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“Feuer frei” auf Juden

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, spricht den Klartext, den in Österreich sich anscheinend niemand zu sprechen traut oder niemand sprechen will: “FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat eine Karikatur veröffentlicht, als deren geistigen Schöpfer man getrost Joseph Goebbels bezeichnen darf und die so auch im Nazi-Kampfblatt “Der Stürmer” hätte erscheinen können. (…) Was soll man im Ausland von einem Land halten, in dem der Vorsitzende der drittgrößten Partei offenen Antisemitismus betreibt? Welche politische Kultur muss in einem westlichen, demokratischen Land herrschen, dass so etwas überhaupt möglich ist? Und auf welches Fundament vertraut ein solcher Hetzer, dass er sich sicher fühlen kann, mit solchen Tricks durchzukommen? Der Fall Strache müsste in Österreich eigentlich alle Alarmglocken schrillen lassen. Doch der Kreis jener, die ihm öffentlich widersprechen, wirkt überschaubar. Den meisten scheint es wichtiger zu sein, möglichst schnell zur Tagesordnung überzugehen und die unappetitliche Geschichte zu vergessen. (…) Aber man muss dann doch einmal die Frage stellen dürfen: Wie kann es ein Politiker mit solchem Gedankengut und der dazugehörigen Vorgeschichte als Rechtsextremist überhaupt so weit bringen in der österreichischen Politik?

Ich werde nun versuchen, einige der berechtigten Fragen, die Lauder stellt, zu beantworten, und ich darf schon jetzt verraten, dass nicht jede Antwort Lauder auch gefallen wird.

1. Welche politische Kultur muss in einem westlichen, demokratischen Land herrschen, dass so etwas überhaupt möglich ist?

Antwort: Es herrscht in diesem Land eine politische Kultur des Verdrängens und Totschweigens antisemitischer Kontinuitäten, die zum Teil zum katholischen Antijudaismus, zum größeren Teil aber auf den Nationalsozialismus zurückreichen. Es ist eine politische Kultur, die es ohne Probleme zuließ, dass im Jahr 1970 der ÖVP-Spitzenkandidat Josef Klaus auf Plakaten damit prahlte, dass er im Gegensatz zu seinem Herausforderer, dem Juden Bruno Kreisky von der SPÖ, ein “echter Österreicher” sei. Dieselbe politische Kultur hatte kurz danach keinerlei Probleme damit, dass Kreisky, der im Sprachgebrauch des damaligen ÖVP- und FPÖ-Fußvolks stets nur als “der Saujud” tituliert wurde, gleich vier ehemalige NSDAP-Mitglieder in seiner Regierung installierte und offen damit liebäugelte, mit dem FPÖ-Chef Friedrich Peter, der im Krieg einer massenmörderischen SS-Bande angehört hatte, eine Koalition zu bilden. Als Simon Wiesenthal dies öffentlich kritisierte, begann Kreisky einen teils verleumderischen Kleinkrieg gegen den “Nazijäger” und feuerte damit den nicht einmal klammheimlichen, sondern recht offenen Antisemitismus in Österreich weiter an. Es war auch Kreisky der es duldete, dass sich in der Sozialdemokratischen Partei unzählige ehemalige Nazis breitmachten, die es bis in höchste politische Ämter brachten und Netzwerke knüpften, die die Versorgung von (Ex-)Nazis mit Posten in Verwaltung und Medien sicherstellten. Die politische Kultur, die das alles möglich machte, erreichte dann mit der Affäre Kurt Waldheim einen neuen Tiefpunkt. Als bekannt wurde, dass der ÖVP-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten während des Zweiten Weltkriegs am Balkan als Verbindungsoffizier gedient hatte und somit über die Kriegsverbrechen zumindest Bescheid gewusst haben musste, kommentierte der ÖVP-Generalsekretär Michael Graf die weltweite Kritik an Waldheim so: “Solange nicht bewiesen ist, dass er eigenhändig sechs Juden erwürgt hat, gibt es kein Problem”. Damit brachte Graf die politische Kultur Österreichs und deren Antisemitismusdefinition ungewollt auf den Punkt: Antisemitismus fängt erst bei eigenhändig verübtem Mord an, alles darunter wird nicht wirklich wahrgenommen und schadet dem politischen Fortkommen des Antisemiten nicht.

2. Und auf welches Fundament vertraut ein solcher Hetzer, dass er sich sicher fühlen kann, mit solchen Tricks durchzukommen?

Der Hetzer vertraut gleich auf mehrere Fundamente. Eines besteht aus festem Beton, der aus den Ressentiments jener rund 20 Prozent der Bevölkerung gemischt wurde, die überzeugte Antisemiten sind und aus jenen weiteren 30 Prozent, die diversen Umfragen nach Antisemitismus und Neonazismus für lässliche Sünden halten. Das zweite Fundament ist die so genannte Realpolitik in Österreich, die vor allem der Realitätswahrnehmung großer Teile der ÖVP geschuldet ist, wonach der ideologische Hauptfeind die Sozialdemokratie sei, zu deren Niederringung man durchaus auch mit Rechtsextremisten koalieren dürfe und solle. Diese Ansicht ist vor allem bei Mitgliedern der ökonomischen Elite sowie Kleinunternehmern weit verbreitet, die der SPÖ die gesellschaftlichen und sozialpolitischen Modernisierungsreformen der 70er Jahre bis heute nicht verziehen haben und die noch im zurückhaltendsten Vorschlag zB einer Vermögensbesteuerung reinsten sozialistischen Klassenkampf orten, dessen man sich mit allen Mitteln erwehren müsse und dürfe, und sei es zum Preis, mit Rechtsextremisten das Bett zu teilen.

Seit einigen Jahren existiert nun ein drittes Fundament, auf dem Strache und andere Politiker wie er in Europa ihre hässlichen Hütten des Hasses errichten, und dieses Fundament wird gegossen von weit rechts stehenden israelischen Politikern und ihren europäischen publizistischen Lautsprechern. Dazu muss ich ein wenig ausholen, und das mache ich, indem ich mich mal selbst zitiereUm die bizarr anmutenden neuen Allianzen zu verstehen, muss man zunächst die strategische Neuausrichtung der (extremen) europäischen Rechten analysieren. Diese (extreme) Rechte hat nach Jahrzehnten innerer ideologischer Grabenkämpfe  realisiert, dass mit rabiatem Antisemitismus der klassischen Schule nur in sozio-ökonomischen Ausnahmezuständen ein Blumentopf zu gewinnen ist. Im wirtschaftlich und sozial siechen Ungarn konnte man beispielsweise mit einer schamlosen antijüdischen Sündenbockkampagne punkten, im trotz Finanzkrise immer noch wohlhabenden Westeuropa funktioniert das (noch) nicht, auch mangels ausreichender Zahl an Juden. Eine neue “Feindgruppe” musste her, eine, die sich auch deswegen als solche eignet, da Teile dieser Gruppe sehr leicht als “fremd” zu identifizieren sind und, da diese Gruppe eine große ist, auch ausreichend Indiviuen beheimatet, die verhaltensauffällig sind und so den Rechten die Verallgemeinerung des Einzelfalls erlauben. Die Muslime erwiesen sich als ideale Besetzung für diese Rolle. Sie sind zahlreich vorhanden, es gibt unter ihnen echte Integrationsverweigerer und real gefährliche Personen, anhand der in manchen islamisch dominierten Staaten herrschenden Barbarei lassen sich nachvollziehbare Horrorszenarien entwerfen und die Parteien der Mitte und der Linken haben die Problematiken, die sich durch eine massenhafte Einwanderung von Muslimen, unter denen sich auch kleine radikale Kräfte mit Eroberermentalität befinden, völlig unterschätzt und es weiters absurderweise rechten bis rechtsradikalen Kräften erlaubt, sich als Verteidiger der westlichen Zivilisation zu inszenieren. Kurz gesagt: Muslime eignen sich als “Feindgruppe” aus mehreren Gründen besonders gut, vor allem aber deswegen, weil der “Antiislamismus” im totalen Gegensatz zum Antisemitismus bei real existierenden Problembereichen andocken kann. Anders gesagt: Von Juden ging niemals eine Gefahr für die westliche Zivilisation aus, von manchen Muslimen aber sehr wohl. Der Antisemitismus ist ein reines Wahngebäude, der Antiislamismus nur zum Teil. Es ist aber nicht nur der Erfolg islamfeindlicher Parteien, Ideen und Gruppen und die von diesen Israel zugewiesene Rolle als “Frontstaat” gegen “den” Islam, der das Anbandeln europäischer Rechtsaußenparteien mit weit rechts stehenden israelischen Gruppen ermöglicht. Auch das relativ neue rechte ideologische Konstrukt vom “Europa der Vaterländer” (oft auch “Europa der Regionen”) spielt hier eine Rolle, die man kennen muss, um zu verstehen, was gerade geschieht. Hinter der nett klingenden Floskel verbirgt sich die Abneigung gegen ein multinationales und multiethnisches, aber rechtlich vereinheitlichtes Europa, in dem Niederlassungsfreiheit herrscht. Dem setzen die Rechten ihre Vision von politisch völlig unabhängigen und allenfalls wirtschaftlich verwobenen Staaten entgegen, in denen der Rumäne eben nicht dieselben Rechte in Österreich haben solle wie der autochthone Österreicher. Dieser “neue” Ansatz der Rechten ist in Wahrheit ein sehr alter, nämlich einer auf ethnischer und kultureller “Reinheit” beruhender. Die Proponenten dieser Strömung werden nicht müde zu betonen, wie wertvoll und großartig fremde Kulturen doch seien – solange sie dort bleiben, wo sie nach Meinung dieser Ideologen hingehören. Deutschland den Deutschen, Italien den Italienern, Ungarn den Ungarn, Arabien den Arabern – und Israel den Juden. Hier nun schließt sich die Klammer, in der das Fragezeichen stand, warum sich israelische Rechtsaußenpolitiker plötzlich so gut mit europäischen verstehen. Man ist sich nicht bloß einig in der Ablehnung “des Islam”. Wichtiger ist, dass man im utopischen Bestreben nach ethnisch und/oder religiös klar definierten Staaten übereinstimmt. Die extreme Rechte in Israel, die, das muss man erwähnen, nicht von der Mehrheit im Likud und auch nicht von Lieberman verkörpert wird, sondern von echten Extremisten zumeist außerhalb des etablierten Politikbetriebs, träumt von einer Einverleibung des Westjordanlandes, von der Vertreibung der israelischen Araber und von der Einwanderung aller Juden dieser Welt in dieses neue Großisrael. Und genau deswegen stoßen sich diese Leute auch nicht an Parteien wie der FPÖ, in der es von Antisemiten nur so wimmelt, denn diese iraelischen Extremisten halten Juden, die nicht in Israel leben, ohnehin für Verräter. So krank das auch klingt: Wer Juden durch Antisemitismus zur Immigration nach Israel drängt, liegt in den Augen derjenigen, die von einem “reinen” Großisrael tagträumen, genau richtig.

Es bleibt die Hoffnung, dass sich die Spinnerfraktion in Israel auf Dauer nicht durchsetzen wird und dass sogar der härteste Rechtszionist einsehen wird, dass jemand wie Strache, der offen und ohne Reue antisemitische Propaganda im Stil der NS-Zeit verbreitet, kein Bündnispartner sein kann. Wer allerdings derzeit die Publikationen und Wortmeldungen aus dem sektenartigen rechtszionistischen Milieu studiert, stößt nach wie vor auf eine weitgehend geschichtsvergessene und faktenresistente Propaganda, nach der der wirklich gefährliche Antisemitismus stets von Muslimen und “Linken” ausgehe, ganz egal, wie eindeutig judenfeindlich sich diverse Rechtsaußenpoltiker auch positionieren mögen und ganz egal, wie variantenreich der Islam und vor allem die Linke auch sein mögen. Wie bei Propaganda üblich wird alles verkürzt, auf Parolen heruntergebrochen und kritisches Denken durch Schwarzweiß-Malerei ersetzt. Es ist simple Kriegslogik, die hier am Werk ist, wonach der Feind meines Feindes mein Freund sein müsse. Aber so, wie das auch in realen Kriegen oft ein fataler Irrtum ist, ist das auch in der Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus ein völlig untaugliches Mittel, Freunde von Feinden zu unterscheiden. Dabei wäre es aus jüdischer Sicht gar nicht so schwer, die Faktenlage zu erkennen, und die meisten Juden haben, wie zum Beispiel Herr Lauder, das durchaus verstanden. Wer, wie es Strache mit der Karikatur tat, faktisch NS-Propaganda verbreitet, ist ein gefährlicher Antisemit, ebenso gefährlich wie das Teheraner Regime oder die Hamas, denn wer in Zeiten der Banken- und Wirtschaftskrise eine Zeichnung veröffentlicht, die einen dicken Juden (“die Banken”) darstellt, der von den Regierungen gefüttert wird, während diesem Juden ein abgemagerter Mensch, der “das Volk” darstellen soll, gegenübersitzt, der spielt nicht nur mit dem Feuer, der gibt “Feuer frei”, der lädt seine Anhänger ein, das Schlimmste in ihnen nach außen zu kehren. Karikaturen wie die von Strache veröffentlichte waren es, die neben anderen Propagandawerkzeugen  dazu führten, dass die Menschen feixend danebenstanden, während die Synagogen brannten, während Juden und Jüdinnen auf allen Vieren zum Straßenputzen gezwungen wurden. Und letztlich haben genau solche Karikaturen auch den Weg nach Auschwitz gepflastert.

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FPÖ, Davidsterne, Schweinefleisch und ein großes Schweigen im Land

Am 18. August postete FPÖ-Chef Strache dieses Bild auf seiner Facebookseite:

Wer heute nachschaute, fand dasselbe Bild, aber mit verändertem Text:

Aha, zuerst mal antisemitisch und antimuslimisch rumpöbeln und dann, nachdem der Hut brennt, das Posting nachträglich zu entschärfen versuchen. Blöd nur, dass es inzwischen tausende Screenshots gibt und Facebook natürlich auch alles loggt.

Reichlich armselig auch die Versuche Straches, sich aus dem Skandal mit der antisemitische Karikatur im “Stürmer”-Stil herauszuwinden. Da setzt der rechtsradikale Politiker, wie die Kollegen vom Blog “Bawekoll” lobenswert herausgearbeitet haben, auf die vermeintliche Macht der optischen Täuschung. Zum “Beweis”, dass die Davidsterne auf der Karikatur keine Davidssterne seien, postet Strache einen Ring mit Davidsternmotiv. Und dreht ihn in eine falsche Position:

Das ist putzig. Genauso putzig wie der Hinweis darauf, die FPÖ “vermittle” in Hebron zwischen Palästinensern und Israelis. Wir wollen jetzt mal gar nicht darauf eingehen, mit welchem Mandat die Blauen für das, was sie da angeblich tun, ausgestattet wurden (es war kein israelisches und kein österreichisches), aber in Israel ist den Herrschaften von der FPÖ sicher der eine oder andere Davidstern untergekommen, zum Beispiel auf der Israelischen Nationalflagge:

Und jetzt vergleichen wir noch einmal den von Strache als “Beweis” geposteten Ring, in die richtige Position gedreht, mit der ebenfalls von Strache geposteten Karikatur:

Jene Partei, von deren versprengten Mitgliedern einst die FPÖ gegründet wurde, wusste übrigens ganz genau, wie ein Davidstern aussieht:

Nein, Strache, aus dieser Sache werden sie sich nicht mehr herauswinden können. Da hilft all das unverschämte Lügen und Täter-Opfer-Umkehren und Manipulieren von Postings nicht. Sie haben nachweislich antisemitische Propaganda verbreitet, Strache. Eine zweite Möglichkeit gibt es theoretisch noch: Sie haben das Bildungsniveau eines Vorschulkinds. Auch das würde sie, Strache, für alle politischen Funktionen in diesem Land disqualifizieren. Würde, leider nicht wird, denn sie wissen ja genau, wo sie sind, in Österreich nämlich, wo dieser Skandal schon morgen wieder vergessen sein wird, wo sie kein Bundespräsident, kein Bundeskanzler, kein Vizekanzler und  kein Zeitungsherausgeber zum sofortigen Rücktritt auffordert, wo es wohl als verzeihlich gilt, wenn der Anführer der größten Oppositionspartei Karikaturen veröffentlicht, die inhaltlich und stilistisch den Hetz-Zeichnungen des “Stürmer” entsprechen. Die ÖVP sieht natürlich auch keinen Anlass, klar zu stellen, dass sie mit einer Strache-FPÖ keine Koalition eingehen werde. Nein, im Land herrscht ein großes Schweigen. Aber sorgen sie sich nicht, Strache, auch wenn es die österreichischen Eliten nicht für notwendig erachten, sie so zu ächten, wie sie es verdient hätten – als selbst ernannter Philosemit und Israelfreund können sie nun abdanken, das glaubt ihnen jetzt nämlich außer einer Gruppe Denkbehinderter wirklich keiner mehr. Und international haben sie sich damit wohl endgültig ins Aussätzigeneck gestellt.

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Von Schweinen und Menschen

Das Verbreiten antisemitischer Karikaturen reicht nach Ansicht von FPÖ-Chef Strache wohl noch nicht aus, um seinen Facebook-Fans zu signalisieren, wie weit rechts die Blauen stehen und welche Menschengruppen sie ausgrenzen möchten. Daher postet Strache, in einen halblustigen Reim verkleidet, die Parole: “Juden und Muslime raus”.

 

Was sonst als “Juden und Muslime raus” sollte der Spruch “Isst du Schwein, darfst du rein” bedeuten? Veganer wird Strache wohl nicht gemeint haben mit seinem kulinarischen Ariernachweis.

Sieht man sich die Fülle an antisemitischen Ausfällen seitens der FPÖ an, und berücksichtigt man auch das Treiben der Blauen in Sachen Omis-Abzocken, Demokratieverhindern in Kärnten, Richterbeschimpfen, Pressefreiheitbeschneiden, Aufhetzen gegen Religionsgemeinschaften, Kellernazis zu Präsidentschaftskandidatinnen machen, Israelhass und Kumpanei mit arabischen Despoten, und so weiter und so fort, dann müsste man den Strache-Spruch wie folgt umdichten, zum neuen Mitgliederwerbespruch der FPÖ nämlich: “Bist du ein Schwein, darfst du rein”.

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“Antisemitismus ist doch nie und nimmer antisemitisch, echt nicht”

Um die von FP-Chef Strache auf Facebook gepostete antisemitische Karikatur gibt es erwartungsgemäß viel Wirbel. Dieser Politiker, der sich eigentlich nur entschuldigen, von allen Funktionen zurücktreten und ansonsten die Pappn halten sollte, wie es in einer zivilisierten Gesellschaft der Fall wäre, kann es nicht lassen und provoziert weiter.

Auf Facebook beharrt Strache nach wie vor darauf, dass die antisemitische Karikatur nicht antisemitisch sei:

Er macht sich die Welt, wi-di-wi-di wie sie ihm gefällt:

“Trallalalala, der Himmel ist gelb und die Sonne ist blau, oben ist unten, bei meiner Ehr´”:

Zur Erinnerung:

Herr Strache, hörn´s doch auf, uns zu verarschen! Wir sind weder blind, noch blöd. Und hören´s auf, wie ein Kleinkind die Schuld von sich schieben zu wollen:

Sie haben hier nichts verlinkt, Strache, sie haben ein Bild abgespeichert, das sie vermutlich auf einer Neonazi-Webseite gefunden haben, und es auf Facebook gepostet. Nicht, dass das rechtlich einen großen Unterschied machen würde, denn auch für verlinkte Inhalte ist man natürlich belangbar, wenn die einen strafrechtlichen Tatbestand erfüllen.

Aber seien sie nicht betrübt von der pösen links-linken Jagdgesellschaft, es gibt ja noch genügend Geistesschwache und Nazis, die fest zu ihnen halten, wie die folgende Dokumentation zeigt.

“Krone”:

“Die Presse”:

“Kurier”:

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Nazi-Karikatur auf Straches Facebookseite

Der anlaufende Wahlkampf in Österreich wird schmutzig. Wir dürfen uns darauf einstellen, dass vor allem  bei der FPÖ alle noch eventuell vorhanden gewesenen moralischen Schranken fallen und vor nichts, vor wirklich gar nichts mehr zurückgeschreckt werden wird. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat darauf einen Vorgeschmack gegeben und auf seiner Facebookseite eine Karikatur gepostet, wie man sie aus dem “Stürmer”, dem antisemitischen Hetzblatt der Nazis, kennt:

Das ist tatsächlich in jeder Hinsicht klassische nationalsozialistische Propaganda. Die Regierung füttert einen fetten Mann (“Die Banken”), der am Ärmel Davidsterne trägt, während ein hungriger dürrer Mann (“Das Volk”) nichts kriegt. Meiner Meinung nach hat sich dadurch Strache (oder sein PR-Knecht, der die Facebookseite betreut) der Verhetzung, des Aufrufs zum Rassenhass und  der Aufstachelung zum Antisemitismus schuldig gemacht.

Interessant ist übrigens, dass sich jemand bei der FPÖ oder bei der Website, von der die FPÖ die Hass-Karikatur übernommen hat, die Mühe machte, die ebenfalls schon bedenkliche Orginalzeichnung extra zu “nazifizieren”. Hier das Original:

Wir sehen: Hier hat die Figur, die “die Banken” symbolisiert, noch keine Davidsterne als Manschettenknöpfe und noch keine “Judennase” im Stil der NS-Karikaturen.

Straches Rechtfertigungsversuch ist frech und dummdreist wie immer:

Okay, dann schauen wir also noch einmal ganz genau hin:

Doch doch, eindeutig Davidsterne. Keine Ausreden bitte, Herr Strache. Wie ein Davidstern ausschaut, dürften sie doch wissen, spätestens bei ihrem Israelbesuch, wo sie es sich nicht entgehen lassen wollten, die Opfer der Shoah zu verhöhnen, dürften sie ja welche gesehen haben. Und gerade sie, der sie sich und ihre Gesinnungskameraden als “neue Juden” bezeichneten und für diese Anmaßung und diese freche Verharmlosung der Leiden der echten Juden heftigen Applaus von ihren Facebookfreunden bekamen, wollen einen Davidstern nicht erkennen, wenn sie einen sehen? Ich frage da mal höflich: Für wie dumm halten sie die Öffentlichkeit? Ich hoffe, sie werden sich für das Posten von Nazidreck demnächst vor Gericht verantworten müssen, sie Hetzer.

Update: Strache hat das Machwerk mittlerweile durch die ein bisschen weniger verfängliche Originalversion ersetzt. Weil er sich ja gaaaar keiner Schuld bewusst ist und weil da gaaaar keine Davisterne zu sehen sind, gell?

Update des Updates: Nein, auch die Naziversion der Karikatur ist immer noch auf Straches Facebookseite zu finden. Er ist entweder zu blöd oder unwillig, sie zu entfernen.

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Beschneidung: Pogromstimmung wabert durch die Zeitungen

Was jeder, der noch bis drei zählen kann, vorhersagen konnte, ist natürlich eingetroffen: Die unselige “Beschneidungsdebatte” lässt alle Dämme brechen und lockt die niederträchtigsten Antisemiten aus ihren Höhlen. Der ehemalige IKG-Präsident Ariel Muzikant findet drastische Worte zum diskutierten Beschneidungsverbot in Österreich, die allerdings gar nicht mehr so drastisch klingen, wenn man ein wenig Ahnung hat vom Judentum und der zentralen Bedeutung der Beschneidung (Ein Beschneidungsverbote “wäre dem Versuch einer neuerlichen Schoah, einer Vernichtung des jüdischen Volkes, gleichzusetzen – nur diesmal mit geistigen Mitteln”). Mittlerweile fordert ja eine breite und höchst interessante Koalition, die von Nazis wie der NPD und Rechtsaußenpolitikern wie dem Kärntner Landeshauptmann (der ja im Moment keine größeren Sorgen zu haben scheint und der sich nicht entblödet zu behaupten, keinen Unterschied zwischen männlicher und weiblicher Beschneidung zu erkennen) über diverse Kinderrechtler aller Fraktionen bis hin zu Grünen, manchen Sozialdemokraten und dezidiert Linken, die Religionskritik mit Religionsvernichtung verwechseln, reicht, dass man den Juden gefälligst eine ihrer heiligsten Traditionen verbieten müsse. Und damit eben jüdisches Leben in Deutschland und Österreich unmöglich machen würde. Wer sich, wie ich, gedacht hatte, das würden sie sich nicht trauen, die Antisemiten, zumindest nicht in den nächsten 1.000 Jahren nach dem Holocaust, der war auf dem Holzweg. Sie trauen sich, und sie fühlen sich auch noch moralisch überlegen dabei. Da ist es kein Wunder, wenn der Pöbel sich ermuntert fühlt, seinen antisemitischen inneren Schweinehund Gassi zu führen und auf Muzikants Warnung entsprechend reagiert. In diesen Tagen gilt besonders, dass man einen Antisemiten daran erkennt, dass er seine Sätze mit “ich bin kein Antisemit, aber” beginnt. Und Dummköpfe erkennt man daran, dass sie tatsächlich davon ausgehen, ihre wie auch immer motivierte Kritik an der männlichen Beschneidung würde vom braunen Gesindel nicht als Jagdschein (miss?)verstanden werden.

“Kleine Zeitung”:

“Der Standard”:

“Kurier”:

“Die Presse”:

“Krone”:

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Volkssport “Israelkritik”

Ja ja, ich weiß: Schon WIEDER dieses Thema. Aber wenn man halt in einer Zeit lebt, in der der Hass auf Juden vom Feuilleton bis zum Würstelstand und allem dazwischen alles zukleistert, will ich zumindest dokumentieren, will ich den absehbaren Entschuldigungsversuchen all jener vorbeugen, die in ein paar Jahren wieder einmal vorgeben werden, von nichts gewusst zu haben.

Der Israelische Botschafter in Österreich, Aviv Shir-On, schreibt einen Gastkommentar im “Standard”. Na mehr hat er nicht gebraucht! In den Leserkommentaren dazu wird der ganze Katalog antisemitisch unterfütterter “Israelkritik” Punkt für Punkt abgehakt.

 

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Terror in Bulgarien: deutsch-österreichisches Gesindel kommentiert

Sechs Junge Israelis sind tot, weitere schweben in Lebensgefahr, 32 wurden zum Teil schwer verletzt. Das ist der derzeitige Stand der Dinge nach dem Terroranschlag in Bulgarien (Mittwoch, 22 Uhr MEZ). Und während Israel trauert und bangt und am Asphalt des Flughafens von Burgas die Blutlachen noch nicht aufgewischt sind, melden sich schon die Leser österreichischer und deutscher Zeitungen zu Wort und schütten einen Kübel voller Spott und Hohn und Täter-Opfer-Umkehrung auf die Toten und Verletzten. Es sind Momente wie dieser, in denen ich diesen Kreaturen alles nur denkbar Schlechte wünsche, vor allem aber, selber zu erleiden, wie das ist, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn nicht mehr nachhause kommt, weil das Teheraner Drecksregime Mörder losschickt, die unschuldige Jugendliche umbringen. Und wenn man bedenkt, dass solche Leserbeiträge moderiert werden und daher die schlimmsten Hasspostings gar nicht erscheinen, kriegt man eine Wut auf diese Drecksäcke, eine richtig brutale Wut.

“Süddeutsche”:

“Der Standard”:

“Kurier”:

“Die Presse”:

“Welt”:

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Israelisches PR-Desaster

Jetzt wird es lächerlich. Das “Gedicht” von Günter Grass habe ich in diesem Blog aus gutem Grund antisemitisch genannt. Das dürfte Grass zwar egal sein, doch dass ihm für sein Machwerk seitens der intellektuellen und politischen Klasse eine fast einhellige Ablehnung entgegenschlug und er fast ausschließlich von Nazis und anderen Antisemiten dafür gelobt wurde, sollte Strafe genug sein. Das Einreiseverbot, das Israel gegen ihn verhängt hat, ist ebenso idiotisch wie die Forderung des israelischen Innenministers, man möge Grass den Literaturnobelpreis aberkennen. Das sind absurde Überreaktionen, die dem publicitysüchtigen Dichter einen Stellenwert einräumen, den dieser einfach nicht hat. Grass hat eine Meinung veröffentlicht, die man mit guten Argumenten als falsch, ja als an antisemitisch bezeichnen kann, doch er hat nichts anderes gesagt als das, was diversen Umfragen zufolge rund 60 Prozent der Europäer denken und immer wieder auch öffentlich kundtun. Soll man denen auch allen ein Einreiseverbot erteilen, damit sie auch ja nie in die Verlegenheit kommen könnten, mal vor Ort ihre Vorurteile auf deren Realitätsgehalt zu checken? Jedenfalls werden sich nun jene, die “israelkritisch” bis zum offenen Hass sind, bestätigt fühlen und bei jeder sich bietenden Gelegenheit sagen: “Ja, so sind sie, die Israelis, so reagieren die auf Kritik”. Verstünde die israelische Regierung etwas von PR, dann hätten sie den Grass eingeladen, mal eine Woche in Sderot zu verbringen, um am eigenen Leib zu spüren, warum man die Drohungen, die die Feinde Israels ausstoßen, ernst nehmen muss und weshalb Israel eine starke Armee und ein echtes Abschreckungspotential braucht. Stattdessen aber erleben wir ein weiteres israelisches PR-Desaster.

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“Typisch Judenlobby”

Auch Österreichs Zeitungsleser diskutieren eifrig über Günter Grass. Nun ja, genau genommen wird nicht viel diskutiert, sondern mehr dem kollektiven Hass auf Israel und “die Juden” gefrönt.

“Krone”:

“Kurier”:

“Die Presse”:

“Der Standard”:

Ach ja, natürlich sind auch die organisierten Nazis ganz außer sich vor Begeisterung darüber, dass Grass ihnen aus dem Herzen geschrieben hat. Zum Beispiel die NPD. Und andere Judenhasser wie die klinisch Verrückten von “Kreuz.net”.

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