Krieg ohne Reporter?

Was bei der Berichterstattung über den russisch-georgischen Konflikt auffällt, sind Formulierungen wie „Die georgische Regierung berichtete…“, „einem Sprecher zufolge…“, „Russland hat nach georgischen Medienberichten damit begonnen…“, „In der Nacht auf Samstag meldete Georgien russische Luftangriffe nahe Tiflis…“, „…berichteten am Samstag russische Medien unter Berufung auf das Militär“ und so weiter. Derzeit haben wir also ausschließlich Meldungen aus zweiter Hand, Verlautbarungen der Propagandastellen der Kriegsparteien und hin und wieder mal mehr oder weniger glaubwürdige Augenzeugen. Die Elite der  internationalen Kriegsberichterstatter hat Georgien, geschweige Südossetien oder Abchasien wohl noch nicht auf der Landkarte gefunden. Oder liegt es daran, dass die Herren und Damen Reporter lieber am Strand von Tel Aviv in der Sonne liegen und zwischen zwei Cocktails in der Sushibar Berichte über die „angespannte Lage“ und die herzzerreißende Brutalität der Israelis verfassen?

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4 Gedanken zu “Krieg ohne Reporter?

  1. Ja, viel besser wären embetted Reporter auf beiden Seiten, die dann gleich vor Ort zensiert werden können und nur vorgekaute Informationen erhalten 😉

    Gruß

    AMUNO

  2. Der israelisch-palästinensische Konflikt bietet alles, was das Korrespondentenherz begehrt: Angenehmes Klima, ausgezeichnete Arbeitsbedingungen (jedenfalls in Israel), kurze Anfahrtswege zu den Konfliktherden, bereitwillige Statisten, die jeden popeligen Konflikt bei Bedarf aufhübschen, und wenn man am Wochenende nach Hause will, ist man innerhalb einer Stunde wieder in Europa.
    Ideal.
    Verglichen damit ist Georgien nun wirklich eine Katastrophe. Da kriegt man die Leute nur mit Buschzulage hin.
    Korrespondenten sind eben auch nur Menschen-
    genau wie Ärzte. In Deutschland wird schon seit Jahren vor Ärztemangel gewarnt, vor allem in Ostdeutschland. Das ist natürlich Quatsch. In Münster, wo ich wohne, kann man mit Ärzten die Straße pflastern. Die haben einfach nicht die geringste Lust in Ostdeutschland eine Praxis aufzumachen. Die bleiben lieber in Westdeutschland mit seiner kuscheligen Infrastruktur und den kurzen Anfahrtwegen zum Golfplatz.

  3. Ich dachte immer, im Osten wäre immerhin genug Platz zum Golf spielen? Entvölkerte Landstriche, blühende Landschaften und Zufahrtswege in riesige nie besiedelte Industriegebiete, laden doch gerade dazu ein.
    Würden dort nur genug Bälle geschlagen, so könnte man in dieser Gegend als Reporter durchaus zum Entschluss kommen, dass man unter feindlichem Beschuss steht und müsste gar nicht mehr das Land verlassen.

    Gruß

    AMUNO

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