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Zwischen allen Stühlen

Immer wenn Israel Krieg führen muss, möchte ich am liebsten meinen Fernseher verkaufen, keine Zeitungen mehr lesen und das Internet abmelden, denn in solchen Zeiten ist niemand einsamer als der linke Freund des Judenstaates. Gefühlte neun Zehntel derjenigen, die sich selbst als links definieren, betätigen sich in solchen Zeiten als offensichtlich kritiklose Wiederkäuer längst überholter und immer schon falsch gewesener antiisraelischer Positionen aus dem Kalten Krieg und imaginieren wider alle Evidenz weit rechts stehende klerikalfaschistische Terroristen und Unterdrücker wie die Hamas als Freiheitskämpfer, wo doch alles, wofür die kämpfen, der Tod von Juden und die Unterwerfung des Menschen unter die Tyrannei der Religion ist. Diese Sorte von Linken, die ansonsten völlig zu Recht Ungerechtigkeiten anprangert, ist nicht in der Lage zu behirnen, dass das größte jemals begangene Unrecht der Zivilisationsbruch der Shoah war und das oberste Gebot für Humanisten – und solche müssen Linke sein, denn ohne Humanismus ist auch linke Politik nichts als potentielle Terrorherrschaft – daher sein muss, dass sich die Shoa niemals wiederhole. Der Staat Israel mit seinem Militär und seinem Geheimdienst ist der einzige Garant dafür, dass Auschwitz nie mehr sein kann und niemand mehr Jüdinnen und Juden straflos und ohne Gegenwehr abschlachten darf. Nicht die Gutherzigkeit von Linken sorgt dafür, nicht die Großzügigkeit interkonfessioneller Dialogführer, nicht progressive Auslegungen des Koran und auch nicht Gesetze gegen Rassenwahn und Neonazismus. Nein, alleine Jüdinnen und Juden mit Gewehren in der Hand machen möglich, was primäre und sekundäre, rechte und linke Antisemiten so sehr hassen, nämlich die Selbstverteidigung einer vom Wohlwollen anderer unabhängigen jüdischen Nation.

Aber nur weil große Teile der Linken verabscheuungswürdige Positionen zu Israel haben ist es nicht so, als würden gerade in Zeiten der akuten Bedrohung Israels nicht viele Rechte erneut unter Beweis stellen, dass sie in Sachen Kotzbrockigkeit immer noch führend sind, zumindest aber den Dummlinken in nichts nachstehen . Ich denke da an diese seltsamen neuen Freunde Israels, die nur deswegen solche sind, weil es in Israel einen Rechtsrutsch gegeben hat und es sich bei den militärischen Feinden Israels zufällig um Muslime handelt, und die, wäre die “Islam-Frage” zu ihrer Zufriedenheit erledigt oder käme in Israel wieder die Linke an die Macht, ihre Freundschaft sehr rasch aufkündigen würden. Das sind Leute, die versteckt hinter ihrer Israelsolidarität rassistische Vorurteile und rechtskonservative Ideologien transportieren, was im Extremfall bis hin zur faktenwidrigen Verleugnung der Existenz rechtsextremen Vernichtungsantisemitismus reicht. Das dumme Geblöke mancher Linken, wonach Israel ein imperialistischer Apartheidsstaat sei, finde auf der rechten Seite sein Äquivalent in der ebenso dummen Behauptung, der “wahre Antisemitismus” sei links (was manchmal bis hin zur wahnwitzigen Behauptung reicht, Hitler sei ein Linker gewesen).

Ich bin nicht der einzige Mensch, der sich in diesen Zeiten zwischen den Blöcken der Dummheit und der Niedertracht heimatlos fühlt. Aber ich habe es satt, Linken erklären zu versuchen, warum ich jede Maßnahme, die der Sicherheit Israels dient, begrüße und gleichzeitig den auch in Israel wie überall sonst vorhandenen Rassismus ablehne. Ich habe es ebenso satt, Rechten erklären zu versuchen, dass Israel keinen Kampf gegen “den Islam” führt, sondern gegen Menschen, die Juden vertreiben oder ermorden wollen (bzw generell israelische Bürger, denn die Raketen der Hamas unterscheiden ihre Opfer ja nicht nach Religion oder Ethnie), dass Araber keine Untermenschen sind und dass das reale Israel ein multikultureller und multiethnischer Staat ist. Ich habe es satt, auf Facebook dumme antisemitische Karikaturen und Fotomontagen sehen zu müssen, die von angeblichen Linken verbreitet werden, so wie ich es satt habe, auf Facebook von Rechten verbreitete Karikaturen und Fotomontagen sehen zu müssen, welche Araber als Tiere darstellen. Daher abschließend an diese Linken und Rechten (es sind zum Glück ja nicht alle so): Nehmt eure Eindimensionalität und steckt sie euch sonst wo hin! Werdet glücklich mit euren simplen schwarz-weißen Weltbildern aber lasst mich damit in Ruhe!

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Mosab Hassan Yousef, der Störfaktor

Ein Interview mit Mosab Hassan Yousef, der als Sohn eines Hamas-Mitbegründers für Israel spionierte, dadurch etliche Terroranschläge vereitelte, dann emigrierte und zum Christentum konvertierte, erregt die Leserschaft des “Standard” – und entblößt gnadenlos deren beschränktes Welt- und Menschenbild. Immer wieder wird unterstellt, der Mann sei von den Israelis (oder wahlweise den Amerikanern) einer “Gehirnwäsche” unterzogen worden, denn dass ein Mensch, ein arabischer Mensch gar, selbständig denken kann und zu anderen Schlussfolgerungen gelangt als die Islamisten und ihre westlichen Fans, passt so gar nicht zum Rassismus und Kulturrelativismus der immer dümmer werdenden Linken und der immer schon dumm gewesenen Rechtsextremen.

Für den gemeinen westlichen Wohlstandslinken ist Mosab Hassan Yousef ein gehirngewaschener Verräter, denn wessen Verstand lange genug durch den Konsum einseitiger Lektüre von Lenin bis Chomsky weichgekocht wurde, der kann kritisches Denken und aus Kritik resultierende geistige und analytische Weiterentwicklung nicht anders begreifen als das Resultat finsterer Vorgänge. Wer nicht kritisch denken kann, der bemerkt natürlich seinen eigenen Rassismus nicht, der sich im konkreten Fall darin äußert, einem palästinensischen Araber, der seinem Volk etwas Besseres wünscht als ewigen Krieg im Namen Allahs und die Knechtung durch Klerikalfaschisten und korrupte Banden, zu unterstellen, dass dies niemals seine eigenen Gedanken sein könnten. Ein arabischer Palästinenser, noch dazu der Sohn eines hochrangigen Hamas-Funktionärs, der sich radikal dem Konformitätsdruck seiner Erziehung und Lebensumgebung entzieht, ist natürlich auch eine Kränkung für die authoritären Charaktere jener schon lange nicht mehr emanzipatorischen Linken, deren Sympathien stets bei den Tyrannen und bei totalitären Ideologien lagen und immer noch liegen und für die auch islamistische Bewegungen in ihrer kompromisslosen Ablehnung des individuellen Strebens nach Glück eine ideale Projektionsfläche für ihre eigene Sehnsucht nach Zucht und Ordnung sind.

Natürlich kann man das nicht pauschal allen Menschen, die sich selbst als “links” definieren, unterstellen, doch die wirklichen Linken, denen es um die Befreiung des Indiviuums geht, die Glück und Lebensfreude im Hier und Jetzt und nicht in einer utopischen Zukunft oder gar im Jenseits als Menschenrecht betrachten, waren und sind eine Minderheit, die ab der Oktoberrevolution in Russland und seither in jedem linkstotalitärem Staat vom pseudolinken autoritären Establishment verleumdet und verfolgt und oft genug auch ermordet wurde. Heute, da es nur mehr sehr wenige linke Diktaturen gibt, suchen sich dieselben Leute, die vor kurzem noch jedem rot lackierten Menschenschinder die Stange hielten, neue Gruppierungen und Staaten, die für sie stellvertretend kompromisslos brutal und herrisch sein dürfen und also das ausleben, was der kritikunfähige westliche Linke nur als psychisches Problem hat, und da bieten sich islamistische Diktaturen und Organisationen geradezu an. Ein Mosab Hassan Yousef ist hier, genau wie viele  progressive Intellektuelle aus dem arabischen bzw. islamischen Kulturkreis, nichts anderes als eine ärgerliche Irritation, welche am einzementierten, ultrakonservativen Weltbild der vorgeblich Fortschrittlichen kratzt.

ps: Dass Nazis eine ganz ähnliche Begeisterung für geistesverwandte Gewaltsysteme hegen wie es Teile der Linken tun, ist logisch, wenn auch nicht ganz so ärgerlich, denn Nazis behaupten von sich immerhin nicht, für Ideale wie Frieden, Freiheit und Emanzipation einzutreten….

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