Neue Gefahr von Linksaußen

Trotzkisten waren im Spektrum der linksextremen Bewegungen immer eine Randgruppe, die sich gerne auf eine angebliche moralische Überlegenheit gegenüber den Sowjetkommunisten berief, da ihr Namensgeber und Idol Leo Trotzki zu ihrem Glück ins Exil getrieben und schließlich ermordet wurde, bevor er ein paar Millionen Menschen umbringen lassen konnte. Ein Mann des Friedens und der Menschlichkeit war er dennoch nicht. Trotzki ließ die Todesstrafe in der Roten Armee einführen, unterzeichnete einen Erlass, wonach Einheiten der Armee, die sich „ungerechtfertigt zurückzogen“, hingerichtet werden sollten, ließ Familien von Offizieren als Geiseln nehmen, führte das Spitzelwesen durch die Politikommissare ein, ließ tausende ukrainische Bauern abschlachten und den Matrosenaufstand in Kronstadt blutig zusammenschießen. Erst als er von Stalin davongejagt wurde, begann er, sich als Moralapostel aufzuspielen und die stalinistischen Verbrechen, die er, wäre er an der Macht geblieben, wohl selber verübt hätte, anzuprangern.

Trotzkisten, so hatte man es vor allen in den inzwischen als Comedy-Klassiker geltenden Wahlwerbespot vor deutschen Bundesttagswahlen gesehen, waren bärtige Träger schäbiger Anzüge, die aus schlecht gelüfteten Studierstuben gekrochen zu sein schienen und in einer Parallelwelt lebten, in der sie sich die „wahre“, nämlich ihre Revolution herbeiträumten. Kein Mensch nahm diese Figuren ernst. Das ist nun anders, zumindest in Frankreich, wo sich ein junger Jünger des alten Leo anschickt, eine linksextreme Massenpartei, die „Nouveau Parti Anti-Capitaliste (NPA)“, zu gründen. Olivier Besancenot heist der Mann, der in Meinungsumfragen bereits hinter Präsident Sarkozy der zweitbeliebteste Politiker Frankreichs ist und geschickt den durch die Wirtschaftskrise verursachten Frust an der Marktwirtschaft kanalisiert. Besancenot ist 34 Jahre jung und versteht es, sich einen proletarischen Anstrich zu geben, indem er als Postbote arbeitet, obwohl er dies wegen seiner Herkunft aus reichem Elternhaus und seiner Heirat mit einer wohlhabenden Dame nicht nötig hätte. Er lächelt fast immer freundlich und strahlt eine Aura der Unschuld und des echten Idealismus aus. Hört man jedoch genauer hin, was dieser Kerl so von sich gibt, kommt die alte Fratze des Kommunismus wieder zum Vorschein. Seine Anhänger sollten „im Alltag kämpfen“ fordert er, und den Parlamentarismus verhöhnt er als „pseudemokratische Institution“. In seiner neuen Partei will er Trotzkisten, Kommunisten anderer Richtungen, Sozialisten, radikale Umweltschützer und Globalisierungsgegner vereinen und so das System stürzen. Es ist gar nicht mal völlig ausgeschlossen, dass es ihm gelingt, denn er beherrscht die Medienklaviatur nahezu perfekt und ist ein ähnlich begnadeter Demagoge wie einst Jörg Haider. Außerdem hat er ein Gesicht wie ein unschuldiger Lausbub, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann. Seine Unterstützer aus den Kreisen der undogmatischen Linken, der No-Global-Bewegung, der Feministinnen und Umweltfanatiker sollten jedoch mal einen Blick auf die Revolutionen der Vergangenheit werfen und nachschlagen, was die durch Umstürze entstandenen totalitären Regime mit nützlichen Idioten gemacht haben…

Dass Besancenot auch durch antisemitische Aktivitäten auffällt, sollte niemanden wundern. So reihte er sich in die Riege jener ein, die nach einer antisemitischen Kolumne, die der Karikaturist „Sine“ veröffentlicht hatte, sogleich eine Unterstützungspetition für den Zeichner ins Leben riefen. Dass er im Gazakrieg für die Hamas Partei ergriff, ist auch nicht weiter erstaunlich. Ebensowenig wie seine Querverbindungen zur islamistischen und antiisraelischen Szene.

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2 Gedanken zu “Neue Gefahr von Linksaußen

  1. […] Verzeichnisse SamstagmittaglinksIn Frankreich ist ein Trotzkist mit einer interessanten Vergangenheit und illustren Freunden der zweitbeliebteste Politiker. Olivier Besancenot, Gründer der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA), in deren Zentrum die Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR) steht. Sein politisches Programm steht für pure, nackte Gewalt. (Enteignungen, Aufhebung der Vertragsfreiheit, umfangreiche Verstaatlichungen. Auch eine blutige, zerstörerische Revolution will er nicht ausschliessen.) Hätte sein Kampf gegen den Kapitalismus Erfolg (Und dieser Kampf scheint doch recht beliebt zu sein, besonders wenn man einen Blick auf das diesjährige Weltsozialforum geworfen hat.), dann blickten wir einem neuen, hässlich finsteren Mittelalter entgegen. | Gudrun Eussner – Olivier Besancenot und andere Gönner der muslimischen “jeunes” | Der Lindwurm – Neue Gefahr von Linksaußen […]

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