Al Rawi – ein Problem für die SPÖ

Aus einem Interview, das die „Wiener Zeitung“ mit Omar Al Rawi, SPÖ-Gemeinderat in Wien und Integrationsbeauftragter der Islamischen Glaubensgemeinschaft, führte:

WZ: Für Israel, die USA und die EU ist Hamas eine Terrororganisation, was ist Hamas für Sie?

Al Rawi: „Ich weigere mich, diesen Konflikt nur über die Rolle der Hamas zu definieren; das ist genau das, was uns die Israelis einreden wollen, nämlich dass sie nicht die Zivilisten im Gaza-Streifen angreifen, sondern lediglich die Hamas. Dadurch entsteht eine Teilrechtfertigung für die israelischen Bombardements.“ (…)

WZ: Warum verurteilen Sie nicht eindeutig die Hamas-Raketen auf israelische Zivilisten?

Al Rawi: „Das tue ich, jede Religion verurteilt das Töten Unschuldiger. Und trotzdem sind in diesem asymmetrischen Krieg unsere Sympathien eindeutig auf Seiten der Palästinenser.“

WZ: Also Ja zu einem politischen Existenzrecht Israels?

Al Rawi: Ja, es ist Fakt, dass Israel existiert. Aber viele Muslime können keine moralische Legitimation Israels akzeptieren, die auf Verbrechen – dem Holocaust – beruht, die sie selbst nicht begangen haben. Es ist aber eigenartig: Alle reden vom Existenzrecht Israels, aber keiner vom Existenzrecht Palästinas.“ (…)

Es ist schon interessant: Ein Funktionär der SPÖ verkündet in einem Interview, dass „unsere“ Sympathien „eindeutig auf Seiten der Palästinenser“ seien, weigert sich, die Hamas als Terrororganisation zu bezeichnen und kann sich nicht zu einem klaren „Ja“ auf die Fage nach dem Existenzrecht Israels durchringen. Der im Irak sozialisierte Al Rawi ist übrigens schon mehrmals auf ungute Weise aufgefallen, zum Beispiel als er den geplanten Vortrag einer islamkritischen Wissenschaftlerin in Linz durch eine persönliche Intervention beim SPÖ-Bürgermeister verhinderte oder als er wilde Attacken gegen die damalige Außenministerin Ursula Plassnik ritt, weil diese „die palästinensische Demokratie“ nicht ausreichend gewürdigt habe. Ihm wurde außerdem von mehreren Seiten vorgeworfen, der radikalislamistischen Muslimbruderschaft nahezustehen (für deren palästinensische Filiale Al Rawi derzeit fleißig Solidaritäts-Demonstrationen organisiert), was er zwar zurückweist, aber dennoch keine rechtlichen Schritte dagegen anstrengt.

Es ist grundsätzlich richtig und begrüßenswert und angesichts der Bevölkerungsentwicklung auch notwendig, dass in einer großen Volkspartei wie der SPÖ auch Menschen muslimischen Glaubens Funktionen übernehmen. Problematisch ist hingegen, wenn diese Leute die Trennung von Politik und Religion nicht ernst nehmen und einer extrem konservativen Auslegung des Islam nahe stehen, wofür es im Fall Al Rawi zumindest starke Indizien gibt. Die Islamische Glaubensgemeinschaft repräsentiert übrigens keineswegs „die Muslime“ in Österreich, sondern nur eine kleine konservative Minderheit unter diesen. Auch dies lässt einen annehmen, dass das Wirken Al Rawis nicht zur beabsichtigten und erstrebenswerten stärkeren Integration muslimischer Zuwanderer in Gesellschaft, Kultur und Politik Österrreichs beiträgt, sondern im Gegenteil einem Hijacking einer großen Partei zum Zwecke der Durchsetzung religiöser Partikularinteressen gleichkommt. Gerade die Sozialdemokratie sollte einmal in sich gehen und sich die Frage stellen, ob die Förderung konservativ-klerikaler Strömungen nicht nur ihren Grundwerten widerspricht, sondern auch nicht-muslimische Österreicher und fortschrittlich eingestellte Muslime eher abschreckt anstatt sie zur Stimmabgabe für die SPÖ zu bewegen.

3 Gedanken zu “Al Rawi – ein Problem für die SPÖ

  1. Zum wie erwartet widerlichen Kommentar von Fritz Edlinger im Standard

    http://derstandard.at/?url=/?id=1231151448641%26sap=2%26_seite=2

    hat auch noch Herr Al Rawi einen Leserbrief verfasst – darin greift er Efgani Dönmez an, dem es als Alevit nicht zusteht, Muslime zu kritisieren:
    wenn ein Afrikaner Mißstände in siner Community aufdeckt und er drastischere Ausdrücke verwendet als es nach unserer Political Correctness üblich ist, wird kein vernünftiger Mensch ihn als einen Rassisten bezeichnen.

    Doch offensichtlich traut er Selbstkritikfähigkeit nur Nicht-Muslimen zu

    Damit würdigt er Muslime herab, und disqualifiziert sich selbst als Sprecher dieser Menschen.

  2. „Omar Al-Rawi, ein weiterer lebende Beweis, dass die Sozialdemokratie von heute mit den Prinzipien, welche sie zu ihrer Entstehung im 19. Jahrhundert vertreten hatte, nichts mehr am Hut hat, hat übrigens auch beim ORF versucht zu intervenieren, weil ihm ein ZIB2-Bericht über eine Anti-Hamas-Demo in Wien nicht gepasst hat. Es war übrigens ein Bericht, in dem ein Vertreter der palästinenischen Gemeinde Österreichs diese Anti-Hamas-Demo lang und breit kritisieren konnte und dann vom Interviewer auch noch eine Steilvorlage, für die ich mich daheim vorm Fernseher (fremd-)geschämt habe, aufgelegt bekam („Will Israel die Palästinenser vernichten?“), die er natürlich zu verwerten wusste. Quelle:
    http://zib.orf.at/zib2/wolf…es/334940/“

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