Die Nazis sind wieder da

Gibt es eigentlich tatsächlich Menschen, die sich darüber wundern, dass die FPÖ im EU-Wahlkampf gegen israel hetzt, dass der FPÖler und Dritte Nationalratspräsident Martin Graf den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde übelst verleumdet, dass Mitglieder des Rings Freiheitlicher Jugend öffentlich den Hitlergruß zeigen, dass die FPÖ einen Comic an Jugendliche verteilt, in dem ganz in der Tradition des „Stürmer“ die Europäische Union als fettes, koksendes Schwein personifiziert wird? Mich wundert das alles nicht. Die FPÖ war und ist die Nachfolgeorganisation der NSDAP, gegründet von Figuren wie dem mehrfach wegen Wiederbetätigung vorbestraften Herbert Schweiger, dem unbelehrbaren Otto Scrinzi („ich war schon immer rechts, auch innerhalb der NSDAP“) und ähnlich schrecklichen Leuten. Die Parteijugend wird von Rassisten wie Lutz Weinzinger auf Linie gebracht („Jede blonde, blauäugige Frau, die Deutsch als Muttersprache hat, braucht drei Kinder – sonst holen uns die Türkinnen ein.“) und am 20. April schmeißen die blau getünchten Herrschaften Lokalrunden in den Wirtshäusern. Das sind keine Geheimnisse, das kann jeder wissen, und das konnten auch ÖVP und SPÖ wissen, als sie Martin Graf zu einem der höchsten Ämter der Republik verhalfen und den Gesichtsverstümmelten mit der abblätternden blauen Lackierung sozusagen den goldenen Schlüssel zum Zentrum des demokratischen Rechtsstaates überreichten.

Die Situation ist gefährlich. Die Braunen arbeiten systematisch an der Relegitimierung des Nationalsozialismus. Ihr Hauptprojekt ist dabei natürlich, die Vebrechen des NS zu leugnen, und zwar immer wieder und immer öfter, in der Hoffnung, dass der Hauptmakel ihrer Ideolgie, nämlich die unsagbaren Unmenschlichkeiten, von einer wachsenden Zahl der Leute vergessen oder, wie es noch mehr im Sinne der neuen Nazis wäre, gar in Abrede gestellt werden. In Kärnten, das in vielerlei Hinsicht als Modellland für die braune Restauration gelten muss, hat das bereits funktioniert. Die seit Jahrzehnten von Personen wie Scrinzi verbreitete Propaganda über die „Gräueltaten“ der antinazistischen Widerstandskämpfer gilt hierzulande als Wahrheit, und es ist bereits so weit, dass die 125 von Partisanen aus Rache liquidierten Kärntner Nazis im Bewusstsein der Bevölkerung als beklagenswertere Opfergruppe gelten als die Hunderttausenden, die von der Wehrmacht, der SS und deren Kollaborateuren am Balkan  ermordet wurden. Die Täter-Opfer-Umkehrung war ein voller Erfolg im Sinne der wahren Täter und wird mittlerweile sogar von einigen Proponenten der bürgerlichen Intelligenz mitgetragen, die die Opfer der Nazis und jene der Tito-Einheiten verbal in ein gemeinsames Massengrab werfen. Ähnlich operieren ja auch die diversen Vertriebenenverbände in Deutschland, die unermüdlich die Leiden ihrer Vorfahren besingen, ohne aber die schuldhafte Ursache für das, was diesen Vorfahren angetan wurde, jemals zu benennen. So hat sich in weiten Teilen der Bevölkerung bereits diese windschiefe und halb blinde Geschichtsauffassung breit gemacht, wonach die vertriebenen und hingerichteten Deutschen unschuldige Opfer eines blutgierigen Kommunismus geworden seien. Die von diesen „Opfern“ begangenen Verbrechen und ihr begeistertes Mitläufertum mit Verbrechern wird weggeblendet. Auf diesem Gebiet haben die Nazis ihr Ziel der Reinwaschung und Geschichtsumschreibung also schon fast erreicht, und es ist bloß eine Frage der Zeit, bis ähnliches mit der Shoah und der Mordmaschine, die sich gegen Behinderte, Schwule, Kriegsgefangene und politische Gegner richtete, geschieht. Vor unseren Augen arbeiten die FPÖ und Neonazis daran, und manch irrlichternder Liberale lässt sich auch noch dazu hinreißen, Forderungen nach zB der Abschaffung des Wiederbetätigungsverbots oder der Strafwürdigkeit der Holocaustleugnung zu unterstützen. Dabei wird übersehen, dass wir es nicht mit ein paar spinnerten alten Zauseln zu tun haben, sondern mit einem organisierten Versuch von ganz rechts, die politischen Verhältnisse grundlegend zu ändern. Die Nazis sind wieder da, und nicht nur in Österreich, sondern in ganz Mitteleuropa, und sie haben einen Plan. Wer wegschaut, verharmlost oder relativiert, arbeitet ihnen in die Hände. Der Antifaschismus, genauer, der Antinazismus steht vor seiner größten Herausforderung seit 1945, und er macht keine allzu gute Figur.

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7 Gedanken zu “Die Nazis sind wieder da

  1. deine Ausführungen sind wie immer sehr zutreffend – auch wenn ich mich von deiner Kritik der „irrlichtenden Liberalen“ angesprochen fühle:

    http://aron2201sperber.wordpress.com/2009/04/20/solidaritat-mit-toten-juden/

    Alle Holocaust-Leugner waren Nazis (Honsik,…)

    die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung war ein geeignetes Mittel, um Nazis hinter Gitter (wo sie hingehören) zu bringen (Allerdings sind jetzt nur noch sehr wenige Nazis so blöd, den Holocaust offen zu leugnen)

    Auf der anderen Seite ist die Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung ein willkommenes Nazi-Argument, sich selbst als unterdrückte Gruppe darzustellen, für die das Recht auf freie Meinungsäußerung nicht gilt.

    Auch wenn du Recht hast und ich es falsch sehe, reicht die „Strafbarkeit der Holocaust-Leugnung“ auf jeden Fall nicht aus, um das Wiedererstarken der NS Ideologie zu stoppen.

    Glaube es braucht eine enorme gesellschaftliche Anstrengung, sich der von dir treffend beschriebenen „rechtsextremen“ Gefahr entgegenzustellen.

    Ich habe mir sogar überlegt, selbst der SPÖ beizutreten und auch Freunde zu überreden, um auch politisch aktiv was tun zu können (obwohl mir die Vereinsmeierei widerstrebt)

  2. Ich möchte mich da jetzt aron anschließen, das einfach nur schlecht finden, hilft nix. Man muss politisch aktiv werden, und das geht am besten bei einer Partei (in Frage kämen wenn es um antifaschistisches Engagement geht wohl SPÖ, Grüne, vllt. KPÖ, das LiF gibts ja nicht mehr wirklich und seine Reste sind am Selbstfindungstrip), oder?

  3. du schreibst, dass die braunen strategisch an einem revival des nationalsozialismus basteln. ich sehe darin teilweise ansätze eines verschwörungstheoretischen erklärungsversuchs, der die gründe für die „bewegung“ nach rechts verschleiert. die ideologische mitte ist meiner meinung nach latent bereit für den faschismus, dieser ist momentan anhand des immer offensichtlicher werdenden scheiterns der vermittlungsversuche sozialdemokratischer politik zwischen kapital und sozial, wieder bereit ihre verkürzte kapitalismuskritik nach dem muster „gutes“ und „schlechtes“ bzw in aus dem nationalsozialismus bereits bekanntes „schaffendes“ und „raffendes“ kapital“ zu verlautbaren, und verkennt den dem kapitalismus inhärenten widerspruch, dessen aufhebung rechts und links innerhalb des politischen spektrums bislang nur in form autokratischer systeme erreicht wurde. es geht also meiner meinung nach nicht nur um ein „einfangen“ von rechts mittels populistischen aussagen und charismatischen führerfiguren, sondern um eine neupositionierung der mitte von sich aus während einer extremen krise innerhalb eines krisen produzierenden systems. die erkenntnis des totalen scheiterns der kapitalistischen ideologie bzw ihrer heilsversprechen für viele teilnehmerInnen der gesellschaft ist bereits im mainstream angekommen, und hat mangels der existenz von alternativen und erfolgreicher denunzierung linker systemanalysen, zur folge, dass eine erstarrung des chaotischen systems gesellschaft, bzw destruktivität anstatt kreativität als einzige alternative in betracht gezogen wird

  4. Lange nicht so einen Postkommunistischen Irrsinn gelesen. Für euch sind alle nicht Kommunisten Faschisten so einfach ist das. Der neue Faschismus wird sagen er wäre der Antifaschismus.
    Und falls nicht ist mir das auch egal!

  5. Das ist nicht alles. Die deutschen haben einen neuen Propaganda Mythos alla Ohm Krüger aufgebaut und solidarisieren, wie 44 in Straßbourg vorhergesehen wieder den Faschismus in ganz Europa. Die alten national sozialistischen Wirtschafts Strukturen sind gleich geblieben. 1920 war fast ganz Europa Diktatur und Faschismus, siehe Wikipedia. Mit einer zentralistischen Wirtschaftsmacht Deutschland, kann Europa logischerweise nichts anderes als faschistoide Tendenzen herauszubilden. Zudem konzentrieren sich in Deutschland Migranten, die man der faschistischen Szene zu rechnen kann. Also was kloppen die sich, sind doch fast alles Adolf Bewunderer, was ich in ca. 1000 Interviews ermittlete. Der Anteil der Menschen in Europa mit solchen Tendenzen hat sich also tatsächlich nicht geändert. Er liegt nach meinen Schätzungen bei ca. 40 Prozent, nach Listen über Ungarn, Bulgarien, Frankreich, Italien, Spanien, Rußland, u.s.w. Ja selbst in Indien bewundert man Hitler, auch in Pakistan oder im gesamten Asiatischen Raum. Nur in England, Norwegen, Finnland und einigen anderen Ländern war dei Demokratie vorherschend, laut Karte, daher denke ich, ist der Grundcharackter der faschsitischen Menschen in Europa fast genauso wie zur Zeit des dritten Reichs. Deutschland vergiftet langsam ganz Europa. Mit Lächeln in den Augen und sanftmütig, friedlich und geordnet, arbeiten sie alles in Grund und Boden und die Vorhersage von Abs. und Co. erfüllt sich, das Ruhrgebiet bricht die Schwachen, Aufruhr baut sich auf, das Millitär schlägt ihn nieder. Während in Deutschland alles ziemlich gut läuft, bootet sich der Faschismus in Resteuropa, wie geplant.

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