Sebastian Kurz ist ein Hasardeur und gefährdet mit seiner „Alles-oder-nichts“-Strategie Österreichs Zukunft

Das Ibiza-Video hat den Bild- und Tonbeweis für das erbracht, wovor viele Menschen, die die FPÖ kennen, immer gewarnt haben: Die FPÖ ist korrupt und dazu bereit, das eigene Land an die Russen zu verkaufen. Aber die ÖVP wollte die Warnungen nicht hören.

Die ÖVP unter Sebastian Kurz erinnert an einen sturen mittelalterlichen Alchemisten, der nicht einsehen will, dass man aus Blei kein Gold machen kann. In den vergangenen 20 Jahren hat es drei schwarz-blaue Koalitionen gegeben und jede ist vorzeitig an der Regierungsunfähigkeit der FPÖ gescheitert. Die ÖVP hätte spätestens nach dem zweiten Mal wissen müssen, dass mit der FPÖ kein Staat zu machen ist, aber sie stürzte das Land trotzdem in die nächste Krise, und diese ist sogar noch schlimmer als die letzte. Sebastian Kurz hat alle Warnungen und Alarmsignale ignoriert und wird jetzt als jener ÖVP-Chef in die Geschichte eingehen, der eine Regierung mit Leuten gemacht hat, die Österreich für ein fettes Trinkgeld an die nächstbeste russische Milliardärin verkaufen wollten. Österreich ist nach dem Ibiza-Video international der Lächerlichkeit preisgegeben worden und mutierte zum abschreckenden Beispiel für das, was passiert, wenn man sich mit der extremen Rechten ins Bett legt.

Sebastian Kurz hat aus der einst staatstragenden bürgerlichen ÖVP eine Partei gemacht, welche die Steigbügel für Figuren gehalten hat, die besoffen und im Mundl-Sackbauer-Gedächtnis-Look die größte österreichische Tageszeitung, den ORF und sogar unser Trinkwasser (!) an Russland verkaufen würden und die die Arbeiter der österreichischen Strabag zugunsten russischer Firmen arbeitslos machen wollten. Die türkis gewordenen Schwarzen haben mit einer Partei koaliert, die fast jeden Tag einen rechtsextremen „Einzelfall“ produzierte, deren Funktionäre in Gedichten Menschen mit Ratten gleichstellten, die offen die Menschenrechte in Frage stellte und die einen Innenminister stellte, dessen Komplexe ihn dazu trieben, wie ein Operettendiktator in Fantasieuniformen aufzutreten und unser Steuergeld für Polizeipferde zu verschleudern. Und am schlimmsten: Die ÖVP bildete eine Regierung mit einer FPÖ, die mit Putins Partei „Einiges Russland“ einen „Kooperationsvertrag“ unterzeichnet hatte und die eine Außenministerin stellte, die vor dem russischen Präsidenten auf die Knie gesunken war.

Mit all dem hat Sebastian Kurz Österreich nicht nur zur internationalen Lachnummer gemacht, sondern auch in reale Gefahr gebracht. Wegen der Nähe der FPÖ zu Russland haben die Geheimdienste der westlichen Staaten die Zusammenarbeit mit Österreich eingestellt. Das war und ist brandgefährlich, denn Österreichs Sicherheitsapparate allein sind zu klein und zu schwach, um ganz alleine gegen den internationalen Terrorismus vorzugehen. Die Russen sind kein Ersatz für die westlichen Bündnisse, denn die spielen ihr eigenes Spiel, das alleine der Stärkung Russlands dient.

Als Kurz nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos nicht mehr anders konnte, als die Notbremse zu ziehen, trat er vor die Kameras und kündigte allen Ernstes de facto an, er strebe bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit an. Was anderes bleibt ihm nämlich nicht übrig, denn die Brücken zur SPÖ hat er verbrannt und mit der FPÖ wird er wohl so schnell keine Koalition mehr machen können. Ob die NEOS, mit denen sich der auf hip getrimmte Sozialabbauer noch am besten verstehen dürfte, stark genug werden, um eine neue Kurz-Kanzlerschaft zu stützen, ist fraglich. Erneut zeigt sich: Sebastian Kurz ist ein Spieler, ein Hasardeur. Das Problem dabei ist, dass die Chips in seiner Hand die Menschen in Österreich sind und er nicht ums eigene Geld pokert, sondern um das ganze Land. Das Spiel ist riskant für uns alle, vor allem aber für die ÖVP, denn viele Mitglieder dieser Partei sehen mit größter Sorge, dass Kurz nicht bereit ist, Kompromisse einzugehen und stattdessen auf die totale Ausgrenzung der Sozialdemokraten setzt. Er spielt jetzt „alles oder nichts“ und falls er verliert, wird die ÖVP für viele Jahre politisch erledigt sein.

AKG K812: Das Endspiel

2014 kam die damals noch österreichische Firma AKG mit einem High-End-Kopfhörer auf den Markt, der zu den schon um einiges länger im Umlauf befindlichen Spitzenmodellen von Beyerdynamic und Sennheiser aufschließen sollte. Diese und andere Firmen hatten nämlich schon vor AKG erkannt, dass sich über den HiFi-Modellen, die zwischen 250 und 500 kosteten, ein neuer großer Markt eröffnet hatte und immer mehr Audiophile bereit waren, über 1.000 Euro für Top-Kopfhörer auszugeben. AKG war also ein bisschen so wie der Typ, der zu spät zu einer Party kommt und dort dann, weil er nicht so knülle wie alle anderen ist, nicht so recht dazu passt. Dazu kommt, dass AKG kurz danach in wirtschaftliche Turbulenzen geriet, die letztlich dazu führten, dass der ehemalige österreichische Traditionsbetrieb heute einem internationalen Konsortium unter der Führung von Harman gehört. Die Produktion wurde in die Slowakei verlegt und etliche langjährige Mitarbeiterinnen verließen die Firma. Das alles trug nicht dazu bei, ein Produkt richtig zu vermarkten, das jeden Hype verdient hätte, weil es schlicht und ergreifend einer der besten Kopfhörer der Welt ist.

Nachdem AKG mit dem K712 einen Kopfhörer der Referenzklasse konstruiert hatte, der bis heute bei Studiotechnikern und Audiophilen einen guten Ruf genießt (bis auf leider vorhandene Qualitätsmängel bei der Bauweise), gab das Management von AKG seinen Ingenieuren freie Hand, um den „besten Kopfhörer aller Zeiten“ zu bauen, koste es, was es wolle. Heraus kam dabei der K812, ein wahres Monster von Kopfhörer mit einem Frequenzgang von 5Hz bis 54KHz. Die mit 53mm recht großen Treiber werden von Magneten angetrieben, die nicht weniger als 1,5 Tesla Power haben – was meines Wissens bis heute nur ganz wenige und recht exotische Hersteller überboten haben. Zum Vergleich: Der berühmte T1 von Beyerdynamic heißt so, weil er gerade mal 1 Tesla hat.

Haptik und Qualität

Auch bei den Materialien scheute AKG vor nichts, was gut und teuer ist, zurück. Der K812 besteht zu 99 Prozent aus Metall, Leder und Kunstleder. Nach dem Auspacken fühlt sich der Kopfhörer zunächst filigran an, was aber mehr am Respekt liegt, den man einem so teuren Stück entgegenbringt. Benützt man ihn täglich und, so wie ich, durchaus auch unvorsichtig, stellt sich rasch heraus: Das Teil ist bombensicher gebaut und hält allerlei Missbrauch aus. Das soll ja auch so sein, denn immerhin ist der K812 für den Einsatz in Studios gedacht, wo man ganze Nächte lang durcharbeitet und dabei nicht immer völlig konzentriert und nüchtern ist. Im Gegensatz zu anderen AKG-Modellen hat der K812 kein selbst justierendes Kopfband, sondern einen sehr soliden Klick-Mechanismus, mit dem man die gewünschte Passform einstellt. Hat man das erledigt, bleibt die Einstellung auch so, egal, ob man den Kopfhörer pfleglich behandelt oder öfters mal auf den Boden klatschen lässt. Die Ohrpolster sind aus Proteinleder, was eine gute Sache ist, denn Echtleder ist anfälliger für Verschleiß, muss immer wieder mit Ölen gepflegt werden und kann vor allem nicht so exakt in Passform gebracht werden wie Kunstleder. Der Sitz des Hörers ist gut, wenn auch nicht geeignet für extremes Headbanging, denn der Anpressdruck ist eher sanft. Zusammen mit den weichen Ohrpolstern ergibt das aber eine Langzeittauglichkeit, die ich bislang noch nicht erlebt habe. Den K812 kann man den ganzen Tag über auf dem Kopf haben, ohne dass es irgendwo zwicken oder drücken würde. Angeschlossen wird der K812 über eine Lemo-Verbindung, die wesentlich stabiler und robuster ist als zB eine Mini-XLR. Klar, ideal ist das auch nicht, denn am besten sind meistens immer noch normale 3,5-mm-Klinkenanschlüsse, vor allem weil man leicht und günstig Ersatz finden kann. Aber der Lemo-Stecker hält bombenfest und er wirkt auch nach zwei Monaten nicht so, als würde er jemals auseinanderfallen.

Give AKG a chance!

Kurzer Einschub: Eigentlich wollte ich AKG keine Chance mehr geben, nachdem mir zwei K712-Modelle binnen kürzester Zeit kaputt gegangen waren. Aber dann kaufte ich mir einen Beyerdynamic T1 und musste ihn umgehend retournieren, weil die Tonqualität für ein angebliches Spitzenmodell für meine Ohren nicht akzeptabel war. Danach legte ich mir einen DT1990, ebenfalls von Beyerdynamic zu, und der war zwar besser, hatte aber immer noch viel zu viele von den negativen Eigenschaften des T1, war also zu „zischelig“, hatte Probleme mit der Darstellung komplexer Musik und neigte zum Überzeichnen von Bässen und Höhen auf Kosten der Mitten. Irgendwann letzten Dezember trank ich mal zu viel Bier und bestellte dann den K812 von AKG. Warum? Weil ich einerseits nie vergessen habe, wie toll die Hörer der Wiener früher mal waren, und weil andererseits der Preis des K812 von knapp 1.600 Euro auf 800 Euro gefallen war. Dieser besoffene Impulskauf war einer der besten Käufe meines Lebens.

Und wie kling er nun?

Der K812 ist, und das meine ich völlig ernst, einer der besten Kopfhörer, die es derzeit zu kaufen gibt. Er steht weder dem Sennheiser HD-800S noch dem Sony MDR-Z1 noch dem Grado PS-1000 noch dem Focal Clear noch Magnetostaten und Elektrostaten der 3.000-Euro-Preisklasse nach. Der AKG spielt in einer Klasse, in der es kein „Besser“ und kein „Schlechter“ mehr gibt, sondern nur noch ein „Anders“. Kopfhörer dieser Preisklasse sind fast alle extrem gut, aber sie unterscheiden sich in Nuancen. Manche Nuance ist größer als die andere. Eine nicht ganz unwichtige Nuance: Der AKG K812 ist mit einem Widerstand von 32 Ohm leichter anzufeuern als viele Konkurrenten. Das heißt natürlich nicht, dass er an jedem Smartphone gleich umwerfend klingt wie an einem guten Verstärker, aber es heißt, dass man, falls man einen guten oder sogar oberklassigen Stereo- oder Heimkinoverstärker hat, nicht nochmal 1.000 Euro in einen eigenen Kopfhörerverstärker investieren muss. Und das ist für mich und vermutlich viele andere Konsumenten ein wichtiger Punkt. Nicht alle von uns sind Millionäre, nicht jeder mag Verstärker um Verstärker ausprobieren, nur um nach langem Trial & Error endlich die richtige Antriebskette gefunden zu haben. Der K812 ist, falls die Energiequelle nicht totaler Mist ist, an fast jedem halbwegs okayen System nicht nur einsetzbar, sondern klingt hervorragend.

Bass? Oh ja, aber guter Bass

Nach dem ersten Aufsetzen dachte ich zuerst: „Oh Gott, wo ist der Bass?“ Doch nach einigen Minuten stellte sich heraus, dass der K812 Bass nicht nur kann, sondern besser kann als die meisten anderen Kopfhörer. Er bläst halt keinen schwachen Bass zu einem starken auf. Hat eine Aufnahme starken Bass, bringt der AKG das auch ans Ohr, und zwar mit einer Autorität und einem Tiefgang, wie man sie nur von sehr teuren Lautsprechern kennt. Also wirklich SEHR teuren Lautsprechern. Ich habe in Tonstudios Monitorboxen erlebt, die um die 20.000 Euro kosten, und genau deren Präzision und Klangtreue liefert auch der K812.

Die schöne Überraschung: Im Gegensatz zum Beyerdynamic T1 und teilweise auch zum Sennheiser HD-800 hat der AKG K812 nicht das geringste Problem mit sehr komplexen und dynamischen Aufnahmen. Im Gegenteil schüttelt er noch die schwierigste Aufnahme so locker aus den Hörmuscheln, als wollte er die Konkurrenten verhöhnen. Nichts klingt auf dem K812 schrill oder übermäßig hoch, denn alles klingt fast exakt so, wie es aufgenommen wurde. Fast, weil der K812 trotz seiner extremen Detailtreue die Musik nie unerträglich erscheinen lässt. Ich weiß auch nicht, welche Hexenkunst da am Werk ist, aber dieser Kopfhörer ist sowohl äußerst neutral als auch musikalisch. Selbst sehr „helle“ Aufnahmen wie zB frühe Beatles wirken mit dem K812 nicht schrill oder ausgedünnt, sondern extrem angenehm. Man hört freilich alles, also wirklich alles einer Aufnahme. Ein Orchestermusiker vergreift sich ganz weit im Hintergrund im Ton? Der K812 bringt es ans Licht. Eine Sängerin hatte drei Tage vor der Aufnahme einen Hustenanfall? Mit dem K812 kann man ihr auch nach Jahrzehnten eine Diagnose stellen. Das Teil ist dermaßen enthüllend und transparent und deckt so viel auf, dass es beim FBI wäre, wäre es eine Person. Der K812 hat eine große Bühne, einer der größten, und dennoch bleibt alles unter Kontrolle und das Stereobild zerfällt nie in seine Einzelteile. Die Ortung der einzelnen Instrumente oder Geräusche ist unfassbar präzise, was den Hörer auch zu einem Tipp für ernsthafte Gamer macht.

Für mich persönlich ist der AKG K812 das Endspiel. Ich habe einige teurere, sogar viel teurerer Kopfhörer gehört, und die konnten sich vom K812 nicht entscheidend absetzen. Umgekehrt aber war der Sprung vom K712, dem Sennheiser HD-650 oder dem Beyerdynamic DT1990 immens groß. Der K812 spielt zwei oder drei Ligen über denen. Warum aber führt dieses Meisterstück von Kopfhörer dennoch eher ein Schattendasein im globalen Krieg um den Titel „bester Kopfhörer“? Nun ja, weil einerseits AKG in Turbulenzen geriet und andererseits, so meine Vermutung, AKG nicht genügend Gratis-Exemplare an diverse „Influencer“ verschickt hat. Die Branche der Reviewer ist sehr korrupt und man sollte auf deren Meinung nicht viel geben. Vor allem diverse Youtube-Stars erwarten sich von Herstellern, dass diese ihnen ihre Produkte gratis zur Verfügung stellen, um gute Besprechungen zu kriegen. AKG hat das wohl nicht im ausreichenden Umfang gemacht, weswegen ihr bestes Produkt fast unter dem Radar fliegt.

Fazit: Der AKG K82 ist einer der besten Kopfhörer der Welt und angesichts seines Preises vielleicht sogar überhaupt der beste. Rein technisch gesehen gibt es keinen anderen dynamischen Kopfhörer, auch keinen um 5.000 Euro, der den AKG maßgeblich übertrifft. Daher ist der K812 mein Tipp für alle, die schon immer mal das Beste vom Besten haben wollten, aber nicht mehr als 800 Euro dafür ausgeben wollen oder können. Wird er jedem gefallen? Nein, natürlich nicht. Geschmäcker sind verschieden. Ich habe nun aber schon lange genug mit hochwertigen Audiogeräten zu tun, um mir dieses Urteil zuzutrauen: Der AKG K812 gehört zu den besten Kopfhörern aller Zeiten und wer Musik wirklich in allen Details hören will, kriegt nichts besseres, schon gar nicht um den Preis.

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Teufel Airy – wenig Gewicht, fetter Sound

Die Berliner Soundspezialisten von „Lautsprecher Teufel“ haben ihren Bluetooth-Kopfhörer „Airy“ behutsam modernisiert. Schon das Vorgängermodell erfreute sich großer Beliebtheit, nicht zuletzt wegen seines geringen Gewichts, das ihn zu einem perfekten Outdoor-Begleiter machte. Ist der Nachfolger, der schon für 149,99 Euro zu haben ist, besser oder wurde hier nur verschlimmbessert?

Entwarnung: Der Airy 2.0 ist in allen Belangen besser als die erste Version. Die Akkulaufzeit für den Bluetooth-Betrieb wurde von 20 auf 30 Stunden erhöht, die Reichweite für den Empfang stieg von acht auf über zwölf Meter, der allerneueste apt-X-Standard ist an Bord und die Neodym-Treiber wurden noch einmal feiner getunt. Teufel verspricht auch einen besseren Tragekomfort durch weichere Ohrpolster und einen geringeren Anpressdruck.

Optik und Haptik

Der neue Airy fühlt sich trotz seiner nur 165 Gramm, die ihn zu einem der leichtesten vollwertigen Bluetoothkopfhörer am Markt machen, nicht zerbrechlich oder billig an. Natürlich gibt es in dieser Preisklasse kein Echtleder und keine Bügel aus gegossenem Aluminium, aber die Kunststoffe wirken solide und das Kunstleder ist schön weich. Plastik ist ja kein Zeichen für mangelnde Qualität, kommt es doch selbst bei High-End-Kopfhörern, die über 1.000 Euro kosten, zum Einsatz. Optisch ist der Airy ein schlanker Geselle, der dank der mitgelieferten und wechselbaren farbigen Ringe für die Ohrmuscheln in Rot, Gelb und Grün jugendlich-frische Akzente setzt. Wer es noch bunter haben will, kann sich ein Zusatzpaket an Wechselringen bestellen. Gut gefallen mir der drehbare Lautstärkeregler und die Bedientasten für den Telefonbetrieb. Damit ist der Airy einfacher und genauer zu benutzen als viele Konkurrenzprodukte, die auf Touch-Bedienfelder setzen.

Tragekomfort

Nicht zu 100 Prozent glücklich bin ich mit dem Tragekomfort, denn obwohl Teufel die Ohrpolster verbessert und den Anpressdruck vermindert hat, spüre ich nach ca eineinhalb Stunden einen leichten Schmerz auf den Ohren. Das ist kein Beinbruch, denn der Airy ist ja nicht dafür gedacht, ihn den ganzen Tag lang zu tragen. Er soll vor allem unterwegs zum Einsatz kommen, also zum Beispiel bei der Zugfahrt zur Arbeit oder beim joggen. Unter eineinhalb Stunden habe ich als Brillenträger kein Problem mit dem Komfort, aber lange Opern oder die Vier-Stunden-Fassung von „Es war einmal in Amerika“ würde ich mir mit dem Airy nicht antun wollen.

Im tiefen Keller des Sounds

Teufel hat dem grundsätzlich neutral abgestimmten Airy im Bassbereich einen Tacken mehr Power gegeben, nach meiner Einschätzung ca 2 dB mehr, und das war eine sehr gute Entscheidung, denn er klingt jetzt voller und satter als zuvor. Vor allem Tiefbass kommt beeindruckend wuchtig und dennoch kontrolliert rüber, was den Freunden elektronischer Musik sehr gefallen dürfte. Die Mitten sind sauber und neutral, wobei Bariton- und Bassstimmen besonders gefällig klingen. In den höheren Tonlagen spielt der Airy detailliert und klar. Insgesamt kommt der neue Teufel viel teureren Kopfhörern tonal verblüffend nahe. Der Airy hat zwar kein aktives Noise Cancelling, schirmt aber gegen Außengeräusche recht gut ab und lässt auch fast keine Töne nach außen dringen.

Lieferumfang

Kopfhörer, Anschlusskabel mit 2,5-mm-Miniklinke (1,3 Meter lang) , Micro-USD-Ladekabel, 3 Paar farbige Ringe für die Ohrmuscheln, Stofftasche.

Pro: Hervorragend klingender und leichter Bluetooth-Kopfhörer. Tolle Akkulaufzeit. Hohe Bluetooth-Reichweite. Modernste Technik an Bord. Gute und logische Bedienung.

Contra: Kann je nach Empfindlichkeit der Ohren nach längerer Zeit etwas zu zwicken anfangen.

Fazit: Wer einen leichten und sehr gut klingenden Bluetooth-Kopfhörer sucht und nicht unbedingt aktives Noise Cancelling braucht, findet im Teufel Airy ein fair kalkuliertes Angebot, das viele Konkurrenzprodukte an Tonqualität und Preis-Leistungs-Verhältnis übertrifft. Die Ergonomie könnte noch ein bisschen besser sein. Ansonsten ein fast makelloser Kopfhörer.

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Bis dann einer zusticht: Im Gedenken an Pawel Adamovicz

Der Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz ist tot, ermordet auf offener Bühne, wo er eine alljährliche Spendensammlung zugunsten kranker und sozial benachteiligter Kinder moderiert hatte. Der Täter ist ein 27-Jähriger, der fünf Jahre wegen bewaffneten Raubes im Gefängnis gesessen hatte und der nach dem Mord brüllte, er habe sich nun an Adamovicz‘ früherer Partei „Bürgerforum“ gerächt, da diese ihn in den Knast gebracht habe, wo er angeblich „gefoltert“ worden sei.

Wenige Tage vor dem Mord strahlte das polnische Staatsfernsehen TVP eine Episode der satirischen Serie „Minęła Dwdziesta“ aus, in der die Macher die Benefizveranstaltung verhöhnten. Zu sehen waren diverse Oppositionspolitiker, die einander haufenweise Geldscheine zusteckten. Auf den Geldscheinen waren Davidsterne abgedruckt.

Adamowicz war einer der letzten einflussreichen liberalen Politiker Polens. Den Hass der regierenden PIS und der mit der Regierungspartei verbandelten außerparlamentarischen extremen Rechten hatte er sich zugezogen, weil er sich nach einer Attacke auf die Danziger Synagoge mit deutlichen Worten an die Seite der jüdischen Bevölkerung gestellt hatte, weil er Aufmärsche der neofaschistischen Organisation „Nationalradikales Lager“ schärfstens verurteilte (und in Danzig zu verhindern versuchte) und weil er als bislang einziger Bürgermeister einer polnischen Großstadt an einer Gay-Pride-Parade teilgenommen hatte.

Adamowicz stand für alles, was Polens rechtsnationale Regierung und der Morast aus Klerikalfaschisten und Ultranationalisten, auf dem sie gedeiht, hassen. Er hatte sich im Laufe seiner politischen Karriere vom Rechtsliberalen zum Sozialliberalen gewandelt, war ein Befürworter der Europäischen Union, sprach sich immer wieder gegen Antisemitismus, Homophobie und Sozialdarwinismus aus und verkehrte gerne mit Künstlerinnen und Intellektuellen.

Im Gleichklang mit der Regierung hetzen rechtsradikale Medien wie „Radio Maria“ oder die Website „wPRawo“ seit Jahren gegen den ihnen verhassten Liberalismus und gegen alles, wogegen die rechte Internationale auch in Ungarn, den USA oder Brasilien hetzt: „Globalisten“, „Kulturmarxismus“, „Atheismus“, „Gendertheorie“, „George Soros“ – jeden Tag wird auf diese Feindbilder verbal geschossen. Auf den Straßen marschieren Zehntausende in schwarzen Uniformen und brüllen „Wir wollen Gott“ und „Für ein judenfreies Polen“, und sie wissen die Regierung dabei auf ihrer Seite.

Vielleicht war der Mörder von Adamowicz wirklich nur ein psychisch angeknackster Ex-Sträfling, der sich für vermeintliches Unrecht rächen wollte. Vielleicht ist es aber auch dieses immer hysterischer werdende Klima des Hasses und des überkochenden paranoiden Wahns rechtsextremer Ideologieproduktion, das psychisch instabile Personen ermutigt, zur mörderischen Tat zu schreiten? Wie lange kann man politische Gegner dämonisieren, wie oft kann man einen „Bürgerkrieg“ herbei brüllen, bis dann einer zum Messer greift und zusticht?

Denon AH-D7200: Echtes High-End statt Marketing-Blabla

Nach der ernüchternden Erfahrung mit dem Beyerdymanic T1, der nur gut klingt, wenn man mit ihm ganz bestimmte Tracks über ganz bestimmte Kopfhörerverstärker bei Vollmond und auf dem Kopf stehend hört, und ähnlichen Enttäuschungen mit anderen sogenannten „Flaggschiffen“, denen allen gemein zu sein scheint, dass man mindestens noch einmal den Preis des Kopfhörers in Zuspieler und Verstärker investieren muss, damit sie gut klingen, hatte ich eigentlich die Nase voll von High-End-Produkten, die sich an normalen guten Verstärkern nicht mal ansatzweise so anhören, wie es das Marketiung verspricht. Dann kam mir der Denon AH-D7200 ins Haus, das derzeitige Spitzenprodukt der japanischen Audio-Spezialisten. „Sei’s drum, geben wir halt noch ein einziges Mal einem sicher überteuerten Produkt eine Chance“, dachte ich mir – und erlebte dann einen Kopfhörer, der tatsächlich das war, was ich mir unter einem Flaggschiff vorstelle.

Denon nennt den AH-D7200 selbstbewusst „Reference Headphones“, also Referenz-Kopfhörer. Mit Straßenpreisen, die zwischen 700 und 850 Euro schwanken, täte der Denon auch besser daran, Referenz nicht nur zu versprechen, sondern auch zu liefern. In der Preisregion zwischen 500 und 1.000 Euro tummeln sich einige von der Kritik hoch gelobte Modelle wie der AKG K812, der von mir verrissene Beyerdynamik T1, der Focal Elear, der Hifiman HE560, der Sennheiser HD660S und ähnliche Edel-Geräte. Und natürlich gibt es etliche Hörer, die bei 1.000 Euro erst starten. Der Sony MDR-Z1R, wie der Denon ein geschlossenes Modell, kostet schlappe 2.000 Flocken. Kann der AH-D7200 sich gegen diese Konkurrenten behaupten? Ist er überhaupt das, was das Marketing verspricht, nämlich ein Referenz-Kopfhörer?

So müssen High-End-Kopfhörer aussehen!

Rein optisch ist der Denon einer der schönsten Kopfhörer, die ich je in natura gesehen habe. Das Design ist klassisch und zeitlos und genau so, wie ich mir Spitzenkopfhörer immer vorgestellt habe. Die Hörmuscheln sind aus echtem, kaum behandeltem Walnuss-Holz, das Kopfband ist aus Schafsleder mit perfekter Näharbeit, der Bügel ist aus Stahl, die Gabeln bestehen aus Aluminium-Druckguss und die fetten Ohrpolster sind aus weichem Kunstleder mit Memory-Schaum. Ein mit Stoff ummanteltes Kabel, das äußerst stabil und hochwertig wirkt, vollendet ein Eindruck, es mit einem echten Edel-Kopfhörer zu tun zu haben. Der AH-D7200 sieht aber nicht nur toll aus, er fühlt sich auch großartig an. Mit seinen knapp 400 Gramm ist er nicht der leichteste Hörer, aber auch nicht so schwer, als dass er zur Last würde. Apropos Bequemlichkeit: Das ist der bequemste geschlossene Kopfhörer, den ich je getestet habe. Ich konnte ihn ganze Nächte lang tragen, ohne dass es irgendwo zwickte oder zwackte. So einen Komfort kannte ich nur vom AKG K712, vom Beyerdynamic DT990 und vom Philips Fidelio X1 und X2, aber das sind lauter offene Hörer. Das einzige Manko: Ich musste den Hörer auf die zweithöchste Größe einstellen, sonst wären mir die Gabeln zu kurz gewesen. Ich habe einen recht großen Kopf, aber Leute, die das Unglück haben, noch fettere Schädel als ich zu haben, könnten hier eventuell an ihre Grenzen stoßen. Das Kabel wird, farblich markiert, mit im Handel weit verbreiteten 3,5-mm-Steckern an die Muscheln angeschlossen, was sehr hilfreich ist, wenn man mal Ersatz braucht.

Okay, der Denon AH-D7200 sieht also toll aus, ist extrem bequem und verströmt eine luxuriöse Eleganz, die gut in jedes Millionärs-Penthouse passt. Aber gut aussehen, gut verarbeitet sein und bequem sein, das alles ist noch keine Kunst, das bringt jeder halbwegs talentierte Designer zustande. Kann der Klang des AH-D7200 mit seinem Aussehen mithalten? Oh ja, er kann! Denons hauseigene Treiber mit der patentierten „Free Edge“-Technologie, die mehr als  1 Tesla Power haben, klingen im Verbund mit den Walnuss-Hörmuscheln bezaubernd – und anders, als ich erwartet hätte.

Der klingt tatsächlich nach dem, was er kostet

Direkt nach dem Auspacken klang der Denon ein bisschen basslastig und dunkel, aber nach nur zwei Tagen Einspielzeit veränderte sich die Ton-Charakteristik völlig. Wo zunächst fast brutaler Wummer-Bass war, war plötzlich höchst kontrollierter, angenehmer Tiefton von den tiefsten tonalen Kellern bis zu mittleren und höheren Basslagen. Wo die Mitten zuerst ein bisschen zurückgenommen wirkten, erstrahlten sie plötzlich in schillernder Brillanz. Wo die Höhen zunächst schrill und überspitzt klangen, waren sie nunmehr glasklar, aber kaum je zischend oder gar krächzend (wie leider beim Beyerdynamic T1). Zwei Tage brauchte der AH-D7200, um sich zu einem der besten Kopfhörer zu mausern, die ich bislang gehört habe, und er wurde mit jedem Tag noch ein Stückchen grandioser.

Die Denon-Ingenieure haben hier das Kunststück vollbracht, einen Kopfhörer zu konstruieren, der einerseits selbst die letzten Details aus der Musik herausholt, aber niemals wie ein langweiliger Monitor wirkt, der einem den Spaß an der Musik verdirbt. Der AH-D7200 ist fast so klar und enthüllend wie ein Sennheiser HD-800, ein AKG K812 oder eben ein Beyerdynamik T1, wird aber nie zur gnadenlosen Sound-Lupe, sondern bleibt immer ein HiFi-Gerät, mit dem man Musik erlebt statt sie zu sezieren. Auch bei Verstärkern und Quellmaterial ist der AH-D7200 anders als viele seiner Konkurrenten. Er bringt mit seiner 25-Ohm-Empfindlichkeit schon am Smartphone oder am Laptop ein beeindruckendes Klangerlebnis und blüht an einen halbwegs guten Stereoverstärker oder AV-Receiver zu voller Schönheit auf. Natürlich geht da noch mehr, aber man braucht eben nicht unbedingt einen eigenen, sauteuren Kopfhörerverstärker, um den Denon zu genießen. Während andere Spitzenmodelle ihr Potenzial an einem „gewöhnlichen“ Verstärker oft nur zu zehn Prozent ausspielen, sind es beim Denon 90 Prozent. Und ganz ähnlich ist es mit der Musik. Mit dem Beyerdynamik T1 klingen zwei von zehn Songs großartig und acht von zehn unerträglich. Mit dem AH-D7200 klingen neun von zehn Musikstücken großartig.

Neutral, aber spaßig

Überraschend ist, wie nahe der Denon bei der Tonwiedergabe an den heiligen Gral der „Neutralität“ herankommt. Will heißen: Er liefert tatsächlich das aus, was die Musiker oder Toningenieure aufgenommen haben. Dabei hat er aber zum Glück noch genug Eigenständigkeit, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Ebenso unerwartet ist die enorme Klarheit des Sounds. Der AH-D7200 lässt einen tief in die Aufnahmen hineinhören und zaubert feinste Klangdetails hervor, doch er macht dies, ohne die Gesamtstruktur der Musik zu zerstören. Man setzt ihn auf, hört Musik und bald vergisst man, einen Kopfhörer auf den Ohren zu haben, weil man voll in der Musik aufgeht. Genau so soll meiner Meinung nach High-End sein. Die Bühne ist für einen geschlossenen Hörer erstaunlich breit, wenn auch Bauart bedingt nicht so groß wie bei vielen offenen Headphones. Die Abbildung ist punktgenau und die Durchhörbarkeit enorm. Der Umgang mit den einzelnen Frequenzen ist vorbildlich und „highendig“ – der Bass ist klar strukturiert und kraftvoll, ohne in die Mitten zu bluten, die Mitten stehen deutlich und bestens gezeichnet vor dem inneren Auge des Zuhörers und die Höhen sind brillant, ohne zu schneiden. Das ergibt ein tonales Gesamtbild, wie man es ansonsten nur mit Lautsprechern und Verstärkern jenseits der 10.000-Euro-Marke geboten bekommt.

Der Denon AH-D7200 hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und zählt für mich zum Besten, was man sich derzeit kaufen kann. Stellt sich noch die Frage, ob er seine 700 bis 850 Euro wert ist. Kurze Antwort: Ja, auf jeden Fall. Hätte Denon ein Preisschild von 1.500 Euro draufgepappt, wäre auch das nicht total übertrieben gewesen (und gewisse Rezensenten, die unbedingt das hören wollen, was der Preiszettel verspricht, würden ausflippen vor Begeisterung). Ist er den Aufpreis von den sehr guten Kopfhörern, die man schon ab 150 Euro kriegt, wert? Ich sage es mal so: Ich habe durchaus einen Unterschied zu guten Hörern wie dem AKG K712 oder dem Hifiman HE560 gehört. Der Denon IST besser als die meisten Hörer der „Einstiegs-Oberklasse“. Ob einem der kleine, aber doch vorhandene Unterschied hunderte Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Pro: Einer der besten geschlossenen Kopfhörer auf dem Markt. Makellose Verarbeitung, wunderschönes Design und ein Hörerlebnis, das der Preisklasse mehr als angemessen ist.

Contra: Das an sich hochwertige Kabel neigt zum Einkringeln, lässt sich aber problemlos wieder entwirren. 

Fazit: Der Denon AH-D7200 ist ein echter High-End-Kopfhörer der Referenzklasse, der ausnahmsweise mal hält, was die Werbung verspricht. Wer einen großartig gebauten und vor allem extrem gut klingenden Luxus-Kopfhörer sucht, wird hier bestens und fair bedient.

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Foto Copyright: Denon

Beyerdynamic T1: Wir müssen reden, Firma Beyerdynamic!

Liebe Firma Beyerdynamic, wir müssen reden. Das sagt man heutzutage doch so, wenn man vorhat, seine Frau zu verlassen, einen Mitarbeiter zu feuern oder einem Land den Krieg zu erklären, oder? Jedenfalls möchte ich vorausschicken, dass ich dich eigentlich ganz doll lieb habe und einige deiner Produkte zu den besten Kopfhörerm der Welt rechne. Ich besaß jahrelang einen DT-990, der mich mit seiner sehr spaßigen Soundsignatur immer wieder entzückte. Dieser schöne, feste Bass! Die fein auflösenden Höhen! Und vor allem: Mitten, mit denen man Liebe machen möchte. Ganz großes Kopfhörertennis zum unschlagbaren Preis. Der DT990 ist noch heute um schlappe 160 Euro zu haben. Gehört, aber nicht besessen haben ich außerdem den DT770 (Tiefbass, Baby!) und den DT880, letzterer ein Kopfhörer wie die Schweiz: Neutral und solide.

Nachdem wir das besprochen hätten, nun zum eigentlichen Thema: Ich bekam kürzlich die Gelegenheit, dein absolutes Spitzenprodukt, den T1 2. Generation, ein paar Tage lang zu testen. Was hatte ich mich darauf gefreut! Der legendäre T1! Und jetzt, glaubt man Beyerdynamic und vielen Testberichten, sogar noch besser als die erste Generation! Gut 1.000 Euro hast du, liebe Firma Beyerdynamic, bei der Markteinführung für den neu aufgelegten T1 verlangt. Mittlerweile willst du „nur“ mehr 899 Euro haben, und bei anderen Händlern kriegt man den T1 sogar schon ab gut 700 Euro. Ein ziemlicher Preisverfall in relativ kurzer Zeit, was? Aber das muss noch lange nichts zu sagen haben. Gekauft wird das Teil ja, denn auf meinem Probeexemplar war eine Produktnummer jenseits der 40.000-Stück-Marke eingestanzt. Dennoch: Allzu viele Reviews gibt es nicht vom T1 der zweiten Generation, und von den wenigen sind einige nicht sehr freundlich. Tja, hier kommt ein weiterer Verriss, sorry.

Beyers Flagschiff fand seinen Weg in mein Zuhause über einen Bekannten, der mich mal „was Richtiges“ hören lassen wollte, nicht immer nur so Hifi-Zeugs zwischen 150 und 500 Euro, sondern ein echtes audiophiles Top-Model, das Beste, was Beyerdynamik zu bieten hat und damit, theoretisch, einen der besten Kopfhörer der Welt. Vielleicht hatte ich zu hohe Erwartungen? Vielleicht bin ich inzwischen taub? Jedenfalls stellte ich nach tagelangem Hören staunend fest, dass der fast zehnmal günstigere DT990 mit dem T1 den Fußboden wischt. Und nicht nur das: Jeder Kopfhörer, den ich näher kenne, wischt mit dem T1 den Fußboden. Man sollte den T1 als Reinigungsutensil verkaufen, so sehr eignet sich der zum Fußbodenwischen.

Bevor mich Beyerdynamic-Fans jetzt lynchen: Ansatzweise zeigte der T1, dass er zur Oberklasse gehört. Zunächst mal sieht er cool aus und fühlt sich wertig an. Nichts knarzt oder wirkt billig. Der T1 wirkt äußerlich absolut wie ein Flaggschiff. Und er ist sehr bequem, einer der bequemsten Kopfhörer, die ich je auf der Rübe hatte. Stundenlanges Hören ist selbst für mich als Brillenträger kein Problem. Auch musikalisch sind da wenigstens gute Ansätze, die zunächst Großes versprechen. Gospelchöre erstrahlten in einer ungeheuren Schönheit, brillant dargeboten und aufgefächert. „Wade In The Water“ von den Blind Boys of Alabama brachte mich sogar zum Heulen, so eindringlich und „nahe“ kam das uralte Spiritual rüber. Ebenfalls ganz ausgezeichnet klangen Singer-Songwriterinnen mit spärlicher Gitarrenbegleitung, so wie der T1 generell ein großer Freund kleiner Ensembles und weiblicher Stimmen ist. Joni Mitchells Frühwerk habe ich noch nie so mitreißend empfunden wie mit dem T1, der vor allem die Harmoniestimmen feinstens herausarbeitete und lokalisierbar machte, ohne die Songs zu sezieren. Dann legte ich Cat Stevens auf und dunkle Wolken brauten sich zusammen, zunächst nur eine Vorahnung auf das kommende Unwetter. „Da fehlt doch was“, schoss mir durch den Kopf, als der olle Cat allzu körperlos aus den Tesla-Treibern waberte. Dem Bariton mangelte es eindeutig an Unterbau. Stevens klang viel zu hell und kraftlos. Nun ja, bekanntlich kann nicht jeder Kopfhörer alles perfekt, wobei ein Flagschiff es wenigstens schaffen sollte, alles immerhin „gut“ darzustellen und einiges dann eben sehr gut. Ich wechselte also zu den alten Beatles, die ich immer wieder gerne zum Testhören nehme, da ich ihre Songs in- und auswendig kenne, und schon traf mich der nächste Hammer: Der Song „Help“ zerfiel in seine Einzelteile, und zwar in hässliche Einzelteile. Natürlich ist „Help“ wegen seiner energetischen, aber grellen Abmischung für viele Kopfhörer ein schwerer Song, aber so ein Auseinanderbrechen des Sounds kam mir bei keinem anderen Kopfhörer unter. Der Bass schwächelte einsam vor sich hin, die Rhythmusgitarren kreischten panisch und grell, Ringos Becken sägten sich in meine Ohren und John fehlte die grantige Energie, die seinen Gesang auf fast allen anderen Wiedergabegeräten bei diesem Lied auszeichnet.

Ich war negativ überrascht, gab aber nicht auf. Ich legte die LP „Magical Mystery Tour“ auf und hörte rein. Der titelgebende Opener wurde zur unerträglichen Ohrenfolter. Die Bläser quengelten nervig von der Seite, der Bass wechselte andauernd zwischen zu massiv und zu dünn hin und her, die Harmoniegesänge ließen mich mitten in der Hitzewelle vor kalter Schroffheit frösteln und das Schlagzeug wummerte in der Tiefe und quietschte in der Höhe. Ein Alptraum! „The Fool On The Hill“ mit seiner spärlichen Instrumentierung klang dann wieder sehr gut. „Flying“ und „Blue Jay Way“ führten wieder ins Alptraumland. „Your Mother Should Know“ war dann toll. Ob der T1 einfach nur Paul McCartney mag und alle anderen Beatles hasst? „I Am The Walrus“ war wieder fast unhörbar, „Hello, Goodbye“ fantastisch gut, „Strawberry Fields Forever“ zum Kotzen und „Penny Lane“ grauenhaft. Aha, es lag also doch nicht an McCartney, sondern daran, dass der T1 auseinanderfällt, sobald die Musik komplexer wird. Ich testete das mit vielen anderen Aufnahmen anderer Bands und das Ergebnis war stets dasselbe: Wird die Musik dynamisch vielschichtiger, treffen also mehrere Rhythmen,  Instrumente, Tonlagen und Lautstärken aufeinander, verliert der T1 den Überblick, wird unerträglich grell und scheppert wie ein 15-Euro-Kopfhörer. Unglaublich! Zu erwähnen ist auch, dass sehr viel Musik mit dem T1 nicht „natürlich“ klingt, nicht nach „echter“ Musik. Vieles klingt so, als würde jemand eine Aufnahme in einen Computer einspeisen und der der Computer spuckt dann seine eigene Version der Musik aus. Ich weiß, klingt seltsam, aber dieser Vergleich kam mir in den Sinn. 

Jetzt werden die Fans teurer Kopfhörer sagen. „Kokolores, du hast einfach nicht den richtigen Kopfhörerverstärker benutzt“. Das stimmt. Ich teste Kopfhörer grundsätzlich am Kopfhörerausgang meines recht guten AV-Receivers, denn der hat Saft genug, um auch anspruchsvolle Headphones  wie den T1 mit seinen 600 Ohm anzutreiben – theoretisch wenigstens. Und warum nehme ich diese Lösung und nicht zum Beispiel einen Kopfhörerverstärker von Beyerdynamik für schlappe 300 bzw. 1.200 Euro? Weil ich praxistauglich testen will und ich, wie die meisten Konsumenten, kein Ölscheich bin. Ich verlange nicht, dass ein Spitzenkopfhörer am Smartphone seine volle Leistung zeigt. Aber ich erwarte mir, dass der Kopfhörerausgang eines guten Verstärkers reichen muss, damit der Hörer wenigstens „gut“ klingt. Eigene Kopfhörerverstärker sind meiner Meinung nach dazu da, eine gute Leistung noch zu verbessern. Sie sollten aber nicht die Voraussetzung sein, um einen Kopfhörer erst mal erträglich zu machen. Wenn Beyerdynamic kein Flaggschiff bauen kann, das auch ohne eigenen KH-Verstärker gut klingt, sollte die Firma zu ihren Ingenieuren mal sagen: „Wir müssen reden“.Screenshot_2

Foto: Copyright Beyerdynamic

„Bahamas“ – Zentralorgan für Paranoia und Verleumdung

Die Zeitschrift „Bahamas“ hat sich ja schon vor einiger Zeit als halbwegs ernst zu nehmende Publikation erledigt und man sollte über das Blatt besser den Mantel des Schweigens legen, was nicht zuletzt für die „Bahamas“-Autoren selbst von Vorteil wäre, da man Menschen, die sich und ihren Ruf nicht zuletzt aus narzisstischer Gekränktheit heraus andauernd und immer intensiver selbst beschädigen, nicht ermutigen sollte, aber was diese Leute in der aktuellen Ausgabe machen, muss man dann doch wieder aufgreifen, da der selbstgerecht Habitus, die letzten aufrechten Ideologiekritiker zu sein, in pure Lust am Verleumden und Kränken umgeschlagen ist.

Das Opfer diesmal: Thomas von der Osten-Sacken, renommierter Journalist und Autor, der sich seit Jahrzehnten mit politischen Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Nordafrika nicht nur intensiv befasst, sondern als Geschäftsführer der Hilfsorganisation Wadi e.V. auch ganz konkret vor Ort für Demokratie und Menschenrechte, vor allem die Rechte von Frauen und Kindern, eintritt. Osten-Sacken gehört außerdem zu jenen Publizisten, deren Eintreten für Israel stets konsequent und kompromisslos war und ist.

Genau diesem Menschen wirft ein gewisser Martin Stobbe in der aktuellen „Bahamas“ nun vor, Israels Souveränität in Frage zu stellen und sich zu wünschen, Israels „Grenzen fallen zu sehen“. Dies ist eine Verleumdung.

Im Text, den Stobbe absichtlich falsch interpretiert, hatte Osten-Sacken das genaue Gegenteil von dem gesagt, was die „Bahamas“ unterstellt.

Hier die Passage, um die es geht: Die Idee, friedlich und unbewaffnet Israels Grenzen zum Gazastreifen, der Westbank und auch den arabischen Nachbarländern zu überschreiten ist nämlich keineswegs neu. Schon 2011, inspiriert durch die Massenproteste des so genannten arabischen Frühlings, kam es einer ähnlichen Aktion.  Damals versuchte unter anderem ausgerechnet der syrische Präsident Bashar al-Assad sie für sich zu reklamieren. Die Aktion scheiterte, der Gedanke blieb. Sowohl in der Westbank als auch im Gazastreifen wurden seitdem neue Formen des Protestes diskutiert und geplant. Wenn von Gewaltfreiheit die Rede war, dann weniger aus ethischer Überzeugung, sondern aus taktischem Kalkül. Als großes Vorbild dient dabei der von Gandhi in Indien organisierte Salzmarsch, der die Moral der britischen Truppen, die auf unbewaffnete Demonstranten einprügeln mussten, nachhaltig untergrub. Was, wenn nun Zehntausende friedlich von allen Seiten auf Israels Grenzen zumarschieren, keine Waffen tragen und sich notfalls beim Versuch, diese Grenzen zu überwinden, zu Dutzenden verletzen oder gar erschießen lassen? Wenn sie statt AK-47-Gewehren, Zwillen oder Molotow-Cocktails nur Olivenzweige in den Händen hielten? Wie lange würden dann israelische Soldaten schießen? Wie lange würde die israelische Bevölkerung entsprechende Bilder im Fernsehen aushalten? Wie würde dann die so genannte Weltöffentlichkeit reagieren? All dies waren und sind Fragen, die palästinensische Aktivisten sich seitdem stellen und diskutieren. Sie wissen nämlich sehr genau: Sollte es ihnen je gelingen – ohne dass sie von einem arabischen Nachbarstaat oder einer der palästinensischen Parteien instrumentalisiert würden – könnten solche Aktionen für Israel wesentlich bedrohlicher werden, als das gesamte Raketenarsenal der Hamas. Dann nämlich stünde nicht nur die israelische Regierung, sondern die ganze Gesellschaft vor der Frage, ob man bereit ist, seine Grenzen notfalls mit tödlicher Gewalt gegen friedliche Demonstranten zu verteidigen. Wie lange wären Rekruten der Armee bereit, dies zu tun, bis die ersten den Dienst verweigern? All dies sind Fragen, die sich jeder, dem die Existenz Israels am Herzen liegt ebenfalls stellen sollte.“

Aus diesem zur Warnung entworfenem Szenario herauszulesen, der Autor wolle Israel fallen sehen, ist intellektuell unredlich, faktisch falsch und erfolgt offensichtlich mit der Absicht, Thomas von der Osten-Sacken als Freund Israels zu diskreditieren und ihn persönlich zu verletzen. Solcherlei ist keine neue Taktik, man kennt das aus der langen und elenden Geschichte politischer Sekten und von Krankheitssymptomen der paranoiden Schizophrenie. In der Tat wirkt die „Bahamas“ immer mehr wie ein Patient, der einen Menschen nach dem anderen zu einer großen, gegen ihn und/oder die „Wahrheit“ oder gar die „Menschheit“ gerichteten Verschwörung zählt, bis er am Ende völlig allein dasteht oder, in diesem Fall, noch umkreist von einer Handvoll Getreuer, die seinen Wahn teilen, von denen aber jeder der nächste sein kann, der der Konspiration zugerechnet wird. Der Chef der rechtsextremen „Identitären“, der von Sekten und Paranoia wahrlich was zu erzählen hätte, wenn ihm bewusst wäre, was er weswegen ist, hatte seinen Kameraden die „Bahamas“ vor einigen Monaten zur Lektüre empfohlen. Es wird immer klarer, warum.