Es gibt keine Antifa, Teil II

Auch wenn es meine Leser langweilen sollte, wiederhole ich: Es gibt in Österreich und Deutschland keinen Antfaschismus, der diesen Namen verdient. Es gibt einzelne Organisationen und Personen, die mit viel Engagement wichtige antifaschistische Arbeit leisten, das ist wahr, aber die so genannte „Antifa“ gehört da nicht dazu. Schon der Faschismusbegriff der verschiedenen Antifagruppen ist so schwammig, dass darunter, je nach persönlicher Vorliebe, Fleischessen ebenso subsumiert wird wie Mopedfahren und Hausarrest. Die „Antifa“, das sind vornehmliche junge Leutchen aus wohl behüteten Elternhäusern, die ganz doll gegen Nazis sind, aber nichts dabei finden, mit Klerikalfaschisten zu paktieren und jenen Bewegungen und Staaten ihre Solidarität aufzudrängen, die gerne das Hauptziel der Nazis, nämlich die Judenvernichtung, vollenden würden. Die „Antifa“, das sind Menschen, die mit Fackelmärschen und „Lichtermeeren“ die Symbolik der Nazis übernehmen und meinen, mindestens so tapfer wie die Partisanen aus dem Zweiten Weltkrieg zu sein, wenn es ihnen gelingt, ein paar Rechtspolitiker, die noch nicht einmal richtige Nazis sind, aus zB Köln zu vertreiben. Aber wenn im österreichischen Parlament Altnazis Vorträge halten, wenn Nazis in österreichische und deutsche Parlamente einziehen, wenn sich in Ungarn, Italien und Tschechien große faschistische Parteien formieren, wenn Asylbewerber in „Sonderanstalten“ gesteckt werden, wenn Israel unter Raketenfeuer liegt, dann schweigt sie still, die „Antifa“. Man muss einmal den Tatsachen ins Auge blicken: In Österreich und Deutschland gibt es keinen echten Antifaschismus. Dieser musste mit Waffengewalt importiert werden und ist im politischen Verständnis dieser Länder einfach nicht selbsttragend vorhanden. Daher braucht sich in Österreich und Deutschland auch kein alter oder neuer Nazi zu fürchten, und wenn sich Nazis nicht fürchten, bedeutet das: Es gibt keinen Antifaschismus, der etwas bewirken will oder kann.

7 Gedanken zu “Es gibt keine Antifa, Teil II

  1. wenn es ihnen gelingt, ein paar Rechtspolitiker, die noch nicht einmal richtige Nazis sind, aus zB Köln zu vertreiben.

    Die Verharmlosung von Pro Köln und dem islamophoben Pack inkl. PI in seinem Schlepptau ist ein neuerlicher Tiefpunkt in diesem Blog. Ich erinnere nur daran, dass genau die österreichischen Neofaschisten, deren offenes Auftreten du kritisierst, mit diesen Leuten paktieren, bzw. in Köln sich „an vordester Front“ aufgetreten sind, z.B. Harald Vilimsky.

  2. Achja, wie schon von anderen Leuten kritisiert wurde, du vermengst Antifaschismus und die „Antiimps“-Strömung innerhalb des Antifaschismus. Es gibt auch die „antideutsche“ Strömung innerhalb des Antifaschismus im deutschsprachigen Raum, die haben auch Israel ganz doll lieb, und das müsste doch in deinem Sinne sein, oder? Warum also diese undifferenzierte Kritik?

  3. zu PI/Pro Köln:

    der lindwurm hat zu PI ein sehr eindeutiges Verhältnis – ich persönlich sah (und teilweise sehe) das differenzierter, habe aber seinen Rat befolgt, PI aus meiner blogroll zu entfernen.

    und der lindwurm hatte insgesamt recht:

    Viel zu oft wird berechtigte Kritik am Islamismus mit (zwar manchmal auch berechtigter) Kritik an Migrantenkriminalität auf unberechtigte Weise zusammengemischt. Der Kommentarbereich ist Tummelplatz für Ausländerhasser.

    Die Kritik am Kölner Moschee-Projekt hatte jedoch nicht nur rechtsradikale Unterstützer – die Demonstration wurde nicht auf Grund der Teilnahme rechtsextremer verfassungsfeindlicher Gruppen verhindert, sondern auf Grund befürchteter Gewalt linksextremer Gegendemonstranten – und war daher bestimmt kein Sieg für Demokratie und Grundrechte (im Rahmen der Verfassung muss das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit allen zustehen)

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2008/09/21/sieg-der-gewaltbereiten-zivilgesellschaft/

    zu den „Antideutschen“:

    ohne jemals Kontakt zu diesen Gruppen gehabt zu haben, decken sich meine Ansichten in vielen Dingen mit deren Meinungen – hervorgegangen sind diese aus den „Antinationalen“.

    Ich halte aber weder „antinational“ noch „antideutsch“ für intelligente Bezeichnungen.

    Ich bin für den demokratischen Verfassungsstaat, der die Grundrechte garantiert – zur Zeit funktioniert das am besten in „Nationalstaaten“ – wenn es in Zukunft einmal einen Weltstaat geben wird, der dasselbe schafft: um so besser.

    der Nationalsozialismus ist Teil der deutschen Geschichte – den Ausdruck „Antideutsche“ finde ich aber ähnlich idiotisch wie „Antizionist“, „Antiamerikaner“, „Antifranzose“oder „Antiiraner“

    wie kann man sich als „Antirassist“ (der einzige Anti-ismus zu dem ich ohne Abstriche stehe) nur selbst so nennen?

    „Antirassist“ reicht mir völlig – ich brauche keine Nationen abzulehnen (auch nicht meine eigene) und als Anhänger des demokratischen Verfassungsstaats ist es ohnehin klar, dass ich alle anderen Ideologien (wie den Faschismus) ablehne…

  4. @ aron2201sperber: Exzellenter Beitrag – vielen Dank!

    @ Lindwurm: Schön, dass du wieder schreibst. Ich hoffe, es geht dir mittlerweile besser.

  5. Ich kann die Kritik des Lindwurms diesmal nicht ganz teilen. Zwar ist seien Alayse der ‚Antifa‘-Szene in Teilen treffend, allerdings gibt es auch rühmliche Ausnahmen, so die mir gut bekannte Antifa in Bonn bei Köln (BRD). In den frühen 90ern, als Skinhead-Gruppen versuchten, eine gewisse Macht auf den Straßen der Stadt zu erlangen stellte sich die Antifa dem konsequent entgegen, was dazu führte, daß es in Bonn kaum rechtsextremistische Übergriffe gegen Ausländer, Juden, Homosexuelle, Behinderte etc. zu verzeichnen gibt und die NPD keine Bedeutung hat. Zwar ging dies nicht völlig gewaltlos ab, allerdings halte ich hier Gewalt im Rahmen der Gegenwehr durchaus für gerechtfertigt. Mir ist es schon lieber, daß der Skinhead oder der Nazi-Funktionär gebrochene Nasen haben, als daß das Schwulen-und-Lesben-Centrum, eine jüdische Einrichtung, der Dönerladen oder Bureaus alternativer Bewegungen in Flammen stehen. Auch dürfte der Lindwurm zumindest mit Teilen der Inhalten der Homepage der Bonner Antifa einverstanden sein:

    http://neveragain.antifa.net/

    Daß es in der Antifa-Bewegung auch dubiose Strömungen gibt, so wie der Lindwurm anprangert möchte ich nicht bezweifeln. Aber es gibt auch Antifaschisten, die es im besten Sinne ernst meinen, wenn vielelicht auch nur vereinzelt.

    Ansonsten gute Genesungswünsche an das Klagenfurter Urgestein.

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