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Wursteln gegen den Dschihad

Die österreichische Bundesregierung hat unter der Führung der ÖVP ihr nicht allzu großes Gehirn angeworfen und ein “Maßnamenpaket gegen IS-Terror und andere Organisationen” vorgestellt. Das sieht so aus, wie man es von konservativen Politikerinnen erwarten darf: Der Verhetzungsparagraf soll verschärft werden und schon dann greifen, wenn vor weniger als 150 Menschen gehetzt wird, allerlei Fahnen und Symbole sollen verboten werden, die Polizei kriegt mehr Geld und Befugnisse und Jugendliche sollen nicht mehr ohne schriftliche Erlaubnis eines Erziehungsberechtigten ausreisen dürfen. Weniger Freiheit und mehr Polizeistaat ist alles, was ihnen einfällt, was ihnen einfallen kann, denn echte Antworten haben sie nicht, dürfen sie nicht haben, da diese wohl der eigenen Ideologie widersprächen.

Verbote und Drohungen werden keinen jungen Menschen davon abhalten, den Dschihad toll zu finden, wenn der ihm etwas bietet, das die westlichen Gesellschaften ihm nicht bieten wollen, die Perspektive auf eine echte Veränderung nämlich und auf einen Sinn im Leben. Wer bestenfalls darauf hoffen darf, durch viel (Aus)Bildung und artiges Wohlverhalten einen Job als Manager einer Burgerbude, als Versicherungsverkäufer oder PR-Schreihals zu kriegen, meist aber eine Karriere als  Putzfrau, Handyzusammenbauer und Taxifahrer vor sich hat, der kriegt große Ohren wenn ihm einer was vorredet von einer ganz anderen Welt, vom Umsturz aller Dinge und von einem Leben in Harmonie mit dem lieben Gott. Außer radikalen Islamisten hat ja keiner mehr etwas Vergleichbares im Angebot, es ist ja alles nur mehr ein weltanschaulicher Ramschladen, in dem ein Produkt dem anderen gleicht. Konservative, Sozialdemokraten, Grüne, bürgerliche Rechte und Liberale – sie alle vertreten die Alternativlosigkeit dieser Realität. Außer winzigen linken und rechten Sekten sind sich alle darin einig, dass es nun mal die natürliche Ordnung der Dinge sei, dass die einen immer reicher und die anderen immer ärmer werden müssen, dass es keinen Sinn im Leben gibt, außer Geld zu verdienen und sich jedes Jahr ein neues Smartphone zu leisten. Wenn in so einer Realität einer kommt und Sinn verkauft, hat er bald viele Kunden.

Die bürgerlich-liberalen Parteien setzen alle aufs Weiterwursteln. Keine großen Würfe sind geplant, keine Perspektiven, keine anderen Angebote außer vielleicht noch drei Abendkurse und zwei halbärschige Bildungsreformen. Sie haben keine Antworten auf die Krise der Ökonomie und der Gesellschaft. Alles, was ihnen noch einfällt, ist, Gefängnisse zu bauen und die Strafgesetze zu verschärfen und auszuweiten. Ähnliches hatten wir schon einmal, im Europa der späten 20er und frühen 30er Jahre des 20. Jahrhunderts. Als eine Wirtschaftskrise die Leben von Millionen zerstörte, tat man in Europa nichts und setzte auf eine rigide Austeritätspolitik. In den USA kam der New Deal, ein gewaltiges Programm zur Förderung von Nachfrage und der sozialen Sicherheit. Europa wurde faschistisch, die USA nicht. Heute sehen wir Vergleichbares. Statt die Lebensbedinungen zu verbessern und den Menschen vor allem eine Perspektive und einen Sinn zu geben, wird “gespart”. Man verschärft Gesetze aus Angst vor der Radikalität, deren Attraktivität man selber mit zu verantworten hat.

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Der Spiegel der Isis

Sollten die Propagandavideos islamistischer Terroristen verboten werden? Oder haben wir ein viel tiefer liegendes Problem? Blicken wir womöglich in Form der Gräueltaten des “Islamischen Staates” in einen Spiegel, der unsere eigene Barbarei zurückwirft?

Die Terrorbande “Islamischer Staat” (vormals ISIS) filmt die von ihr begangenen Gräueltaten und verbreitet sie weltweit als Propaganda. Teils um ihre Feinde einzuschüchtern, teils um zu beweisen, dass man es ernst meint mit der ganz extremen Auslegung von Koran und Hadhiten. Diese Horror-Fotos und Snuff-Videos werden aber auch von anderen Leuten auf Facebook gepostet und getwittert. Islamfeinde und Rassisten posten den Dreck mit Inbrunst und kommentieren: “Seht her, so ist er, der böse Islam”. Und einige Leute verbreiten das, weil sie ehrlich entsetzt sind und ihre Abscheu zum Ausdruck bringen wollen, indem sie ihren Freundeskreis am Schrecken teilhaben lassen. Nun diskutiert man, ob die Verbreitung von Bildmaterial dieser Sorte unter Strafe gestellt werden soll. Die Befürworter eines Verbots argumentieren, solche Videos und Fotos seien vergleichbar mit Kinderpornografie, für die das Recht auf Meinungsfreiheit ja auch nicht gelte. Videos von Gräueltaten hätten allein propagandistischen Zweck und keinen Nachrichtenwert, fielen also keinesfalls unter die Pressefreiheit. Das ist zwar wahr, macht eine Gesetzsverschärfung aber noch lange nicht sinnvoll. Nach dem Strafrichter zu rufen ist angesichts der Schwemme an extrem Menschen verachtendem Material verständlich, aber allzu bequem. Und der Vergleich mit Kinderpornos hinkt, denn die sind ja nicht allein deswegen verboten, weil die große Mehrheit der Gesellschaft sie widerwärtig findet, sondern weil damit Handel betrieben wird, zu dessen Belieferung Kinder missbraucht werden. 

Anlassgesetzgebung ist selten eine gelungene Sache. Der Gesetzgeber tendiert dann dazu, über das Ziel hinaus zu schießen und das Strafrecht in Bereiche auszudehnen, wo es nichts zu suchen hat und eigentlich nur Schaden anrichtet. Weil das Stichwort Kinderpornos fiel: Ende der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts gab es eine regelrechte Hysterie in Deutschland und Österreich, geschürt von Boulevardmedien, die jeden Fall von Kindesmissbrauch immer dann gewaltig aufbliesen, wenn der Täter ein rückfälliger Pädophiler war. Auf Druck der Medien und der Bevölkerung verschärften die Politiker dann das Strafrecht dahingehend, dass über den Umweg der Psychiatrie Möglichkeiten geschaffen wurden, Straftäter auch länger einzusperren, als es im normalen Strafvollzug möglich wäre, manchmal für immer. Statt rückfällige Kindesvergewaltiger traf es dann aber nach und nach alle möglichen Menschen, die weder Kinder missbraucht hatten, noch sonst sonderlich gefährlich waren. Die Prognosen genannten Oraskelsprüche von Psychiatern reichen mittlerweile aus, um Menschen für Taten, die sie nie begangen haben, zu bestrafen. Ein aktueller Fall aus Deutschland verdeutlicht, wovon ich rede: In der Stadt Detmold. Zwei Männer betrinken sich und geraten in Streit. Als beide in etwa zwei Promille erreicht haben, artet das in eine Schlägerei aus. Einer nimmt den anderen in den Schwitzkasten und schlägt ihn mehrfach. Die Verletzungen sind nicht schlimm, der Geschlagene verlässt das Krankenhaus nach einem Tag. Glück gehabt. Der Täter müsste mit einem Jahr Gefängnis wegen schwerer Körperverletzung rechnen. Bei guter Führung käme er nach wenigen Monaten frei. Doch das Gericht findet im Lebenslauf des Angeklagten etwas, das alles anders macht. Der Mann war mehrmals in der Psychiatrie gewesen. Freiwillig. Damit hat er sich unwissentlich aus dem nur für gesunde Arier geltenden Rechtsstaat ausgesperrt, denn nun zieht der Richter einen Psychiater hinzu. Der prophezeit, dass der Mann, der zuvor nie gewalttätig gewesen ist, “unzweifelhaft auch zukünftig Gewalttaten begehen werde” und dementsprechend eine Gefahr darstelle. Außerdem habe er keine Krankheitseinsicht. Das Gericht schließt sich dem an. Der Mann kommt in die forensische Psychiatrie. Das kann “lebenslang” bedeuten. Jedenfalls zwei Jahre. Nur wenn der Mensch zwei Jahre lang andauernd beteuert, völlig verrückt zu sein und brav alle Medikamente schluckt, darf er sich eine Chance ausrechnen, nach einigen Jahren wieder in Freiheit zu kommen.

Wir sehen, wie eine aus Angst und Panik entstandene Gesetzgebung dazu führen kann, dass die Menschenrechte gebeugt werden. Aus diesem Grund bin ich gegenüber Gesetzsverschärfungen generell skeptisch, und besonders skeptisch bin ich dann, wenn das aus einer Empörung heraus geschieht. Die derzeit vor allem vom “Islamischen Staat” verbeiteten Bilder sind unerträglich. Jeder geistig halbwegs gesunde Mensch, der seine Moral noch zusammen hat, kann sich das Zeug nicht ansehen, ohne dass ihm übel wird. Sorgen sollte uns aber nicht machen, dass solche Videos und Fotos verbreitet werden, sondern dass es offenbar sehr viele Menschen gibt, die sich das nicht nur problemlos ansehen können, sondern sich das sogar gerne ansehen. Verbote sind die typische Schnellschussreaktion von Gesellschaften, die alles Unangenehme und Komplizierte an die Gerichte und Gefängnisse auslagern wollen. Aufgeklärte Menschen sollten sich aber Gedanken machen, was falsch läuft mit einer Kultur, in der das Gutfinden von Mordvideos und Folterfotos bei immer weniger  Menschen verpönt ist und immer seltener Entsetzen auslöst. Blicken wir da womöglich in einen Spiegel, der unsere eigene Unmenschlichkeit auf uns zurückwirft? Sind wir so viel besser als die Terroristen, wenn wir gelangweilt dabei zuschauen, wie auf unseren Wunsch hin jedes Jahr tausende Menschen an den Außengrenzen der EU verrecken? Wenn wir es zulassen, dass ganze Länder in Elend und Chaos versinken? Wenn wir mitten in Europa Arme und Kranke wie Dreck behandeln? Vielleicht haben die Terroristen und ihre Bewunderer nur bemerkt, dass wir Heuchler sind, und ziehen daraus den Schluss, dass extremste Gewalt so schlecht gar nicht sein kann?

 

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Snowden, der Konsens-Spitzel

Ist euch, liebe Leserinnen und Leser, in der Sache Edward Snowden auch aufgefallen, dass nach Flutkatastrophe und Türkei-Demonstrationen schon wieder Volksgemeinschaft ist? Ein ganz großer Konsens einmal mehr, der von  unorthodoxen Linken zu den Rest-KPs, von Flüchtlingshelfern zu Polizeigewerkschaften, von den Grünen zu H.C. Strache, von Sozialdemokraten zu Katholiken, von Freigeistern zu den Kirchen, von jungen Bobo-Bürgerlichen zu deren rechtskonservativen Eltern, von Leitartikvollkotzern zu Feuilletonschönschreibern, von Facebookuserinnen zu den Piraten, von Unterschriftstellern zu Kulturschaffenden, von Muslimen zu Islamophobikern, von der Tea-Party zu manchen Demokraten, von CSU-Wählerinnen zu den Nazis und von den Nazis zu Jürgen Elsässer reicht.

Da stimmt doch was nicht.

Ein Berufsspitzel, der seinen Lebensunterhalt mit dem Ausspionieren anderer Leute verdient hat, bis er angeblich ein Damaskuserlebnis erleidet, wird zum Helden aller. Er hat nicht den Krebs besiegt, er hat keinen Welpen vor dem Ertrinken gerettet, er hat nicht einmal den Friedensnobelpreis gekriegt, aber alle lieben den Kerl und reichen kitschige Snowden-Parolenbildchen auf Facebook und Twitter aneinander weiter. Nun mag man sagen, dass dies kein Wunder ist in einer Welt, in der auch fast alle den Dalai Lama mögen, obwohl es sehr gute Gründe gibt, das nicht zu tun, und in der “Mutter Teresa”, die Todkranken Schmerzmittel verweigerte, zu einer sprichwörtlichen Heiligen avancieren konnte. Es ist wohl irgendwie Pop, seine eigene Ahnungslosigkeit Gassi zu führen, indem man ganz entsetzt und überrascht tut, wenn einer sagt, auch im Internet würde behördlich abgehört und spioniert, obwohl das wirklich jeder wusste, der sich in den vergangenen 20 Jahren nur ein klein wenig und ganz oberflächlich mit dem Netz und mit den Geheimdiensten befasste, und dann den Verkünder dieser seit langem bekannten Tatsache als größten Aufklärer seit Jahrzehnten abzufeiern. 

Seit vielen Jahren rüsten die Dienste großer und mittelgroßer Mächte ihre Cyberabteilungen massiv auf. Die machen das gleiche, das mit anderen Mittel immer schon gemacht wurde: Freund und Feind aushorchen, Industriegeheimnissen hinterherschnüffeln, mit gefälschten oder auch richtigen Informationen und durch deren gezielte Veröffentlichung Einfluss nehmen, Handelsabkommen befördern oder hintertreiben, reale Kriege  vorbereiteten oder verhindern und so weiter und so fort. Spionagekram as usual. Weshalb also die große Aufregung? Weil sich jeder ein bisserl zu wichtig nimmt und befürchtet, die NSA würde es gerade auf ihn abgesehen haben und ihm durch die Webcam beim Wichsen zuschauen? Weil das von Angela Merkel so putzig benamste “Neuland” vielen doch neuer und daher unheimlicher ist, als man dachte? Weil wir mit den Füßen aufstampfen und schreien: “Wanzen sind ja okay, aber beim E-mail hört der Spaß auf”? Oder geht es, einmal mehr, bloß darum, dass wir es nicht mögen, wenn sich der mächtigste Staat dieser Welt auch als solcher aufführt? Mir persönlich ist die NSA nicht unangenehmer als ihr russischer/chinesischer/deutscher/französischer Gegenpart. Sie alle spielen ihre Machtspiele und sie alle möchten dabei im Dunkeln bleiben. Wir wollten das ja, sonst hätten wir die entsprechenden Politikerinnen nicht gewählt. Wir verlangten ja, dass unsere Herren und Meisterinnen gewählten Volksvertreter uns vor dem terroristischen Bi-Ba-Butzeman beschützen, und dafür haben wir mehrheitlich begeistert Freiheiten und Rechte ebenso geopfert wie zivilisatorische Standards. Wer nicht völlig dämlich war, musste wissen, dass der War on Terror ohne Grundrechtseingriffe, Totschießen per Joystickdrohnen und Folter nicht zu haben ist. Das war uns aber mehrheitlich egal, denn Angst ist menschlich, und da draußen schleicht ja tatsächlich ein Bi-Ba-Butzemann ums Haus herum, der schon mal Flugzeuge in Hochhäuser schmeißt, wenn die, die im Hochhaus wohnen oder arbeiten, nicht dasselbe glauben wie er.

Ich weiß auch nicht, was den Herrn Snowden antreibt. Ehrliche Empörung über seinen bisherigen Lebensunterhalt? Der Drang nach Ruhm? Zahlungen aus Moskau oder Peking? Es ist letztlich egal. Er hat öffentlich gemacht, was nie wirklich ein Geheimnis war, und wird dafür von den einen mit Strafe bedroht und von den anderen als Hero gefeiert. Das ist das eigentlich Seltsame am ganzen Zirkus, dass wir nämlich sehen: Die  Geheimdienstwelt ist genau so schäbig und kindisch, wie man sie sich immer vorgestellt hat, und die Staaten verhalten sich wie pubertierende Rotzbuben zueinander. Wenn keine Menschen Schaden nehmen würden, könnte man herzlich darüber lachen.

 

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Terror in Bulgarien: deutsch-österreichisches Gesindel kommentiert

Sechs Junge Israelis sind tot, weitere schweben in Lebensgefahr, 32 wurden zum Teil schwer verletzt. Das ist der derzeitige Stand der Dinge nach dem Terroranschlag in Bulgarien (Mittwoch, 22 Uhr MEZ). Und während Israel trauert und bangt und am Asphalt des Flughafens von Burgas die Blutlachen noch nicht aufgewischt sind, melden sich schon die Leser österreichischer und deutscher Zeitungen zu Wort und schütten einen Kübel voller Spott und Hohn und Täter-Opfer-Umkehrung auf die Toten und Verletzten. Es sind Momente wie dieser, in denen ich diesen Kreaturen alles nur denkbar Schlechte wünsche, vor allem aber, selber zu erleiden, wie das ist, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn nicht mehr nachhause kommt, weil das Teheraner Drecksregime Mörder losschickt, die unschuldige Jugendliche umbringen. Und wenn man bedenkt, dass solche Leserbeiträge moderiert werden und daher die schlimmsten Hasspostings gar nicht erscheinen, kriegt man eine Wut auf diese Drecksäcke, eine richtig brutale Wut.

“Süddeutsche”:

“Der Standard”:

“Kurier”:

“Die Presse”:

“Welt”:

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A message from Shimon Peres

Und eine Botschaft von mir: Auch wenn es gerade heute, nach dem furchtbaren Anschlag auf israelische Jugendliche, die in Bulgarien Urlaub machen wollten, noch so schwer fällt, daran zu glauben – irgendwann wird die Zeit kommen, da die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie die israelischen hassen, da niemand mehr glauben wird, dass Mord gottgefällig sei, da Araber und Perser in Demokratien leben werden, die die Menschenrechte achten und Israel anerkennen, da Araber kein Problem mehr damit haben werden, dass in ihrer Nachbarschaft Juden leben und da die jüdischen Siedler in der Westbank einsehen werden, dass sie sich mit ihren arabischen Nachbarn arrangieren müssen, da alle Völker und Religionen im Nahen Osten in einem gerechten Frieden in einer kulturell und wirtschaftlich prosperierenden Weltgegend miteinander leben werden und kein Kind sich mehr davor fürchten muss, dass man seinen Kindergarten mit Raketen beschießt oder bombardiert. Aber bis es soweit ist, sollen die Mörder von Burgas wissen, dass die Zeiten, in denen jüdisches Leben straflos ausgelöscht werden konnte, für immer vorbei sind. Man wird sie finden und sie und ihre Auftraggeber der Gerechtigkeit zuführen.

Mehr hier.

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Wahhabismus bekämpfen

Eine Empfehlung: Muhammad Sameer Murtaza schreibt auf islam.de Interessantes und Wichtiges über Wahhabismus, Terrorismus und Antisemitismus.

Auszüge:

Das Verhältnis zum Judentum begann sich erst ab dem 19. Jahrhundert zu verändern. Auf muslimischer Seite verlor man das Bewusstsein für eine Unterscheidung zwischen dem eigenen Wahrheitsanspruch und der Existenz mehrerer Heilswege als Ausdruck von Gottes Barmherzigkeit. Damit verbunden fielen die Muslime hinter die islamische Toleranzkonzeption des Mittelalters zurück, statt sie notwendigerweise weiterzuentwickeln.   Einen wesentlichen Anteil hieran hatten der schwellende Palästinakonflikt und die Begegnung der Araber mit dem europäischen Antisemitismus. Es waren arabische Christen, die als Erstes europäische antisemitische Traktate ins Arabische übersetzten. Das erste Werk dieser Art erschien 1869 in Beirut, das die angeblichen Bekenntnisse eines zum Christentum konvertierten Rabbiners über die Grausamkeiten der jüdischen Religion beinhaltete. Die erste Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion wurde am 15. Januar 1926 in der Zeitschrift Raqib Sahyun (Beobachter Zions)veröffentlicht, die in Jerusalem von der römisch-katholischen Gemeinde herausgegeben wurde. Eine weitere Übersetzung aus dem Französischen, erneut angefertigt von einem arabischen Christen, erschien etwa zwei Jahre später in Buchform in Kairo. Eine Übersetzung aus dem Englischen, erstmals aus muslimischer Feder, erfolgte dann 1951. Bald schon stand dem arabischen Leser eine Flut antisemitischer Lektüre zur Verfügung, die ausnahmslos christlichen, europäischen und amerikanischen Ursprungs war. In dieser ersten Phase wurden antisemitische Anklagen – allerdings unter Ausschluss des Rassengedankens – einfach wiederholt. Die Muslime wurden mit dem Bild des Juden als Freimaurer, als Großkapitalist, als Kommunist, als Umstürzler und als Verschwörer mit dem Ziel der Weltherrschaft vertraut gemacht.   Dann, in der zweiten Phase, wurden diese Vorstellungen verinnerlicht, assimiliert und islamisiert. Dieser islamisch verbrämte Antisemitismus zieht sich durch die meisten Werke des Muslimbruders Sayyid Qutb und erhält durch seine sechsbändige Exegese des Qur’an fi zilal al-Qur’an (Im Schatten des Qur’an)  eine “heilige” Legitimation. Nach Qutb beginnt die Feindschaft zwischen Juden und Muslimen mit ihrer Auflehnung gegen den Prophet Muhammad in Medina. Seit die Juden militärisch geschlagen wurden, würden sie sich ununterbrochen bemühen aus dem Schatten heraus mit ihren Eigenschaften der List und der Verschlagenheit den Islam zu zerstören. So stände hinter den christlichen Kreuzzügen, die mit dem europäischen Kolonialismus ihre Fortsetzung fänden, und dem Kommunismus, der nach Qutb eine jüdische Erfindung ist, das Weltjudentum. Ziel der Juden sei die Weltherrschaft, an deren Ende nur das Judentum selber überleben soll. Der Kampf gegen die Juden sei daher zum Wohle der gesamten Menschheit. Dieser verbrämte islamische Antisemitismus muss von Muslimen auf das Schärfste bekämpft werden. Unverständlich ist, dass Moscheen immer noch die Hass geschwängerten Werke Qutbs in den Bücherregalen stehen haben oder diese auf Büchertischen zum Verkauf angeboten werden. (…)

Wir Muslime können uns einen islamischen Idealismus der Geschwisterlichkeit nicht mehr erlauben, sondern müssen theologisch klar und deutlich den Wahhabismus und seine Vertreter in seine Schranken verweisen, indem wir a. Wahhabismus und Al-Qaida und b. den verbrämten islamischen Antisemitismus dekonstruieren. Ich erinnere an dieser Stelle an das Schweigen der Muslime Land auf, Land ab, als der wahhabitische Prediger Pierre Vogel 2011 zu einem Totengebet für Osama bin Laden aufrief und die muslimische Community dem theologisch nichts entgegenzubringen hatte. Gerade das wahhabitische Netzwerk um Vogel und Co. führt zu einer Entzweiung der muslimischen Community und trägt seinen Teil zu einer Radikalisierung junger Muslime bei. Auch wenn sich die Wahhabiten in Deutschland von Gewalt distanzieren, so ist doch ihre spirituelle Finsternis ein Durchlauferhitzer für ein Islamverständnis, dessen Zentrum die Verachtung der menschlichen Würde und des menschlichen Lebens ist.  Wir alle tragen Verantwortung dafür, dass der Wahhabismus sich nicht weiter in unseren Gemeinden verbreitet. Wir täten gut daran, ihn wieder als das zu betrachten, was er ist, eine Sekte. 

 

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Toulouse: Hurra, doch kein Nazi

Der Kinder-,  Juden-  und Soldatenmörder aus Toulouse ist wohl gefunden. Er soll “algerischer oder pakistanischer” Herkunft sein und gab als Motiv für seine Taten an, er habe “palästinensische Kinder rächen” wollen. Ein großes Aufatmen ist nun auf rechten Hass-Blogs zu vernehmen: “Keiner von uns”. Wie erbärmlich und bezeichnend es aber ist, dass es sehr wohl denkbar gewesen ist, dass so ein Attentäter aus dem Dunstkreis rechtsextremer Phobiker und Hasser kommt, bemerken sie gar nicht, die tumben Toren. Seit Breivik, eigentlich ja schon seit Franz Fuchs weiß man, dass man die kriegerische Rhetorik der “Kulturkämpfer” ernst nehmen muss. Sicher, zu 99 Prozent sind das Maulhelden, die sich Mut ansaufen, um dann im Internet, vermeintlich anonym,  ihre Fantasien vom “Bürgerkrieg” ausleben zu können und sich gegenseitig anzustacheln, immer noch einen drauf zu setzen gegen die “Musels”. Leider gibt es auch ein Prozent Tatmenschen, die das Gerede von “Krieg” und “Eroberung” und “Notwehr” ernst nehmen und zur Waffe greifen. Wo geredet wird wie auf “SOS Heimat” oder “pi-news”, dort folgen irgendwann auch die entsprechenden Taten.

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