Straches Appeal

Der österreichische FPÖ-Anführer Heinz-Christian Strache ist bei Östereichs Jugendlichen der mit Abstand beliebteste Politiker. Bei männlichen Wählern unter 30 ist die FPÖ die stärkste Partei, aber auch junge Frauen und eingebürgerte Zuwanderer sind dem Charme des Pulloverprolls verfallen. Nur zur Erinnerung: FPÖ und Strache, das heißt Burschenschafter und Bier, Nazigreise und der Muff von tausend Jahren, Rassismus, verhetzende Islamfeindlichkeit, Antisemitismus, arroganter rechter Landadel in Steieranzügen, Biergestank, „Wehrsportertüchtigung“, Hass und Neid, Pfui und Gack. Die Jugend mag Strache aber großteils nicht wegen dieser Unerträglichkeiten, sondern weil sie ihn im Vergleich zu anderen Politikern schlicht „cool“ findet. Der knapp 40-Jährige hat einen besseren Draht zu den 16-Jährigen, denen in unendlicher Weisheit das Wahlrecht verliehen worden ist, als viele seiner Konkurrenten, was daran liegt, dass einem die Äuglein zufallen wollen, wenn man diese visionslosen Bürokraten im Fernsehen sieht und ihre leeren Sprüche hört, ihr hilfloses Stammeln, und wenn schon bei mir dieser Effekt auftritt, dann bei einem Jugendlichen, dem Politik völig egal ist, erst recht. Strache macht wenigstens Radau und Skandal und tut so, als wäre er ein Teenager, das kommt wohl an, das zieht. SPÖ und Grüne und ÖVP dagegen, das sind Menschen ohne Antworten, Politiker ohne Mut und Antrieb zur Veränderung. Aber bis es sich zB zur Löwelstraße herumgesprochen haben wird, dass Politik machen nicht bedeutet, bloßer Systemverwalter zu sein, und dass Politiker durchaus das Recht haben, mal was  Schönes für die Menschen zu fordern, in klaren verständlichen Worten, damit das auch der 16-jährige Flatratetrinker versteht, und dieses Schöne dann auch durchzusetzen, auch gegen den Willen von Lobbygruppen, wird wohl die Donau zufrieren.

Mal so in die Runde gefragt: welch armselige Jugend wächst uns da heran? Das geht doch alles nicht! Die Straches und die Grafs und Mölzers cool finden? Den Pullover-wie-ein-braves-Burli-um-die-Schultern-wickeln-Strache kann man doch nicht cool finden, wenn man sich noch nicht völlig blödgetrunken und dummgextct hat, oder? Brr, düstere Visionen kommen hoch, von  16 bis 25-Jährigen, die auf der Suche nach Liquid Extasy die Autozubehörmärkte duchstreifen, dann vom Strache auf ein Bier eingeladen werden und sich den Rest ihres oft kurzen Lebes nur mehr an diese eine Begegnung als Höhepunkt ihrer Existenz erinnern…

Werbeanzeigen

9 Gedanken zu “Straches Appeal

  1. 🙂 Gut beschrieben,die Situation. Als ich heute die Zeitung durchblätterte,fiel mir auch auf,das jetzt Leute wie Mölzer,Strache und Stadler immer mehr das Ruder an sich reissen und das Alles einfach schweigend geduldet wird. Ich meine, c´mon-das sind die Leute die früher gemeinhin als Brechmittel galten! Leider ist die Politik der „Großparteien“ wie Du richtig sagst visionslos und abgehoben geworden, die Jugend ist einfach gestrickt und hebt den,der „das Maul gegen die da Oben“aufmacht auf den thron. Ich bin mir fast sicher, daß, wenn nicht der Nächste,dann der übernächste Bundeskanzler HC Strache heissen wird.

  2. Die Jugend hat mehr auf dem Kasten, als die meisten Gruftis sich vorstellen können.
    Das sieht man schon daran, das bei Juso-Demonstrationen alle die in den ersten beiden Reihen marschieren mindestens graue Haare und tiefe Falten um die Augen haben.
    Es ist doch so, „diese Jugend“ bekommt die ganzen Probleme der „multikulturellen Bereicherung“ von denen wir schwadronieren in den Klassenzimmern am eigenen Leib zu spüren.
    Solange sich die Altparteien dieser Probleme nicht annehmen, wird der Zulauf für Strache & Co weitergehen.
    Und, wie ich finde, zu Recht. Die Alten werden erst handeln wenn sie eins vor dem Latz geknallt bekommen, das heißt wenn sie nicht mehr in ihren fetten Ärschen in den Ämtern und Pfründen sitzen.

  3. Ich seh das auch eher so wie Pierre Sanft. Dass man einem Haider wegen seiner „Persönlichkeit“ auf den Leim gehen konnte lass ich mir noch einreden. Aber dass man an Strache oder „StraCHE“ irgendwas „cool“ finden kann, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Und vom BZÖ reden wir gar nicht erst: das ist die Partei zum mitschämen.

    Und der Artikel Projekt 25 auf Achgut beschreibt glaub auch die Situation der österreichischen „Großparteien“ recht gut.

  4. Die Burschenschaften konnten immer schon besser die Jugendlichen anheuern als die sozialistische und die katholische Jugend zusammen. Die FPÖ kann leider am besten auf die Spunde zugehen. Komisch dass das erst jetzt auffällt da Jugendliche das Wahlrecht haben.

  5. man muss sich trotzdem keine sorgen machen, weil die „jungen“ (1) nicht so zahlreich sind UND (2) in der regel nicht zur wahl gehen.

    bis sich das im gesamtergebnis auswirkt, haben wir schon die nächste generation.

  6. Ein brillanter, glasklarer Kommentar grosses Kompliment fuer den Klartext ohne Schnoerkel !
    Leider kommt mir beim Lesen die Ganslhaut….

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s