Teufel Real Blue NC: Der beste Bluetooth-Kopfhörer, den man derzeit kaufen kann

Mit dem neuen Real Blue NC ist der Firma Teufel jenes Kopfhörer-Meisterstück gelungen, das man den Berlinern schon lange zugetraut hat.

Anfang März brachte mir ein Paketbote den Real Blue NC von Teufel. Ich packte ihn aus, lud ihn auf, und fing um zehn Uhr vormittags an, Musik damit zu hören. Ich hörte Musik und ich hörte nicht auf, Musik zu hören. Mein Grinsen wurde breiter und breiter. Ungefähr zehn Stunden später setzte ich ihn wieder ab und war glücklich. Das ist mir bislang noch mit keinem Kopfhörer passiert. Je nach Güteklasse brauchte ich nach spätestens drei Stunden eine Pause. Mit dem Real Blue NC war es aber fast unmöglich, das Musikhören zu beenden, denn alles, was ich da hörte, war einfach zu schön. Es machte süchtig. Aber der Reihe nach!

Foto: Bernhard Torsch

Teufel baut schon lange gute Lautsprecher und gute Kopfhörer. Sogar einige der besten, die ich je gehört habe. Ich halte zum Beispiel die Standbox Definion 5 und ihr Nachfolgemodell, die aktive Stereo L, für Speaker, die jeden Audiophilen zufriedenstellen sollten und die mit Konkurrenzprodukten mithalten können, die mehr als das Doppelte kosten, ja sogar viel mehr als das Doppelte. Mit den Top-Produkten seiner Lautsprecher hat Teufel nämlich exakt den Punkt getroffen, ab dem man nur mehr minimale Verbesserungen erreichen kann, selbst wenn man zehntausende Euros dafür zahlt. Die Kopfhörer von Teufel waren auch immer schon gut, aber ein wirklich klar herausragendes Produkt, das mit den Definions oder den Stereo L vergleichbar wäre, also genau den „point of diminishing return“ traf, ab dem man nur mehr für minimale, oft kaum wahrnehmbare Sound-Upgrades zahlt, fehlte. Bis jetzt.

Man verstehe mich nicht falsch! Teufels Kopfhörer, wie etwa der kabelgebundene Real Z, waren sehr gut, vor allem für den verlangten Preis. Allein die etwas klapprige Verarbeitung und das Erscheinungsbild waren nur mittelmäßig. Tonal war der Real Z schon weit vorne mit dabei und keinen Deut schlechter als zB ein AKG K701 oder ein Sennheiser HD-650. Der On-Ear Bluetooth-Hörer „Supreme On“ von Teufel klingt sehr gut und sieht schick aus und ist zusammen mit dem Vorgänger des aktuellen Real Blue ein beachtlicher Fortschritt in Sachen hochwertige Musikwiedergabe über Bluetooth. Das alles war und ist gut, aber es war noch nicht Weltklasse.

Der neue Real Blue NC spielt jetzt in der Weltklasse mit. Er sieht aus wie Weltklasse, er fühlt sich an wie Weltklasse und er klingt vor allem wie Weltklasse. Erhältlich ist er in den Farben Blau, Weiß und Schwarz.

Bluetooth wird erwachsen

Ich war gegenüber Bluetooth-Kopfhörern lange skeptisch. Ich verfolgte den Markt zwar und sah, dass sie immer besser wurden, aber ich war nicht überzeugt. Trotz all der neuen Codecs mit fancy Namen wie AptX, AAC oder LDAC war das halt doch eine verlustbehaftete Übertragung. Als Audio-Snob war ich fest der Meinung, kabelgebundene Hörer seien das einzig Wahre. Ich hörte schon öfters mal rein in die Bluetooth-Welt, aber selbst die neuesten Angebote von Bose, Sony oder Apple konnten mich nicht zu 100 Prozent überzeugen. Das lag aber nicht an Bluetooth, sondern an der verbauten Technik, an Treibern und DSPs. Der Bose Quiet Comfort 35 war mir schlicht zu warm, also allzu basslastig und oben herum nicht luftig genug. Dasselbe traf auf die Sonys zu, die ich hörte. Der Apple war eine Spur neutraler, aber irgendwie blutleer.

Der erste Bluetooth-Kopfhörer, der mir wirklich imponierte, war der VMK20 der finnischen Firma Valco. Mit dem klang Musik über Bluetooth für mich zum ersten Mal natürlich und verdammt nahe an dem, was sonst nur hochpreisige Kabel-Kopfhörer bieten können. Die Schwäche des Valco: Seine Treiber sind nicht so gut wie seine Digitale Signalverarbeitung. Auf Deutsch: Im Bluetooth-Modus klingt er super, über Kabel verbunden eher mittelmäßig. Das wird den meisten Leuten egal sein, mir aber nicht. Ich bin da ein bisschen pedantisch. Aber trotzdem: Für den Preis (170 Euro) ist der Valco super und eine valide Empfehlung.

Dann kam mir der Austrian Audio Hi-X25BT (150 Euro) ins Haus. Der hatte einen kristallklaren Sound. Sehr analytisch und hell und extrem hoch auflösend. Und obwohl der nur den einfachsten Bluetooth-Codec SBC beherrschte, war da fast kein wahrnehmbarer Unterschied mehr zum Betrieb via Kabel. Das lag an den Treibern, die einfach besser sind als die von Valco, Bose, Sony & Co. Aber meine Skepsis gegenüber Bluetooth war überwunden. Ich wusste nun, dass man auch mit Kopfhörern, die für den mobilen Einsatz gedacht sind, kaum mehr Kompromisse beim Sound machen muss.

Der neue Maßstab aller Bluetooth-Dinge

Und dann kriegte ich den Teufel Real Blue NC zum Testen und ich kann ohne zu lügen und ohne von Teufel dafür bezahlt worden zu sein sagen: Das ist der beste Bluetooth-Kopfhörer, den ich bislang ausprobieren konnte. Und nicht nur das, er ist sogar einer der besten Kopfhörer überhaupt, die ich bislang ausprobieren konnte. Der braucht sich vor keinem Sennheiser HD660S, keinem Hifiman Sundara, keinem AKG-K712, keinem Sony MDR-Z7M2 oder sonst einem Hörer zwischen 200 und 1.000 Euro zu verstecken. Und egal, ob mich die Audiophilen-Community jetzt kreuzigt: Mir gefällt der sogar besser als der Meze Empyrean (3.000 Euro).

Im Gegensatz zu manch anderen Kritikern, die den Real Blue NC getestet haben, kann ich nicht bestätigen, dass er im Bluetooth-Modus besser klänge als über Kabel. Für meine Ohren klingt er im Gegenteil über Kabel ein ganz klein wenig, wirklich gaaanz wenig besser. Das spricht für die hohe Qualität der Treiber. Leider liefert Teufel nur ein kurzes 3mm auf 3mm-Kabel mit, was schade ist eben weil der Real Blue NC auch an der Strippe so gut ist, dass er locker viele dezidiert kabelgebundende Cans ersetzen könnte. Ebenfalls ein bisschen enttäuschend, auch wenn es nur eine kleine Minderheit an Freaks wie mich betrifft, ist der fehlende „Hybrid-Modus“, also die Möglichkeit, Musik auch über USB wiederzugeben. Der Austrian Audi Hi-X25BT und der Hifiman Ananda-BT können das, und wenn man es einmal benützt hat, will man diese Funktion nicht mehr missen. ABER: Der Teufel ist auch über Bluetooth so gut, dass allenfalls Tonstudio-Besitzer die Hybrid-Funktion vermissen werden, und die gehören nicht zur Zielgruppe des Real Blue NC.

Teufel bietet übrigens auch einen um rund 50 Euro günstigeren Real Blue an, der dann aber ohne Aktive Geräuschunterdrückung und ohne Transparenzmodus auskommen muss. Wer auf beides verzichten kann, sollte einen ziemlich gleich gut klingenden Hörer kriegen, kann sich aber ein paar Euro sparen. Nach einigen Testtagen kann ich aber sagen, dass ich beide Funktionen zu schätzen gelernt habe. Teufel hat in Sachen ANC deutlich nachgebessert und liegt damit jetzt fast auf dem Niveau der Platzhirsche Bose und Sony. Fast. Die Geräuschunterdrückung wie auch der Transparenzmodus, der Außengeräusche durchlässt, sind bei der teureren Konkurrenz immer noch ein ganz klein wenig besser. Wem es also nur darauf ankommt, die Außenwelt per Knopfdruck zum Verstummen zu bringen, hat andere Optionen, die das noch besser machen als der Teufel. Auch ein automatisches Pausieren der Musik, wenn man den Kopfhörer abnimmt, muss man beim Teufel verzichten. Aber wem Klang auch nur ansatzweise wichtig ist, dem kann ich angesichts der 220 Euro, die der Teufel normalerweise kostet, und den vielen Aktionen, bei denen er schon ab 199 Euro zu haben ist, nicht guten Gewissens zu etwas anderem als dem Real Blue NC raten.

Was ist es nun, das mich so ein Jubel-Review schreiben lässt? Was törnt mich dermaßen an am Real Blue NC? Die schnelle Antwort: Der Sound „passt einfach“. Die Abstimmung der Frequenzen aufeinander ist nahe an der Perfektion. Der Bass ist enorm kraftvoll und geht bis auf 10 Herz runter. Und das ist hier nicht nur Marketing-Blabla. Wenn es die Musik oder der Soundtrack eines Films hergeben, kann der Teufel tatsächlich einen Subwoofer-Effekt an die Ohren weiterreichen. Aber der Bass ist nicht nur stark und tief, er ist vor allem auch kontrolliert. Er kann Techno UND Jazz-Stehbass. Er kann Hip Hop UND Folkrock. Er kann Metal-Kickdrums UND Fusion. Aber noch wichtiger: Er ist sauber definiert und macht nicht aus dem ganzen Kopfhörer eine einzige Bass-Kanone. Übergangslos geht der Bass in die Mitten über, die wunderbar samtig und gleichzeitig detailliert sind, und die Mitten wiederum schließen nahtlos an die Höhen an. Es entsteht ein tonales Ganzes, das Musik zu einem wunderbaren Genuss macht. Die Bühne ist für einen geschlossenen Kopfhörer recht weit, vor allem aber dreidimensional, also auch vertikal fein gestaffelt.

Freude an der Musik

Mir hat kaum ein anderer Kopfhörer soviel FREUDE an der Musik vermittelt wie der Real Blue NC. Ja, andere sind analytischer. Klar, andere sind für Mixing und Mastering geeignet. Sicher, andere zeigen noch den kleinsten Fehler und das am tiefsten im Mix versteckte Detail auf. Aber so faszinierend das sein kann, letztendlich will man Musik GENIESSEN. Und es ist nicht so, als würde der Teufel nicht hoch auflösen oder als würde er Details unterschlagen. Es ist alles da, aber es brüllt einem nicht ins Ohr: „HEY, ICH BIN DAAAA!“ Es fügt sich alles einfach zu einem harmonischem Ganzen zusammen, das einen mit Musik umschmeichelt wie ein warmes Bad oder die Umarmung einer/eines Geliebten. Oder wie Livemusik.

Manche „analytische“ Kopfhörer erinnern an ein mit hellem LED-Licht ausgeleuchtetes Labor, wo Menschen in weißen Wissenschaftler-Kitteln die Musik streng untersuchen und auseinandernehmen. Der Real Blue NC dagegen ist wie ein gemütliches Zimmer mit flauschigen Wandteppichen, weichen Polstern, Perlenvorhängen und Lavalampen. Oder: Ist der eine Kopfhörer ein olympisches Schwimmbad mit kühlem, klaren Wasser, so ist der Teufel wie ein Wellness-Ressort mit Massagen und Sauna und Whirlpool. Beides hat seine Berechtigung, aber nach Jahren des Begutachtens von Lautsprechern und Kopfhörern bin ich inzwischen ein Fan des Wellness-Prinzips. Allerdings, wie schon erwähnt: Das ist der Eindruck, den der Real Blue NC hinterlässt. Technisch KANN er auch gleich viel wie die Analytiker und Technokraten unter seinen Kollegen. Er macht dabei aber… Spaß. Gerade auch der Betrieb am TV ist empfehlenswert, da der Teufel mit seiner Fähigkeit, einen Subwoofer nachzuahmen, Filmen und Serien ein echtes Kinofeeling verleiht. Die Latenz ist zumindest für mich nicht existent, so dass nie der Eindruck entsteht, es gäbe eine Bild-Ton-Schere. Ob das Gamer, bei denen es auf jede Millisekunde ankommt, auch so sehen bzw hören, kann ich nicht beurteilen.

Bedient wird der Teufel übrigens nicht mehr über Touch-Flächen, sondern über einen Ein-Aus-Schalter an der linken Hörmuschel sowie über einen Mini-Joystick an der rechten Muschel. Das funktioniert prima und besser als die meisten kapazitiven Touch-Bedienungen. Lautstärke-Regelung, Zum nächsten oder vorherigen Song springen, Anrufe annehmen oder ablehnen – all das funzt klaglos und nach kurzer Umgewöhnung zuverlässiger als das Streichen und Klopfen, mit dem die meisten Konkurrenzprodukte bedient werden müssen. Telefonieren ist mit dem Real Blue NC ein Vergnügen, denn der Anrufer kommt klar rüber und die eigene Stimme wird sehr gut übertragen. Smartphone- oder Tabletbesitzer sollten sich die kostenlose Teufel Headphones-App herunterladen. Mit der kann man nicht nur ganz einfach das ANC oder den Transparenz-Modus ein- und ausschalten, sondern hat auch Zugriff auf Updates und einen recht umfangreichen Equalizer. Ich habe den Kopfhörer in seiner Default-Abstimmung „neutral“ getestet, da ihn nicht jeder Käufer am Smartphone betreiben wird und ein quasi auf Null gestellter EQ den besten Eindruck von der Fähigkeit der Treiber vermittelt.

Fazit

Der Real Blue NC von Teufel ist einer der besten Bluetooth-Kopfhöer, ja einer der besten Kopfhörer überhaupt, die man derzeit kaufen kann. Für das, was er kann, hat er noch dazu einen echt fairen Preis (229 Euro, derzeit 199). Ich persönlich liebe die Soundsignatur. Perfekt wäre der Kopfhörer, wenn er noch einen Hybrid-Betrieb über USB zuließe und ein besseres Kabel beigepackt hätte. Aber beides werden nur wenige vermissen. Egal, was da noch kommen mag, für mich ist der Real Blue NC DER Kopfhörer der Saison 2021/22 und der neue Standard in Sachen Bluetooth-Headphones.

Foto: Lautsprecher Teufel

Tronsmart Onyx Prime: Einstieg in die In-Ear-Oberklasse

Mit dem neuen In-Ear-Kopfhörer Onyx Prime will die chinesische Firma Tronsmart Kunden ansprechen, die großen Wert auf audiophilen Klang legen. Schauen wir uns an, ob das geglückt ist!

Seit der Technik-Enthusiast Eric Cheng im Jahr 2008 im „chinesischen Silicon Valley“ Shenzhen die Firma Tronsmart gründete, verfolgen er und sein Team das Ziel, hochwertige Audio-Produkte zu Kampfpreisen herzustellen. Bislang waren die Produkte gut, aber nicht außergewöhnlich. Mit dem Onyx Prime hat sich das geändert, denn der ist sowohl von den technischen Daten her, vor allem aber im realen Betrieb tatsächlich eine kleine Revolution.

Auf der Verpackung der In-Ear-Kopfhörer, die je nach Händler und Angebot derzeit zwischen 60 und 70 Euro kosten, druckt Tronsmart selbstbewusst: „Made for Audiophiles“. Wer so wirbt, muss auch einen Sound liefern, der audiophilen Standards wenigstens nahe kommt. Schaffen die Onyx Prima das? Kurze Antwort: Ja. Die sind tatsächlich mehr als bloße Spaßkopfhörer und kommen dem, was tatsächlich audiophile Over-Ears leisten, schon sehr nahe.

Foto: Bernhard Torsch

Technik? Ja

Tronsmart hat die Onyx Prime mit Technik vom Feinsten vollgestopft. Da ist zunächst der Chip von Qualcomm, ein QCC3040, der Bluetooth 5.2 ebenso unterstützt wie AptX adaptive, letzteres ein Bluetooth-Codec, der eventuelle Latenzen zu fast 100 Prozent eliminiert. Außerdem an Bord: CVC8.0, eine Geräuschunterdrückung für die eingebauten Mikrophone, die Hintergrundgeräusche wegfiltert und für klare Telefonate sorgen soll. Der Chip ermöglicht weiters True Wireless Mirroring. Das bedeutet in der Praxis, dass beide Ohrstöpsel gleichzeitig angesteuert werden und beide die Rolle des „Haupt-Empfängers“ übernehmen können, je nachdem, welcher gerade den besseren Empfang hat. Das verbessert sowohl die Reichweite der Bluetoothverbindung als auch die Tonqualität. Was leider fehlt: Ein Aktives Noise Cancelling und ein „Transparenz-Modus“.

Der wahre Technik-Hammer steckt aber in der Hardware, denn Tronsmart verbaut hier insgesamt gleich vier Treiber. Pro Earbud je zwei dynamische für die Bässe und und untere Mitten und zwei Balanced Armature-Treiber für obere Mitten und Höhen. Balanced Armature-Treiber findet man normalerweise erst in High-End-Geräten und eine Kombination mit dynamischen Treibern ist eine delikate Operation, an die sich nur sehr wenige Hersteller trauen.

Der Klang

Modernste Technik ist also im Überfluss vorhanden. Aber führt das auch zu einem guten Klang? Ja, tut es. Der Onyx Prime hat mich tatsächlich positiv überrascht, denn was ich da hörte, war kein simples „Bumbumm“, kein Krächzen und Tröten, sondern sehr fein gezeichnete Musik. Ich habe mich durch meine üblichen Playlists gehört, die ich zum Testen von Kopfhörern verwende, und ich hatte nie den Eindruck, ich hörte mit einem Gerät, das deutlich unter 100 Euro kostet. Die Bässe sind tief, aber nicht so stark, dass sie das andere Tonspektrum zuschmieren würden. Sie sind im Gegenteil klar definiert, beeindruckend konturiert und können bei Bedarf ordentlich zulangen. Bässe haben eine hohe Qualität, drängen sich aber nicht in den Vordergrund.

Die Mitten sind erfreulich klar und detailliert. Songtexte sind sehr gut verständlich, ebenso Dialoge in Filmen oder Serien. Der Onyx Prime kann auch die feinen Nuancen in Stimmen gut abbilden. Auch Mitten-Details wie mehrere gleichzeitig spielende Gitarren und in den Hintergrund gemischte Percussion reichen die Tronsmarts mühelos an die Ohren weiter. Das hat durchaus Klasse und ist angesichts des Preises viel besser, als man vermuten könnte.

Im Hochtonbereich zeigen die Balanced Armature-Treiber, wozu sie fähig sind. Der oft verwendete Marketing-Ausdruck „kristallklar“ trifft hier durchaus zu. Die hohen Frequenzen werden deutlich und fein aufgelöst wiedergegeben und das sogar ohne nervige Zischlaute. Das macht der Onyx Prime stellenweise sogar besser als manche High-End-Over-Ears. Respekt!

Verbessert hat Tronsmart auch den Equalizer in der App. Diesmal sind schon die Presets gut gelungen. Mir persönlich gefielt interessanterweise die Voreinstellung „Deep Bass“ am besten, da sie für meine Ohren am neutralsten klang. Wer mehr Kontrolle will, kann mit dem Fünf-Band-EQ auch sein persönliches Klangprofil erstellen. Die App gibt es kostenlos in diversen App-Stores.

Die Bühne ist sehr klein, aber das ist sie mit allen in-Ear-Kopfhörern. Dafür ist sie ausreichend tief und die Ortung der Instrumente ist exakt. Für Gamer und Menschen, die gerne Filme gucken, wichtig: Die Latenz des Onyx Prime ist quasi nicht wahrnehmbar. Schaltet man den Game-Mode ein, reagiert der Kopfhörer sogar noch schneller.

Komfort und Fazit

Der Tragekomfort ist gut. Die Buds sitzen sicher und ohne Druckgefühl in den Ohren. Die Bedienung ist nach kurzer Einübung auch intuitiv und die Buds reagieren auf Touch-Befehle verlässlich und fast ohne Verwechslungen. Mit einer Ladung kann man in etwa sieben Stunden lang Musik hören oder Gamen. Mit der voll aufgeladenen Ladebox verlängert sich die Laufzeit auf rund 40 Stunden. Das sind gute Werte, wenn auch keine rekordverdächtigen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Onyx Prime von Tronsmart eine für den Preis sehr gute Vorstellung gibt. Er klingt ausgewogen und löst hoch auf. Musikliebhaber dürfen hier ebenso zuschlagen wie Gamer und Filmfreunde.

Teufel 3Sixty: Das ultimative Radio

Die Neuauflage des Erfolgsmodells kommt nun mit Farbdisplay, Fernbedienung und Amazon Music.

Als die Berliner Soundexperten von „Lautsprecher Teufel“ 2018 das Radio 3Sixty auf den Markt brachten, war das durchaus eine technische Sensation, denn kein anderer Hersteller hatte ein vergleichbares Produkt im Angebot, das mit dermaßen kompakten Ausmaßen einen derartig überzeugenden 360-Grad-Sound ins Wohnzimmer oder in die Küche brachte. Egal, wo man das Ding aufstellte, es versorgte den ganzen Raum mit satter und überraschenderweise durchaus hochwertig klingender Musik. Seit gut einem Jahr gibt es nun das Nachfolgemodell und das ist Grund genug, zu prüfen, ob es immer noch so gut ist wie das Original.

Form & Function

Das aktuelle 3Sixty hat die kompakte Formsprache des Vorgängers beibehalten, trumpft jetzt aber mit einem Farbdisplay auf und hat ab Werk die Streaming-Dienste Spotify und Amazon Music eingebaut. Natürlich kann man via Bluetooth auch jeden anderen Musik-Dienst in ausgezeichneter Qualität benutzen. AptX ist an Bord und sorgt für hohe Übertragungsgeschwindigkeiten. Über WLAN gibt es Zugriff auf tausende Internetradios aus aller Welt und wer mag, kann auf digitale DAB+-Sender zugreifen. Natürlich funktioniert das 3Sixty auch als „klassisches“ Radio und hat eine Teleskopantenne für guten FM-Empfang verbaut. Über einen USB-Anschluss lassen sich per Stick sogar High-Res-Dateien wie FLAC und WAV wiedergeben. Und weil das 3Sixty wirklich ein Alleskönner ist, hat es sogar eine Weckfunktion verbaut.

Bild: Lautsprecher Teufel

Das neue LCD-Farbdisplay gibt dem 3Sixty einen zeitgemäßen Look und beeindruckt mit klaren, gut ablesbaren Informationen. Die Fernbedienung, die beim Vorgänger noch fehlte, ist eine praktische Dreingabe, die man bald zu schätzen lernt, wenn man nicht immer am Gerät selbst oder via App Lautstärke oder andere alltägliche Funktionen einstellen will. Das neue 3Sixty ist minimal höher und tiefer als das Vorgängermodell, aber immer noch extrem kompakt.

Die Einrichtung des 3Sixty ist eigentlich selbsterklärend. Man schaltet es ein, navigiert mit dem Drehrad auf das Symbol für Internet, gibt das WLAN-Passwort ein und los geht es. Alternativ kann man zur Einrichtung auch die kostenlose Teufel Remote App verwenden. Bei mir klappte beides problemlos.

Klang

Schon das erste 3Sixty war eine absolute Überraschung, denn dass mit einem dermaßen kompakten Gerät so eine volle, raumfüllende und dazu noch fast high-endige Musikwiedergabe möglich war, ließ mich staunen. Das aktuelle Modell hat da noch ein paar Schippen drauf gelegt. Die von Teufel entwickelte Dynamore-Technik, die mit zwei rundum strahlenden Hochmittelton-Treibern sowie einem nach unten gerichteten Subwoofer arbeitet, ist zwar im Prinzip dieselbe wie beim Vorgänger, hat aber mit einem zusätzlichen passiven Bassreflex-Kanal noch einmal mehr Power bekommen. Dieses System schafft es, schon bei leiser Wiedergabe äußerst fein und tonal überzeugend aufzuspielen und wird, dreht man die Lautstärke hoch, zu einem regelrechten Hifi-System, das ohne Probleme selbst größere Zimmer mit Musik in Partylautstärke bespielen kann. Und selbst bei hoher Lautstärke bleibt der Teufel ausgewogen und kommt nicht ins Schwitzen. Keine Verzerrungen, keine einander auslöschende Überlappung der Frequenzen, kein Pfeifen oder Fiepen. Da kommt einfach nur Musik in sehr guter Qualität raus und beim Hören fragt man sich immer wieder mal, wie zum Teufel Teufel das schafft. Klar, mit einer ausgewachsenen und hochwertigen Stereoanlage kommt der Winzling dann doch nicht mit, aber er kommt verdammt nahe ran. Das kann zu diesem Preis und mit diesem Formfaktor derzeit kein anderer Hersteller.

Im Detail beeindruckt die enorme Räumlichkeit des Sounds sowie dessen Facettenreichtum. Das 3Sixty ist das einzige Radio, das einen dermaßen detaillierten Einblick ins musikalische Geschehen erlaubt und das dabei auch noch natürlich klingt. Mehr High-Fidelity geht derzeit zu diesem Preis und in dieser kompakten Form einfach nicht, egal, wo man sucht. Es gibt einige Konkurrenzprodukte, die für sich genommen gut bis sehr gut klingen, aber keines davon kann dem Teufel in Sachen Dreidimensionalität und schierer Kraft das Wasser reichen.

Fazit

Das neue 3Sixty von Teufel ist ein kompakter Allrounder, der keine Wünsche offenlässt und den ich allen empfehlen kann, die ein Radio suchen, das verbindungstechnisch alle Stückerln spielt und beim Sound keine Kompromisse eingeht. Das 3Sixty ist in den Farben Schwarz und weiß erhältlich

Bild: Lautsprecher Teufel

Austrian Audio Hi-X25BT: Der komfortable Alleskönner

Die Wiener Firma Austrian Audio, von der ich kürzlich den herausragenden Kopfhörer Hi-X65 getestet habe, ist sehr umtriebig und hat in der Zwischenzeit gleich drei neue Modelle auf den Markt gebracht. Neben dem Hi-X60, einem geschlossenen Pendant zum X65, gibt es nun auch in der preislichen Einsteigerklasse Neuigkeiten, nämlich den Hi-X15 und den Hi-X25BT. Letzteren habe ich einer eingehenden Begutachtung unterzogen.

Es ist erfreulich, dass Austrian Audio nicht dem schon ins Absurde abgleitenden Trend vieler anderer Hersteller folgt, immer teurere Kopfhörer auf den Markt zu werfen. Inzwischen ist es ja fast schon normal, wenn Spitzen-Kopfhörer bis zu 5.000 Euro kosten und die Fachpresse bzw. die lieben Influencer auf Youtube & Co Kopfhörer zwischen 1.000 und 2.000 Euro als „Mittelklasse“ bezeichnen. Nun habe ich grundsätzlich nichts gegen überteuerte Luxus-Spielzeuge für Menschen, die nicht mehr wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen, aber sympathischer sind mir Produkte, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Die Kopfhörer von Austrian Audio haben ein solches. Der Hi-X65 kann zum Beispiel mit seinen auch nicht gerade günstigen 350 Euro einige Super-Flaggschiffe, die vierstellige Beträge kosten, übertrumpfen. Wie aber schlägt sich ein Produkt wie der Hi-X25BT, der gerade einmal 149 Euro kostet?

Der Hybrid

Der Hi-X25BT kann gleich auf drei Arten Musik machen. Klassisch im passiven Betrieb per Kabel an einen Verstärker angeschlossen, digital über eine USB-Verbindung zB zu PC oder Laptop und kabellos im Bluetooth-Modus. Das klingt vielleicht nach Overkill, erweist sich aber in kürzester Zeit selbst für reine Genusshörer wie mich als großer Vorteil. Will ich Musik in bestmöglicher Qualität hören, kommt der Hörer per Kabel an den Verstärker. Da können die High-Excursion-Treiber ihre beachtlichen tonalen Fähigkeiten am besten ausspielen. Will ich aber am PC arbeiten und dabei Musik hören oder Youtube gucken, nutze ich die USB-Verbindung. In diesem Modus arbeiten der interne DAC und der interne Verstärker des Hi-X25BT. Und wenn ich mich draußen herumtreibe, schalte ich auf Bluetooth und kann kabellos Musik hören. Diese Vielseitigkeit ist für den aufgerufenen Kaufpreis schon mal sehr beachtlich und etwas, was die meisten Mitbewerber nicht bieten.

Lieferumfang, Materialqualität und Verarbeitung

Der Hi-X25BT kommt in einer unkomplizierten Box. Geliefert werden neben dem Kopfhörer ein 1,3 Meter langes USB-C-Kabel samt Adapter für USB-A, ein 1,4 Meter langes USB-Auf-Klinke-Kabel (3,5mm samt Adapter für 6,3mm) sowie eine Stofftasche, in der man den Kopfhörer transportieren kann. Das ist eine völlig ausreichende und durchdachte Ausstattung mit einem kleinen Minuspunkt: Ein Hardcase statt des Säckchens wäre besser für einen sorgenfreien Transport. Mich stört es nicht, aber wer mit dem Hi-X25BT oft verreist, könnte sich einen stabileren Schutz wünschen.

Ansonsten ist der Hi-X25BT sehr gut verarbeitet. Er lässt sich, wie seine größeren Brüder von Austrian Audio, platzsparend zusammenfalten und hat minimal kleinere, aber immer noch ausreichend große Ohrpolster aus angenehm weichem Kunstleder. Das an den richtigen Stellen gepolsterte Kopfband ist aus Metall, und auch wenn dieses ein bisschen dünner ist als bei den teureren Modellen, wirkt es ausreichend stabil. Wichtig: Nichts knarzt und quietscht. Der Hi-X25BT fühlt sich nicht so luxuriös an wie zB der Hi-X65, aber auch nicht wie ein Spielzeug. Ich würde sagen, Materialqualität und Verarbeitung sind völlig okay und über dem Durchschnitt anderer Kopfhörer in dieser Preisklasse.

Wo aber hat Austrian Audio gespart, um auf die angesichts des Gesamtpakets durchaus als Kampfpreis zu bezeichnenden 149 Euro zu kommen? Nun, die Hi-X15 und Hi-X25BT wurden zwar in Wien entworfen und entwickelt, werden aber in China gebaut. Andere Hersteller machen das mit all ihren Kopfhörern so, auch wenn sie 2.000 Euro dafür verlangen. Bei Austrian Audio werden die höherpreisigen Modelle alle in Wien gefertigt. Gegen „Made in China“ spricht grundsätzlich auch nichts, solange die Qualitätskontrolle hinhaut, und das tut sie hier.

Tragekomfort

Wichtig bei allen Kopfhörern, aber vor allem bei solchen, die man sowohl mobil wie auch Zuhause verwenden will, ist der Komfort. Hier kann der Hi-X25BT auf voller Linie überzeugen. Die Position der Ohrmuscheln lässt sich passgenau auf jede Kopfform einstellen. Ich habe mit diesem geschlossenen (!) Kopfhörer schon zehn Stunden lang durchgehend Musik gehört und dabei nicht mal warme Ohren gekriegt. Von Zwicken oder Drücken kann gar nicht erst die Rede sein. Das mag natürlich auf anderen Köpfen anders sein, aber ich kenne nun doch schon so einige Kopfhörer-Modelle, und die von Austrian Audio gehören zu den bequemsten von allen. Schön, dass hier auch bei den Einsteigermodellen nicht am falschen Platz gespart wurde. Mit 270 Gramm ist der Hi-X25BT auch angenehm leicht.

Foto: Bernhard Torsch

Bedienung

Da der Hi-X25BT weder Aktives Noise-Cancelling hat noch über eine eigene App gesteuert werden kann, ist die Bedienung angenehm simpel.

Einschalten: Die Power-Taste an der Unterseite der rechten Ohrmuschel zwei Sekunden lang drücken.

Bluetooth-Pairing: Die Power-Taste im ausgeschalteten Zustand fünf Sekunden lang gedrückt halten.

Lauter: Auf dem kapazitiven Touch-Feld auf der rechten Ohrmuschel nach oben streichen, Lässt man den Finger danach auf dem Touch-Feld, geht die Lautstärke weiter nach oben,

Leiser: Nach unten streichen.

Musik starten oder pausieren: Einmal auf das Touch-Feld tippen.

Nächster Titel: Zweimal auf das Touch-Feld tippen.

Vorheriger Titel: Dreimal auf das Touch-Feld tippen.

Anruf annehmen: Einmal auf das Touch-Feld tippen.

Anruf ablehnen: Zweimal auf das Touch-Feld tippen.

Das alles klappte bei mir gut. Ein bisschen nervig: Jeder Eingabebefehl wird mit einem Piepen bestätigt.

Für den digitalen Betrieb muss man den Kopfhörer per USB anschließen, einschalten und dann die Power-Taste einmal kurz drücken. Dann sollte der Hi-X25BT als Ausgabegerät im Menu des PC erscheinen.

Der Klang

Der Hi-X25BT hat eine ähnliche Klangsignatur wie seine teureren Brüder aus dem Hause Austrian Audio. Er ist ein recht „heller“ Hörer. Der Bass, der bei meinem Modell übrigens nach ca zwei Tagen Einspielzeit deutlich an Kraft zulegte, ist punchy, aber nicht dominant. Die Mitten sind ein bisschen betont und die Höhen kristallklar. Der Star der Show ist der Speed der Treiber. Die High-Excursion-Technologie von Austrian Audio sorgt für blitzschnelles Ansprechverhalten bei Transienten und damit für ein extrem lebendiges Klangbild. Das ist keine Klangcharakteristik für Bassfreaks und/oder ungeübte Lauscher, aber wer Musik lieber exakt und detailliert hört als „sahnig“ oder sonst wie geschönt, kommt hier auf seine Rechnung. Schlechte Aufnahmen werden recht gnadenlos bloßgestellt, gute klingen aber umso besser. Man hört dem Hi-X25BT seine Gene als Studiowerkzeug an. Er klingt mehr nach Monitor als nach Hifi – was ich für eine gute Sache halte. Die Bühne ist für einen geschlossenen Kopfhörer recht weit und die Ortbarkeit von Instrumenten exakt, was ihn auch zu einem guten Gaming-Kopfhörer machen dürfte. Es dürfte schwer sein, um den Preis andere Kopfhörer zu finden, die mehr Details in der Musik aufzeigen. Zu den teureren Markenbrüdern wie dem Hi-X65 hält der Hi-X25BT freilich doch noch einen Respektabstand. Es wäre aber auch verwunderlich, wenn er mit seinen 149 Euro gleich gut klänge wie sein Kollege um 349 Tacken.

Wer Musik nicht analytisch hören will oder keine Erfahrung mit guter Klangwiedergabe hat, sollte vielleicht zu einem der üblichen Verdächtigen aus der Liga Bose, Sony usw. greifen. Der Hi-X25BT ist eher was für Audiophile, die sich aber nicht gleich verschulden wollen. Die Verständlichkeit von Dialogen in Filmen oder Serien ist exzellent. Eine merkbare Latenz fiel mir beim Filmschauen über Bluetooth nicht auf. Die Qualität von Telefongesprächen geht in Ordnung, aber das machen Teile der (teureren) Konkurrenz besser. Für längere berufliche Videokonferenzen ist der Hi-X25BT nur bedingt zu empfehlen. Am besten klingt der Hi-X25BT als passiver Kopfhörer, der mit einem Verstärker betrieben wird. Da kann er ohne jede Limitierung seine Stärken ausspielen. Im digitalen Modus, also über USB verbunden, muss der interne DAC/Amp ran. Auch da tönt der Hi-X25BT sehr fein, wenn auch auf 16bit/48KHz beschränkt (was immer noch ein bisschen über CD-Qualität liegt). Und wie ist es im mobilen Betrieb?

„Nur“ SBC

Bei den Bluetooth-Codecs gibt sich Austrian Audio „geizig“ und verbaut nur den Grundstandard SBC. Kein AptX oder AAC weit und breit. Das ist aber nicht weiter tragisch, denn die Ingenieure von Austrian Audio wissen, dass das Wichtigste die Treiber und deren Abstimmung auf das Gehäuse sind. Man hat hier meiner Meinung nach genau richtig gehandelt. Besser mehr Geld in gute Treiber stecken als in Lizenzgebühren für Bluetooth-Codecs, deren praktischer Nutzen meist äußerst gering ist. Ja, ApX und Konsorten bieten theoretisch höhere Bitraten, aber Tests haben gezeigt, dass die Frequenzwiedergabe, die wir mit unseren menschlichen Ohren hören, sich je nach Codec kaum unterscheidet. Anders gesagt: Mir ist allemal ein guter Kopfhörer, der „nur“ SBC kann, lieber als ein schlechter, der mit allen möglichen Codecs prahlt, mit denen er aber nicht vernünftig umgehen kann.

Die Lautstärke im Bluetooth-Betrieb ist übrigens völlig ausreichend. Die passive Geräuschunterdrückung ist gut und auf dem Niveau dessen, was man von halbwegs annehmbaren geschlossenen Kopfhörern erwarten darf. Mit einer vollen Ladung solle der Hi-X25BT rund 30 Stunden durchhalten. Das ist ein guter, wenn auch kein rekordverdächtiger Wert.

Konkurrenz

In der Preisklasse gibt es eigentlich nur einen ernsthaften Konkurrenten für den Hi-X25BT, und das ist der Valco VMK20. Der kostet nur 20 Euro mehr, klingt ebenfalls sehr gut und hat aktives Noise-Cancelling an Bord. Aber: Der Valco ist ein reiner Bluetooth-Hörer. Man kann ihn zwar auch analog betreiben, aber ohne sein DSP klingt er bei weitem nicht so gut wie der Austrian Audio. Der Hi-X25BT hat einfach die besseren Treiber verbaut. Wer gut 50 Euro mehr ausgeben will/kann, findet dann schon einige interessante Sachen wie etwa die neue Version des Teufel Real Blue NC, der klanglich äußert gelungen ist und Noise-Cancelling hat, aber nur über Bluetooth oder Klinkenanschluss funzt.

Fazit

Mit dem Hi-X25BT bietet Austrian Audio einen äußerst gelungenen Allround-Kopfhörer zu einem fairen Preis an. Hier bekommt man einen höchst detaillierten, hellen und exakten Klang, der etliche wesentlich teurere Kopfhörer alt und dumpf wirken lässt. Aber der Hi-X25BT ist kein Hörer, der Musik künstlich aufhübscht oder mit aufgeblasenen Bässen Qualität vortäuscht. Er ist penibel und ehrlich und ein echter Tipp für alle, die kein Riesenbudget haben aber dennoch einen vielseitig einsetzbaren und großartig klingenden Kopfhörer besitzen möchten.

Austrian Audio Hi-X65: Der Kopfhörer für Fortgeschrittene

Der Weltmarkt wird seit einigen Jahren geradezu überschwemmt mit immer neuen Kopfhörermodellen. Es war nämlich noch nie so leicht, in dieses Geschäft einzusteigen. Was etliche findige Unternehmer machen: Sie denken sich einen fetzigen Namen aus, kaufen dann in China fertige Kopfhörer vom Fließband, drucken ihr Firmenloge drauf, lassen sich eine aggressive Marketingstrategie einfallen und machen, falls die Rechnung aufgeht, so um die 300 % Profit. Das ist sozusagen die dunkle Seite der Kopfhörermacht. Zum Glück gibt es auch eine helle. Weltweit entstehen junge Firmen, die die traditionellen Platzhirschen herausfordern und mit Qualität und Innovation überzeugen wollen statt mit Rosstäuscherei.

Wer ist Austrian Audio?

Eine der interessantesten dieser neuen Firmen ist Austrian Audio. 2017 in Wien gegründet, besteht das Team von AA vor allem aus ehemaligen AKG-Ingenieuren, die nach dem Verkauf der Traditionsfirma zunächst an Harman und dann an Samsung und die folgende Neuausrichtung des AKG-Portfolios auf Middle-of-the-Road-Produkte ihr eigenes Ding machen wollten. Freilich nicht ohne ein letztes Hurra. Der kurz vor der Übernahme 2014 noch in Wien entwickelte AKG K812 gehört bis heute zu den besten Kopfhörern der Welt. Seit die Gründung von Austrian Audio bekanntgegeben wurde, war ich gespannt, was sich jene Köpfe, die solche legendären Kopfhörer entworfen hatten, einfallen lassen würden, um mit Sennheiser, Beyerdynamic, Hifiman, Meze, Sony, Denon, AKG und den ca 5.000 anderen mehr oder weniger namhaften Herstellern von Kopfhörern konkurrieren zu können.

Das erste Unterscheidungsmerkmal zu einem Großteil der Mitbewerber ist die Konzentration von Austrian Audio auf den Profi-Bereich. Die ersten verkaufsfertigen Produkte waren nicht Kopfhörer, sondern Mikrophone. Das war ein Statement, das so viel sagte wie: „Am wichtigsten ist uns, dass Tonstudios, Musikproduzenten und Musiker unsere Produkte mögen. Falls darüber hinaus auch der eine oder andere Audiophile bei uns einkauft – auch gut“. Den Mikrophonen folgten die geschlossenen Studiokopfhörer Hi-X50 und Hi-X55. 2021 schließlich kam mit dem Hi-X65 der erste offene Referenzkopfhörer von Austrian Audio auf den Markt und es war an der Zeit, den Wienern mein Ohr zu leihen.

Was es ist

Preis: 349 Euro

Treiber: 44mm High Excursion, dynamisch

Magnetstärke: 1 Tesla

Empfindlichkeit: 110 dBspl/V

Impedanz: 25 Ohm

Frequenzbereich: 5 Hz bis 28 Khz

Klirrfaktor: Weniger als 0,1 %

Gewicht: 310 Gramm

Der Hi-X65 ist ein ohrumschließender dynamischer Kopfhörer (Over-Ear) in offener Bauform. Die Rückseite der Ohrmuscheln lässt also Töne hinaus und hinein. Die Ohrpolster sind aus Memory-Schaum und bieten mit ihrer an eine Pferderennbahn erinnernden ovalen Form sehr viel Platz für Ohren aller Größen. Geliefert wird der Hi-X65 mit zwei Kabeln, einem drei Meter langen und einem 1,5 Meter kurzen, die beide mit einem abnehmbaren 3,5mm-Stecker angeschlossen werden. Die Kabel sind relativ dünn und unauffällig, erweisen sich in der Praxis aber als recht geschmeidig, verzwirbeln also nicht und sind vor allem nicht mikrophonisch, leiten also nicht nach Berührung ungewollte Töne ans Ohr.

Der Kopfhörer selber besteht aus Metall und hochwertigem Kunststoff, ist faltbar und macht einen edlen Eindruck. Ich habe nun doch schon einige Kopfhörer getestet und der Hi-X65 fühlt sich nach Qualität an. Nach einem guten Monat intensiven Testens, bei dem er mir auch zweimal auf den Boden gefallen ist, habe ich nicht den Eindruck, als würde er demnächst kaputt gehen. Er wurde offensichtlich als Arbeitstier entworfen und ist entsprechend stabil. Ob man einen Kopfhörer schön oder hässlich findet, ist natürlich Geschmackssache, aber mir persönlich gefällt die Designsprache von Austrian Audio sehr gut. Der Hi-X65 wirkt in natura übrigens hübscher als auf Fotos.

Der Tragekomfort ist Weltklasse. Die weichen Ohrpolster schmiegen sich sanft an den Kopf und der Anspressdruck ist exakt richtig. Stramm genug, um den Hörer sicher auf den Ohren zu halten, aber schon direkt aus der Verpackung nie so stark, als dass da irgendwas zwicken oder drücken würde.

Foto: Bernhard Torsch

Klang

Ich könnte es kurz machen und einfach schreiben: „Volltreffer“. Die in Wien entwickelten High-Excursion-Treiber gehören zum Allerbesten, was ich je gehört habe. Sie sind ungeheuer schnell. Tansienten werden ohne die geringste Verzögerung abgebildet. In diesem Bereich schlägt der Hi-X65 alles, was ich kenne. Allenfalls höherpreisige Grados sind vergleichbar flink. Eine weitere unerwartete Ähnlichkeit zur Kopfhörer-Manufaktur in Brooklyn: Der Hi-X65 ist eindeutig ein heller Hörer. Aber da hört die Ähnlichkeit zu Grado auch schon wieder auf, denn der Austrian Audio hat eine ganz eigene Soundsignatur, die ihn unverwechselbar macht. Er hat viele Tugenden der „alten“ AKG-Flagschiffe wie K701 und K712, aber man merkt, dass die Zeit nicht stehengeblieben ist. Da ist immer noch diese einst für AKG typische knochentrockene Mittenzeichnung, die manche hassen und manche lieben, die aber so nahe am Original der Aufnahme dran ist, wie es für Kopfhörer nur geht. Die High-Excursion-Technologie bringt nicht nur viel mehr Speed als die alten AKG-Kopfhörer, sie bewirkt auch eine ungeheuer exakte und saubere Wiedergabe, genauere und tiefere Bässe und einen absolut schwarzen Hintergrund ohne Verzerrungen. „Neutral“ würde ich das trotzdem nicht nennen, viel mehr präzise und vor allem extrem detailliert. „Neutral“, also flach, wären zB eher (ganz neutral ist nichts) ein Sennheiser HD600 oder der Ollo S4X. Der Hi-X65 ist nicht „flat“, aber dermaßen genau, dass er sich zum Mischen und Mastern eignet. Er hat diese Exaktheit, die man sonst nur von seeeehr teuren Monitor-Boxen kennt.

Für den Otto-Normal-Audiophilen sollten das gute Nachrichten sein. Sollten. Nicht jeder mag es, wenn ein Kopfhörer so detailversessen aufspielt wie der Hi-X65. Ich persönlich kann gar nicht genug davon kriegen. Ich liebe es, noch die verborgensten Feinheiten in einem Track heraushören zu können. Und genau das bietet der Hi-X65. Er ist ein Detail-Monster. Man hört damit im Mix vergrabene Percussion, während einer lauten Rock-Hymne ganz „hinten“ und ganz leise spielende Akustikgitarren, Nuancen im Timbre einzelner Stimmen bei mehrstimmigen Gesangspassagen, kurz: Man hört nahezu alles, was sich hörbar machen lässt. In Sachen Details spielt der Hi-X65 in einer Liga mit dem Sennheiser HD-800S, dem AKG K812 und dem Focal Clear. Den Meze Empyrean hängt er diesbezüglich sogar ab. Diese viel teureren Kopfhörer haben natürlich wieder andere Soundings, die der Austrian Audio nicht hat, zum Beispiel eine weitere Bühne (HD-800S), mehr Luftigkeit (K812) oder eine Art magischen „Klingt-gut-Syrup“ (Meze Empyrean), aber rein von der Auflösung her ist der Hi-X65 ganz vorne mit dabei und in puncto Geschwindigkeit überflügelt er die genannten dicken Brummer sogar.

Der Hi-X65 macht deutlich, wie wichtig erfahrene Toningenieure sind. Bei Austrian Audio weiß man offensichtlich, was man tut und wie wie ein Referenzkopfhörer klingen sollte. Das Resultat ist dann auch ein Hörer, der fast alle anderen Produkte ähnlich neuer Firmen locker schlägt und sich auch vor den teuersten Superluxus-Geräten der etablierten Highend-Hersteller nicht zu verstecken braucht.

Also alles superfein und obergut und zu 100 Prozent zu empfehlen? Nicht ganz. Eine weitere Eigenschaft, die den Hi-X65 als Studiowerkzeug auszeichnet, kann beim reinen Genusshören problematisch werden: Der Kopfhörer hat verdammt viel Druck. High-Excursion-Technologie bedeutet ja nichts anderes, als dass die Treibermembranen sich sehr rasch und sehr viel bewegen. Gekoppelt mit den starken Magneten, die zur Kontrolle und für die Sauberkeit dieser Bewegungen nötig sind, ergibt das eine extrem kraftvolle Wiedergabe (wieder eine Ähnlichkeit zu Studiomonitoren), die nach einiger Zeit für manche Ohren too much werden kann. Ich persönlich würde dazu raten, mit dem Hi-X65 immer wieder mal eine Pause einzulegen und generell nicht allzu laut zu hören. Nicht, dass hier irgendwas verzerren würde bei hohen Lautstärken, aber der reine Schalldruck der 1-Tesla-Magneten wird körperlich spürbar. Das Schöne: Der Hi-X65 muss gar nicht mit voller Power bespielt werden, um seine Stärken zu zeigen. Ich höre mit ihm meist zwischen 40 und 60 Dezibel und das reicht völlig.

Fazit:

Der Hi-X65 von Austrian Audio ist ein einzigartig klingender, extrem detaillierter Kopfhörer für den Gebrauch in Tonstudios sowie für fortgeschrittene Audiophile. Die gebotene Klangqualität sowie die hochwertige Verarbeitung liegen über dem, was man für den Preis normalerweise bekommt. Wegen seiner doch stark für den Profi-Bereich konzipierten Abstimmung und seiner schieren Kraft ist das hier kein Kopfhörer für Anfänger. Wer sich aber schon länger mit dem Hobby befasst, kriegt hier einen Hörer, der Sachen kann, die kein anderer in seiner Preisklasse kann. Und was man noch bekommt: Qualität und Ingenieurswissen Made in Austria.

Foto: Bernhard Torsch

Teufel Real Blue TWS: In-Ear-Bluetooth-Kopfhörer mit feingeistigem Wumms

Obwohl ich persönlich kein Fan von In-Ear-Kopfhörern bin, sind diese eines der am schnellsten wachsenden Marktsegmente im Kopfhörerbereich. Die meisten Menschen mögen, was bequem und praktisch ist, und In-Ears sind halt beides: Ungemein praktisch, optisch unaufdringlich, platzsparend und im Gegensatz zu großen Over-Ears quasi in jeder Situation einsatzbereit. Schon aus Rücksicht auf die sich ändernden Konsumgewohnheiten muss ich mir als Kopfhörertester auch die einen oder anderen In-Ears anhören. Im Fall der Real Blue TWS, der neuen kabellosen Ohrstöpsel-Kopfhörer der Berliner Firma Teufel, war das überraschenderweise aber mehr Spaß als Pflicht.

149,99 Euro verlangt Teufel für den Real Blue TWS. Das ist nicht wenig, aber noch im leistbaren Bereich. Allerdings gibt es zwischen 80 und 250 Euro auch einiges an Konkurrenz. Wie schlägt sich das neue Produkt der Berliner Sound-Experten also?

Klang: 1+

Fangen wir diesmal mit dem an, was normalerweise am Schluss besprochen wird, nämlich mit dem Sound. Der ist gut. Nein, der ist sogar sehr gut. Überraschend sehr gut. Überraschend, weil ich einen dermaßen sauberen und packenden Klang von Bluetooth-In-Ears um 150 Euro absolut nicht erwartet hätte. Was mir da zu Ohren kam, klang ausgesprochen „high-endig“, aber mit einem hohen Spaß-Faktor. Für den Spaß sorgt der sehr starke Bass, der ohne Mühe in den Tieftonbereich hinunter gräbt und bis in den Oberbass hinauf muskulös, aber trotzdem unverzerrt und unverfälscht zulangt. Dieser Bass, der Tiefton-Fanatiker ebenso begeistern sollte wie audiophile Feingeister, ist sicher das Ass im Ärmel des Real Blue TWS, sein Alleinstellungsmerkmal. Was mich aber begeisterte ist die Fähigkeit der Teufel-In-Ears, neben dem Bass die Mitten und Höhen klar und detailgetreu wiederzugeben. Selbst bei Musikstücken, in denen viele Instrumente und Stimmen gleichzeitig um Aufmerksamkeit heischen, erzeugt der Real Blue TWS keinen Soundbrei, sondern behält stets die Kontrolle und erlaubt tiefe Einblicke in das akustische Geschehen. Auch große Dynamiksprünge zeigt der TWS klar auf und bildet sie mühelos ab. Das liegt auf nahezu demselben Niveau wie einige meiner liebsten kabelgebundenen Kopfhörer wie zB Denon AH-D7200 oder Meze 99 Classic. Der Teufel spielt also tonal in der Klasse von Kopfhörern aus der Preisregion von 300 bis 600 Euro mit, und allein dafür schon kriegt er von mir eine Kaufempfehlung.

Die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) funktioniert ebenfalls sehr gut und steht wesentlich teureren Modellen nicht nach. Aktiviert man das ANC, werden Außengeräusche effektiv ausgeblendet, ohne dass es zu negativen Begleiterscheinungen wie Rauschen oder „Verdünnung“ der Musik käme. Schaltet man die Ambient Sound-Funktion ein, kriegt man Umgebungsgeräusche klar ans Ohr weitergereicht. Auch in diesem Bereich spielt der Teufel also ganz vorne mit. Unter der Haube werkt der Kopfhörer mit Bluetooth 5.2 und dem Codec AAC. Das erlaubt zwar kein echtes High-Res, aber doch eine Streaming-Qualität, die der CD nahe kommt.

Funktionalität: 1

Bluetooth-In-Ears kauft man aber nicht nur für deren Klang. Auch die Handhabung muss passen, die Akkuleistung und die Sprachqualität beim Telefonieren. Und natürlich auch die aktive Geräuschunterdrückung.

Die Laufleistung des Real Blue TWS ist sehr gut, wenn auch nicht revolutionär gut. Ohne Case laufen sie zwischen sechs und acht Stunden, je nachdem, ob man das ANC anhat oder nicht. Mit dem aufgeladenen Case verlängert sich die Laufzeit auf 18 (mit ANC) bis 25 Stunden. Die Kopfhörer können im Ladecase bis zu knapp dreimal mit frischer Energie versorgt werden. Das sind gute Werte, allerdings keine weltbewegenden, denn in etwa so lange halten die meisten In-Ears dieser und höherer Preisklassen.

Das Ladecase ist mit Magneten ausgestattet, was zuverlässlich dazu führt, dass man die Earbuds richtig hineinlegt. Das Case selbst hat einen USB-Anschluss und ein Ladekabel. Ein eigenes Ladegerät liefert Teufel wie die meisten anderen Firmen nicht mit, aber USB-Anschlüsse sind vom Handy-Ladegerät über diverse Ports in modernen Autos bis notfalls hin zum Laptop ja quasi überall. Gut: Drei LEDs zeigen den aktuellen Ladestand des Case an.

Teufel legt dem Real Blue TWS vier verschieden große Ear-Tips bei, die aus antibakteriellem Silikon gefertigt werden. Da sollte für jeden Gehörgang die richtige Größe dabei sein. Bei mir war die mittlere Größe die bequemste. Und obwohl ich In-Ears normalerweise nicht sehr schätze, konnte ich den Real Blue TWS stundenlang problemlos im Ohr haben.

Von der Bedienung hängt es oft ab, ob man Bluetooth-Kopfhörer gerne benützt oder ob man sie nervig findet. Teufel hat das ganz gut gelöst.

-Zweimal auf den rechten oder linken Earbud klopfen: Die Musik pausiert

-Dreimal auf den rechten Earbud tippen: Nächster Titel

-Dreimal links tippen: Ein Titel zurück.

-Zweimal auf den rechten oder linken Earbud tippen: Anruf annehmen.

-Zweimal rechts oder links tippen: Anruf beenden.

-1,5 Sekunden den Finger auf den rechten Earbud legen: Anruf ablehnen

-1,5 Sekunden Finger auf den linken Earbud legen: ANC an. Nochmal dasselbe: Ambient Sound ein. Weitere 1,5 Sekunden drücken; ANC aus.

Foto © Teufel

Verarbeitung und Qualitätsanmutung: 2+

Der Teufel Real Blue TWS sieht schick aus und die verwendeten Materialien wirken hochwertig. Freilich ist hier noch Luft nach oben. Das Ladecase ist zum Beispiel relativ lieblos aus Hartplastik fabriziert. Wie edle Schmuckstücke schauen die Earbuds auch nicht aus. Wem der Bling-Faktor sehr wichtig ist, muss wohl zu wesentlich teureren Produkten greifen. Das heißt aber nicht, dass die Real Blue TWS hässlich wären. Vor Regenspritzer, Schweiß und Staub brauchen sich Besitzer des Real Blue TWS übrigens nicht zu fürchten, gegen all das ist er nämlich geschützt.

Fazit: Teufel liefert einmal mehr überzeugende Qualität zum fairen Preis. Der Real Blue TWS hat mich mit mit seiner Abstimmung, die dank des fantastischen Basses viel Spaß macht, dabei aber trotzdem fein auflöst, begeistert. Es dürfte schwer sein, in der Preisklasse und sogar noch in ein bis zwei Preisklassen höher etwas zu finden, das klar besser ist.

Disclaimer: Die Firma Teufel hat mir den Real Blue TWS für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Teufel nahm keinerlei Einfluss auf den Inhalt dieses Textes.

Ollo Audio S4X: Profi-Kopfhörer made in EU mit Hifi-Wow-Faktor

Habt ihr auch diesen einen Kumpel, der sich nie flashig-modisch kleidet, sondern eher unauffällig-erdig? Der auf Partys mehr der Beobachter ist als die Stimmungskanone? Der einem nie Honig ums Maul schmiert, sondern immer die Wahrheit sagt, auch wenn diese weh tut? Und mit dem man aber, wenn man ihn besser kennenlernt und ihm den guten Stoff gibt, den tollsten Spaß überhaupt haben kann, gerade weil er einem sagt, was andere sich nicht zu sagen trauen? So wäre der Kopfhörer S4X von Ollo Audio, wäre der ein Mensch.

Dem Ingeniör ist nichts zu schwör

Vor ein paar Jahren wollte der slowenische Schlagzeuger und Ingenieur Rok Gulič, Drummer der Band Sabalmoza, zuhause einige Songs auf seinen Monitorlautsprechern abmischen. Da er nachts arbeitete, weckte er dabei mehrmals seine Frau und seine kleinen Kinder auf. Die waren nicht amüsiert und Rok suchte nach Kopfhörer-Alternativen zu seinen Abhör-Boxen. Kein einziger Kopfhörer konnte seinen Ansprüchen genügen. Er experimentierte herum und verlegte unter anderem eine Tonspule unter seinem Sessel. Als er den Körperschall spürte, kam ihm die Idee, selber Kopfhörer zu bauen, mit denen man tatsächlich auch mixen und mastern kann. Kopfhörer, die so clever gebaut sind, dass sie mit exakt berechneten Resonanzen den Schalldruck von Nahfeld-Monitoren nachempfinden können. Zusammen mit dem Toningenieur Mitja Sajovic und einigen Freundinnen und Freunden gründete Gulič im Startup-Hub Primorski tehnološki park die Firma Ollo Audio. Nach rund vier Jahren intensivster Forschung stellte Ollo seine ersten zwei Kopfhörer vor, den geschlossenen S4R und den halboffenen S4. Der S4R ist für Aufnahmesessions gedacht, der S4 zum Mixen und Tracken. Von der Welt der Consumer-Electronics fast unbemerkt, schlugen die beiden Kopfhörer unter Studio-Profis und Musikern hohe Wellen. Angespornt vom Erfolg arbeiteten Gulič & Co an der Entwicklung ihres bisherigen Flagschiffs, dem S4X, der den S4 ersetzt und den ich heute besprechen will.

Foto: Bernhard Torsch

Der Öko-Kopfhörer

Ein Prinzip von Ollo Audio ist, so umweltfreundlich wie möglich zu produzieren. Der einzige Kunststoff, den man in Ollos Produkten findet, ist der aus ultradünnem PET 25u bestehende Treiber. Alles andere ist aus Metall, nautischem Leder und Holz, zusammengehalten von Schrauben und Nieten. Das amerikanische Walnuss-Holz stammt sogar von zertifiziert nachgepflanzten Bäumen. Die kleine Schachtel, in der der S4X ankommt, ist aus Pappe und natürlich biologisch abbaubar. In der Schachtel sind nur der Kopfhörer, das Kabel sowie ein Eigentümer-Zertifikat mit Seriennummer und, wichtiger, ein Blatt Papier, auf dem die Frequenzkurve des Kopfhörers abgebildet ist. Nicht die Frequenzkurve aller S4X-Modelle wohlgemerkt, sondern die des Kopfhörers in der Schachtel. Jeder Ollo-Kopfhörer wird nämlich vor Auslieferung an die Kunden einzeln geprüft und gemessen, jeder Treiber wird individuell an das Gehäuse angepasst. Mehr Sorgfalt und Transparenz seitens einer Firma geht fast gar nicht.

Ein hübscher und bequemer Panzer

Der handgefertigte Ollo S4X gehört zu den am besten konstruierten Kopfhörern, die ich je in Händen gehalten und auf dem Kopf getragen habe. Das selbst justierende Kopfband erinnert ein wenig an ähnliche Mechanismen, wie sie zB AKG gerne einsetzt, wirkt aber stabiler. Die Ohrpolster bestehen aus weichem Kunstleder und haben eine Velours-Oberfläche. Der Anpressdruck ist genau richtig. Der Kopfhörer sitzt fest auf dem Kopf, aber ich konnte selbst nach acht Stunden und mehr keinerlei unangenehmen Druck feststellen. Und ich bin Brillenträger! Der Tragekomfort liegt auf einem Level mit den bequemsten Kopfhörern, die ich bislang hören konnte (Meze Empyrean, AKG K812, Beyerdynamic DT770/880/990, Sennheiser HD800) und übertrifft in seiner Preisklasse fast alle anderen. Gerade Sennheiser könnte sich hier was abschauen, denn deren preislich vergleichbare 600er-Linie (HD600, HD650, HD660S) ist berüchtigt für ihren viel zu straffen Anpressdruck und ihre schlechten Ohrpolster. Fast jedes Review dieser Sennheiser-Modelle beinhaltet ein paar Tipps, wie man die Hörer weniger schmerzhaft macht, und das ist, mit Verlaub, ein Armutszeugnis für die Sennheiser-Ingenieure. Dass die Sennheiser-Hörer fast zu 100 % aus Plastik bestehen, spricht auch nicht gerade für einen guten Gegenwert für Kopfhörer, die zwischen 250 bis 600 Euro kosten. Der Ollo dagegen sitzt out of the box perfekt am Kopf. Außerdem ist die Verarbeitung ein Gedicht. Ja, er sieht ein bisschen retro aus, aber das passt zum ökologischen Anspruch und mir gefällt das Design sehr gut. Hat was von Grado, nur halt stabiler und viel bequemer. Die Ohrpolster sind „gerade noch over ear“, könnte man sagen. Meine Ohren passen in die nicht allzu großen Muscheln ganz hinein, aber es ist ein bisschen knapp. Für Menschen mit Dumbo-Lauschern könnte der S4X vom over- zum on-ear werden, aber die Polster sind so weich, dass auch das nicht stören sollte. Mit 350 Gramm ist der S4X nicht der leichteste Hörer seiner Klasse, aber doch leicht genug, um nach kurzer Zeit zu vergessen, dass man ihn trägt. Und vor allem wesentlich leichter als diverse Magnetostaten wie zum Beispiel die Audezes, die gerne mal weit mehr als einen halben Kilo wiegen.

Technik und Preis

Der S4X ist ein elektrodynamischer Kopfhörer mit Neodym-Magneten und einer zweilagigen Treiberspule. Mit einer Impedanz von 32 Ohm und einer Effizienz von 108dB ist er sehr leicht zu betreiben und braucht nicht unbedingt einen eigenen Kopfhörerverstärker. Allerdings reicht er den Unterschied zwischen zB einem Laptop-Soundkartenausgang und meinem andern Test-Equipment (Marantz SR7013, Pro-Ject Head Box RS) doch recht deutlich an die Ohren weiter. Es liegen keine Welten dazwischen, aber ein halbwegs okayer DAC ist empfehlenswert.

Verbunden wird der S4X an jeder Ohrmuschel mit einer 2,5mm-Klinke, was ich sehr begrüße, da man recht einfach Ersatzkabel findet, sollte das beigepackte mal den Geist aufgeben oder mit seinen zweieinhalb Metern zu kurz oder zu lang sein. Der Hörer ist symmetrisch, man kann sich also selber aussuchen, welche Ohrmuschel die rechte und welche die linke sein soll. Nur an den Kabelenden sind kleine „R“ und „L“-Markierungen angebracht, nicht aber am Kopfhörer selbst. Ganz egal, wie manche Reviewer behaupten, ist das aber nicht, da die Anschlüsse an den Ohrmuscheln leicht nach vorne versetzt sind, weswegen man zwar die Rechts-Links-Zuweisung umkehren kann, dann aber auch leicht nach hinten zeigende Kabel hat.

Die Ohrmuscheln lassen sich 360 Grad rotieren, was man zB auch von Grado kennt oder auch von High-End-Modellen wie dem Meze Empyrean, aber ich rate von allzu viel drehen ab, droht dann doch die Gefahr des Kabelbruchs. Ollo Audio warnt übrigens als einziger mir bekannter Hersteller davor, zu fest auf flach auf dem Tisch liegende oder am Ohr sitzende Ohrmuscheln zu pressen, da dies die Treiber beschädigen könnte. Eine etwas seltsame Warnung, denn wer drückt schon aus Jux und Tollerei so fest gegen die Hörmuschel, dass der Treiber kaputt werden könnte? Ollo Audio hat nichtsdestotrotz großes Vertrauen in seine Produkte, denn die Firma gibt eine fünfjährige Garantie. Außerdem kann jeder Käufer sein Gerät einmal einschicken, sollte es ein wichtiges mechanisches Upgrade geben. Ollo bringt den Hörer dann auf den neusten Stand. Kundenservice schreibt Ollo überhaupt groß. So gibt es eine 30-tägige Testphase, während der man den Kopfhörer bei Nichtgefallen zurückschicken kann und sein Geld erstattet bekommt. Wer knapp bei Kasse ist, dem bietet Ollo eine zinsfreie Teilzahlungsmöglichkeit an. Der S4X kostet 399 Euro und liegt damit in einem heißt umkämpften Preissegment.

Klang: „Brutal Ehrlich“? Jep

Ollo Audio bewirbt den S4X als „brutal ehrlich“ und als Tool für Profis. Auf der Website von Ollo Audio kommen viele Produzenten von Weltrang zum lobenden Wort, aber keine „Audiophilen“. Das ist kein Zufall. Ollo wendet sich in erster Linie an Menschen, für die Musikproduktion ihr Beruf ist. Das merkte ich, als ich zum ersten Mal Musik mit dem S4X hörte. Es klang anders als alles andere, was ich je gehört hatte. Das liegt an der tatsächlichen und nicht nur vorgetäuschten Neutralität des Hörers. Hier wird vom Bass bis zu den tieferen Höhen keine Frequenz bevorzugt, der S4X ist tatsächlich flach und trocken. Er ist wirklich neutral, und echte Neutralität klingt anders, als viele Hobby-Audiophile sich das vorstellen. Kopfhörer, die für den Consumer-Markt als „neutral“ oder „transparent“ beworben werden, sind in Wahrheit meist Rosstäuscher, die Detailreichtum mit einer übermäßigen Anhebung der hohen Frequenzen faken. Das mag toll klingen, aber es ist eben nicht neutral.

Der Ollo klingt, wenn man von anderen Herstellern kommt, zunächst einmal sehr warm, also mit starkem Bass und nach vorne geschobenen Mitten. Das liegt daran, dass die meisten anderen Kopfhörer Tiefbass entweder gar nicht darstellen können oder, um gefälliger zu wirken, in den Hintergrund rücken. Der Ollo hat da einen ganz anderen Ansatz. Er will einem zeigen, was tatsächlich in einem Mix drin ist, und das geht nur, wenn die Frequenzen gleichberechtigt nebeneinander tönen. Das wirkt zunächst „warm“ oder „dunkel“, aber wenn man sich daran gewöhnt hat, entdeckt man das wahre Talent des S4X: Er befeuert einen mit Details, die vom Tiefbass bis zu den Höhen reichen und die für viele 08/15-Konsumenten wohl zuviel des Guten sein dürften. Das Hörerlebnis ist tatsächlich so ähnlich, wie vor zwei sehr sehr guten Nahfeld-Monitorboxen zu sitzen. Das ist sicher nicht jedermanns Sache, aber ich persönlich liebe es! Mit keinem anderen Kopfhörer konnte ich bislang die kleinsten Nuancen, die einen guten von einem schlechten oder durchschnittlichen Mix und Mastering unterscheiden, so klar heraushören wie mit dem S4X. Für mich ist das weit mehr Segen als Fluch, aber nicht alles ist Sonnenschein und Strandparty und wir wollen uns den Ollo mal im Detail anhören!

Foto: Bernhard Torsch

Bass

Wer Bass liebt und auch die von vielen anderen Kopfhörern in diesem tonalen Bereich oft verschwiegenen oder vermantschten Details hören will, kommt hier voll auf seine Rechnung. Der Ollo geht mühelos in den tiefsten Keller und zeigt einem das Timbre und die tonalen Varianten im Bereich unter 80Hz. Aber: Er peppt Bass nicht auf. Den berühmten „Slam“ habe ich auf anderen Hörern schon hübscher erlebt. Das bedeutet nicht, dass er S4X nicht heftig zulangt, er tut es halt sehr technisch und trotz der grundsätzlich warmen Charakteristik sehr exakt und ohne was hinzuzufügen. Das heißt nicht, dass der Ollo nicht mitreißend klingen würde. Ich habe mit ihm oft genug headgebangt. Wenn die Musik und der Mix es hergeben, ist der feine Herr nämlich ein ziemlich harter Rocker, und seine Linearität lässt Kickbass und Bassgitarre eine im Himmel geschlossene Hochzeit mit E-Gitarren, Keyboards und Gesang konsumieren. Im Ernst: Das ist wunderschön!

Mitten

Hier erinnert der Ollo S4X an die legendären Mitten der 600er-Serie von Sennheiser. Er macht es aber besser. Ich habe mit dem Ollo wesentlich mehr Details im Mittenspektrum wahrgenommen als mit dem HD600 oder auch dem Beyerdynamic DT1990. Das „Negative“: Fehler in diesem Bereich werden ohne Rücksicht auf Verluste demaskiert. Eine Gitarrist hat einen unpassenden Reverb verwendet? Der Ollo zeigt das schmerzhaft auf. Eine Band ist noch nicht wirklich gut aufeinander eingespielt, wie zB die Doors auf ihrem Debutalbum? Und dazu noch eher hastig als aufmerksam produziert? „Break On Through“ klingt entsprechend flach und kratzig und unprofessionell (mit jedem Doors-Album wird das besser – man kann also so richtig nachvollziehen, wie die Produzenten immer mehr Arbeit in den Mix steckten und wie die Band technisch besser wurde).

Höhen

Der S4X hat unaufdringliche, aber in vollem Umfang vorhandene Höhen. Die Höhen sind so, wie Rolls Royce früher zur Frage nach den PS sagte: „Ausreichend“. Al Koopers ätherische Orgel auf Bob Dylans „Visons Of Johanna“ ist ein guter Test für die Fähigkeit eines Kopfhörers, Höhen wiederzugeben, die das menschliche Gehör mit zunehmendem Alter immer schlechter wahrnimmt. Hier ist Entwarnung angesagt: Alles ist vorhanden. Natürlich könnten manche Benützer versucht sein, dem S4X mit EQ noch mehr Höhen abzuringen, aber meiner Meinung nach wäre das Selbstbetrug, Die Höhen des S4X sind genau richtig, ein EQ jagt die Musik nur durch einen Filter und verzerrt das, was real da ist. Dass der Ollo nicht schrille Höhen hat, ist übrigens Absicht, denn überzeichnete Höhnen ermüden das Gehör am meisten, und der Ollo ist für Profis gedacht, die den ganzen Tag lang mit ihm arbeiten.

Die Bühne

Oh boy, das ist jetzt ein bisschen schwierig. So sehr ich alles andere am S4X liebe, so eng ist die Bühne. Es ist eine der engsten Bühnen, die ich je gehört habe, in etwa auf einer Stufe mit dem HD600 von Sennheiser. Wer eine breite und weite Bühne haben muss, sollte zu anderen Geräten greifen, zum Beispiel zum AKG K712 oder 812. Anders gesagt. Wenn der AKG K812 und der Sennheiser HD800 die weitesten Bühnen auffahren, ist der Ollo deren exaktes Gegenstück. Instrumente und Stimmen sind dennoch auf vorbildliche Weise getrennt und festzumachen. Die Darstellung ist also extrem genau, selbst wenn die Musik, vor allem klassische mit Orchester, sich beengt anhört. Aber es ist ein eigenwilliges Hörerlebnis. Einmal mehr erinnert es an Nahfeld-Monitore – oder auch an eine sehr gute Jukebox. Der Ollo engt Stereo nie auf Mono ein, aber er lässt kaum mal einen Ton von sehr weit außen oder auch oben/unten kommen. Zu dieser Charakteristik trägt natürlich auch bei, dass der S4X kein offener Kopfhörer ist, sondern ein ganz spezielles Zwischending zwischen geschlossen und offen. Auch halboffen wäre nur die halbe Wahrheit, da Ollo Audio nicht in diesen Kategorien denkt und produziert. Ollo geht es fast ausschließlich um die Kontrolle über das Resonanzverhalten und die Wellen in den Ohrmuscheln. Daher ist im S4X auch jede Menge akustisches Dämmmaterial verbaut. Das engt die Bühne ein, sorgt aber für die in dieser Preisklasse einmalige Kontrolle über den Sound.

Dynamik

Dies ist ein weiterer Bereich, in dem es zweifellos bessere Kopfhörer gibt. Vor allem, wenn man audiophile Maßstäbe anlegt. Der S4X ist nicht undynamisch, aber die Sprünge von leise zu laut kommen nicht mit all den Bells & Whistles daher, wie zB auf einem LCD4 oder einem Meze Empyrean. Auch in der Preisklasse des S4X gibt es da Hörer, die Dynamik dramatischer darstellen, etwa den Hifiman Sundara oder sogar den DT880 von Beyerdynamic. Aber: Der S4X wird nicht dafür gebaut, Musik möglichst „schön“ klingen zu lassen, sondern möglichst neutral, also so, wie es die Aufnahme hergibt. Der Ollo fügt nichts hinzu, nimmt aber auch nichts weg. Hat eine Aufnahme echte Dynamiksprünge, zeigt sie der S4X natürlich. Er überbetont sie nur nicht.

Verzerrung

Ich habe keine Angabe über die THD (Total Harmonic Distortion) des S4X gefunden, aber sie muss sehr niedrig sein. Bei nicht verzerrten Aufnahmen verzerrt er auch bei hohen Lautstärken nicht und wenn der Verstärker oder eine andere Quelle in der Lage ist, absolute Stille wiederzugeben, dann bleibt der S4X auch absolut stumm. Das hat durchaus das Niveau von Flagschiffen wie dem AKG K812 oder dem Grado RS1.

Für wen ist der S4X?

Wem kann ich den S4X von Ollo Audio empfehlen? In erster Linie allen, die professionell Audio-Inhalte produzieren. Das ist einer der besten, wenn nicht DER beste Studiokopfhörer, die ich je gehört habe. Er ersetzt keine Monitorlautsprecher, aber er kommt verdammt nahe ran. Falls jemand nicht gerade in Abbey Road arbeitet, sondern Demos oder Youtube-Videos bearbeitet, kann der Ollo tatsächlich ausreichen, um eine sehr gute Ahnung davon zu haben, wie das Endprodukt klingen wird.

Und was ist mit Audiophilen, also denen, die Kopfhörer zum Vergnügen verwenden? Nun, wer meinen Geschmack teilt, also Neutralität und Detailreichtum über das ganze Frequenzband hinweg liebt, sollte sich den Ollo S4X holen! Ich mag halt HiFi, kurz für High Fidelity, also die möglichst realistische Wiedergabe einer Aufnahme. Viele Audiophile lieben aber gerade eine spezielle, nicht gerade dem Original treue Wiedergabe. Auch denen würde ich einen Test des S4X empfehlen, da er anders ist als alle anderen Kopfhörer. Wer aber NUR basslastige Kopfhörer oder NUR höhenlastige liebt, wird mit dem S4X nicht glücklich. Als Hauptkonkurrenz sehe ich die schon erwähnte 600er-Produktlinie von Sennheiser und die DT1990 und DT1770 von Beyerdynamic. Beide raucht der Ollo in der Pfeife. Sorry, er ist wirklich klar besser als die erwähnten Konkurrenten. Je nach Aufnahme ist der Ollo sogar gleich gut wie einige Überdrüber-Hörer zwischen 1.000 und 4.000 Euro. Für den Ollo spricht auch, dass er von einem innovativen Unternehmen in der EU produziert wird.

Fazit

Der Ollo Audio S4X ist ein ultra-neutraler Kopfhörer, der aber dennoch Spaß-Potenzial hat. Er ist meiner Meinung nach einer der besten und interessantesten Kopfhörer in ALLEN Preisklassen, vor allem aber für 399 Euro. Er ist großartig und ökologisch nachhaltig gebaut, kann leicht repariert werden, fühlt sich super angenehm in der Hand und vor allem auf dem Kopf an und klingt mit vielen Musikstücken kein Bisschen schlechter als diverse High-End-Modelle jenseits der 1.000-Euro-Grenze.

Disclaimer: Ich habe den Ollo Audio S4X gekauft und einen Rabatt für Kritiker bekommen. Ollo Audio hat in keiner Weise Einfluss auf den Inhalt dieses Reviews genommen.

Tronsmart Apollo Air: Solider Mittelklasse-In-Ear mit aktueller Technik und gutem Klang

Tronsmart, gegründet 2013 in Chinas Tech-Metropole Shenzhen, ist eine weitere chinesische Firma, die den globalen Audiomarkt mit der Formel „viel Qualität um relativ wenig Geld“ aufrollen will. Im Gegensatz zu anderen Herstellern wie etwa Hifiman hat Tronsmart aber nicht die High-End-Klientel im Visier, sondern den Alltagskonsumenten, der nicht hunderte oder gar tausende von Euros hinblättern will, um das audiophile Nirwana zu erreichen, sondern einfach nur ein gut klingendes Gerät möchte, das ihn beim Pendeln zur Arbeit, beim Sport oder beim Gamen beschallt. Tronsmart bietet daher Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher der Einsteiger- bis Mittelklasse an. Nichts, was die Bank sprengt, aber alles mit dem Anspruch, gut oder immerhin gut genug zu sein.

Der In-Ear-Kopfhörer Apollo Air, der für rund 60 Euro zu haben ist, passt genau zu diesem Konzept. Er ist solide verarbeitet, hat technisch alles an Bord, was man sich nur wünschen kann, und klingt auch noch okay. Eine klare Kaufempfehlung also? Hm, nicht so schnell!

In der Packung

Geliefert wird der Apollo Air mit den Earbuds, einer Ladebox, einem USB-C-Ladekabel, einer englischen, aber eigentlich selbsterklärenden Anleitung sowie drei verschiedenen Aufsätzen für die Earbuds. Das Ladekabel ist mit 30 Zentimeter nicht gerade übermäßig lang geraten, aber für den Einsatz an PC, Laptop oder an der USB-Buchse im Auto sollte das ausreichen.

Foto © Bernhard Torsch

Verarbeitung und Komfort

Den Apollo Air gibt es entweder in weißer oder schwarzer Klavierlackoptik. Er fühlt sich stabil und leicht, aber nicht unbedingt luxuriös an. Die Ladebox hat einen leichtgängigen magnetischen Verschluss, ist mit 6cm Länge, 3cm Höhe und 3,5 cm Tiefe sehr handlich und hat an der Vorderseite eine LED, die während des Ladens rot leuchtet. Daneben ist eine Taste, mit der man den Apollo Air gleich mit dem Smartphone oder einem anderen Bluetooth fähigen Gerät paaren kann. Tronsmart stellt drei Aufsätze für die Buds zur Verfügung: Kleine, mittelgroße und große. Mir persönlich sind schon die kleinen fast zu groß, aber ich bin ehrlich gesagt auch nicht der größte Fan von In-Ears und daher vielleicht ein bisschen zu empfindlich. Hat man erst einmal die richtige Position gefunden, trägt sich der Tronsmart aber überraschend bequem im Ohr und er sitzt recht fest. Der Apollo Air hat eine IP45-Zertifizierung, was in etwa heißt: Leichte Wasserspritzer oder Schweiß sind kein Problem, aber richtig wasserdicht ist er nicht.

Bedienung

Den Apollo bedient man über Touch-Gesten. Die wichtigsten habe ich zusammengefasst.

-Zwei Sekunden den Finger auf die Touchoberfläche des linken Buds legen: Ein Song zurückspringen

-Dasselbe am rechten Bud: Einen Song vorsspringen.

-Doppeltes Tippen auf die rechte oder linke Touchfläche: Play/Pause/Play

-Ein Tap rechts: Lauter

-Ein Tap links: Leiser

-Dreifach-Tap: Ambient an. Erneuter Dreifach-Tap: ANC an. Weiterer DreifachTap: ANC aus.

Telefonieren: Doppelter Tab = Anruf annehmen oder beenden. Doppeltab und Finger drauf lassen = Anruf ablehnen.

Laufzeit

In der Ladebox ist der Apollo Air binnen 2,5 Stunden voll aufgeladen und sollte dann bei durchschnittlicher Lautstärke ca fünf Stunden durchhalten. Die Box selber enthält einen Akku, womit man die Box auch unterwegs und ohne Anschluss zum Aufladen der Buds verwenden kann. Das funktioniert ca drei bis vier Mal, bevor die Box wieder an den Strom muss. In der Praxis kam ich auf mehr als fünf Stunden pro Ladung, nämlich auf knapp über sechs, aber ich höre Musik ja auch nicht mit gesundheitsschädlicher Lautstärke.

Klang

Tronsmart prahlt auf seiner Website, dass der Apollo Air 10mm-Treiber aus dem exotischen Material Graphen habe und den „industry leading“ Chip QCC3046 von Qualcomm verbaut habe. Der QCC3046 ist gut, gehobene Mittelklasse, „industry leading“ ist er nicht. Aber er kann schon einiges, etwa Bluetooth 5.2, aptX und True Stereo. Das heißt, dass hier tatsächlich jeder Earbud individuell angesteuert wird und nicht eine Bud zu Bud-Verbindung aufgebaut werden muss. Das sollte theoretisch für eine höhere Tonqualität sorgen und ist ein Feature, das man ansonsten nur in deutlich teureren Wireless In-Ears findet.

Hat man den Apollo Air soweit in den Gehörgang gepresst, wie es physisch möglich ist, spielt dieser günstige kabellose In-Ear mit einer für seinen Preis sehr guten Tonalität auf. Die Bässe sind satt und fett, aber nicht unkontrolliert. Sie bluten kaum in die Mitten und haben sogar eine annehmbare Tiefbasswiedergabe. Die Mitten sind präsent und nicht, wie oft bei „Spaßkopfhörern“, in den Hintergrund gedrängt. Stimmen und Instrumente im Mittenspektrum haben nicht das Timbre und die physische Power, wie man sie mit High-End-Kopfhörern kriegen kann, aber sie klingen auch nicht blechern oder verzerrt. Die Höhen sind völlig ausreichend, um die dort oft versteckten Details hören zu können. Dennoch schafft es der Apollo Air, die Hochtöne so zu zügeln, dass sie nicht mit Zischlauten und Fiepsen nerven. Das ist insgesamt für knapp 60 Euro und für einen kabellosen In-Ear eine gute Vorstellung. Klar, wenn es NUR um den Klang geht, kriegt man schon was Besseres in der Preisklasse. Da ist nämlich schon ein Grado SR60 drin. Okay, der ist so ziemlich das genaue Gegenteil dessen, was Käufer von kabellosen In-Ears wollen, also ein archaisch wirkender Over-Ear ohne die geringste Isolierung und mit einem fetten Kabel, aber rein vom Sound her kann der Tronsmart da nicht mit. Ein Kritikpunkt, der aber die meisten In-Ears betrifft: Das menschliche Ohr ist von Mutter Natur so gebaut, dass es Fremdkörper loswerden will. Langsam, aber sicher wandern die Buds also aus dem Gehörgang raus und man muss sie wieder reinstopfen. Es besteht nie die Gefahr, dass sie rausfallen, aber der Sound verändert sich halt zum Negativen, je weiter die Buds vom Trommelfell entfernt sind.

Telefonie-Qualität

Der mit nicht weniger als sechs Mikrophonen ausgestattete Apollo Air sorgt dafür, dass einen der Gesprächspartner gut versteht. Und man selber hat da keinerlei Verständnisproblem, denn der Tronsmart reicht Anrufe ohnehin klar ans Ohr weiter.

Aktive Geräuschunterdrückung (ANC)

Tronsmart wirbt mit bis zu 35 Dezibel Geräuschunterdrückung über den gesamte Frequenzbereich. In der Praxis kommt das in etwa hin. Wobei das ANC vor allem gegen tiefere Frequenzen effektiv ist. Natürlich gibt es da Besseres, aber das kostet halt auch doppelt oder dreimal so viel. Für die 50 bis 60-Euro-Preisschiene ist das ANC sehr gut. Und: Der Ambient-Modus ist fein! Den empfehle ich allen Joggerinnen und Radfahrern oder auch nur Fußgängern. Dieser Modus lässt einen die Musik genießen, leitet aber Außengeräusche leicht verstärkt durch die Buds weiter. Das ist ein tolles Feature für mehr Sicherheit im Straßenverkehr (oder wenn man mit dem Apollo Air TV guckt und das Baby im Nebenzimmer pennt).

Die App

Tronsmart bietet auch eine kostenlose App an, mit der man aber nicht allzu viel anstellen kann. Man kriegt eine Art rudimentären Equalizer, von dem ich aber die Finger lassen würde, da jede andere Einstellung außer „Default“ grauenhaft klingt. Runterladen sollte man sich App trotzdem, weil man nur mit ihr Firmware-Updates für den Apollo Air beziehen kann.

Fazit: Der Apollo Air von Tronsmart bietet viel Technik und eine gute Soundqualität für einen sehr fairen Preis. Er ist kein echter Preisbrecher oder gar Flagship-Killer, aber man kriegt mit ihm modernste und vor allem problemlos funktionierende Technik, eine passable Verarbeitung, einen guten, wenn auch nicht weltbewegenden Klang und praktische Features.

Foto © Bernhard Torsch

Disclaimer: Der Kopfhörer wurde mir von der Firma Tronsmart kostenlos für Testzwecke zur Verfügung gestellt, Tronsmart hatte aber keinen Einfluss auf den Inhalt des Reviews.

Beyerdynamic DT770 Pro – lohnt der sich noch im Jahr 2021?

2024 wird die Firma Beyerdynamic 100 Jahre alt. Wer sich so lange auf dem Audio-Markt hält, macht wohl einiges richtig. Das gilt auch für Produkte, die fast unverändert seit bald 40 Jahren verkauft werden, wie zum Beispiel den Kopfhörer DT770, der zusammen mit seinen Geschwistern DT880 und DT990 im Jahr 1985 auf den Markt kam und sich bei Tontechnikern wie auch Hifi-Fans immer noch großer Beliebtheit erfreut. Natürlich hat Beyerdynamic die alte DT-Linie im Laufe der Jahrzehnte immer wieder ein bisschen angepasst und getunt, aber im Grunde haben wir hier den gleichen Kopfhörer, der in die Geschäfte kam, als Madonna gerade zum Weltstar wurde und Ostdeutschland noch sicher hinter Mauern und Zäunen eingeschlossen war.

Foto © Beyerdynamic

Wie sagen unsere englischsprachigen Freunde? If ain’t broken don’t fix it! Frei übersetzt: wenn etwas funktioniert, verschlimmbessere es nicht! Die DTs haben ihren bis heute anhaltenden guten Ruf nicht ohne Grund. Ich selbst besaß zwölf Jahre lang einen DT990 und habe den immer noch in bester Erinnerung. Er war super bequem gebaut, extrem stabil, hatte trotz des nicht abnehmbaren Kabels, über das ich etliche Male mit den Rädern des Bürosessels drüber gefahren bin, nie einen Wackelkontakt und er klang wunderbar. 2015 beschlossen die Chefs bei Beyerdynamic, es wäre an der Zeit, vom Trend zu immer teureren Kopfhörern zu profitieren und ließen die Modelle DT1770 Pro, DT1990 Pro sowie die zweite Generation des Flaggschiffs T1 auf die Welt los. Und da ist ihnen irgendein Upsie passiert, denn ich habe sowohl den T1 als auch den DT1990 besessen und ich war nicht nur nicht begeistert, sondern regelrecht enttäuscht und zornig. Ich vermute, die viel beworbenen „Tesla“-Treiber, die in diesen neueren Beyerdynamics zum Einsatz kommen, sind schlicht und einfach eine Fehlentwicklung. Der T1.2 klang nur mit Musik gut, die sparsam instrumentiert war. Sobald eine größere Band oder gar ein Orchester ins Spiel kam, wirkte er überfordert und produzierte vor allem im Hochtonbereich einen krächzenden und krachenden Sound-Schrott, der an einen 15-Euro-Kopfhörer erinnerte und nicht an ein fast 1.000 Euro teures Spitzenmodell. Der DT1990 war kaum besser. Ein bisschen souveräner in den Höhen, aber auch heftig zum Übersteuern und Krächzen neigend. Und ja, ich habe die mit ausreichend Verstärker-Energie gefüttert. Der DT1990 entwickelte trotz abnehmbaren Kabels übrigens schon nach nur eineinhalb Jahren einen Wackelkontakt, der eine Hörmuschel komplett ausfallen ließ. Mein Vertrauen in Beyerdynamic war erschüttert und ich suchte mein akustisches Heil vorerst anderswo.

Mit dem AKG K812 (rund 1.000 Euro) und dem Meze Empyrean (3.000 Euro) fand ich, wonach ich so lange gesucht hatte: Audiophile Perfektion. Der AKG spielt extrem gut auflösend, aber er foltert einen nie mit völlig übertriebenen Hochtönen, wie es der T1 und der DT1990 machen (der berüchtigte Beyer-Peak). Musik mit dem AKG K812 zu hören, könnte man so beschreiben: Man steht in einer mond- und sternenlosen Nacht im tiefsten Wald. Es ist so finster, dass man die Hand vor Augen nicht sieht. Setzt dann die Musik ein, ist es, als würde im Dorf nebenan ein Feuerwerk in die Luft geschossen werden. Jede einzelne Farbe erstrahlt vor dem pechschwarzen Nachthimmel, und jede Nuance jeder einzelnen Farbe ist ganz klar zu erkennen. Es ist akustische Analytik auf höchstem Niveau, die aber dennoch nicht ermüdend wirkt. Der Meze Empyrean wiederum ist nicht Technik, sondern Schwarze Magie, Teufelswerk. Egal, welche Musik man ihm füttert, er streut Feenstaub oder Einhorntränen drauf und sie klingt fantastisch. Alles, was man mit dem Meze hört, klingt erhaben, majestätisch, imperial. Und weil er mit Magie arbeitet, verändert er sich auch von Song zu Song. Er kann alles und spielt alles, und allem verleiht er noch diese extra Portion Gravitas und Patina.

Verarbeitung und Komfort

Kann ein technisch fast 40 Jahre alter Kopfhörer, der noch dazu kaum 130 Euro kostet, mit solchen Sound-Kanonen mithalten? Ich habe es ausprobiert und mir den DT770 gekauft. Der kommt in einer simplen Verpackung und ohne Zubehör. Der Hörer selbst wirkt, wie von den alten DTs gewohnt, extrem gut gebaut und stabil. Er besteht aus einem Kopfband und Gabeln aus Metall. Das Kopfband ist mit abnehmbarem Leder gepolstert. Nicht dick, aber ausreichend. Die Ohrmuscheln sind aus Hartplastik, das eine interessante Maserung aufweist, und die Ohrpolster bestehen aus Velours. Das Kabel ist drei Meter lang und fix verbaut. Es ist dünn, aber stabil und flexibel. Gesamteindruck: Ein Panzer.

In Sachen Komfort ist Beyerdynamic verlässlich gut. Ich habe den DT770 direkt aus der Schachtel mehr als acht Stunden getragen und hatte nicht das geringste Problem. Kein Zwicken, kein Drücken, kein Jucken. Der Hörer hat zwar nicht die größten Polster, aber meine Ohren stießen nie irgendwo unangenehm an. Überraschend bei einem Kopfhörer, der als Arbeitsgerät für das Studio beworben wird: Die Ohrpolster sind sehr mikrofonisch. Schon wenn man nur gähnt hört man, wie sie sich knarzend dehnen. Ähnliches passiert, wenn man isst, kaut oder den Kopf schüttelt. Ich hoffe, das wird noch besser, sobald der Kopfhörer erst einmal „eingeritten“ ist, aber ich muss es erwähnen, da man sich, falls es nicht weggeht, zwar womöglich daran gewöhnen kann, es aber bei keinem Kopfhörer in keiner Preisklasse vorkommen sollte, schon gar nicht bei einem, der ein „Pro“ sein will.

The Sound of good old Beyer

Der Sound hat mich einerseits überrascht, andererseits aber willkommen geheißen wie einen alten Freund. Überraschend ist, dass ich, vom Meze Empyrean und vom AKG K812 kommend, nie das Gefühl hatte, vom Weltcup in die Regionalliga abgestiegen zu sein. Die Vertrautheit ergab sich daraus, dass der DT770 meinem geliebten DT990 recht ähnlich ist. Ja, der 770 ist geschlossen, der 990 offen, aber die Grundsignatur ist nicht so unterschiedlich, wie man meinen könnte. Der schönste Trick, den der DT770 beherrscht, ist der Bass. Dieser Kopfhörer kann als einer der wenigen unter 1.000 Euro echten Tiefbass darstellen, also Frequenzen von 50Hz abwärts, und zwar mit Wumms und nicht nur ganz zart. Ja, es gibt noch basslastigere Kopfhörer, aber wenige, die den Bass nicht nur mit Gusto abbilden, sondern auch mit Finesse. Der Tiefbass grummelt tief unten vor sich hin, der normale Bass ist saftig und, was mich beim geschlossenen Design überrascht hat, sehr kultiviert. Man kann zB einen E-Bass von einer Bassdrum problemlos auseinanderhalten, ebenso eine Tuba von einem Kontrabass, auch wenn sie dieselben Noten spielen. Okay, man muss ein bisschen konzentrierter hinhören als zB am Emyprean, aber die Differenziertheit ist da. Bravo, DT770!

Die Mitten sind ein bisschen zurückhaltender als zB einem Sennheiser HD650 oder einem Hifiman Sundara (um auch mal Beispiele zu bringen, die preislich näher am Beyer liegen als der Empyrean), aber sie saufen nicht im Mix ab. Ich höre in Stimmen, sowohl männlichen wie auch nicht allzu hohen weiblichen, die ganze Bandbreite, die verschiedenen Timbres und Phrasierungen. Es springt einen nicht so an wie bei mittenbetonten Kopfhörern, aber es geht auch nicht unter. Manchmal merkt man die U-Form des Sounds, wenn man zB genau weiß, dass eine E-Gitarre, die gerade im rechten Stereobereich spielt, eigentlich lauter sein sollte, aber verschwunden ist sie halt auch nicht, und das ist dann insgesamt okay.

Die Höhen sind, je nach Geschmack, das Sahnehäubchen oder die Achillesferse aller Beyerdynamic-Kopfhörer. Auch der DT770 hat den Beyer-Peak, also eine Überbetonung ab ca 7-8 Khz, die den Sound besonders luftig und detailliert wirken lässt, aber empfindliche Menschen unter den daraus manchmal folgenden scharfen bis überschärften „S“-Lauten bei Gesang oder einem Zisch-Effekt bei hohen Percussion-Instrumenten leiden lässt. Was bei T1 und DT1990 tatsächlich oftmals kaum zu ertragen ist, ist beim DT770 zum Glück nicht so arg. Ich hatte sogar den Eindruck, der geschlossene Beyer spielt genau bis zur Grenze, ab der es unangenehm werden könnte, überschreitet sie aber nur sehr selten.

Die Schwäche des DT770 ist das, was eigentlich seine Stärke sein sollte: Er ist mit den meisten Musikstücken sehr neutral und nicht sehr dynamisch. Das heißt, dass zB der Wow-Effekt, wenn nach einem leisen Intro eine laute Band einsteigt, nicht so stark ist wie bei Kopfhörern, die mehr auf Genuss getrimmt wurden statt auf Exaktheit. Ein Vorteil ist das sicher bei der eigentlichen Aufgabe des 770, nämlich beim Recording und vor allem beim Tracking. Während einer Aufnahme und später, wenn man einen Song nach Fehlern absucht, SOLL einen ja kein Wow-Faktor von der Arbeit ablenken. Das gesagt habend, muss ich aber festhalten, dass das nur auffällt, wenn man direkt zuvor Kopfhörer wie den Empyrean gehört hat. Für sich allein genommen ist der DT770 durchaus auch spaßig und dynamisch. Fast ein wenig erschrocken bin ich über die Bühne des Beyer. Die ist nämlich für einen geschlossenen Kopfhörer recht groß, sowohl vertikal wie horizontal, und sogar Tiefenstaffelung kann er ordentlich darstellen.

Fazit

Abschließend bleibt zu sagen, wie sehr mich der günstige Beyerdynamic für sich einnehmen konnte. Eine großartige Tonqualität, eine sehr gute Verarbeitung und zum aktuellen Preis nur mit wenig ernsthafter Konkurrenz. Sucht man in der Preisregion, könnte man eventuell die Grados SR60 und SR80 als dynamischere und „rockigere“ Alternativen empfehlen, und wer es lieber neutral, aber mit weiterer Bühne und weniger Bass hat, kann mit dem AKG702 ein Schnäppchen schießen. Die Firma Beyerdynamic muss sich freilich die Frage gefallen lassen, warum ein 40 Jahre alter 130-Euro-Kopfhörer in vielen Belangen besser klingt und schlichtweg besser IST, als andere ihrer Produkte, die vier bis zehnmal soviel kosten.

Valco VMK20: Der beste Bluetooth-Kopfhörer des Jahres

Seit einigen Monaten geistert ein neuer Name durch die Kopfhörerwelt: Valco. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die finnische Firma massiv auf Social Media-Plattformen für ihre Produkte wirbt. Genauer: Für ihr Produkt, Einzahl. Valco bietet einen Bluetooth-Kopfhörer an. Zunächst war das der VMK19, der mit seinen Holzeinlagen auf den Hörmuscheln einen gewissen ländlich-nordischen Charme versprühte und sich dank seiner offenbar recht annehmbaren Höreigenschaften rasch zu einem Geheimtipp entwickelte (außerhalb Finnlands, denn in Finnland selber ist Valco ein großer Player). Aktuell bieten die Finnen exklusiv das Nachfolgemodell Valco VMK20 an, das statt Holz nun mit einem elegant wirkenden Stoffbezug aufwartet und gegenüber dem Vorgängermodell einige Verbesserungen erfahren haben soll. Das kann ich freilich nicht beurteilen, da ich nur den VMK20 zum Testen hier habe. Also schauen wir einmal, was man bei Valco für 169 Euro (Versand inklusive) bekommt!

Die Firma

Valco produziert erst seit 2019 Kopfhörer und gehört somit zum wachsenden Kreis kleiner europäischer Hersteller, die den Branchenriesen wie Sony, Bose, Sennheiser usw. Konkurrenz machen wollen. In immer mehr Ländern poppen diese kleinen Firmen auf: Meze Audio in Rumänien, Ollo Audio in Slowenien, Austrian Audio in Österreich… es ist fast eine Entwicklung wie beim Bier, wo ja auch immer mehr kleine Craft-Brauereien den großen Konzernen die Stirn bieten. Eine erfreuliche Sache, die Europa wenigstens in Sachen Audio-Technik wieder technisch aufholen lässt. Valco aus Finnland unterscheidet sich von anderen kleineren Firmen vor allem durch ihre Marketing-Strategie. Die ist gnadenlos humoristisch, aber auch grundehrlich. Ob in kurzen Videos, in Inseraten oder beim Webauftritt – bei Valco reiht sich Witz an Witz. Das ist sympathisch, könnte aber auch nach hinten losgehen. Glücklicherweise ist der Humor in 99 % aller Fälle gelungen und tatsächlich lustig. Und Valco zieht das bis ins letzte Detail durch. Sogar die Bedienungsanleitung ist reinste Comedy – und gleichzeitig exakt und super leicht verständlich.

Produkt, Lieferumfang, Bauqualität und Daten

Hält man den Valco VMK20, der in einem stabilen Hardcase samt USB-Ladekabel, Klinken-Kabelanschluss und Flugzeugadapter, geliefert wird, in Händen, fällt sofort die hohe Qualitätsanmutung auf. Der Kopfhörer, der sich platzsparend zusammenfalten lässt, ist stabil gebaut und macht einen hochwertigen Eindruck. Nichts quietscht oder knarzt. Die Ohrpolster aus Proteinleder sind Over-Ears, umschließen also das ganze Ohr, und zumindest bei mir hat das auch problemlos geklappt, ohne dass irgendwas zwicken würde oder sich zu eng anfühlte. Die Einstellung der Länge erfolgt über einfaches Schieben oder Drücken der Ohrmuscheln, die dann mit einem befriedigend klingenden Klicken am Kopfband aus Metall entlanggleiten. Das Kopfband selber ist mit Kunstleder ummantelt und bietet ausreichend Komfort auf der Rübe. Der graue Stoffbezug auf den Ohrmuscheln wirkt edel und erinnert ein bisschen an klassisches europäisches HiFi-Design. Technisch bringt der Valco VMK20 folgendes mit: Bluetooth 5.0 mit den Audio-Codecs APTX LL, SBC und AAC; Aktives Noice Cancelling mit vier Mikrophonen; integrierter Verstärker der Klasse AB mit DSP; 40-Millimeter-Treiber; Akku mit bis zu 45 Stunden Laufzeit nach vollem Aufladen (Ladezeit maximal drei Stunden von 0 auf 100 %); Freisprechfunktion mit eigenem Mikrophon und Rauschunterdrückung; Siri und Google werden unterstützt. Der Kopfhörer wiegt schlanke 250 Gramm.

Klang

Der Valco VMK20 sieht also gut aus, ist technisch voll auf der Höhe der Zeit und kann alles, was man von einem modernen Bluetooth-Kopfhörer erwartet. Aber hübsches Aussehen und gute Daten auf dem Papier sind bekanntlich gerade in der Welt der Audiowiedergabegeräte oft nur die halbe Miete – und manchmal gar nur reines Blendwerk. Entscheidend ist, zumindest für mich, immer noch der Klang. Und hier erlebte ich eine Überraschung. Um die zu erklären, muss ich ein bisschen ausholen.

Mein derzeitiger Lieblingskopfhörer ist der Meze Empyrean, ein magnetostatischer High-End-Hörer um schlanke 3.000 Euro. Nicht wenige, darunter auch ich, meinen, das sei einer der besten Kopfhörer der Welt. Von so einem Hörerlebnis auf einen Bluetooth-Kopfhörer umzusteigen, der gerade mal 169 Euro kostet, ist zumeist eine Garantie für eine saftige Enttäuschung, ein akustischer Abstieg als würde man gerade noch den Engeln gelauscht haben und fände sich plötzlich im Probekeller einer drittklassigen Black-Metal-Band wieder. Ich war also darauf vorbereitet, die Sache professionell anzugehen und dem Valco VMK20 nicht anzukreiden, dass er nicht wie der Empyrean klingt. Und dann… klang der Valco verdammt ähnlich wie der Meze. Natürlich nicht gleich, natürlich nicht annähernd so majestätisch wie das rumänische Wunderwerk mit seinen isodynamischen Doppeltreibern, aber die Klangcharakterisitik war verblüffend ähnlich. Noch einmal: Ich sage NICHT, dass der Valco VMK20 gleich gut klingt wie der Meze Empyrean, aber er klingt wie ein naher Verwandter. Ich war so verblüfft, dass ich noch einmal auf die Website von Valco ging, in der Hoffnung, dort eine Erklärung für dieses Erlebnis zu finden, und siehe da, ich fand sie, denn Valco schreibt: „Unser Audioguru Jasse ‚Jazmanaut‘ Kesti nahm die besten High-End-Kopfhörer der Welt (seiner Meinung nach Meze Empyrean) als Referenz und schneiderte das Klangprofil von Valco VMK20 in diese Richtung, bis er Regenbögen pinkelte.“ Ha! Ich bin offenbar sehr wohl qualifiziert, Kopfhörer zu beurteilen, wenn mir diese Ambition Valcos, den Klang des Meze nachzuempfinden, sofort auffällt. Yeah, ich bin doch noch nicht taub und meine Ohren sind doch besser als die von vielen anderen Audio-Testern!

Okay, genug des Eigenlobes, zurück zum Valco VMK20. Der klingt… fantastisch. Ich habe noch keinen besseren Bluetooth-Kopfhörer erlebt. Das heißt nicht, dass es keinen besseren gibt und dass er allen anderen gleich gut gefällt wie mir, doch Tests sind nun einmal auch ein bisschen subjektiv. Aber nicht nur, denn natürlich kann ich nach jahrzehntelanger Erfahrung mit Kopfhörern und Lautsprechern und als (Hobby)Musiker wohl genauer beurteilen, ob ein Gerät was kann oder ob es suckt. Nachdem ich den VMK20 mit meinem Smartphone über Bluetooth verbunden habe (was super leicht ging), habe ich Tidal angeworfen und dort meine üblichen Verdächtigen angespielt, die ich immer nehme, um zu schauen, wie die Grundcharakteristik des Kopfhörers ist, wie tief der Bass reicht, wie sauber die Mitten sind und wie hoch er nach oben reicht – und ob das alles gut zusammenpasst oder zu einem grauen Brei verschwimmt. Es mussten also Steely Dan, die Beatles und War ran, und schon nach einem kurzen Reinhören in Wars „All Day Music“ war ich baff. Der Bass war genau so, wie ich ihn bei diesem Stück haben will: Extrem tief hinunter spielend und trotzdem klar texturiert. Die akustische Gitarre schwebte fein gezeichnet über dem Geschehen und die Stimme stand klar und abgegrenzt im Zentrum, während die komplexen Rhythmen von Schlagzeug und Bongos frei und ohne zu vermantschen groovten. So muss das sein, so kann das sein, wenn ein Hersteller technisches Können und, ja doch, Liebe in sein Produkt einbringt.

Die positiven Eindrücke verfestigten sich mit jedem Stück Musik, das ich über Bluetooth mit dem Valco VMK20 hörte. Valco arbeitet ja mit dem finnischen Mastering-Studio Kesthouse zusammen, und das hört man. Der VMK20 geht klanglich klar in Richtung High-End, was vielleicht manchem Basshead nicht gefallen mag, aber das Herz jedes Audiophilen erfreuen sollte. Dem Valco mangelt es nicht an Bass, aber er schenkt allen anderen Frequenzen dieselbe Aufmerksamkeit. Dabei ist eine in dieser Preisklasse bislang nicht gehörte Linearität herausgekommen, die aber nie langweilig wirkt. Der VMK20 ist aber kein Mastering-Kopfhörer, sondern durchaus einer zum Spaß haben, denn mittels DSP-Zauberei haben die Ingenieure von Valco dem neutralen Grundcharakter einen überraschend großen Schuss der Magie von High-End-Kopfhörern eingehaucht. Natürlich kommt man mit DSP nicht ganz an das heran, was etwa der Meze Empyrean bieten kann, aber man kommt auf ungefähr 65 Prozent davon, und das bei einem Achtzehntel des Preises! Über Bluetooth betrieben klingt der Valco nahezu gleich gut wie ein AKG K812, ein Beyerdynamik DT1990 oder sogar ein Sennheiser HD800.

Und jetzt ein kleines Aber: Der Valco klingt so gut, weil er ein fantastisches Tuning seines eingebauten DSP hat. Betreibt man ihn mit Kabel, umgeht also den eingebauten Verstärker, ist er immer noch gut, aber halt „nur“ mehr so gut wie alle anderen in seiner Preisklasse und knapp darüber und darunter. Dann ist es vorbei mit 65 % Meze Empyrean oder 90 % AKG K812, dann klingt er mehr nach Philips X2, Sennheiser HD650 oder Beyerdynamik DT990. Das ist immer noch sehr gut, aber nicht mehr atemberaubend gut. Freilich ist er ja nicht in erster Linie für das Hören am Kabel gedacht, sondern für den Bluetooth-Einsatz, und da steckt er meiner Meinung nach alles in die Tasche, was ich bislang unter 1.000 Euro gehört habe.

Valco macht sympathischerweise auch kein Geheimnis daraus, dass sein hervorragender Klang der Abstimmung seiner digitalen Signalprozessoren zu verdanken ist. Es ginge ja auch nicht anders. Man kann nicht um 169 Euro eine Hardware verkaufen, die so gut ist wie eine um 1.500 oder 3.000, und wirtschaftlich überleben. Da muss man eben digital tunen. Aber für den Endverbraucher ist das kein Nachteil, denn ob jetzt physische Treiber oder DSPs die Musik machen, wird allenfalls Hardcore-Audiophile interessieren. Und auch die können, wenn es um Kopfhörer für den mobilen Einsatz geht, digitale Hexenkunst verzeihen, solange der Kopfhörer ihre Ohren nicht beleidigt. Und das tut der Valco VMK20 nicht, sondern er klingt so natürlich und klar, als wäre da kein DSP am Werk, sondern bei Vollmond von japanischen Mönchen zusammengeschraubte Röhren.

Zusammenfassung

Der Valco VMK20 ist für mich die Überraschung des Jahres. Ein Kopfhörer, der in der Realität BESSSER ist, als es die (tolle) Werbung vermuten ließe. Ein Bluetooth-Kopfhörer, dessen Abstimmung so gut ist, dass er sogar mich vollkommen überzeugte, obwohl ich normalerweise kabelgebundenes Equipment bevorzuge. Ein Kopfhörer, der das bislang beste Preis-Leistungs-Verhältnis hat, das ich je erlebt habe. Ein Kopfhörer, dessen Technik ebenso überzeugt wie seine Optik, seine Materialqualität und sein Sound. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung und zwei Daumen nach oben.

Disclaimer: Die Firma Valco hat mir den VMK20 für den Testzeitraum kostenlos zur Verfügung gestellt, aber keinerlei Einfluss auf meine Bewertung genommen. Okay, Valco, darf ich jetzt meinen Hund zurückhaben? Bitte??