Bio-Schmäh und ORF-Manipulation

Ein kleines, aber durchaus symptomatisches Beispiel dafür, wie der mit Zwangsgebühren finanzierte Österreichische Rundfunk manipuliert, fand ich heute im Internetauftritt des ORF. Unter der Schlagzeile „Biobauern bangen um ihre Existenz“ schreibt der zuständige Redakteur: Bioprodukte sind zwar besser, aber auch teurer als herkömmlich produzierte landwirtschaftliche Produkte. Die Sorge um die Auswirkungen der Wirtschaftskrise geht deswegen auch bei den Biobauern um: Weniger Absatz von Bioprodukten bedeutet weniger Geld für die Biobauern. Und weniger Geld wäre für viele bäuerliche Betriebe  existenzbedrohend.“

Lieber unbekannter ORF-Journalist: Dass Bioprodukte „besser“ seien als jene aus der konventionellen Landwirtschaft, ist ein Marketing-Gag der Bioindustrie und keine erwiesene Tatsache. Bio-Nahrungsmittel sind Feelgood-Produkte, deren angeblicher Mehrwert vor allem auf dem Placeboeffekt beruht. Gesünder oder nahrhafter oder schlicht „besser“, wie sie das formulieren, sind sie nicht. Wenn ich schon eine Presseaussendung der Interessensvertretung der Biobauern lesen muss, dann sollte diese als solche kenntlich gemacht und nicht als objektiver Bericht verkauft werden!

Persönlich hat der Lindwurm übrigens die Erfahrung gemacht, dass Bio-Lebensmittel durch die Bank schlechter sind als jene der bösen koventionellen Landwirtschaft. Ob das mit den teils ekelerregenden Zuständen und Hygienestandards auf vielen Bio-Höfen zusammenhängt, kann ich nicht sagen, aber Mutterkorn im Müsli, halb verfaulte Kartoffeln und Schimmel auf den Möhren sprachen doch eine recht eindeutige Sprache, die dem Wurm sagte: „Finger weg vom Biozeug!“

Putzig finde ich auch die im Artikel zitierte Aussage des Obmanns von „BIO Austria Kärnten“, Hans Kreschischnig, der die Bevölkerung händeringend anflehte: Jeder Einzelne kann es wettmachen, in dem er sich bewusster ernährt und auf Produkte verzichtet, die man eigentlich nicht braucht. Dann fällt der kleine Mehrpreis nicht ins Gewicht.“ In der seltsamen Welt, in der der Lindwurm lebt, gibt es nun aber unzählige Kleinverdiener und Mindestrentner, bei denen der „kleine“ (*lach*) Mehrpreis sehr wohl ins Gewicht fällt. Würde es nur mehr Biofraß geben, wie es Herrn Kreschischnig wohl gefallen täte, dann fiele der Mehrpreis sogar ganz wörtlich „ins Gewicht“, da dann wieder Hunger und Unterernährung Einzug hielten. Dass die Menschen heutzutage so alt werden – was vielen Sozialingenieuren ohnehin nicht passt – liegt vor allem auch an günstigen Lebensmittelpreisen, die es ermöglichen, dass sich auch Besitzer schmalerer Brieftaschen ausgewogen und ausreichend ernähren können. Eine Landwirtschaft, die ins 18. Jahrhundert zurück will, wäre eine Garantin für Ernährungszustände, wie sie damals üblich waren: Die Reichen essen sich satt, die Armen dürften froh sein, wenn sie einmal im Jahr Fleisch und Obst zu sehen bekommen.

7 Kommentare zu „Bio-Schmäh und ORF-Manipulation

  1. Ein Freund betreibt einen Biobauernhof-Er züchtet Schweine. Die sind wirklich glücklich,wenn man die vorherige Massentierhaltung gesehen hat (Ich habe beim Stallbau geholfen und habe da ein bisschen Einsicht in die Thematik) Wo früher (bevor sein Vater den Hof an ihn übergeben hat)die Schweine Seite an Seite standen, mit Antibiotika hochgespritzt wurden und sich gegenseitig umbrachten ist heute ein weitläufiger Stall,wo die Bioschweine(und ich rede hier bewusst von GLÜCKLICHEN Tieren)Fussball spielen können. Sofort nach Bekanntwerden der Wirtschaftskrise im Herbst 2008 brach sein Umsatz fast um die Hälfte ein(Er belieferte als einziger kärntner Bauer den BILLA mit Bio-Schweinefleisch)und er hatte Schweine zu Hause stehen,die statt der schlachtfertigen 120-150 Kilo plötzlich an die 200 Kilo auf die Waage brachten. Jetzt muss er sie zum Schleuderpreis ins Ausland verkaufen. Ich bin sehrwohl ein Freund der biologischen Landwirtschaft und wer die Tier KZ´s kennt(Und ich benutze den Begriff bewusst) weiss worum es hier geht. Bio macht jedenfalls Sinn.

  2. bio-produkte sind weder in jedem fall noch in jedem fall schlechter als „herkömmliche“ produkte. das hängt sehr stark vom einzelfall ab. oft unterscheiden sich ja „herkömmliche“ kaum in der erzeugung von bioprodukten. in vielen fällen macht es aber sehr wohl sinn auf spritzmittel, kunstdünger und dergleichen zu verzichten. die industrielle tierprodukte-erzeugung halte ich für negativ. gerade die überernährung mit tierischen produkte (vor allem tierischen fetten) ist eine der häufigsten krankheits- und todesursachen in den industrieländern. und das ist nunmal auch darin begründet dass vor allem fleisch zu billig ist.

  3. @ Tingler: Klar, artgerechte Haltung ist besser für die Tiere, das bezweifle ich keine Sekunde lang. Das hat aber nicht unbedingt und immer was mit „bio“ zu tun, sondern einfach mit der Größe der Zucht und den Absichten des Züchters. Die Behauptung des ORF-Journalisten, „Bioprodukte sind besser“, ist wertend und nicht objektiv. Ich lehne die Bio -Landwirtschaft auch nicht rundweg ab, wenn es einen Markt dafür gibt, dann soll es diese Produkte auch geben, doch meine Erfahrungen und Recherchen lassen mich eher einen Bogen um Biozeug machen.

  4. @Lindwurm: Da gebe ich dir natürlich 100%ig recht!
    Es ist auch nicht alles Gold was glänzt,das ist mir schon klar. Wollte das halt nur mal gesagt(oder besser geschrieben) haben. 😉

  5. Du kritisierst im zweiten Absatz die subjektive Meinung eines ORF-Redakteurs und widerlegst sie im dritten Absatz mit einer subjektiven Meinung von dir? Damit begibst du dich leider auf exakt das gleiche Niveau des von dir Kritisierten und machst dich dadurch unglaubwürdig.

    Und der Hunger liegt heutzutage nicht an Bio oder Nicht-Bio – schließlich ließe sich allein mit Bio mehr als die gesamte Weltbevölkerung ernähren – sondern vielmehr an ungleicher Verteilung, destruktiver Politik (siehe aktuelles EU-Milchdumping), fehlender Einpreisung sozialer ökologischer Kosten von Lebensmitteln und verantwortungsloser Ernährungs- & Konsumgewohnheiten.

  6. @ Andreas Lindinger: Im Gegensatz zum ORF wird mein Blog nicht durch Zwangsgebühren finanziert. Ich schalte nicht mal Werbung, also DARF ich völlig subjektiv schreiben. Mit ihren Argumenten bezügliches des Hungerproblems liegen Sie freilich nicht ganz falsch.

    ps: ich hatte mir vor wenigen Tagen einen Laib Bio-Toastbrot gekauft, der laut Ablaufdatum bis übermorgen haltbar sein sollte. Heut wollte ich mir einen Toast zubereiten, und was sah ich, als ich das Bioprodukt aus dem Brotkasten nahm? Schön appetitlichen grünen Schimmel.

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