Zur Verteidigung Götz Schrages gegen die Geier der Moral

Götz Schrage ist einer jener Menschen, die aus Wien eine Großstadt machen. Zu einer Großstadt wird eine Stadt nämlich nicht allein durch die Anzahl ihrer Bewohner – schon gar nicht, wenn diese zu großen Teilen Provinz-Flüchtlinge sind, die ihre Dorf-Mentalität und ihre Trachten-Beschränktheit in die Stadt einschleppen – sondern vor allem durch jene geistige Offenheit, die sich erst durch das Aufeinanderprallen verschiedenster Lebensstile, die daraus entstehende intellektuelle Reibungshitze und die tägliche Konfrontation mit dem Nicht-Identischen ergibt. Während das Dorf nahe an der soziologischen Organisationsform des Stammes ist, der Gleichförmigkeit belohnt und Abweichung von der Norm sanktioniert, ist die Stadt ein Konglomerat vieler „Stämme“, aus denen dann die Polis entsteht, und wenn diese erst groß genug ist, wird sie zur Metropole, zum geistigen, finanziellen und politischen Machtzentrum des sie umgebenden Landes. Götz Schrage ist kein Dörfler, er ist Metropolen-Mensch. Schon seine Biographie ist eine, wie es sie nur in Großstädten geben kann: Der gebürtige Bochumer war erst Berufsspieler, dann Musiker, dann Fotograf, Autor und Bezirkspolitiker, nie auf eine Sache festgelegt, nie gefügiger Untertan und immer politisch interessiert und aktiv. Am Land, wo Anpassung Pflicht und eine lebenslange Festanstellung, am besten als Beamter, das Ideal sind, nennt man solche Menschen Versager, in der Stadt können sie gedeihen und müssen ihre vielfältigen Talente nicht zwischen Hausbau, Kernfamiliengründung und ängstlicher Assimilation verkümmern lassen.

Götz Schrage war immer schon fasziniert vom Subproletariat, vom Halbseidenen, von Strizzis, „Beislhuan“ und „Peitscherlbuam“, vom Leben im Schein roter Glühbirnen, das er in Fotos und Texten beschreibungspotent dokumentierte. Ohne Scham oder Berührungsängste bewegte er sich zwischen Zuhältern und Sexarbeiterinnen und gab jenen ein Gesicht, die in den gesellschaftlichen Zwischenräumen lebten, und er tat dies, ohne deren Existenz zu romantisieren oder zu dämonisieren. Als im Jahr 2015 hunderttausende Menschen auf der Flucht vor Krieg und Elend über den Balkan gen Norden marschierten und auf österreichischen Straßen nur deswegen nicht verhungerten und verdursteten, weil sich abertausende freiwillige Helferinnen und Helfer fanden, die rasch und unbürokratisch praktische Solidarität übten, war Schrage von Anfang an dabei. Zuerst vor allem als Fotograf, der diese Geflüchteten, die in den Medien und Politikeraussagen nur als „Welle“ oder „Flut“ vorkamen, wieder zu Menschen machte, indem er sie einfach nur in all ihrer Menschlichkeit zeigte. Etliche der berührendsten und besten Fotografien aus diesen Tagen stammen von Schrage. Honorare, die er für diese Fotos von Zeitungen bekam, spendete er der Flüchtlingshilfe. Bald wurde aus dem Dokumentieren mehr. Schrage verbrachte viel Zeit vor allem im „Kurier-Haus“, einer großen Wiener Flüchtlingsunterkunft, und packte dort mit an, half Geflüchteten im Kampf mit der österreichischen Bürokratie, vermittelte Schlafplätze und Jobs. Obwohl er sich nie der sprachlichen Codes der Politischen Korrektheit bediente und schon qua Lebenslauf weit von dem entfernt ist, was die Rechten so gerne als „Gutmensch“ diffamieren, handelte er so, wie gute Menschen handeln. Ohne Naivität und Schwärmerei vom Fremden agierte er wie ein Mensch, der weiß, dass Flüchtlinge Menschen sind und keine Flut, keine Welle, keine Invasion. Man könnte auch sagen: Schrage reagierte auf die Geflüchteten wie ein urbaner Großstadtmensch, denn als solcher ist ihm bekannt, dass es keine unveränderlichen kulturellen Eigenschaften gibt, dass in jeder größeren Gruppe von Menschen alle möglichen menschlichen Verhaltensweisen und Ansichten vertreten sind und dass Menschen, egal woher sie kommen, letztlich mehr verbindet als trennt.

Götz Schrage hat sich gerade während der sogenannten „Flüchtlingskrise“ als geradezu idealtypischer Sozialdemokrat verhalten: Solidarisch mit denen, die Solidarität nötig haben. Jetzt fordern ihn die Vorsitzende der SPÖ-Neubau, Andrea Kuntzl, der SPÖ-Bundesgeschäftsführer Georg Niedermühlbichler und die SPÖ-Staatssekretärin Muna Duzdar zum Rücktritt von seinem Amt als Bezirksrat auf. Der Vorwurf: Schrage habe sich des „Sexismus“ schuldig gemacht. Was war geschehen?

Auf Facebook, wo Schrage sehr aktiv ist und immer wieder mit sprachgewaltigen Vignetten unterhält, postete er folgenden Eintrag: „Elisabeth Köstinger als neues Gesicht und neue Generalsekretärin einer neuen Bewegung? Aus autobiographischen und stadthistorischen Motiven möchte ich schon anmerken, dass die jungen Damen der ÖVP Innere Stadt aus den frühen 80er Jahren, die mit mir schliefen, weil sie mich wohl für einen talentierten Revolutionär hielten, genauso aussahen, genauso gekleidet waren und genauso sprachen. Da hängt sicher noch ein Burberry Schal im Vorzimmer bei Elisabeth Köstinger. Ich muss das wissen als Experte.“ Das rechtsextreme Internetportal „unzensuriert.at“ und Boulevardzeitungen wie die „Krone“ griffen das auf und erklärten Schrage zum „Sexisten“. FPÖ und ÖVP, deren gesamte politische Historie wie Gegenwart von realem Sexismus durchtränkt sind, sprangen freudig auf und forderten Schrages Kopf. Und dann kamen die genannten Genossinnen und Genossen daher und schlossen sich umgehend dem Shitstorm gegen den Lokalpolitiker an. Anstatt die Medien aufzufordern, die Kirche im Dorf zu lassen und ÖVP und FPÖ auszurichten, sie sollten beim Thema Sexismus lieber den Rand halten, taten Duzdar, Köstinger und Niedermühlbichler so, als wüssten sie nicht, was der Begriff Sexismus bedeutet, und ließen einen Parteifreund nicht nur fallen, sondern traten auch noch mal kräftig nach, auf dass er ja möglichst hart und tief fallen möge.

Beim ersten kleinen Scheiße-Lüftchen entledigt sich die SPÖ eines aktiven und originellen Funktionärs, statt sich hinter ihn zu stellen. Was für eine deprimierende und armselige Performance! Und was für eine intellektuelle Verödung, wenn sozialdemokratische Spitzenkräfte zwischen einem zugespitzten Statement, das nur ausdrücken sollte, dass die laut Eigen-PR „neue ÖVP“ ganz die alte ist, und in dem halt auch Sexualität vorkommt, und Sexismus nicht unterscheiden können! Nur für den Fall, dass die das wirklich nicht wissen sollten: Sexismus ist die Diskriminierung einer Person aufgrund ihres Geschlechts. Sexismus ist, wenn eine Frau einen Job nicht bekommt, weil sie eine Frau ist. Sexismus ist, wenn ein Mann vor Gericht härter bestraft wird, weil er ein Mann ist. Sexismus ist, wenn ein drittklassiger Comedian behauptet, Frauen könnten nicht Autofahren. Sexismus ist, wenn nur Männer zum Militärdienst eingezogen werden. Sexismus ist, wenn Parteien wie die FPÖ in ihren programmatischen Schriften Frauen die Rolle als häusliche Mütter zuweisen und Männern die als Ernährer und Krieger. Kein Sexismus ist es, wenn ein Mann ohne grobe Abwertung vom Geschlechtsverkehr mit Frauen berichtet. Ebenfalls kein Sexismus ist es, wenn eine Frau gerne Sex hat und davon auch erzählt. Es ist auch kein Sexismus, wenn ein Mann eine Frau, eine Frau einen Mann, ein Mann einen Mann oder eine Frau eine Frau schön findet und das auch sagt. Der Begriff Sexismus hat nichts mit Sex im Sinne von Geschlechtsverkehr und Erotik zu tun, sondern mit Sexus, also dem Geschlecht. Einem Menschen Sexismus vorzuwerfen, weil er schreibt, er habe mal mit ÖVP-Politikerinnen geschlafen, ist in etwa so, als würde man jemandem Behindertenfeindlichkeit vorwerfen, weil er mal Rollstühle verkauft hat. Es ist sprachlich falsch und faktisch dumm.

Die Entwertung des Sexismusbegriffs durch seine Ausweitung auf alles, was die „Geier der Moral“ (Georg Danzer) nicht mögen, ist Teil einer seit langem um sich greifenden Verblödung und Hysterisierung der Gesellschaft und ein Symptom des intellektuellen Niedergangs der Linken, die ganz freiwillig und begeistert dabei mitmacht, Sexualität wieder zu jenem Minenfeld zu machen, das es dank Jahrtausenden des Patriachats und dessen religiös verbrämter Ideologien viel zu lange gewesen ist und auf dem viel zu viele Menschen Leben, Lebensqualität, Freiheit und Ehre verloren. Ein bizarres Bündnis aus Reaktionären, Religiösen etlicher Konfessionen und sexualneurotischen „Linken“ ist fleißig dabei, uns alle wieder in die 50er Jahre oder noch weiter zurück zu katapultieren und alles zunichte zu machen, was Freud, Jung, de Beauvoir, Foucault und so viele andere, denen an der Freiheit des Individuums gelegen war, uns mühsam beizubringen versuchten.

Ich kenne Götz Schrage nur über Facebook, ein paar Telefonate und durch seine Arbeit als Fotograf und Autor. Nicht jedes Statement von ihm finde ich gut, nicht in jeder Frage stimme ich mit ihm überein und ich teile nicht ganz seine Begeisterung für vom Machismo geprägte Subkulturen. Aber diesen pseudomoralischen Lynchmob der Superanständigen hat er nicht verdient und ich will nicht schweigen, wenn einer, der meiner Ansicht nach doch einer der Guten ist, von verlogenen Tittenblättchen, scheinheiligen Reaktionären und unsolidarischen Sozialdemokraten zum Abschuss freigegeben wird.

„Krone“-Headline:

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Wenn islamistische Terroristen Leserbriefe schreiben würden

Unter einem Artikel des „Standard“ über das neueste Massen-Ertrinken im Mittelmeer, das diesmal vor allem Kinder betraf, lassen Kommentatoren ihrer Inhumanität freien Lauf. Ob die noch irgendwo tief in ihrem Inneren spüren, was für einen unmenschlichen Quatsch sie schreiben? Oder ist da wirklich schon alles verloren? Vielleicht brauchen die auch nur einen kleinen Denkanstoß, den ich hiermit liefere. Ich poste ein paar dieser Kommentare und füge dann eine alternative Version hinzu, aus der Sicht islamistischer Terroristen.

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Eben weil sich die Ungläubigen mittlerweile darauf verlassen, dass nach gerechten Aktionen von Märtyrern Rettungskräfte die Überlebenden behandeln, sind diese Aktionen nur halb so effektiv, wie sie sein könnten. Würde man die Rettungskräfte dazu verpflichten, immer erst vier Stunden nach einer Märtyreraktion die Überlebenden zu behandeln, würden die Ungläubigen viel effektiver terrorisierbar sein. Aber den Rettungskräften geht es ja nur ums Geld.

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Die Rettungskräfte mit ihrem falschen Mitleid gegenüber den Ungläubigen haben schon wieder 31 Kuffar gerettet.

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Warum ist es so schwer zu verstehen, dass jeder verschonte Ungläubige mindestens drei andere motiviert, sich nicht dem Islam zu unterwerfen? Im Endeffekt sind die selbstlosen Retter und die sich dem Jihad verweigernden Muslime dafür verantwortlich, dass die Ausrottung der Ungläubigen länger dauert als nötig.

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Ich frage mich, warum nach Aktionen der Märtyrer immer Frauen und Kinder unter den Opfern extra erwähnt werden. Ist doch total egal wie alt oder welches Geschlecht.

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Ich kanns schon nicht mehr lesen/hören. Jeden Tag die gleiche Meldung. Alle diese Leute weigern sich freiwillig, den Islam anzunehmen. Warum werden die Überlebenden nach einer Aktion unserer Märtyrer gesund gepflegt? Da kann man auf die Verbreitung des einzig wahren Glaubens auch gleich verzichten. Die gehören alle vor die Wahl gestellt, zu konvertieren oder geköpft zu werden.

Kapitulierende Nazis, Emmanuel Macron und ein wenig Hoffnung auf bessere Zeiten

Am 8. Mai 1945 kapituliert die deutsche Wehrmacht bedingungslos. Irgendwo in Berlin glühten in einem anonymen Erdloch noch die Knochen von Adolf Hitler aus, der sich am 30. April per Suizid der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen hat, als die verbliebene Führungsspitze der militärischen Vernichtungsmaschinerie der Nazis in Reims und danach in Berlin die entsprechenden Dokumente unterzeichnet. Aus dem, was sich großspurig das „Deutsche Reich“ genannt hatte, gehen die BRD, die DDR und Österreich hervor. Drei Staaten voller Nazis und stiller Mitläufer, denen die Welt eine zweite Chance gibt. Widerwillig reihen sich diese Länder wieder in die Zivilisation ein und deren Bevölkerungen lecken vor allem die eigenen Wunden. Ein paar tausend der aller dümmsten Nazis tun es ihrem Führer gleich und bringen sich um, da sie in einer Welt, in der sie nicht herrschen und morden dürfen, nicht mehr leben wollen. Viele andere flüchten nach Lateinamerika oder bieten arabische Staaten ihre Dienste als Folterknechte und Auftragsmörder an. Vor allem im sowjetischen Einflussbereich wird vielen NS-Verbrechern der Prozess gemacht. Doch dort wie im Westen kommen die meisten ungeschoren davon, verhalten sich unauffällig und setzen ihre Karrieren mit anderen Parteibüchern ausgestattet fort. In einigen deutschen und österreichischen Psychiatrien ermorden Ärzte und Krankenpflegerinnen bis in die 50er Jahre hinein weiterhin Patienten. Die überlebenden Opfer des Nationalsozialismus treffen in Ämtern und an Gerichten auf ihre vormaligen Verfolger und Peiniger, die dort weiterhin das Sagen haben. Die Rückgabe geraubten Vermögens zieht sich über Jahrzehnte, ist äußerst unvollständig und jene Menschen, die für diese Rückgabe kämpfen, gelten ebenso als Nestbeschmutzer wie Historikerinnen und Intellektuelle, die die Verbrechen des Nationalsozialismus erforschen. Eine Aufgabe, mit der sie übrigens auch 72 Jahre später noch nicht fertig sein werden, was allein schon einen Eindruck vom Ausmaß der Gräuel vermittelt.

Und trotzdem sind aus diesen drei Ländern, von denen zwei später wieder zu einem werden sollten, halbwegs lebenswerte Regionen geworden. Nicht über Nacht, sondern in Jahrzehnten, in denen ihnen zivilisiertes Verhalten teilweise aufgezwungen werden musste. Tapfere Menschen in den von Ex-Nazis verseuchten Parteien und Organisationen reformierten den braunen Dreck langsam, sehr langsam weg. Immer noch finden sich in Gesetzestexten und im Umgang mit Minderheiten braune Restelemente. Noch immer ist es bedeutenden Teilen der Bevölkerungen in den NS-Nachfolgestaaten nicht vermittelbar, was unteilbare Menschenrechte sind, dass es kein „wertes“ und „unwertes“ Leben gibt, dass Sippenhaftung falsch ist und Rassismus und Antisemitismus idiotisch sind. Manchmal erringen politische Nachfolgepartien der NSDAP beängstigende Wahlerfolge. Trotzdem: Es ist besser geworden. Frauen lassen sich nicht mehr auf Gebärmaschinen für das „Volk“ reduzieren; Homophobie, Rassismus und Behindertendiskriminierung werden langsam, aber doch zurückgedrängt; die Toleranz gegenüber Abweichungen von alten Normen ist gewachsen. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte und die EU-Verträge wirken als Feuermauer gegenüber allzu autoritären Tendenzen. Mancher Fortschritt findet zeitgleich mit Rückschritten statt. Der gesellschaftspolitischen Liberalisierung in diesem Europa steht ein wirtschafts- und sozialpolitischer Backlash gegenüber. Mit jenen Menschen, die aus Kriegen, Diktaturen und lebensbedrohlichem Elend nach Europa entkommen wollen, ist sogar so etwas wie eine neue Form des „Untermenschen“ entstanden, den man nach Belieben zu quälen und schikanieren können meint und auf den alle möglichen und unmöglich abstrusen negativen Eigenschaften projiziert werden. Europa schottet sich ab gegenüber den Opfern, die seine Wirtschaftspolitik und seine Rüstungsexporte global produzieren, und nimmt dafür auch das Massensterben im Mittelmeer und absolut menschenrechtswidrige Zustände in türkischen und nordafrikanischen Lagern in Kauf. Es ist also alles andere als ein ideales Europa, ein ideales Deutschland, ein ideales Österreich. Aber all das ist besser als das, was vor 1945 war. Und all das ist reformierbar und veränderbar.

Heute, am 8. Mai, einen Tag nachdem Emmanuel Macron mit 30 Prozent Abstand die Rechtsextremistin Marine Le Pen bei der französischen Präsidentschaftswahl besiegt hat, sehe ich Anlass zu vorsichtigem Optimismus. Es gibt keine Gesetzmäßigkeit, die vorschreiben würde, dass alles immer schlimmer werden müsste. Ja, noch sind wir gefangen im Hamsterrad kapitalistischer Sachzwänge, die so unüberwindbar und ewig erscheinen, obwohl es sie noch gar nicht so lange gibt. Noch können viele von uns sich nur Dichotomien vorstellen, nur das ganz große Entweder-Oder. Aber wie schon Brecht richtig erkannte: Das Sichere ist nicht sicher. Hunderte Millionen Chinesen wachsen in Wohlstand auf und sehen dieselben Filme und Fernsehserien wie wir. Ihre Vorstellungen von einem guten Leben wird man nicht ignorieren können, und diese Vorstellungen werden sich nicht groß von denen anderer junger Leute auf dem ganzen Planeten unterscheiden. Sie werden eine Welt haben wollen, in der sie würdig und halbwegs frei leben können und die nicht ihre eigenen Existenzgrundlagen für ein paar Prozent zusätzlichen Profit vernichtet. In den USA wäre beinahe der Sozialdemokrat Bernie Sanders Präsidentschaftskandidat und, in direkter Konkurrenz zu Donald Trump, wohl auch Präsident geworden. Dutzende Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner waren zu diesem Schritt in Richtung Vernunft und Solidarität bereit. Wer vor zehn Jahren gesagt hätte, ein linker Sozialdemokrat könne in den USA auch nur in die Nähe der Macht gelangen, wurde ebenso ausgelacht wie jemand, der vor 20 Jahren gesagt hat, es würde in absehbarer Zeit einen schwarzen US-Präsidenten geben.

Die Dinge bewegen sich und nichts ist ewig, nichts ist sicher. Für Menschen, die sich wie ich als Linke begreifen, gibt es weder Grund zum jubeln noch zu tiefer Verzweiflung. Die Selbstvernichtung der europäischen Sozialdemokratien, die bislang fast durchwegs gescheiterten Versuche linkspopulistischer neuer Parteien, der intellektuelle Stillstand der extremen Linken, das Abgleiten in Wahn und Paranoia von Teilen der antideutschen Szene, der Konservatismus der Gewerkschaften – all das ist wenig erfreulich und ein revolutionärer Umsturz scheint so fern wie seit eh und je. Was nicht zwingend was Schlechtes ist, sofern man sich über die Fähigkeit der Menschen zum Unmensch-Sein keine Illusionen macht und daher weiß, dass Aufgabe und Ziel der Linken nicht sein sollte, Macht auszuüben, sondern die Macht von Menschen über andere Menschen zu schwächen. Will eine Linke nicht Befreiung und Herrschaftsfreiheit, ist sie keine, sondern nur der alte Wahnsinn in inzwischen auch schon alter Verkleidung. Als Linker sollte man also nicht Parteien gründen und, wie der letzte Neonazidorftrottel, Waffen horten und militärische Übungen im Wald veranstalten, sondern Druck von unten aufbauen und richtiges Bewusstsein dort schaffen, wo das falsche wütet. Wo Unrecht ist, haben Linke solidarisch einzugreifen. Dazu braucht es nicht einmal allzu großen Mut, denn wir sind nicht allein. Die echten Menschenfeinde, die sich am Leid anderer ergötzen, die für Krieg und Mord und Folter und Knast werben, sitzen gar nicht auf so komfortablen Mehrheiten, wie viele annehmen. Überall auf dieser Welt verstehen sehr viele, dass es falsch ist, andere zu morden, sie hungern zu lassen, sie einzusperren oder sonst wie zu misshandeln. Überall haben sehr viele Menschen wenigstens eine Ahnung in ihrem Inneren, dass dieser Planet gerechter eingerichtet werden muss. Aber ein österreichischer Linker wird nicht so einfach korrupte Oligarchien in anderen Staaten wegzaubern können. Was er/sie kann, ist vor Ort den Opfern falscher und bösartiger Politik beizustehen und gemeinsam mit diesen die Gegenwehr zu organisieren. Der britische Singer-Songwriter Roy Harper hat das einmal so ausgedrückt: „If you want a better world why don´t you make one?“

Warum Deniz Yücel im Knast sitzt

Seit einem Monat sitzt Deniz Yücel jetzt in Einzelhaft in einem türkischen Gefängnis. Er wird damit jener Form von Dauerfolter unterworfen, deren Absicht es ist, Menschen zu brechen, zu zerstören, und die in weniger bewusstlosen Zeiten noch als das erkannt und benannt wurde, was sie ist. Das Benennen und Erkennen nimmt rapide ab bei denen, die noch die Freiheit hätten, die Unmenschlichkeiten anzuprangern, das aber unterlassen, weil sie entweder schon so verhärtet und dumm geworden sind, dass Mitgefühl zu haben ihnen unmöglich ward, oder deren eigenes autoritäres Strafbedürfnis gegenüber Abweichlern längst jede Kritik an der Inhumanität zum Witz degradiert hat. Wer den Gulag für lustig hält, kann letztlich genauso wenig glaubwürdig gegen die Folter eintreten, wie der Spießbürger, der seine Ängste mit sadistischen Fantasien darüber, was er Terroristen, „Kinderschändern“ oder sonstigen am Stammtisch zum Abschuss freigegebenen Menschen antun würde, wenn er denn dürfte, zu kompensieren versucht. Wer andere Menschen beherrschen will, und sei es nur zu deren „Wohle“, hat den Kampf um eine herrschaftsfreie Welt und damit um eine Welt ohne Folter längst aufgegeben oder nie begonnen.

Deniz und die vielen anderen sitzen im Knast, weil nicht nur die Türkei wieder autoritär geworden ist, sondern die ganze Welt im Gleichschritt das Wegsperren und Foltern wieder für etwas ganz normales, ja notwendiges erachtet, was wiederum daran liegt, dass es keine Linke mehr gibt, sondern nur noch voneinander immer weniger unterscheidbare Schattierungen der Verachtung des Lebens und der Lebendigkeit. Wer früher einmal Bündnisse suchte mit den Misshandelten und Ausgestoßenen kämpft heute allenfalls noch dafür, die Stadt von Drogenverkäufern, Obdachlosen und psychisch Andersartigen zu säubern, damit die in Wohnraum investierte Friedensdividende, die nach der Aufgabe jedes Widerstands gegen die Verhältnisse kassiert wurde, nicht an Wert verliere. Wer einst Häuser besetzte und wenigstens temporär befreite Zonen schaffen wollte, ruft heute nach der Polizei, sobald Menschen, die mit dem linksalternativen Identitäts-Ringelei nichts anzufangen wissen, weil sie in ihrem bisherigen Leben ganz andere Sorgen hatten, als sich mühsam eine politisch korrekte Etikette anzutrainieren, in die Schutzräume, in denen man ungestört sein will, eindringen. Wer in grauer Vorzeit mal wusste, dass das Ziel einer wirklich linken Politik nicht die graue Ödnis des Realsozialismus war, sondern eine neue Welt voller freier Menschen, eine freie Erde umkränzt von tausend Sonnen, wie Jura Soyfer einst träumte, übt heute Macht aus, ob in der eigenen winzigen Politsekte oder als Rädchen der großen Maschine Kapitalismus, die den Planeten und dessen Bewohner mit Haut und Haaren verspeist und bis zum Knochen abnagt.

Nun könnte man einwenden, dass das ja immer so gewesen ist, was auch stimmt, doch die Geschwindigkeit der Unterwerfung und Anpassung verwundert dann doch. Wie eine böse Karikatur wiederholen die Bürgerkinder die Leben ihrer Eltern, machen sich auf den gleichen Weg wie einst die 68er, ein Weg, an dessen Ende Hartz IV, protestantische Arbeitsethik, Krieg und wieder nur Gefängnisse aller Art standen, nur überspringen die heutigen Bürgerkinder die von den 68ern doch geleistete Arbeit an der Verbesserung der Lebensumstände durch soziale Reformen gleich ganz und landen nach einer kurzen Zeit hyperradikalen Geschwätzes in den Institutionen, wo sie die in Sekten und Banden erlernten Ellenbogen-Skills zum eigenen Fortkommen einsetzen. Viele andere werden nicht mal vorübergehend links, weil das halt in manchen Kreisen nach wie vor schick ist, sondern sind mit 20 schon 50, äußerlich wie innerlich, und zittern in ihren Wohnungen in den gentrifizierten Vierteln samt ihrer Brut, die allein ihrer inneren Leere Sinn verleihen soll, vor Angst vor sich hin. Wieder andere haben den Zug der Zeit erkannt und werden Alltagsfaschisten oder bleiben einfach welche. Entsprechend sieht das politische Personal aus. Ein abstoßender Haufen von Idioten, Verbrechern und Großmäulern, denen nichts anderes wichtig ist als der eigene Bauch. Politikerinnen und Politiker, die nicht so sind, erkennt man ganz einfach daran, dass sie nichts von Bedeutung werden dürfen, da sie von den brutalen Karrieristen einfach rausgebissen werden. Gewiss, manchmal passiert ein Betriebsunfall und es landet einer in hoher Position, der kein verkommenes Subjekt ist, aber in aller Regel wird der eher früher als später erledigt oder gibt von selber auf.

Eine Linke, die diese Bezeichnung verdienen würde, müsste zuallererst den Machtanspruch fallenlassen und den Kampf gegen die schlimmsten Auswüchse der Menschenbeherrschung aufnehmen. So eine Linke müsste an der Seite von Deniz Yücel und all den anderen stehen, und zwar bedingungslos, und sie müsste dazu nicht erst aufgefordert werden, da es ihr Wesen wäre. Diese Linke ist derzeit fast nirgends zu sehen. Stattdessen sieht man eine Linke, die nicht gegen den Knast an sich ist, sondern bloß die Wärter austauschen will. Eine Linke auch, die zu keiner bedingungslosen Solidarität mehr fähig ist, da sie, ganz spießbürgerlich, noch beim größten Unrecht hämisch nachfragt, ob der, dem das Unrecht widerfährt, nicht doch auch ein bisschen selber schuld sei. Und weil die Linke so ist, wie sie ist, nämlich eine Rechte, die noch nicht ganz zu sich gefunden hat, wird alles rechts, ist Folter wieder der Normalfall und  Unterdrückung Alltag.

Freiheit für Deniz Yücel! Und die Pest für Faschisten überall!

Gewaltherrscher müssen darauf hoffen, während ihrer Herrschaft an einem Schlaganfall oder einer anderen mehr oder weniger natürlichen Todesart zu sterben, denn falls sie das Ende ihrer Herrschaft noch erleben, haben sie die Wahl zwischen Suizid, Hinrichtung oder Kerker. Nicht immer, schon klar, manch einer vegetiert auch im Exil seinem Ende entgegen, langsam verrückt werdend vor lauter Angst vor dem eigenen Schatten. Derlei übliches Ende von Tyrannen hindert Tyrannen nicht daran, welche zu werden oder das zumindest anzustreben. Und es hindert Dummköpfe nicht daran, ihren zuzujubeln in der Hoffnung, ein Teil der Macht, anderen Menschen weh zu tun, möge auch an sie abfallen, damit sie sich in ihrer Erbärmlichkeit ein wenig stärker fühlen. Einer dieser Tyrannen heißt  Recep Tayyip Erdogan und seine Fans hat er unter Türken wie auch unter deutschen Faschisten. Seine Büttel haben nun über den Journalisten Deniz Yücel die Untersuchungshaft verhängt, die selbst ohne Gerichtsverfahren Jahre dauern kann. Hunderten seiner türkischen Kolleginnen und Kollegen ergeht es ebenso. Während jeder, der noch ein Mensch ist, solidarisch ist, freuen sich die, die keine Menschen sein wollen, am Leid Unschuldiger. Mit dieser freiwilligen Entmenschlichung haben diese Leute eine Uhr in Gang gesetzt, deren Ticken die Zeit misst, bis sie Rechenschaft ablegen müssen. Erdogans Uhr tickt ganz so wie die Uhr dieser Drecksäcke. Und irgendwann, nicht morgen, aber irgendwann fällt jeder Tyrann und die Idee der Freiheit obsiegt, weil der Mensch nicht gerne unfrei ist. Das mag man verdrängen, es mag oft jahrelang so aussehen, als sei die Idee vom freien Menschen vernichtet und zertreten unter den Stiefeln dieser lebenden Toten, dieser Attentats-Kandidaten und Mörder, aber sie ist genauso wenig tot zu kriegen wie man Gedanken wegsperren kann.

Solidarität mit Deniz Yücel, allen inhaftierten Journalistinnen und Intellektuellen und allen politischen Gefangenen! Und die Pest denen, die folgende Tweets verfasst haben!

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Eine mondlose Nacht bricht an

Es ist Ende Februar 2017 und in Bolivien wird das Trinkwasser knapp. Die Andengletscher verschwinden und mit ihnen die Süßwasserquelle für Millionen. Im Weißen Haus sitzt ein Mann, der den Klimawandel leugnet. Es ist Februar 2017 und 84-jährige Greisinnen bekommen Briefe von niederösterreichischen Ämtern in denen man sie auffordert, sich für die Einberufung zur „gemeinnützigen Arbeit“ vorzubereiten. Es ist Februar 2017 und eine österreichische Regierungspartei will EU-Bürgerinnen, die in Österreich arbeiten und österreichische Steuern und Sozialabgaben bezahlen, die Familienbeihilfe für im EU-Ausland lebende Kinder kürzen. Es ist Februar 2017 und die österreichische Bundesregierung, bestehend aus Sozial- und Christdemokraten, beschließt, ältere Arbeitslose zur „gemeinnützigen“ Zwangsarbeit zu verdonnern. Es ist Februar 2017 und die bulgarische Stadt Plowdiw, von der EU zur „Kulturhauptstadt 2019“ erkoren, walzt Roma-Siedlungen nieder, ohne den Bewohnern Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen. Es ist Februar 2017 und der Journalist Deniz Yücel sitzt zusammen mit hunderten Kolleginnen und Kollegen für das Verbrechen, seine Arbeit getan zu haben, in einem Gefängnis der Türkei, die nebenbei für die EU den Türsteher spielt und Flüchtlinge unter elenden Bedingungen in Lagern interniert. Es ist Februar 2017 und die EU verhandelt mit einer der libyschen Bürgerkriegsparteien, die man als „Regierung“ bezeichnet, den Ausbau jener Flüchtlingslager, in denen laut Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes „KZ-ähnliche Zustände“ herrschen. Es ist Februar 2017 und während die EU tausende Menschen in das „sichere Herkunftsland“ Afghanistan abschiebt arbeiten deutsche Gerichte daran, auch Syrien, wo seit Jahren ein Bürgerkrieg in Völkermorddimension geführt wird, wo das Regime systematisch Gefangene ermordet und Gruppen wie der „Islamische Staat“ klerikalfaschistische Zonen ausgerufen haben, zu solch einem sicheren Land zurecht zu lügen. Kurz: Es ist ein finsterer Februar am Abend der hereinbrechenden Eklipse der Zivilisation. Eine mondlose Nacht steht bevor.

Philips Fidelio M2L – Struck by Lightning

Wieso sollte ich mich mit Kabeln plagen wo es doch so tolle Bluetooth-Kopfhörer gibt“, fragte mich Andreas, ein Apple-Affcionado, dessen neues iPhone 7 ich mir für dieses Review geborgt hatte. Ich lud ihn dann ein, mehrere Songs in HD-Qualität zuerst mit seinen AirPods anzuhören und dann mit dem Fidelio M2L von Philips. Nun sind Apples hauseigene Kopfhörer nicht schlecht, obwohl sie ein bisschen so aussehen, als trüge man Zahnbürsten in den Ohren. Aber gegen den Fidelio hatten sie keine Chance. Auch Andreas gab zu: „Verdammt, die klingen schon um Welten besser“. Andreas hatte aber zuvor auch noch nie richtig gute Kopfhörer erlebt, sondern sich mit mittelpreisigen In-Ears und wummernden „Beats“ zufriedengegeben. Wer aber über den akustischen Wert audiophiler Geräteschaften Beschied weiß, der weiß auch, dass Bluetooth-Kopfhörer zwar ständig besser werden und für den Alltagsgebrauch praktischer sind als ihre kabelgebundenen Konkurrenten, dass sie aber nach wie vor klangtechnisch das Nachsehen bzw Nachhören haben. Auf diese kleine Gruppe von Sound-Enthusiasten zielt Philips mit dem Fidelio M2L.

Design und Haptik des Fidelio rufen einem laut „Qualitätsprodukt“ entgegen. Leder und Aluminium statt Plastik, ein schickes Schwarz gepaart mit Alu-Elementen statt Pink oder Knallgelb. Auf dem Kopf sitzt der Hörer mit seinen Memory-Foam-Ohrmuscheln höchst angenehm, wenn auch ein bisschen straff, was aber beim mobilen Einsatz wieder von Vorteil sein dürfte. Dieser Kopfhörer rutscht einem beim Joggen sicher nicht vom Kopf. Der Philips wirkt insgesamt recht erwachsen, ein Produkt für Menschen, die Wertarbeit und zurückhaltende Eleganz zu schätzen wissen.

Mir ist Mode ja wurscht, weswegen ich Kopfhörer nur danach beurteile, wie sie klingen. Und hier ist der Fidelio M2L auf der Gewinnerseite. Er hat einen 24bit/194kHz-Kopfhörerverstärker (DAC) eingebaut. Das bedeutet, dass nicht das iPhone den Sound managt, sondern der Kopfhörer das selber erledigt, und bei allem Respekt vor den Apple-Ingenieuren: Was Klang betrifft, hat Philips einfach mehr Erfahrung. Zusammen mit den 40mm-Treibern, deren Vorgänger Philips schon im legendären L2 einsetzte, sorgt der DAC für ein Klangerlebnis, das in dieser Preisklasse (der ML2 kostet zur Zeit rund 200 Euro) einmalig sein dürfte. Fachleute lobten die Treiber ja als die besten, die es für weniger als 1000 Euro zu kaufen gibt, was vielleicht ein bisschen übertrieben ist, aber nicht total falsch. Der M2L ist ungeheuer schnell und impulstreu, löst faszinierend detailliert auf und packt, sozusagen als Zuckerguss, noch einen Bass drauf, der dermaßen kontrolliert und wuchtig daherkommt, dass man manchmal meint, man hätte einen der großen und sehr viel teureren Grado-Kopfhörer auf dem Kopf. Erst mit einem Kopfhörer wie diesem merkt man, dass der Lightning-Anschluss von Apple Sinn macht, denn im Gegensatz zu üblichen Kopfhörern, die digitale Signale erst in analoge umwandeln müssen, gibt es beim Fidelio M2L kein Rauschen und Knacken und kein Vermatschen des Sounds. Die Lautstärke stellt man mittels eines kleinen Rädchens an der rechten Ohrmuschel ein, da der Fidelio ein aktiver Hörer mit eigenem DAC ist. Batterien braucht der M2L keine, der Strom wird vom Smartphone abgezapft. Aber keine Angst, der Fidelio ist kein Energievampir, sondern gibt sich mit so wenig Batterieleistung zufrieden, dass er die Laufzeit einer Akku-Ladung am iPhone kaum beeinträchtigt. Freisprechen und die Bedienung von Siri mittels Sprachbefehlen funktionierte im Test problemlos

Der Nachteil des M2L ist offenkundig: Er ist ausschließlich an Geräten nutzbar, die einen Lightning-Anschluss haben also an iPhones und iPads ab der Serie 6. Es gibt auch keinen Adapter, mit dem man den Hörer an einen analogen Ausgang anschließen könnte. Das ist technisch auch kaum möglich, da das Signal gleich zweimal von analog zu digital umgewandelt werden müsste. Wer aber ein neueres iPhone hat und Wert auf best möglichen Klang legt, der sollte den Fidelio M2L ins Auge fassen, vor allem jetzt, da er im Preis gefallen ist. Das kann sich übrigens rasch wieder ändern, so wie beim Fidelio X2, der eine Zeit lang um rund 200 Euro zu haben war und jetzt wieder um die 300 kostet, weil sich herumgesprochen hat, was für ein großartiges Gerät er ist.

Pro: Der vielleicht beste Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, der derzeit zu haben ist, vor allem was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft.

Contra: Funktioniert nur mit Geräten, die einen Lightning-Anschluss haben. Es gibt auch keine Adapter, die das ändern würden.

Zusammenfassung: Der Fidelio M2L von Philips bietet ein begeisterndes Sounderlebnis und nutzt die Möglichkeiten hoch auflösender Tonformate voll aus. Er ist sehr hochwertig verarbeitet, sieht gut aus, klingt agil und detailliert, untermauert das aber mit einem beeindruckend starken und kontrollierten Bass. Klangtechnisch ist er kabellosen Kopfhörern überlegen.

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