Übertreibungspolitiker und „Krusten“

So wie die Wiener Wochenzeitung „Falter“ besser als die Betroffenen zu wissen meint, was in Kärnten alles falsch läuft, so schreckt auch ein prominenter Vertreter der Falter-Zielgruppe nicht davor zurück, in seinen Vergleichen völlig zu entgleisen.

Aus dem „Standard“:

STANDARD: Zum Tod Jörg Haiders: Was bedeutet das für Österreich?

Van der Bellen:Kärnten ist schon ein ganz spezieller Fall. Wenn man Massenpsychologe wäre, gäbe es dort ein prächtiges Gebiet für Feldforschungen. Der Tod von Lady Di war ja ein Klacks dagegen. Als ich von Haiders Unfall erfahren habe, war ich geschockt – obwohl wir in fast keinen (sic) Punkt einer Auffassung waren, außer dass es eine Sauerei ist, wie sich Rot und Schwarz das Land aufgeteilt haben. Er war so ein Energiebündel, so ein lebendiger Mensch. Da kann ich verstehen, dass vieleAnhänger (sic) das Gefühl haben, da fehlt einem etwas.

Aha, wenn weltweit viele Millionen Menschen – irrationalerweise – trauern und sich Verschwörungstheorien zusammenbasteln, weil ein britisches Adelsflittchen bei einer rasanten Alkoholfahrt zu Tode kam, dann war das „ein Klacks“ gegen ein paar tausend am Rad drehende österreichische Haidergroupies (und ein paar hundert deutsche und italienische Neofaschisten, die da noch mitgedreht haben)? Hat Elton John bereits einen Song für den „Jörg“ geschrieben? Gibt es in Österreich Staatstrauer? Hat die Queen schon kondoliert? Hat Haider gegen Landminen gekämpft? Wie? Alles falsch? Aber eh wurscht, der große intellektuelle Professor redet mittlerweile halt auch viel Blödsinn daher wenn der Tag lang und die Interviewer willig sind…

ps: Dass gerade die psychologische Fakultät der Universität Klagenfurt seit Jahrzehnten das Haider-Phänomen kritisch untersucht, hat sich noch nicht bis zu VdB durchgesprochen. Wundert mich das jetzt?

ps ps: Es ist immer wieder erschreckend, wie unbedacht vermeintliche Haider-Gegner dessen Vokabular übernehmen. Van der Bellen spricht von der „Aufteilung des Landes durch Schwarz und Rot“ ebenso selbstverständlich, wie viele Kommentatoren die Haider-Phrasen vom „Aufbrechen verkrusteter Strukturen“ bereitwillig übernommen haben. Haider hat GAR NICHTS aufgebrochen, hat GAR nichts geändert (außer zum Negativen). Modernisiert wurde Österreich nicht durch Haider, sondern durch die Weiterentwicklung der kapitalistischen Produktionsmittel, durch neue Herausforderungen an und durch die Industrie, durch den EU-Beitritt und durch das Internet. So wie fast alle anderen Länder dieser Erde auch.

ps ps ps: Den nächsten Politiker oder Journalisten, der mir etwas davon erzählen will, dass Haider irgendwelche Krusten aufgebrochen haben soll, werde ich mit eigenen Händen auspeitschen.

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6 Gedanken zu “Übertreibungspolitiker und „Krusten“

  1. Ich wüsste mal gerne wieso eine Frau die sich mehrere Männer in einigen Abständen hintereinander „gönnt“ direkt als Flittchen bezeichnet wird, und ein Mann in der selben Sache ein cooler Hengst ist? *denk*

    Auch hier ist es eben reine Ansichtssache, für mich war Diana kein Flittchen …

    Und zum Tod Haiders und die Spekulationen darum .. die Wahrheit kommt eh nicht ans Licht. Es wird nur noch verwirrender.

    LG Tiffy

    LG Tiffy

  2. Dem muß ich widersprechen.
    Denn: Was ist das Gute im Schlechten?
    Haider war der grobe Keil auf dem groben Klotz, der Kärntner SPÖ heißt. Deren vielfach praktizierte präpotente Machtausübung wurde zumindest teilweise eingedämmt und die Hoffnung auf mehr Demokratie lebte auf – und lebt nun.
    Letzteres war wohl nicht Haiders Absicht, bleibt aber immerhin als ein positives Ergebnis seiner großteils zumindest fragwürdigen Politik.

  3. Also, wie ich präpotente Machtausübung und Hoffnung auf mehr Demokratie gelesen habe,dachte ich, das stimmt- der Filz und die Freunderlwirtschaft unterm BZÖ war für den denkenden Menschen schon fast nicht mehr zu ertragen…dann lese ich dass die SPÖ gemeint war.
    So kann man sich täuschen. 🙂

  4. Ich häng mich auch am „Flittchen“ auf. Ich mag die Verächtlichkeit nicht, die darin steckt. Und die Information, die daraus hervorgeht, Tiffy hat es schön gesagt. Tief ist das.

    Und ansonsten: Von Graz aus betrachtet macht Kärnten ein äußerst seltsames Bild. Wohl auch, weil die Zeitungen so schreiben, wie sie es tun.

    Es ist halt praktisch, wenn man auf ein Bundesland zeigen kann und so tun, als würden nur dort seltsame Kreaturen wohnen.

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