Schlaf gut, Lucky

Liebe Lucky

Vor nur wenig mehr als einem Jahr bist du bei uns eingezogen, weil du dich dort, wo dir zuvor die Dosen geöffnet worden waren, nicht mit deinen Geschwistern verstanden hast. Gleich am ersten Tag wollte ich Tölpel dich einfach so mal vom Boden aufheben und du hast mir gezeigt, was du davon hälst. Die Kratzspuren auf meinem Arm waren noch zwei Monate später zu sehen. Aber du konntest auch anders. Nie werde ich vergessen, als du mir zum ersten Mal auf den Schoß gesprungen bist und dein haariges Köpfchen gegen mein Kinn gedrückt hast, schnurrend, tapsend, Kuscheleinheiten fordernd. Bald hast du dich bei uns ganz zuhause gefühlt, warst glücklich und hast uns glücklich gemacht. Wenn wir nachhause kamen, hast du uns am Boden rollend begrüßt. Wenn wir traurig waren, bist du zu uns gekommen und hast uns angestubst als wolltest du sagen „Kopf hoch“. Ganz verrückt warst du nach dem kleinen roten Punkt, den der Laserpointer auf Sofas und Betten warf. Dem bist du nachgejagt als wär es eine fette Mäusefamilie. Noch heute morgen haben wir dich gestreichelt und haben Streicheleinheiten zurückbekommen. Doch dann sind wir zum Tierarzt gefahren, denn die „Darmgrippe“, von der wir glaubten, dass du unter ihr gelitten hättest, ging nicht weg. Ein Röntgenbild später wussten wir, dass du sofort operiert werden musstest und dass es dabei um Leben oder Tod ging. Stundenlang haben wir gehofft, geweint, gezittert, uns Mut zugeredet, uns eingebildet, dass wir dich schon bald abholen würden können und dich dann nach allen Regeln der Katzenhalterkunst verwöhnen würden. Doch dein Körper war bereits voller Krebs, den kein Messer der Welt wieder hätte herausschneiden können. Wir haben also das einzige für dich getan, was wir noch tun konnten. Schlaf gut, Lucky, und ich hoffe du träumst von Mäusen und Schmetterlingen, von Kratzbäumen und Pappschachteln, von sonnendurchfluteten Wiesen, von immer vollen Futterschüsseln und Händen, die dir zärtlich den Nacken kraulen. Und vielleicht auch von uns.

Wir werden dich nie vergessen.

8 Gedanken zu “Schlaf gut, Lucky

  1. Oh, das tut mir sehr leid. Ich kann lebhaft nachvollziehen wie Du Dich fühlst. In unserer Familie hatten wir immer Hunde und jedesmal war es ein Hoffen und Bangen, wenn „die Stunde“ kam.
    Letztes Jahr im Jänner, kurz nachdem mein Vater starb, starb auch unser Julchen nach fast 16 Jahren. Ich denke nach meinem Bruder und meinem Vater hat das meiner Mutter den Rest gegeben, denn der kleine Hund war ihr ein und alles, auch wenn sie sie am Anfang gar nicht wollte.
    Ich mag auch gar nicht an den Tag denken, wenn es für Betzi soweit ist.

    Liebe Grüße Dir und Deiner Familie

  2. @ taylor: Was du in den vergangenen Monaten an Schicksalschlägen wegstecken musstest, ist wirklich hart. An dieser Stelle möchte ich dir dazu mal mein Mitgefühl ausdrücken.

    Ich habe vor Lucky auch schon zwei Hunde einschläfern lassen müssen. Erstaunlich, wie weh dass immer wieder tut. In diesen Situationen merkt man erst, wie sehr ein Tier zu einem „Familienmitglied“ geworden ist.

  3. Wie traurig! Und ja, es tut weh, wenn ein Tierchen, das man liebt, gehen muß, weil alles andere nur Quälerei für es wäre. Ich hoffe, Ihr könnt Euch trösten und bald darüber freuen, daß Lucky Euer Leben bereichert hat. Ich hab‘ mal einen schönen Satz von Kant gelesen, der mir schon öfter geholfen hat: „Leuchtende Tage. Weine nicht, daß sie vorüber. Freue dich, daß sie gewesen.“
    In diesem Sinne,
    liebe Grüße,
    Andrea

  4. Das ist ein fürchterliches Gefühl, wenn ein so geliebtes Haustier plötzlich stirbt. Wir haben innerhalb eines guten Jahres unseren Dackel (nach 11 Jahren) und unseren Schäferhund nach 13 Jahren verloren. Das war für mich erstmal ein herber Schlag ins Gesicht, aber jetzt haben wir seit gut eineinhalb Jahren einen Schäferhund aus dem Tierheim und es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht lachen müssen. Sei es weil der Hund völlig ohne Aufsicht im Garten ein Loch gegraben hat und aussieht wie ein maulwurf, sei es, weil er jeden Abend um Punkt 7 ein Spielzeug anschleppt…es gibt so viele schöne Momente. Die erste Zeit nach dem Tode eines Tieres ist immer hart, aber ihr werdet mit Sicherheit wieder einem Tier ein gutes Zuhause geben.

  5. Du hast mein vollstes Mitgefühl. Auch mir sind zwei Katzen innerhalb kürzester Zeit unter ähnlichen Bedingungen und im ähnlichen Alter weggestorben. Ich kann gut nachfühlen, wie es dir geht…

  6. Danke für euer Mitgefühl. Wir verarbeiten den Tod Luckys jetzt und trauern natürlich noch, werden aber ganz sicher bald ins Tierheim schauen und einer anderen Katze ein Zuhause geben. Nicht als „Ersatz“ für Lucky, denn Tiere sind wie Menschen einzigartig, sondern einfach aus dem Grund, weil Lucky meiner Frau und mir, die wir beide vorher „Hundemenschen“ waren, gezeigt hat, dass Katzen genauso tolle Gefährten sein können.

  7. Ich kann zwar nicht aus eigener Erfahrung sprechen, allerdings habe ich Verwandte und Bekannte, die das könnten. Mein ganzes Mitgefühl, ich kann mir vorstellen, wie sehr das schmerzen muss.

  8. Fridolin, genannt Fritz, war der erste, der mich verließ — ein gegen alles mögliche allergische, zur Hysterie neigender Cocker-Dackel-Mix, die perfekte Mischung aus Dackel-Raufkopf und Cocker-Verfressenheit, eben der beste Hund der Welt. Mit gut 14 Jahren (und ab seiner vierten Lebenswoche (sic) bei mir) starb er an Knochenmarkskrebs. Dann kam Oskarchen als Notfall vom Tierheim, ein steinalter, ziemlich tauber und praktisch blinder selbstlaufender Bodenmopp, der sich nach Haarschnitt als grauer Zwergschnauzer entpuppte; er ging 23 Monate später, hochgradig inkontinent und dement. Als nächste starb meine Freundin Luzie, Dackel- und-der-große-Schwarze-von gegenüber-Mix mit fast 16 und seit ihrer elften Woche bei mir, als sie als wildester Welpe des Wurfs sich mich als ihren Menschen ausgesucht hatte; bei der Suche nach dem Grund ihrer Appetitlosigkeit fanden wir Tumoren.

    Ich hab’ um sie alle geheult, wie ich nicht um meine Eltern weinen konnte. Und ohne halt’ ich es doch nicht aus — jetzt wohnt hier seit bald vier Jahren eine wilde schwarze Wuselhündin namens Roxy, die mit zertrümmertem Hinterbein und diversen Beckenbrüchen zu uns kam. Alterspräsident Jimmy Kater, 15jähriger Perserkater und die letzten 10 davon Chef dieses Haushalts, ist auch noch da.

    @lindwurm: mein herzliches Beileid. Sie geben sich so völlig …

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