Israel: Propagandakrieg tobt weiter

Zwar wird zur Zeit an Israels Grenzen relativ wenig geschossen und bombardiert, doch der Propagandakrieg tobt weiter. So druckt etwa der „Standard“ eine Agenturmeldung nach, in der es heißt, ein „UNO-Bericht“ werfe den IDF vor, palästinensische Kinder als lebende Schutzschilde missbraucht zu haben (was übrigens ausdrücklicher Bestandteil der palästinensischen „Kriegsführung“ ist, Anm.). Dass dieser „UNO-Bericht“ unter der Ägide des berüchtigten Israel-Bashers, 9/11-Verschwörungstheoretikers, Terroristenfreunds und Khomeini-Unterstützers Richard Falk entstanden ist und dass sich die UNO und ihre Vorfeldorganisationen gegenüber Israel zumeist alles andere als fair verhalten, verschweigt der „Standard“ vorsorglich.

Der „Standard“ berichtet auch über einen Artikel in „Haaretz“, in dem von IDF-Soldaten die Rede ist, die sich zum Abschluss ihrer Grundausbildung geschmacklose und rassistische T-Shirt-Aufdrucke herstellen lassen (zB eine Karikatur einer bewaffneten schwangeren Burkaträgerin im Fadenkreuz mit der Unterschrift „one shot, two kills“). Das ist, falls es sich nicht eine typische Haaretz-Ente handelt, ein Fall für interne Untersuchungen der israelischen Armee und natürlich Stoff für eine Diskussion über Verrohungstendenzen bei den IDF. Dass die Antizionisten dieser Welt sich über ein paar mit widerlichen Motiven bedruckte Baumwollleiberln furchtbar aufregen und darin einen weiteren „Beweis“ für die Verkommenheit der Juden sehen werden, steht bereits fest, und natürlich wird keiner der „zutiefst Schockierten“ auch nur auf den Gedanken kommen, dass es eventuell ganz normal sein könnte, dass es unter 18/19-jährigen Kids, die Waffendienst unter realen Kriegsbedingungen und ständiger Bedrohung leisten müssen, selbstverständlich auch welche gibt, die unreif und verängstigt und großtuerisch und, ja doch, rassistisch sind. Israelis sind ganz normale Menschen mit ganz normalen menschlichen Schwächen. Eine banale Tatsache, die sich den „Friedensfreunden“, die meinen, Auschwitz sei eine Erziehungsanstalt zum Edelmut gewesen, einfach nicht erschließen mag und so deren antisemitische Ressentiments entlarvt. Und kein „Antizionist“ oder „Israelkritiker“ wird so viel Anstand haben, neben der Kritik an den menschenverachtenden T-Shirtaufdrucken auch zuzugeben, dass Israels Soldatinnen und Soldaten trotz des enormen Drucks, den ihre Feinde seit Jahrzehnten auf sie ausüben, stets eine im Rahmen des militärisch Möglichen klar humanere Kriegsführung betrieben haben als andere Armeen in vergleichbaren Situationen. Wetten?

16 Kommentare zu „Israel: Propagandakrieg tobt weiter

  1. Henryk M. Broder würde einen Typen wie Richard Falk einfach als Antisemiten bezeichnen – aber das greift natürlich viel zu kurz.

    Das Problem ist nicht der Antisemitismus, sondern der Relativismus – die Fehler unserer „westlichen Welt“ zu erkennen und aufzuzeigen ist richtig und notwendig für unsere Weiterentwicklung.

    Indem man der „westlichen Demokratie“ unterstellt selbst eine „faschistische Diktatur“ zu sein, folgt automatisch eine Relativierung echter Diktaturen und totalitärer Bewegungen.

    Das kritische Denken wird von Typen wie Falk oder Chomsky nur noch gegen die USA und Israel aufrechterhalten und in ein Übermaß gesteigert, dass 9/11 trotz der vielen fundierten Informationen über die Tat als finstere Verschwörung der US Administration gesehen wird, jedoch unfundierte Anschuldigungen gegen die IDF unreflektiert übernommen werden.

    diese Menschen sind keine Antisemiten – sie liefern jedoch Antisemiten wichtige Dienste.

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/09/25/warum-empfiehlt-uns-bin-laden-chomsky/

  2. […] dass Israels Soldatinnen und Soldaten trotz des enormen Drucks, den ihre Feinde seit Jahrzehnten auf sie ausüben, stets eine im Rahmen des militärisch Möglichen klar humanere Kriegsführung betrieben haben als andere Armeen in vergleichbaren Situationen.

    Das ist genau der Relativismus von vorgeblichen „Israelfreunden“ wie dir, der mich kotzen lässt. Natürlich sind die IDF die ganz Guten, weil die Amis im Irak und die Hamas und die Hisbollah noch schlimmer verhalten haben. Aber das ist irrelevant. Wenn du die Untaten der IDF mit den Untaten ihrer Gegner (oder auch ihrer Verbündeten) vergleichst, ist das genau die Art von Vergleich, die gewisse faschistische Kreise verwenden, um durch das Nennen der Opfer des Stalinismus die Opfer der Naziherrschaft über Europa zu relativieren. Und genau daran liegt der große argumentative Fehler, der sich durch alle deine „pro Israel“-Postings zieht: dass du Verbrechen der IDF nie isoliert betrachten kannst (oder willst), sondern immer nur relativ zu anderen Verbrechen. Denn ohne diese dauernden Vergleiche müsstest du plötzlich zugeben, dass die IDF eben doch nicht so ganz „die absolut Guten“ sind, wie du es deinen Lesern immer weismachen willst.

    Herzl würde sich im Grab umdrehen ob der Pervertierung seiner genialen Ideen…

  3. @Yitz:
    Der Vergleich mit andere Armeen ist gewiss nicht relativistisch, denn was für andere Armeen gilt und was diesen verziehen wird, muss auch für die IDF gelten. Um Vergleiche kommt man da häufig nicht herum. Allerdings fürchte ich auch, dass die (Selbst-)Bezeichnung der IDF als „moralischste Armee der Welt“ – völlig unabhängig davon, ob es stimmt oder nicht – häufig kontraproduktiv ist, da so nur noch kritischer hingeschaut wird, als dies ohnehin schon der Fall ist. Andererseits gilt auch: Besser derart hohe Ansprüche stellen, und sich auch an ihnen messen, als alles zu tolerieren. Zumal es den Kritikern Israels sowieso egal sein dürfte.

  4. Der Vergleich mit andere Armeen ist gewiss nicht relativistisch, denn was für andere Armeen gilt und was diesen verziehen wird, muss auch für die IDF gelten.

    Wer verzeiht welcher Armee was? Kriegs- und artverwandte Verbrechen sind nicht zu verzeihen, generell nicht, egal von wem sie gegen wen sie unter welchen Umständen verübt werden.

    Um Vergleiche kommt man da häufig nicht herum.

    Es gibt lediglich einen validen Vergleich, und zwar den mit den einschlägigen internationalen Rechtsnormen. Außer natürlich, man will die Verbrechen der jeweils favorisierten Kriegspartei (im Falle von Lindwurm wäre das wohl die IDF) relativieren.

  5. die deutsche Wehrmacht hat im zweiten Weltkrieg besonders arg gewütet und sich vieler Verbrechen schuldig gemacht. Das haben andere Armeen aber natürlich auch. das Verdammenswerte am Nationalsozialismus war nicht der Krieg, auch wenn dieser das meiste Leid über die Menschen gebracht hat, sondern dass es sich um ein Unrechts-Regime gehandelt hat, das Menschen ihre Grundrechte verwehrt hat.

    Das Unrecht des Nazi-Regimes auf die Verfehlungen bei der Kriegsführung reduzieren zu wollen, ist typisch für Relativisten.

    Entscheidend sind nicht die Verfehlungen einzelner israelischer Soldaten, sondern wofür diese Soldaten eingesetzt werden – im Falle Israels wohl kaum dafür, um Araber auszurotten – auch wenn das von Relativisten anders gesehen wird

  6. Wer verzeiht welcher Armee was? Kriegs- und artverwandte Verbrechen sind nicht zu verzeihen, generell nicht, egal von wem sie gegen wen sie unter welchen Umständen verübt werden.

    Da habe ich wohl missverständlich formuliert: Natürlich werden und sollen schwere Vergehen nicht verziehen werden. Allerdings muss man sich bewusst darüber sein, dass in jeder Armee Verbrechen geschehen, und dass diese, sofern sie von Einzeltätern und nicht systematisch begangen werden, nicht dazu führen sollten, dass eine gesamte Armee gebrandmarkt wird. Oder anders: Es ist nach bisherigem Wissen und entgegen der Berichterstattung im deutschsprachigen Raum eben nicht davon auszugehen, dass „die israelische Armee“ Kriegsverbrechen begangen hat.

    Es gibt lediglich einen validen Vergleich, und zwar den mit den einschlägigen internationalen Rechtsnormen. Außer natürlich, man will die Verbrechen der jeweils favorisierten Kriegspartei (im Falle von Lindwurm wäre das wohl die IDF) relativieren.

    Theoretisch ja. Praktisch werden diese Rechtsnormen, die ja auch keineswegs von allen Ländern akzeptiert geschweige denn in die Tat umgesetzt werden, leider nicht in jedem Fall gleich angewendet. Das jetzt über die Moralität der IDF nachgedacht wird, ist nicht zuletzt ein Zeichen der Stärke der israelischen Demokratie.

  7. Es ist nach bisherigem Wissen und entgegen der Berichterstattung im deutschsprachigen Raum eben nicht davon auszugehen, dass “die israelische Armee” Kriegsverbrechen begangen hat.

    Ach, der Einsatz von weißem Phosphor war also nur die Tat einzelner Irrer und die IDF hat nichts damit zu tun? Schon gut, bei einer so offensichtlichen Verblendung ist dir nicht mehr zu helfen.

  8. Jerusalem Post von gestern:

    The IDF said Wednesday that it is investigating reports that ammunition containing elements of phosphorus were used during Operation Cast Lead in the Gaza Strip, in response to a Human Rights Watch report alleging such use. […]
    The rights group’s report claimed safer smoke shells were available, and that civilians suffered and died needlessly. The IDF, however, specified that smoke shells are „not an incendiary weapon,“ citing the third protocol of the Convention on Certain Conventional Weapons.

    The IDF statement said that the investigation was close to its conclusion, and that its results would be publicized shortly.

    (http://www.jpost.com/servlet/Satellite?pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull&cid=1237727540209)

  9. The rights group’s report claimed safer smoke shells were available, and that civilians suffered and died needlessly. The IDF, however, specified that smoke shells are “not an incendiary weapon,” citing the third protocol of the Convention on Certain Conventional Weapons.

    soll ich etwa die Bilderserie des Phosphor-Bombardements des Krankenhaus-Hofs voller Zivilisten verlinken, wo dann auch ein Krankenwagen zu brennen beginnt? Natürlich interpretiert die IDF die einschlägigen Konventionen so, dass sie sich nichts zu Schulde kommen lassen, moralischste Armee der Welt und so.

  10. Natürlich interpretiert die IDF die einschlägigen Konventionen so, dass sie sich nichts zu Schulde kommen lassen, moralischste Armee der Welt und so.

    Dass die IDF keine neutrale Quelle ist, liegt auf der Hand. Anderseits gilt das für die Quellen, die Israel belasten in vielen Fällen auch nicht. Ich wollte mit meinem Link auch nicht aussagen, dass es auf keinen Fall Verbrechen der IDF gegeben hat, sondern eher, dass die Sachlage eben doch nicht so eindeutig ist, wie du behauptest…

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