Die Haider-Hysterie

Liebe Kärntnerinnen und Kärntner, liebe Landsleute

Ich weiß, dass der Kärntner an sich ein Gefühlsmensch ist. Ich bin schließlich selber einer. Aber ist es euch nicht doch ein ganz klein wenig peinlich, dass ihr euch freiwillig so aufführt, wie es einst die Nordkoreaner beim Tod Kim Il-Sungs tun mussten? Die Trauerkerzenhersteller schieben schon Überstunden und in den Wirtshäusern werden Haiderbilder wie Altäre aufgestellt. Gehts noch? Ok, viele von euch (allzu viele, würde ich sagen) habt ihn gemocht, den „Jörg“, wie ihn diejenigen von euch nannten, die auf seine Kumpeltour hereingefallen sind (die Autoritätssüchtigen unter euch sprachen stets ehrfürchtig vom „Herrn DOKTOR Haider“). Aber ihn gleich mit Lady Di zu vergleichen („Du warst für uns wie Lady Di, ein Mann der Herzen„)? Oder mit der Sonne, wie es BZÖ-Politiker Dörfler tat, und von der er behauptete, sie sei vom Himmel gefallen? Mit dem „Herzen Kärntens“, wie es ein anderer BZÖler formulierte? Ok, wäre ich BZÖ-Sympathisant oder gar Funktionär dieser Partei, dann bräche bei mir auch die Panik aus angesichts des  27-jährigen Steirerbuas Petzner, der, falls er eines Tages mit dem Heulen aufhören sollte, in den für ihn viel zu großen Schuhen Haiders durch die politische Landschaft stolpern wird. Aber was treibt euch Normalkärntner um, dass ihr jetzt durchdreht als wäre der Weltuntergang angebrochen? Ich erkläre es euch gerne noch einmal: Jörg Haider ist mit 142 Stundenkilometern in den Tod gerast. Er war mehr als doppel so schnell unterwegs wie es die Geschwindigkeitsbegrenzung erlaubt hätte. Das war eine geradezu kriminelle Fahrweise und es ist noch Glück im Unglück, dass Haider „nur“ sich selbst getötet hat und nicht auch noch ein paar unschuldige Passanten. Und so tragisch dieser Unfalltod auch ist: Haider war nur ein Mensch, ein Politiker, und NICHT der Messias.

Aber was reg ich mich auf? Die Massenhysterie wird ihren Höhepunkt wohl erst mit dem Begräbnis Haiders erreichen, welches übrigens eine bizarre Veranstaltung zu werden verspricht, werden doch dort SS-Veteranen und Rechtsaußenpolitiker aus ganz Europa Seite an Seite mit dem politischen Establishments Österreichs vom Bundespräsidenten abwärts Haider die Letzte Ehre erweisen. Wofür eigentlich? Für`s Menschenverhetzen? Für´s Schuldenmachen? Für´s Herunterwirtschaften von Kärnten? Für das Anti-Ausländervolksbegehren? Für das ständige Anstreifen an die Nazi-Ideologie? Für die Verrohung der politischen Sitten in Österreich? Für das Ignorieren der Bundesverfassung? Für unverantwortliches Rasen?

Nein, bei allem Mitgefühl für die Angehörigen und Freunde Haiders: Es wird Zeit für die Kärntner, wieder von ihrem bizarren Trauertrip runterzukommen, und die politische Klasse Österreichs möge bitte das Heucheln einstellen. Außerdem könnten die Österreichischen Tageszeitungen damit aufhören, ihre Internetforen zum Thema Haider für Userkommentare zu sperren. Es ist immerhin nicht so, als wäre da der größte Wohltäter der Menschheitsgeschichte von uns gegangen. Danke.

ps: Noch was zum Thema Pietät. Hier ein Link zu einem Interview, das Jörg Haider dem „Falter“ gegeben hatte und in dem er dem Asylbewerber Marcus Omofuma, der bei seiner „Rückführung“ durch Verkleben von Mund und Nase gestorben war, ein paar Verleumdungen ins Grab nachwarf und sinngemäß meinte, wegen so einem müsse man doch keine „Krokodilstränen“ vergießen…

Werbeanzeigen

18 Gedanken zu “Die Haider-Hysterie

  1. Du bringst es mal wieder wunderbar auf den Punkt. Da hab ich ja gar nichts mehr zu schreiben. 😉

  2. HBP nimmt nicht an der Beisetzung Jörg Haiders, sondern am Begräbnis des Landeshauptmannes von Kärnten teil. Diese Differenzierung ist wichtig, da nicht die Person Haider, sondern der Amtsträger damit geehrt wird. Um solche protokollarische Zwänge kann sich der Amträger HBP nicht drücken, Wie die Person Fischer zur Person Haider persönlich steht wissen wir eh.

    Was die Teilnahme von diversen dubiosen rechten Figuren an der Beisetzung angeht – eh fein, da können womöglich ein paar aufrechte Haftbefehle exekutiert werden.

  3. Super geschrieben,exakt so isses. Ich glaub´jeden Tag ich bin in einem Albtraum wenn ich morgens die Zeitung aufschlage…Jugendliche,Alte,Mittelalte,die zur Unglücksstelle pilgern,Schlagzeilen wie“Als ob unser Vater von uns gegangen wäre“ zwingen mich fast rückwärts zu frühstücken. Furchtbar-als nächstes folgt wohl die Heiligsprechung von einem als Tunte verkleideten Bischof(Siehe Gedenkmesse im Klagenfurter Dom….der rosarote Tütü steht dem Klerus ausgezeichnet-was man sich nicht alles antut wenn ein so „besonderer Mensch“ stirbt. Aber so kennen wir die katholische Kirche-immer auf der Seite der Starken und Reichen)

  4. Und in Zukunft musst du, lieber Lindwurm, dir an jedem Todestag auch noch ein kleines Revival dieser Hysterie ansehen. Manchmal bin ich schon froh, in Wien zu leben. 😀

  5. Wohow, was bin ich erleichtert. Dass bei euch da unten offenbar doch noch ein paar Leute mit dem K o p f denken können. Respekt und danke dafür. Ich fing bei diesem Wust aus Hysterie und über uns hereinbrechenden Verschwörungstheorien schon fast an, an euch und meinem Ösi-Bild zu zweifeln.

    Sehr gut, kompetent und treffend geschrieben, der Beitrag, ich unterschriebe jedes Wort.

    Grüße aus Berlin

  6. Nochmal-RASEN in Ortschaften? Da war doch mal was mit einem gewissen Herrn Vouk?
    Zitat Haider:
    Es sollte der Verfassungsgerichtshof sein, der mit seinen Ortstafel-Erkenntnissen in den Jahren 2001 und 2005 die Lunte für die erneute Explosion des Ortstafel-Streites legte. Warum? Weil er wichtige Teile der genannten Verordnung aus dem Jahre 1977 aufhebt und damit für das Verlassen des rechtswirksamen Raumes und die Rückkehr in den de facto rechtsleeren Raum aus dem Jahr 1955 sorgt. Mehr noch tut er dies angestiftet vom Vorsitzenden der radikalsten Slowenenvertretung in Kärnten, dem Rechtsanwalt Rudi Vouk, der durch bewusstes Rasen durch Ortschaften diese Urteile erzwingt. Der VfGH hat sich somit von einem offenkundigen Rechtsbrecher in Geiselhaft nehmen lassen.
    ….
    Eine Ironie des Schicksals,daß genau das Rasen in der Ortschaft(und nicht 10 km/h mehr, wie Vouk, sondern gleich 72 Km/h) dem GRÖLAZ zum letalen Verhängniss wurde.

  7. Bin schön froh, dass da jemand in Österreich den Sachverhalt noch treffend einschätzt.

    Es ist nun wirklich nicht so, dass die Menschheit nicht mehr weiter existieren kann, nur weil ein Ausländerhasser einen Bleifuss hatte.

    Trauern sollen seine Familie, seine Freunde, Nazi-Sympathisanten und Partei-Kumpels. Alle anderen können tendenziell eher aufatmen…

    Lieber Gruss aus Zürich

  8. Zitat Haider:
    Es sollte der Verfassungsgerichtshof sein, der mit seinen Ortstafel-Erkenntnissen in den Jahren 2001 und 2005 die Lunte für die erneute Explosion des Ortstafel-Streites legte. Warum? Weil er wichtige Teile der genannten Verordnung aus dem Jahre 1977 aufhebt und damit für das Verlassen des rechtswirksamen Raumes und die Rückkehr in den de facto rechtsleeren Raum aus dem Jahr 1955 sorgt. Mehr noch tut er dies angestiftet vom Vorsitzenden der radikalsten Slowenenvertretung in Kärnten, dem Rechtsanwalt Rudi Vouk, der durch bewusstes Rasen durch Ortschaften diese Urteile erzwingt. Der VfGH hat sich somit von einem offenkundigen Rechtsbrecher in Geiselhaft nehmen lassen.

    ——–

    Für diese Erkenntnis müsste man Herrn Jörg Haider einen Nobel Preis für „Ungedrübtes Wahrnehmen von Vorgängen“ verleihen.

    Und in der Tat lässt sich in diesem Fall der VfGH von einem offensichtlichen Rechtsbrecher in Geiselhaft nehmen, im selben Ausmaß nämlich, wie sich die Österreichische Gesellschaft vom Jüdischen Beirat im Bezug auf den Holocaust in Geiselhaft genommen wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s