Pädophilie: Schlagen und Missbrauchen – zwei Seiten derselben Münze?

Österreichs Polizei hat 935 Verdächtige ausgeforscht, die sich im Internet kinderpornographisches Material angesehen haben sollen. Dass nach solchen Nachrichten die Volksseele überkocht, war zwar zu erwarten, ist aber für mich doch der intereressantere Teil des Phänomens „Kinderpornographie“ bzw. „Kindesmissbrauch“. Dass es eine gewisse Zahl von pädophilen Menschen gibt, verwundert mich nicht mehr und sollte keinen, der ein bisschen Sozialgeschichte studiert hat, überraschen, denn Kinder wurden seit Anbeginn der Menschheit  sexuell missbraucht und der Anteil von Kinderfickern an der Gesamtbevölkerung dürfte heutzutage und in Mitteleuropa auch nicht höher sein als zB im Alten Rom, wo es Bordelle gab, in denen sich Männer an Säuglingen vergingen, im arabischen Kulturkreis, wo Mädchen im Kindesalter verheiratet wurden und immer noch werden (und man diese Ehen auch vollzieht), oder in Japan, wo bis vor kurzem Kinderpornographie und Kindesmissbrauch völlig legal waren. Die Einstellung zur Pädophilie ändert sich, nicht die Zahl der Pädophilen. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass Kindesmissbrauch weniger abscheulich wäre, bloß weil manche Kulturen ihn akzeptier(t)en. Ich bin mir allerdings sicher, dass ein großer Teil jener Leute, die aus aktuellem Anlass nun wieder nach Kastration, Todesstrafe und Pranger schreien, selber jeden Tag ihre eigenen Kinder gröbstens misshandeln, zwar nicht unbedingt sexuell, aber doch durch Schläge und/oder Psychoterror, und das ist für mich ebenso verachtenswert wie die Taten der Pädos. Der Ruf nach dem Henker, nach Folter und Demütigung sagt sehr viel über die psychische Verfassung der Rufer aus, die eine sadistisch geprägte sein dürfte. Wo kommen die aber alle her, diese Freizeitscharfrichter und Hobbyfolterer? It´s the violence, stupid! Sexueller Kindesmissbrauch ist nämlich „nur“ eine – wenn auch besonders abstoßende – Form der Gewalt gegen Kinder, und solange die Gesellschaft nicht kapiert, dass Eltern, die ihre Kinder schlagen, genau jene sind, die der Dehumanisierung von Minderjährigen Tür und Tor öffnen und dies auch ihre Kinder lehren, so lange wird es Personen geben, die die Degradierung  junger Menschen zu Sexualobjekten vor sich selber verantworten zu können glauben, und so lange wird es auch Menschen geben, die durch eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit sadistische Impulse entwickeln. Kindesmissbrauch fängt bei der „gesunden Watschen“ an und nicht erst mit dem Betrachten von Kinderpornos oder gar der Vergewaltigung von Kindern. Je stärker eine Gesellschaft signalisiert, dass das Kinderverprügeln irgendwie eh ganz okay sei, desto „normaler“ werden sich jene fühlen, die die Gewalt zusätzlich noch sexualisieren. Kinder zu schlagen und Kinder sexuell zu missbrauchen sind zwei Seiten derselben Münze. Das ist zumindest meine Meinung und soviel ich weiß kann das sogar kulturhistorisch belegt werden. Die Leserschaft des Lindwurms sei hiermit eingeladen, Gegenstandpunkte vorzubringen oder andere wichtige Aspekte des Problems, die ich nicht erwähnt habe, zu diskutieren.

Die geplante Verschärfung des Strafrechts in Sachen Kinderpornographie erscheint mir übrigens nicht besonders zielführend zu sein, um es mal vorsichtig zu formulieren. Wer anhand eindeutiger Schlüsselwörter wie „Lolita“ Videos und Bilder im Internet sucht, kann in Zukunft zur Rechenschaft gezogen werden, schreibt dazu die APA. Dass erscheint mir nun nicht nur den Fans von Vladimir Nabokov und Stanley Kubrick gegenüber etwas unfair, das Gesetz droht auch die im Sexualstrafrecht so gerne eingesetzten Gummiparagraphen zu enthalten: Strafbar soll bereits der Zugriff auf eine pornografische Darstellung Minderjähriger im Internet sein, auch wenn der Täter keine zumindest bedingt vorsätzliche Speicherung über den Arbeitsspeicher (im Cache oder sonst wo) hinaus vornimmt. Der Zugriff muss, um Strafbarkeit nach sich ziehen zu können, unmittelbar auf die pornografische Darstellung erfolgen, sei es dass die Startseite einer Website, die geöffnet wird und eine solche Darstellung enthält (und der Täter dies weiß), sei es dass (wissentlich) ein Link zu einer solchen Darstellung geöffnet wird. Wie genau will man nun die Absicht hinter dem Anklicken eines Links feststellen? Werden schauspielerisch talentierte Pädophile frei gehen, während ein maulfauler Bildungsverlierer in den Knast muss? Das scheint mir auch technisch sehr unausgegoren zu sein und mehr mit Aktionismus als mit Kinderschutz zu tun zu haben. Aber das kommt halt dabei heraus, wenn Politiker nicht auf Fachleute hören, sondern nur nach Wählerstimmen schielen.

ps: An jene Leute, die durch bestimmte Suchbegriffe auf der Hoffnung nach Wichsvorlagen zu diesem Artikel gefunden haben: Ich bin froh, euch enttäuschen zu müssen. Geht zum Psychologen!

Ein Gedanke zu “Pädophilie: Schlagen und Missbrauchen – zwei Seiten derselben Münze?

  1. Dein toller Artikel hat mir wieder einmal gezeit, wie viele Leute so wenig wissen.
    Schon allein, dass du Pädophile und Kinderschänder – wie so viele Ignoranten unserer Gesellschaft – als Synonyme benutzt, zeigt mir, dass du keine Ahnung hast.

    Pädophilie an sich hat nichts mit Gewalt zu tun. Es ist eine sexuelle Ausrichtung, die man sich – wie alle andern auch – nicht aussuchen kann.
    Erst wenn man sie auslebt wird sie unmoralisch. Jetzt stell dir mal vor, du könntest deine Sexualität nicht ausleben, ohne das Leben eines Kindes zu ruinieren. Schreckliche Vorstellung, nicht wahr?
    Und doch gibt es Menschen, die das schafen. Meiner Meinung nach gebürt ihnen großer Respekt, doch in der Gesellschaft sind sie genauso unten durch wie alle andern Pädophilen, die ja alle Straftäter sind.

    Also nochmal kurz:
    Pädophilie: Schicksal
    Kindsvergewaltigung: Befriedigung der Triebe

    Nicht dass ich jetzt Kinderschänder herorisieren will, ganz im Gegenteil. Vergewaltigung ist immer schlecht, auch wenn man sich sonst nicht befriedigen kann.
    Eine gute Alternative zur Vergewaltigung sehe ich daher im Genuss von Pornographie, da man niemanden direkt verletzt und sich trotzdem befriedigt. Daher versehe ich nicht, wieso man da garnicht differenziert.

    Ein weiteres Problem sehe ich in der Gesellschaft. Solange man Pädophilen nicht hilft, werden sie zu Kinderschändern. Man muss sie als Menschen akzeptieren und ihnen beibringen, mit iherer Sexualität zurecht zu kommen, denn dämonisieren ist ganz bestimmt der falsche Weg.

    Um zu deiner Kernthese zu kommen: Kindervergewaltigungen sind also keine Folge der Gewalt an Kindern, sondern des Mangel an Akzeptanz und Aufklärung gegenüber Pädophilen.

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