn 72 Weintrauben lassen sich auch im Diesseits für wenig Geld erstehen und sind für echte Machos mit Sicherheit weniger motivierend als 72 Sexsklavinnen, deren Jungfernhäutchen immer wieder nachwächst). Wollte die Hamas wirklich einen Waffenstillstand, der mehr als bloß eine Feuerpause zur Regeneration der eigenen Schlagkraft ist, oder gar einen echten Frieden, sie würde mit dem “Islamischen Jihad” das tun, was die IRA einst mit der “Real IRA” tat: Als letztere im Jahr 1998, mitten in den Friedensgesprächen, im Städchen Omagh eine Autobombe zündete und damit 29 Menschen tötete, ließ die IRA kurzerhand über ihr Netzwerk verlauten: “Die RIRA hat alle Aktivitäten umgehend einzustellen, ansonsten wird jedes RIRA-Mitglied liquidiert.” Das saß und es gab keine nennenswerten Aktivitäten der “Real IRA” mehr. Nun mag die Hamas im innerpalästinensischen Terrorgeflecht nicht jene dominierende Rolle spielen, wie die IRA einst in Irland, doch wenn ein echter Friedenswille vorhanden wäre, könnten Hamas und Fatah in Zusammenarbeit mit Israel in recht jurzer Zeit für Ruhe im Puff sorgen. Allein: Das will die Hamas ja gar nicht. Weder erkennt sie das Existenzrecht Israels offiziell an, noch weicht sie von ihrem Endziel - der Zerstörung des Staates Israel - auch nur einen Millimeter ab. Natürlich ist es trotzdem positiv, wenn zumindest weniger Raketen auf israelische Zivilisten abgefeuert werden. Jede Rakete, die in irgendwelchen Kellern in Gaza Staub ansetzt, statt Israelis umzubringen oder zu verstümmeln, ist eine gute Rakete, und eine kluge, eine Smart Bomb sozusagen, denn jede Rakete, die ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt wird, provoziert die berechtigten Reaktionen der IDF mit allen negativen Folgen für die Bevölkerung in Gaza. Aber wird sich diese Erkenntnis auch bei den militanten Palästinensern rumsprechen, die trotz einer über Jahrzehnte andauernden Serie von Niederlagen nichts dazugelernt zu haben scheinen? Der Lindwurm zweifelt daran.

Juni 24, 2008

Filmkritik zu “Persepolis”

“Persepolis”: Die achtjährige Marjane, Tochter einer politisch links stehenden Familie, erlebt mit, wie im Iran der Schah gestürzt wird. Sie ist ein Kind mit ausgeprägter Fantasie und hält auch schon mal Zwiesprache mit Allah, der sie als “nächste große Prophetin” auserkoren hat. Ihre Eltern schöpfen nach der politischen Wende Hoffnung, und als dann auch noch ihr Onkel aus dem Gefängnis entlassen wird, scheint es für kurze Zeit so, als sei tatsächlich ein demokratischer Wechsel möglich. Dieser Onkel macht sie auch erstmals in kindgerechter Form mit dem Marxismus bekannt und ist neben der anarchistisch angehauchten Großmutter ihre zweite große Inspirationsquelle. Doch dann übernehmen die Mullahs die Macht und eine Welle der Repression bricht über das Land herein, gegen die sogar das Schah-Regime harmlos war, oder, wie es die kleine Marjane im Klassenzimmer im Streit mit ihrer islamistischen Lehrerin ausdrückt: “Unter dem Schah gab es 3.000 politische Gefangene, jetzt sind es 300.000″. Dann wird ihr geliebter Onkel verhaftet und hingerichtet, wie so viele andere Kommunisten und Sozialdemokraten, was bei dem mittlerweile 13jährigen Mädchen dazu führt, dass sie von Gott nichts mehr wissen will und dessen Gesprächsangebote brüsk zurückweist. Wenig später greift der Irak den Iran an und zu den Gängeleien der Religionsfaschisten kommt auch noch der Kriegshorror hinzu. Marjanes Eltern beschließen, dass ihre Tochter im Iran keine Zukunft hat, und schicken sie nach Wien, wo sie das französische Gymnasium besuchen soll. Dort findet sie unter dem internationalen Publikum der Schule zwar rasch Freunde und gibt sich einem Leben als Nachwuchsbohemien inklusive endloser Gespräche über Anarchismus und viel Cannabiskonsum hin, doch sie bleibt mit ihren bedrückenden Erfahrungen aus ihrer Heimat alleine. In dieser Zeit wird sie körperlich zur Frau und macht sexuelle Erfahrungen, und als sie einen Wiener Undergroundschriftsteller kennenlernt, meint sie, die große Liebe gefunden zu haben. Doch der Kerl entpuppt sich leider als grober Fehlgriff, der sie bei der ersten Gelegenheit mit einer anderen betrügt, was Marjane in eine tiefe Depression stürzt, die sie fast das Leben kostet. Sie lebt als Obdachlose in den Tag hinein und wird in einer Winternacht in letzter Minute vor dem Erfrieren ins Krankenhaus gebracht. Ihre Eltern holen sie daraufhin heim nach Teheran, doch die Depression sitzt tief und die junge Frau kann sich zu nichts mehr aufraffen. Bis ihr eines Tages wieder Gott erscheint, und diesmal hat er seinen Kumpel Karl Marx dabei. Die beiden fordern Marjane auf, wieder in die Gänge zu kommen, was sie auch tut. Sie geht los und schreibt sich in der Teheraner Universität ein, doch obwohl der Krieg mit dem Irak vorbei ist, hören die Repressalien des Regimes nicht auf und nach wenigen Jahren stellt unsere Protagonistin fest, dass sie das Land für immer verlassen muss, wenn sie ein selbstbestimmtes Leben führen will…

Wenige Filme haben mich in jüngster Zeit dermaßen beeindruckt wie dieser. Und das liegt durchaus nicht nur an der großartigen Geschichte, sondern auch am Animationsstil. Der erinnert ein bisschen an Art Spiegelmanns “Maus”-Comics und an den deutschen Expressionismus, ist aber nicht so düster. Auch ein klein wenig Robert Crumb-Einfluss kann man erkennen, vor allem in den komischen Momenten. Höchst erfrischend fand ich, dass hier das klerikalfaschistische Regime nicht aus der Sicht eines “Westlers” kritisiert wird, sondern aus jener einer jungen Iranerin, deren Familie ihr politische Weltsichten vom Liberalismus bis zum Kommunismus mitgegeben hatte. Für viele westeuropäische Linke, die sich nicht zu blöd sind, mit Klerikalfaschisten zu paktieren, dürfte der Film entsprechend unangenehm sein, wird doch an mehr als einer Stelle deutlich gemacht, dass vor allem die iranische Linke unter dem Regime leidet. Das zeigte sich übrigens in den Besprechungen: Während fast alle “bürgerlich-liberalen” Medien den Film lobten, gab es in der nationalbolschewistischen “Jungen Welt” einen Verriss. Ein Zeichen dafür, wie sehr manchen Linken schon ein moralisches Koordinatensystem abhanden gekommen ist. In Cannes wurde Persepolis mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet, wogegen der Iran erwartungsgemäß protestierte. Im Libanon gab es von der pro-iranischen Hisbollah Bombendrohungen gegen Kinos, die den Film zeigten.

Fazit: “Persepolis” ist einer der wenigen Filme, denen ich ohne Bedenken die Prädikate “wichtig und sehenswert” verleihe. Der Streifen ist politisch höchst relevant und dennoch durchwegs unterhaltsam. Einer jener Filme, die man gesehen haben MUSS. Gute 9/10.

ps: Als Österreicher, der lange in Wien gelebt hat, fand ich es mal wieder faszinierend, wie sehr es Ausländern auffällt, dass diese Stadt wirklich ein Hort von Neurotikern und Arschlöchern sondergleichen ist…

Juni 23, 2008

What I see coming

Die groß angelegten Manöver Israels, die kürzlich stattfanden, sind mehr als Säbelrasseln, sie sind eine letzte Warnung an die iranische Führung, und sie sind eine Botschaft, welche lautet: “Wir werden es nicht hinnehmen, dass ihr Nuklearwaffen entwickelt”. Klarer kann eine Warnung und eine Botschaft nicht ausfallen. Dass auch die EU ihre Sanktiönchen ein bisschen verschärft, ist in diesem Kontext übrigens völlig unerheblich. Das militärisch impotente Europa muss brav auf sein Zimmerchen gehen, wenn die Großen anfangen zu spielen. Die Großen sind die USA, Russland, China, die arabischen Staaten und Israel, und die sind sich,  zumindest hinter verschlossenen Türen, darüber einig, dem Iran nicht zu gestatten, eine Atomkriegskapazität zu entwickeln. Kein einziger Staat wird Teheran zu Hilfe eilen, wenn wirklich Bomben auf seine Nuklearanlagen regnen sollten, denn kein einziger Staat außer Iran selbst hat auch nur das geringste Interesse daran, dass die dort herrschenden Apokalyptiker die ultimative Waffe in die Finger bekommen. Womit also zu rechnen ist, ist dies: Entweder die Mullahs geben nach und beenden ihre Nuklearwaffenambitionen, oder ihre Fähigkeit, solche Waffen herzustellen, wird militärisch ausgeschaltet. Und sollte ein Wahnsinniger aus der iranischen Theokratie tatsächlich so blöd sein, Israel im Gegenzug mit chemischen oder biologischen Waffen angreifen zu lassen, dann gnade ihnen Gott oder Allah oder sonstwer, denn die Israelis werden in so einem Fall keine Gnade walten lassen. So schaut´s aus, auch wenn die Antiimperialisten und andere Geistesgestörte noch so sehr im Quadrat springen.

Juni 23, 2008

Mein “aufregendes” Leben

Vergangene Woche habe ich gleich zwei Ereignisse verdrängt und dadurch zwei Menschen beleidigt. Da war einmal der Geburtstag meines Vaters, dem zu gratulieren ich verabsäumte, und dann auch noch die Vernisage einer guten Freundin und fantastischen Künstlerin, die mir zwar zwei Einladungen geschickt hatte, was mich aber nicht davon abhielt, den Termin trotzdem zu verschwitzen. Meine Social Skills sind wohl ziemlich im Arsch. Andererseits: es ist Fußball-Europameisterschaft, was bedeutet, dass die Abende vor der Glotze verbracht werden und dass dazu auch noch Bier in nicht geringen Mengen konsumiert wird. Lieber Vater, geschätzte Freundin: Gebt nicht mir die Schuld, gebt sie der UEFA und der Kärntner Brau-AG!

Am Wochenende war ich dann zu Gast bei einem alten Kumpel, der eine brüchige Holzlaube vor seinem Haus zu einem tollen Partyraum samt Theke, Fließwasser, Kühlschrank, cooler Beleuchtung und HiFi-Anlage ausgebaut hat. Und das Teil steht direkt neben einem rießigen Pool von solchen Ausmaßen, dass man darin ohne Übertreibung olympisches Schwimmen trainieren könnte. Ich, mein Kumpel, dessen Bruder und ein Pärchen genossen also Sonne, Bier, albanischen Alternativtabak und leider auch Rum, was sich als unglücklich gewählte Kombination entpuppte, denn die anfangs noch vorhandenen Good Vibrations verwandelten sich rasch in eine mit Paranoia und Missverständnissen aufgeladene Gewaltstimmung, und schon begannen das Pärchen und die beiden Brüder zu streiten, also der männliche Part des Pärchens mit dem weiblichen und der eine Bruder mit dem anderen und nicht die Brüder mit dem Pärchen. Ich stand daneben und umklammerte schützend mein Bier, als nach erbitterten Wortgefechten der Marke “das sagst du immer, du Schuft, und zwar seit 1899″ und geschliffen formulierten Retourkutschen (”du Schwein!”) auch schon die Fäuste flogen, die Frau heulend die Flucht ergriff und der eine Bruder dem anderen mit der gestreckten Faust fast das Auge ausschlug. Ich hatte schon entspanntere Abende…

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich bei 36 Grad Celsius in Unterhose und T-Shirt vor dem Computer, schwitze, kraule meinen Bierbauch (ha, mit diesem Bild in Ihrem Kopf werden sie nun leben müssen, liebe Leserinnen und Leser) und freue mich des Lebens und über die sommerlichen Temperaturen . Ein Lindwurm ist nunmal kein Freund des eisigen Nordens, sondern blüht erst jenseits der 28-Grad-Marke so richtig auf. Globale Erwärmung? Immer her damit (bloß schade, dass daraus womöglich doch nichts wird, weil die Sonne, die alte Sau, sich einfach weigert, die nach ihr benannten Flecken zu erzeugen)!

Das war jetzt alles hochinteressant für Sie, nicht wahr, geschätzte Leser? Tja, gegen das Leben des Lindwurms ist jenes von James Bond ein graues Beamtendasein in einem grauen Beamtenpalast, in dem grauhaarige Herren traurig auf die Hinterteile von in Grau gekleideten Kolleginnen starren.

Juni 18, 2008

Zeit für einen New New Deal

40 Prozent der New Yorker haben laut einer Meldung der APA Schwierigkeiten, Geld für Essen aufzubringen. Nachrichten wie diese lassen es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass bei den Präsidentschaftswahlen jener Kandidat gewinnen wird, der den Amerikanern glaubhafter vermitteln kann, dass er den enorm steigenden Lebenshaltungskosten etwas entgegensetzen kann. Wichtig für die USA und die Weltwirtschaft wird aber sein, ob den Versprechungen auch Taten folgen, denn wenn die Welt eines nicht gebrauchen kann, dann ist es der Kollaps der größten Volkswirtschaft der Erde aus dem dummen Grund, dass diese einen wichtigen Teil ihrer Konsumenten einfach verarmen lässt. Wer immer auch ab kommendem Jänner im Weißen Haus sitzen wird: Er wird entweder die Verarmung weiter Bevölkerungsschichten stoppen, oder er wird zusehen müssen, wie sein Land (zusammen mit der EU übrigens) den schmerzhaften und peinlichen Weg in ein Dasein als neue Dritte Welt antritt, denn merke: Menschen, die sich ihr Essen kaum mehr leisten können, werden weder den Militärapparat finanzieren, noch in High-Tech-Unternehmen investieren. Entweder es gibt einen neuen “New Deal”, oder wir gewöhnen uns rechtzeitig daran, auf den Status von Agrarnationen zurückzufallen.

Juni 18, 2008

Geht Klimaschutz ins Auge?

Die EU-Kommission will, um ihre hoch gesteckten Klimaschutzziele zu erreichen, ab 2009 die klassischen Glühbirnen aus dem Verkehr ziehen und durch Energiesparlampen ersetzt sehen. Das könnte jedoch für viele Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ins Auge gehen, denn das von Leuchtstoffröhren (nichts anderes sind “Energiesparlampen”) ausgesendete kurzwellige blaue Licht könnte die Netzhautzellen schädigen und somit Augenerkrankungen hervorrufen. Das legen zumindest Tierversuche nahe. Auch LCD/TFT-Bildschirme haben, wie Energiesparlampen, einen erhöhten kurzwelligen Blauwert, während normale Glühlampen, ähnlich dem Sonnenlicht, auch langwelliges Rot abstrahlen, welches den Reparaturmechanismus der Netzhaut unterstützt. Bevor die gute alte, aber halt nicht sehr energieeffiziente Glühlampe auf dem Müllhaufen der Technik landet, sollten die möglichen Risiken von Leuchstofflichtquellen und mögliche Schutzmaßnahmen dagegen besser erforscht werden, meint der Lindwurm.

Juni 18, 2008

Welcome to nazi-paradise

Pünktlich dann, wenn den Lindwurm das Gefühl beschleicht, er könne es mit dem Österreich- und Kärntenbashing zu weit getrieben haben, nimmt das Land Anlauf und hechtet mit Wucht gegen den Watschenbaum. Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider hat nun zum Fall des gesuchten Kriegsverbrechers Milivoj Ašner, der seit Jahrzehnten unbehelligt in Klagenfurt lebt, wie folgt gegenüber dem “Standard” Stellung bezogen: “Er soll seinen Lebensabend bei uns verbringen dürfen. Er ist seit Jahren ein Klagenfurter Bürger, der friedlich bei uns lebt. Das ist eine nette Familie. Wir schätzen diese Familie sehr”. Dass der “friedliche Bürger” für den Tod von zig tausenden Menschen verantwortlich ist und auf der Most Wanted-Liste gesuchter Kriegsverbrecher einen der Top-Plätze belegt, stört Haider nicht weiter. Warum auch? Wer dem Massenmörder Saddam Hussein ohne Auftrag die “besten Grüße des österreichischen Volkes” überbringt, zu der netten Diktatorenfamilie Gaddafi beste Kontakte unerhält, die Vernichtungs-KZ der Nazis als “Straflager” bezeichnet und alte SS-Schergen für deren Gesinnungsstandfestigkeit lobt, der kann in einem Typen wie Ašner ja keinen Verbrecher erkennen, sondern nur einen Gesinnungsgenossen.

Ašner passt gut zu Kärnten. Wenn Österreich ein “Paradies für Nazis” war und ist, wie es der Leiter des Simon Wiesenthal-Zentrums in jerusalem, Efraim Zuroff ausdrückte, so ist Kärnten die Luxus-Suite in diesem Paradies. In keinem anderen österreichischem Bundesland haben sich nach dem zweiten Weltkrieg dermaßen viele hohe Nazis aus allen Teilen des untergagangenen Dritten Reiches niedergelassen wie in Kärnten, nirgendwo sonst haben die alten NS-Seilschaften die Entnazifizierung so unbeschadet überstanden wie im Land zwischen Karawanken und Hohen Tauern. Das ist auch der echte Grund für die mit viel Paranoia aufgeladene Hetze, die in Kärnten seit Jahrzehnten gegen Jugoslawien betrieben wurde und für den Hass, mit dem alles verfolgt wurde, was nach Antifaschismus roch. Den feinen Herren Nazis steckte nämlich die Angst in den Knochen, dass sie eines Tages vielleicht doch noch für ihre Untaten zur Verantwortung gezogen werden könnten, so wie es ein paar dutzend NSDAPlern widerfuhr, die besonders brutal gegen Slowenen und Kriegsgefangene gewütet hatten und in den letzten Kriegstagen und kurz danach vom bewaffneten Widerstand liquidiert wurden, oder so wie es jenen kroatischen Ustascha-Faschisten erging, die von den Briten an die Jugoslawische Armee ausgeliefert wurden, die mit ihnen Kurzen Prozess machte. Die “Kärntner Urangst” ist also in Wahrheit nichts anderes als die Angst des Täters, geschnappt zu werden. Nur wer dies weiß kann die psychologischen Gründe für die bizarre Diskriminierung der slowenischen Volksgruppe in Kärnten begreifen. Nur wem bewusst ist, dass Kärnten von Nazi-Cliquen und deren Nachkommen regiert wurde und wird, versteht, warum im südlichsten Bundesland so erbittert gegen jede zweisprachige Ortstafel gekämpft wird.

Die “Ehemaligen” reorganisierten sich in Kärnten nahezu perfekt nicht nur in der FPÖ, sondern kaperten auch große Teile der hießigen SPÖ und konnten somit die Schlüsselstellen in Politik, Justiz, Exekutive, Presse, Schulwesen und leider auch Psychiatrie besetzen. Gerade letzteres ist besonders bitter, wenn man bedenkt, dass psychisch Kranke von den Nazis ja als “unwertes Leben” betrachtet und oft genug ermordet wurden. Die Giftspritzen, mit denen Gemütskranke getötet wurden, setzten noch keinen Rost an, da wurde die psychiatrische Abteilung des Klagenfurter Landeskrankenhauses schon wieder von Leuten wie Otto Scrinzi geleitet, einem lupenreinen Rechtsextremisten, der Kontakte zu NS-Kriegsverbrechern unterhielt und von sich sagte “ich war schon immer rechts, auch innerhalb der NSDAP“. Ungefähr zeitgleich mit Scrinzi begann auch Franz Wurst, ein wahrer Teufel in Menschengestalt, damit, seine Position in der Kinderpsychiatrie dazu zu nutzen, seinen pädophilen Neigungen nachzugehen. Erschütternd ist auch, dass Scrinzi über Jahrzehnte von der Kärntner Justiz als psychiatrischer Gerichtsgutachter beschäftigt wurde und auf diese Weise sein NS-Gedankengut nicht “nur” für Patienten der Psychiatrie, sondern auch für psychisch beeinträchtigte Straftäter mehr als einmal zum Verhängnis wurde. Der Lindwurm erinnert sich noch gut an einen Fall aus den frühen 90er Jahren, als ein Großmütterlein eines Tages von der Couch aufstand, einen Hammer nahm und seine gesamte Familie erschlug, um sich dann wieder hinzulegen, als wäre nichts geschehen. Otto Scrinzi attestierte der alten Frau “völlige Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt”. Leuten wie dem Kriegsverbrecher Ašner wurde jedoch von Scrinzi und dessen Nachfolgern stets Verhandlungsunfähigkeit und/oder Haftuntauglichkeit bescheinigt. Wie gut die rechten Seilschaften immer noch funktionieren und welchen Einfluss sie in Kärnten immer noch haben, belegt der “Standard” bezüglich der Causa Ašner : Erst vor einem Monat habe der Klagenfurter Gutachter Max Neumann das dementielle Zustandsbild Ašners bestätigt. Der schlagende Burschenschafter Neumann ist allerdings bei Kennern eines “rechten Netzwerkes” in Kärnten kein Unbekannter.

Juni 17, 2008

Blogroll

Liebe Leserinnen und Leser

Ich bemerke in jüngster Zeit immer wieder - oft nur dank des Kollegen Rainer Zufall - dass viele interessante Blogs, von denen ich noch nichts wusste bzw immer noch nichts weiß, auf mein Weblog verlinken. Bitte, liebe Leute, schämt euch nicht und habt keine Angst vor dem grimmigen Lindwurm, sondern macht mich per email oder Userkommentar darauf aufmerksam, damit ich eure Seiten ebenfalls in meine Blogroll aufnehmen kann!

Danke

Juni 17, 2008

Scheiße: Doch kein Krebs durch Handystrahlung

Der Lindwurm kannte mal Leute, die sich Anfang der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts auf`s Land zurückgezogen hatten, um fürderhin ein Leben im Einklang mit der Natur und fern der bösen Stadt zu führen. Tiere hielt man sich nicht, um diese etwa zu essen, sondern um auf ihnen zu reiten (und auch das mit einem schlechten Gewissen), und auf dem Acker wurden Kartoffeln und Salat und anderes Essbares streng biologisch-dynamisch nach der Lehre von Rudolf Steiner angebaut, was in etwa bedeutet, dass man beim dritten Vollmond im Frühling rückwärts gehend die Saat ausbringt, dabei Fledermausblut verspritzt und eine dünne Schicht aus Menschenkot über der Anbaufläche versprüht. Menstruieren darf man währenddessen natürlich nicht, dafür aber an Buddha und Karma glauben. Diese Leute verachteten auch die “Schulmedizin”, und wenn sie von dieser sprachen, dann in jenem Tonfall, in dem man Schwerverbrecher verflucht. Für diese Bekannten des Lindwurms war jeder Arzt ein kleiner Mengele und jede Schutzimpfung ein von der Pharmaziemafia heimtückisch geführter Stich in den alternativen Volkskörper. Es versteht sich, dass diese edlen Landfreaks die Gentechnik für “gefährlicher als die Atomkraft” hielten und Handymasten für Krebsproduzenten oberster Rangordnung. Irgendwann um die Jahrtausendwende hat der Lindwurm den Kontakt zu diesen Menschen verloren und er weiß nicht, was aus ihnen geworden ist. Entweder sind sie heute erfolgreiche Fremdenzimmervermieter und Esoterikgedönsanbieter, oder sie hocken mit Hüten aus Aluminium auf dem Kopf zitternd im Biorübenkeller.

“Was will der Wurm uns mit dieser Geschichte sagen”, fragen Sie sich jetzt vermutlich. Ganz einfach: Diese Leute, die es real gibt (oder zumindest mal gab), waren typische Vertreter und leider auch Vorreiter einer antimodernen neoromantischen Bewegung, die einst gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand, dann im Naturfetischismus der Nazis einen ersten Höhepunkt erreichte und in den 70er Jahren in Gestalt der zu Ökos gewandelten Hippies erneut dazu überging, die Themenführerschaft an sich zu reißen und die übrige Menschheit, die in den Wohlstandsgürteln des Planeten lebte, mit ihren Angstfantasien und ihrem Natürlichkeitsfetischismus zu infizieren. Und diese Infektion war dermaßen erfolgreich, dass Pest und Cholera grün vor Neid wurden. Heute ist eine große Mehrheit der Bürger davon überzeugt, dass Biolebensmittel in jedem Fall gesünder seien als konventionell erzeugte, dass Kernkraft eine Erfindung des Teufels ist und Handystrahlen wahrscheinlich Krebs und/oder Faschismus verursachen. Es hat sich aber mittlerweile herausgestellt, dass Bio-Kost keineswegs gesünder, nahrhafter oder auch nur wohlschmeckender ist, als die Produkte jener Bauern, die ihre Kunden nicht verarschen, sondern dass es im Gegenteil ein veritables Risiko gibt, mit Bio-Nahrung auch Verunreinigungen bis hin zum giftigen Mutterkorn gleich mit zu erwerben (die diesbezüglichen Warnungen der Verbraucherzentralen betrafen jedenfalls in den vergangenen Jahren überproportional häufig Produkte, die um teures Geld in den Bioabteilungen der Supermärkte feilgeboten wurden). Der Wald ist trotz einer Panikmache auf allerhöchstem Intensitätsniveau auch nicht gestorben, trotz Tschernobyl leben die meisten Europäer noch und das Ozonloch hat sich wieder geschlossen. Und nun wird auch in Sachen Handystrahlung Entwarnung gegeben. “Entwarnung auf fast allen Ebenen: Mobiltelefonieren macht nicht krank, ergibt eine großangelegte Studie des Bundesamtes für Strahlenschutz”, schreibt der “Spiegel”. Jetzt wartet der Lindwurm gespannt, wann eine großangelegte Studie eines wichtigen Amtes endlich ergeben wird, was viele ernstzunehemende Wissenschaftler bereits wissen, dass nämlich der anthropogene Einfluss auf das Weltklima und dessen Veränderung sich irgendwo im Bereich von 0,001 Prozent bewegt und all die vielen Milliarden, die dazu verwendet werden, in völlig größenwahnsinniger Manier das Klima der kommenden 50 oder 100 Jahre beeinflussen zu wollen, fahrlässig hinausgeworfene bis kriminell veruntreute Steuergelder sind, welche kluge oder zumindest nicht verbrecherische Regierungen dazu verwenden würden, den ganz real und nicht nur in den Computermodellen irgendwelcher fördergeldverschlingender Institute und Lobbygruppen existierenden Menschen zu helfen. Noch beherrschen die Ökofundamentalisten die Lufthochheit in der öffentlichen Diskussion, aber angesichts der rasant steigenden Lebenshaltungskosten dürfte auch das sich bald ändern, denn wenn es ans Eingemachte geht, dann pflegen eingebildete Krankheiten rasch zu verschwinden.