Taz: Arschlöchrigkeit höheren Grades

Ayaan Hirsi Ali ist eine Störenfriedin, denn sie kommt mit ihrem unbequemen Beharren auf den Werten der Aufklärung dem Kuschelkurs der „Irgendwie-Linken“ mit den Islamisten in die Quere. Daher muss sie bestraft werden, meinen nicht nur islamische Fanatiker, sondern auch das deutsche Zentralorgan der besserverdienenden und schlechterdenkenden Gutmenschen, die Berliner „Taz“.

Taz-Schreiber Daniel Bax kühlt sein kleines verklemmtes Mütchen an der mutigen Frau:

„Umstritten war sie schon immer. Doch selbst frühere Fans finden inzwischen, dass sie militanten Stuss redet. Der Islam sei „der neue Faschismus“, sagte sie kürzlich, und „über eine Milliarde Muslime“ lägen „völlig falsch“, wohingegen sie natürlich völlig richtig liege. Unterstützung für ihren Kreuzzug in eigener Sache findet sie bei anderen Selbstdarstellern – wie Bernard-Henri Levi, dem selbst auch kein Pathos zu billig ist. Ein paar EU-Parlamentarier sammeln jetzt Unterschriften, um für sie einen Fonds zu gründen. Das ist die gleiche EU, die Flüchtlinge und Asylsuchende ansonsten an ihren Grenzen verschimmeln lässt. Es wäre schon ein Witz, wenn sie sich nun ihren Fall als humanitäres Feigenblatt anheften würde.“

Wow, jetzt hat er es der ungläubigen Schlampe aber gegeben, der Bax! Der Atheistin Hirsi Ali einen „Kreuzug“ anzudichten, das ist schon die ganz feine Klinge, zu der nur begnadete Edelfedern wie Bax oder die Propagandabteilung der Hamas fähig sind. Dass „frühere Fans finden, dass sie militanten Stuss redet“, wirft Bax mal eben ohne Quellenangabe in den Raum. Wird schon was hängen bleiben. Und wo er schon dabei war, hat er gleich noch dem Bernard-Henri Levi eine reingewürgt, denn das ist auch so ein Störenfried, der immer auf den Menschenrechten herumreitet, anstatt endlich einzusehen, dass alles relativ, aber irgendwie doch gleichwertig ist, so wie ja für den gemeinen Taz-Leser Kölner Karneval und Frauenbeschneidung beides gleichermaßen zu respektierende Bräuche sind. Aber Bax hat noch nicht genug relativiert, er muss auch noch die auf der Todesliste von Fundamentalisten stehende Hirsi Ali gegen Wirtschatsflüchtlinge ausspielen. Die Essenz dieses Vergleichs: Wieso sollte sich Europa den Luxus leisten, eine Religionskritikerin vor ihren Mördern zu beschützen, wo es doch so vielen Flüchtlingen zu helfen gelte? Gemeinwohl geht vor Eigennutz, hört man da braunrote Töne durchklingen. Ein Humanist würde nun sagen, dass beides notwendig sei, der Schutz der islamkritikerin ebenso wie eine Lösung des Flüchtlingselends, aber das wäre nicht so schön deppenpolemisch und daher taz-zielgruppengerecht wie die Bax´sche Aufrechnung. Ich nenne dieses Runtertreten auf eine progressive Frau „Arschlöchrigkeit höheren Grades“.

Ebenfalls in der Taz liest ein Reinhard Wolff den Dänen die Leviten. Zu den dort seit Tagen randalierenden muslimischen Jugendlichen schreibt er:

Die soziale Benachteiligung in einem Land, dem es ökonomisch blendend geht und dessen Wirtschaft nach Arbeitskräften schreit, ist ja nichts Neues. Auch nicht, dass man die Jobs lieber Polen und Litauern anbietet, als sie arbeitslosen Migrantenjugendlichen zu geben. Ebenso wenig wie eine Politik, die nichts an den sozialen Umständen ändern will und hinter den Unruhen lieber Kriminalität am Werke sieht und dagegen nur ein Rezept anbietet: Nulltoleranz.

Sacre Bleu, und ich Depp dachte, die Polen und Litauer in Dänemark wären ebenfalls Migranten. Aber Wolff, der bereits einen schicken Konvertitenbart in der von Fundamentalisten vorgeschriebenen Länge trägt, hat mir die Augen geöffnet, dass als Migrant nur gelten kann, wer an Allah glaubt. Und „Nulltoleranz“, das geht natürlich gar nicht. Man muss den Autoanzündern und Steinewerfern zuhören, auf sie ein Stück weit zugehen und ihre Anliegen ernst nehmen (die im konkreten Fall folgende sind: „Bullen, verpisst euch und stört uns nicht bei unseren kriminellen Machenschaften. Außerdem sind wir gegen die Meinungsfreiheit“).

Und weiter: „Das angebliche Mordkomplott auf einen Mohammed-Zeichner nämlich wirft ganz aktuell ein Schlaglicht darauf, wie schlecht es mit der Rechtssicherheit für „Neudänen“ aussieht. Die verdächtigen Männer, gegen die man keine gerichtlich verwertbaren Beweise hat, sollen ohne Gerichtsverfahren einfach ausgewiesen werden. Geht es nach den Rechtspopulisten, droht demnächst das Gleiche all denen, die jetzt Schulen und Müllcontainer in Brand setzen.“

Wolff weiß mehr als die Polizei, und er kann in die Zukunft blicken. Das Mordkomplott ist nur ein „angebliches“ und, obwohl es noch kein Gerichtsverfahren gab, gibt es keine „gerichtlich verwertbaren Beweise“. Ganz klar eine Verschwörung dieser dänischen Nazis! Und die Vorstellung, dass Leute, die die Schulen und Autos (bei Wolff sind es nur „Schulen und Müllcontainer“) in ihrem Gastland anzünden, wieder nachhause geschickt werden könnten, ist natürlich ein besonders harter Schlag gegen die Rechtssicherheit. Wo kämen wir denn hin, wenn Verbrecher mit Sanktionen rechnen müssten? Das wäre doch reinster Cheauvinismus und Kulturimperialismus.

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