Da lacht der Mullah

Vielleicht leide ich ja unter akkustischen Halluzinationen, aber mir kam gerade so vor, als hätte ich die iranischen Mullahs laut auflachen gehört, nachdem ihnen dies zu Ohren gekommen war:

Zu den Sätzen Obamas, die in Teheran besonders aufmerksam registriert werden, dürfte dieser zählen: „Die USA wollen, dass die Islamische Republik Iran ihren rechtmäßigen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnimmt.“ Der US-Präsident kommt damit Irans Anspruch auf internationale Geltung entgegen. Indem er den Iran mit dessen amtlichen Staatsnamen als „Islamische Republik“ tituliert, erkennt er implizit auch die gegenwärtige Staatsform an. Vom Regimewechsel, wie Bush ihn propagiert hatte, ist keine Rede mehr.

Ist das wirklich noch die Obama von Optimisten unterstellte Taktik, sich zunächst mal eine moralisch überlegene Position zu erquatschen und dem Gegner eine Umarmung anzubieten, die dieser aus Angst vor Prellungen und Rippenbrüchen zurückweisen muss, um danach herzhaft und mit bestem Gewissen zuschlagen zu können? Ich denke nicht. Das klingt viel zu sehr nach Appeasement und nach der kulturrelativistischen europäischen Schleimscheißer-Diplomatie. Obama meint das ernst, und das macht ihn zu einem sehr gefährlichen Mann, denn die bösen Jungs und Mädchen dieser Welt wissen: „Der tut uns nix, egal, was wir anstellen.“

ps: Was wohl Omid Reza Misayafi zu Obamas Schmusekurs sagen würde? Ach ja, der kann gar nichts mehr sagen. Der 25-jährige Blogger starb in einer iranischen Gefängniszelle.

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8 Gedanken zu “Da lacht der Mullah

  1. Dazu einmal zwei unterschiedliche Meinungen, die in zwei unterschiedlichen deutschen Qualitätszeitungen geäußert wurden:

    Der „USA-Experte“ Josef Braml im „Interview mit der SZ: „Das ist sehr geschickt von Obama, weil er damit die Hardliner in Iran in die Bredouille bringt. Sie sind ohnehin geschwächt, weil die neue US-Regierung als Feindbild nicht so gut taugt wie die Bush-Administration. Wenn die USA nun Iran rhetorisch umarmen, verlieren die Hardliner innenpolitisch weiter an Argumenten – und in drei Monaten sind Wahlen in Iran“ (http://www.sueddeutsche.de/politik/779/462398/text/ )

    Dagegen schreibt F.A.Z.-Herausgeber Günther Nonnenmacher

    Es ist überhaupt die Frage, ob es klug ist, jetzt schon vorzupreschen, da in Iran Präsidentenwahlen bevorstehen. Obamas Berater hoffen vielleicht, mit ihren Entspannungssignalen den Reformern in Iran zu helfen. Doch kann es genauso gut sein, dass Ahmadineschad solches Entgegenkommen als Triumph ausschlachtet: Man müsse mit Washington nur hart genug verhandeln, um Erfolge zu erzielen.

  2. nun wie immer wird uns die zeit lehren, was richtig war und was falsch. aber ich glaube nicht, dass dieser diplomatische vorstoss von mr. obama ein fehler war und eben nicht das signal, welches du lieber lindwurm daraus abliest, an die welt so verstanden wird, wie du es nahe legst. als freibrief, der tut uns nix, egal, was wir machen denke ich sollte diese botschaft nicht verstanden werden. vielmehr sehe ich, nach jahren des säbelrasselns, eine respektvolle wiederaufnahme der diplomatischen beziehungen. den staat anzuerkennen als islamische republik, sowie nette grüsse an die bewohner des staates zu verschicken wird nach meinem dafürhalten im iran nicht so aufgefasst, wie du dies darstellst. einer meiner besten freunde ist iraner und ich befragte ihn dazu. er pedelt zwischen dem iran und deutschland und er meinte, dass obama die botschaft via internet versandte war ein sehr guter schachzug. viele iraner sehen, leider neben drogen, den einzigen ausweg aus ihrer restriktion im websurfen. dadurch wird einerseits druck von unten aufgebaut, weil eben bald präsidentschaftswahlen anstehen und andererseits, wird das böse amerika so ein wenig anders gesehen. die propaganda von der bösen supermacht, wird so dem wähler ein wenig relativiert und viele sehen eine chance. ich hoffe man ergreift sie und startet neu. auch scheint die konservative im iran sehr stark unter druck wegen der internen probleme zu stehen. die inflation, die restriktionen, arbeitslosigkeit, …. ich denke, auch wenn der aktuelle präsident dies als erfolg verbuchen wird und der oberste mullah diese botschaft nicht akzeptiert, könnten die vielen jungen menschen im lande (mehrheit), die keine perspektive haben, diese chance ergreifen und die konservativen teilweise wegwählen. es ist wahlkampf und auch wenn der rest „der achse des bösen“,…. dies als freibrief erkennen würde, zeigt sich bald, dass dies nicht für sie alle gilt. es gibt vieles zu kritisieren am neuen uspräsidenten, aber ich denke und hoffe, dass dies einer seiner weniger naiven vorstösse war.

  3. Ajatollah Ali Chamenei:

    „Haben Sie die Sanktionen aufgehoben? Haben Sie aufgehört, das zionistische Regime zu unterstützen? Sagen Sie uns, was Sie geändert haben. Ein Wandel nur in Worten ist nicht genug.“

    So ist das nach einem schwachen Aufschlag, Mr President: Der Ball ist schnell wieder auf der eigenen Hälfte.

  4. Möglicherweise war das Vorgehen von Obama gar nicht mal so naiv sondern höchst geschickt. Immerhin hat Chamenei ihm prompt den erhobenen Mittelfinger gezeigt und vielleicht war das sogar Obamas Kalkül. Immerhin hat die Führung des Irans so der gesamten Weltöffentlichkeit ein weiteres mal demonstriert, wessen Geistes Kind sie ist, womit eine straffe Politik der USA und der Weltgemeinschaft gegen den Iran moralisch legitimiert ist. Möglicherweise ist Obama gar nicht gefährlich, sondern nur geschickter als sein Vorgänger, denn nach seinem so derart brüsk zurückgewiesenen Zugehen auf den Iran kann er nun scharfe Kante gegen den Unrechtstaat fahren und ist dabei wesentlich weniger angreifbar als Bush.

  5. Immerhin hat die Führung des Irans so der gesamten Weltöffentlichkeit ein weiteres mal demonstriert, wessen Geistes Kind sie ist, womit eine straffe Politik der USA und der Weltgemeinschaft gegen den Iran moralisch legitimiert ist.

    Eben: „ein weiteres mal“. Als ob das nicht vorher schon klar gewesen wäre. Ich wage sogar zu behaupten: Diejenigen, denen das vorher nicht klar gewesen ist, werden es ohnehin niemals so sehen. Ich lasse mir von der Zukunft aber gerne eine Lehre erteilen 😉

  6. Naja, es mag ja sein, dass der Weltöffentlichkeit dieses jetzt klarer wird, weil der Iran auch Obama den Mittelfinger zeigt. Und die Weltöffentlichkeit liebt Obama bekanntermaßen, während sie Bush hasste.

  7. […] Barack Hussein Obama – „Die USA wollen, dass die Islamische Republik Iran ihren rechtmäßigen Platz in der Gemeinschaft der Nationen einnimmt”, hat der Obamateur von sich gegeben. Der österreichische Standard schreibt dazu: „Der US-Präsident kommt damit Irans Anspruch auf internationale Geltung entgegen.“ Na ja, schön, die Terror-Mullahs erheben Ansprüche und der neue Mann im Weißen Haus gibt dem nach. Damit macht er Terror und Unterdrückung genauso salonfähig wie er Völkermord-Fantasien, Übergriffe in internationalen Gewässern und die aktive Hilfe und Belieferung von Terrororganisationen positiv sanktioniert. Der Iran darf sich mit all seinen mörderischen Ansprüchen als Sieger fühlen und führt sich entsprechend auf: Er stellt weitere Forderungen. Die kriegen den Hals nicht voll und Obama kippt wieder nach. […]

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