Fuck CSI!

Das Fernsehen und das Kino machen Politik. Das weiß man seit Sergei Michailowitsch Eisenstein, seit Leni Riefenstahl, und natürlich muss man blind, taub und blöd sein, in etlichen Hollywoodproduktionen nicht eine Lobpreisung des American Way of Life zu erkennen, was man übrigens nicht reflexartig als böse Indoktrination verdammen muss, denn üblicherweise verbreitet das amerikanische Mainstreamkino Wertvorstellungen wie , „auch du kannst es schaffen“, „die Familie ist wichtig“, „Böse müssen bestraft werden“ und „Toleranz ist besser als Intoleranz“. Das sind nicht die schlechtesten Variationen von Moral. Dass es immer wieder auch ganz üble Kriegsverherrlichungsschinken wie „Top Gun“ gibt, ist wahr, aber wer dumm genug ist, sich nach dem Gucken dieses Drecks bei der Armee zu melden, der hat den Heldentod auch redlich verdient (und bevor DAS jetzt wieder losgeht: Nein, ich halte NICHT alle US-Soldaten und -Soldatinnen für doof). Kurz: Im Gegensatz zu manch anderen „Linksliberalen“ habe ich nichts gegen Hollywood einzuwenden. Außer, dass manche Filme halt einfach nur Mist sind, schlecht gemacht und peinlich, aber ideologisch ist mir Hollywood reichlich egal.

Anders verhält es sich mit der Fernsehserie „CSI Miami“ und ihren vielen Klonen. DAS ist Ideologieproduktion und Verbreitung reaktionärer Vorstellungen der übelsten Sorte. Horacio Caine und Konsorten sind nicht so sehr Polizisten, sie sind Vollstrecker eines Überwachungsstaates, vor denen und dem es in den Serien kein Entrinnen geben darf. Dabei sind Caine und seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dermaßen gut gekleidet, dass allein dies schon die Frage aufwirft, wer diese Bullenbande denn besticht. Aber halt, hier wird natürlich niemand bestochen, vielmehr ist der strikte Dresscode Teil der Botschaft, die CSI unters Volk bringen will: Gute Bürger sind auch „gut“ gekleidet, und wenn sie dazu drei Jobs haben müssen, um dem aktuellen Modetrend nicht hinerherzuhinken. Wer nicht so aussieht, wie Caine und sein Team, der ist verdächtig, der ist nicht angepasst, und wer nicht angepasst ist, so lehrt die Serie, der ist zumindest verachtenswert, meist aber ein Verbrecher. Anpassung fordert CSI nicht nur in Sachen Kleidung, bis ins Sexuelle geht der Druck zur Konformität. Regelmäßig tauchen in den CSI-Folgen Mitglieder sexueller Minderheiten als Triebmörder auf. Schwul sein ist zwar in der CSI-Welt bereits tolerabel, doch man findet stets sexuelle Deviationen, auf die man in kriminalisierender Absicht mit dem Finger zeigt. Vor allem Sadomasochisten und Fetischisten aller Art, also Vertreter von sexuellen Minderheiten, die noch nicht in das Unbedenklichkeits- und Zutodeumarmungsraster der eigenartigen reaktionären Koalition aus konservativen Neobiedermeiern und dem beschränkten und pseudprogressiven Teil der feministisch-veganen-sexualfeindlichen Berufsgutmenschen, die man vor allem in der Politik und im Berufsstand der Lehrer antrifft, fallen, müssen damit rechnen, von einem angewiderten Horacio Caine bestenfalls mit einem den ganzen verklemmten Abscheu des spießigen Kleinbürgers ausdrückenden Spruch verhöhnt zu werden, in der Regel aber als Böslinge und Vergewaltiger und Mörder herhalten zu müssen, bei deren Verhaftung die Verkörperung des triumphierenden Kollektivs der „Normalen“, und nichts anders ist Caine, nichts anderes sind seine Klone, hämisch grinsend von „Todeszelle“ und „Lebenslang ohne Bewährung“ sprechen darf. Dazu kommt noch, das die CSI-Serien und ihre Abklatsche auch Werbefilme für den Aufbau des totalen Überwachungsstaates sind. Wem schon “BILD“ und „Kronen Zeitung“ täglich furchtbare Angst vor bösen Balkanverbrechern einjagen, der kriegt nach der Vorführung modernster, wenn auch noch fiktiver Kriminaltechnik ebenso feuchte Träume wie alle Innenminster dieser Welt. CSI fördert gleichermaßen die Bereitschaft zur Intoleranz gegenüber Minderheiten wie die Bereitschaft zur Unterwerfung unter den Großen Bruder, der uns in der jovialen, aber doch dominanten Maske des Horacio Caine dazu auffordert, vor dem Staat die Hosen fallen zu lassen, schließlich geht es nur gegen die „Bösen“, die „Guten“ brauchen sich vor Totalüberwachung und rottweilerähnlichen Polizisten nicht zu fürchten. Blöd nur, dass man rascher zu den „Bösen“ gehört, als man es für möglich halten würde…

18 Kommentare zu „Fuck CSI!

  1. CSI packe ich sowieso nicht…hab das mal 5 Minuten geschaut…so wie Du sagst…alle so wie aus dem Ei gepellt, geleckt und vom Ausschaun her Models. Wenn ich mich da bei unserer Polizei so umschaue kommt Kottan im Realismus auf jeden Fall näher hin als der CSI-Scheiss. 😉
    Gruß+Kuss
    Julius

  2. Lieber Lindwurm,
    genial auf den Punkt gebracht! Und so schöne Wortschöpfungen waren wieder dabei („feministisch-veganen-sexualfeindlichen Berufsgutmenschen“).

    Witzig ist der Kontrast von CSI zu den True-Crime-Dokus, die ein ganz anderes Bild vom Leben als Spurenermittler zeichnen. Da stehen dann mäßig hübsche Durchschnittsmenschen in schnuddeligen Kitteln in Labors rum die Anfang der 80er mal neu waren und erzählen, dass ein DNS-Test schweineteuer ist und daher nur in speziellen Fällen genehmigt wird. Abgesehen davon dauert es Monate, bis die Proben analysiert und die Ergebnisse da sind.

  3. „… doch man findet stets sexuelle Deviationen, auf die man in kriminalisierender Absicht mit dem Finger zeigt. Vor allem Sadomasochisten und Fetischisten aller Art …“

    Nun, da hat wohl jemand den langen Bogen zwischen Grissom und Lady Heather aus CSI: Las Vegas übersehen: http://en.wikipedia.org/wiki/Lady_Heather

    Lustig auch, dass du Top Gun erwähnst. Ich dachte, du wärst Cineastisch ganz gut informiert. Ich komme dennoch nicht umhin, dir mal diesen Wiki-Link zum kurzen Überfliegen vorzusetzen: http://en.wikipedia.org/wiki/Jerry_Bruckheimer

  4. @Zashimi:Wo ist der Fehler in Linwurm´s Bericht,wenn er Top Gun zitiert? Es geht ja nur darum, daß es ein intelligenzbeleidigender, hurrapatriotischer Film der Reagan Aera war(so wie z.B.auch Rambo 2)-was hat das mit Jerry Bruckheimer zu tun? Bitte lass uns teilhaben an Deiner Gedankenwelt…

    Tingler

  5. Hä? Befreit von zusammenhängendem Denken?

    Wie wärs denn damit, dass so ziemlich alle Kritikpunkte, die hier genannt wurden, nicht nur auf CSI sondern auf fast das gesamte Lebenswerk von Bruckheimer zutrifft?

    Und über die Fetisch-Komponente lässt sich jetzt beliebig diskutieren. Meiner Erfahrung nach werden von CSI (insbes. LA und NY) gerne alle möglichen Fetische vorgestellt, meist reisserisch und oberflächlich, trotzdem aber eher als Episodenthema und Hintergrund zur jeweiligen Geschichte.

    Dass diese Fetische an sich dadurch „verurteilt“ werden, sehe ich nicht. Für mich ist es das Äquivalent zur Talkshow, in die die größten Hornochsen und -innen eingeladen werden, um den Zuschauerinnen und Zuschauern zu vermitteln, dass sie „eh voll normal“ sind.

    Und es lassen sich eben doch Beispiele für eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Fetischen finden, wie sie eben über den Storybogen mit Lady Heather und der BDSM-Szene passiert. Ich bin fast versucht zu sagen, dass die Darstellung hier sogar positiv ausgefallen ist.

    Kann natürlich sein, dass das bei Miami ganz anders ausgefallen ist. Dazu kann ich nur sagen, dass das Konzept CSI eben in drei Geschmacksrichtungen geteilt wurde; Wenn man so will, schwarz/blau, orange und graublau, jeweils erkennbar als dominierende Farbe im Filter. Und Miami/orange ist eben ein Hochglanzprospekt für diesen Lifestyle, der eine Mischung aus Bad Boys, Miami Vice, Fast & Fourious und ähnlichen Hollywood-Coolness-W*chsvorlagen darstellen soll. Und das ist auch kein Geheimnis, dessen Enthüllung eines ellenlangen „Fuck CSI“ gebraucht hätte.

    Aber Hauptsache 5 Minuten CSI gesehen haben, kurz – wirklich ganz kurz über die Artikel geflogen und keine Schlüsse gezogen. Viel Spaß in „meiner Gedankenwelt“.

  6. Nachtrag: In den Talkshows soll vermittelt werden, dass die Zuschauer „normal“ sind (der Satz war mehrdeutig).

  7. Ein Kumpel hat mir erst neulich erzählt, dass CSI in den USA mittlerweile zu dem Problem führt, dass den Geschworenen in Gerichten vor Prozessbeginn erklärt werden muss, dass die Darstellung von Beweismittelbeschaffung (das Spektrum geht von Interpolation von verpixelten Bildern über automatische Zuordnung von Gewebe-/Wasser-/Erdproben zu spezifischen Produkten/geographischen Regionen bis zu blitzschnellen DNA-Tests inklusive automatischem Personenmatching) in CSI entweder nicht der Realität bzw. dem physikalisch oder technisch machbaren entsprechen oder (wie im Falle der DNA-Tests) mit so unglaublich hohen Kosten verbunden sind, dass sich der Einsatz in einem Gerichtsfall bzw. einer Ermittlung einfach nicht lohnt.

    Hinzu kommt noch, dass die Aufklärungsrate von Verbrechen bei CSI etc. bei 100 % liegt, was nicht der Wahrheit entspricht. Hier wird einfach das Bild der idealen Verbrechensbekämpfungsmaschinerie dargestellt, der keiner entkommen kann, ergo: glasklare, plumpe Propaganda.

    Ebenfalls ein verwandtes Themenfeld sind die zahlreichen Folterszenen in „24“ (Rechtfertigung von Folter im Namen der Terrorismusbekämpfung) oder das besonders perfide Mittel von Serien wie „J.A.G.“, wo beispielsweise das Kriegsverbrechen, wo in Fallujah ein unbewaffneter „Insurgent“ von einem Marine erschossen wurde, zwar thematisiert, jedoch stark verzerrt dargestellt wurde: der Journalist, der die Szene mitgefilmt hatte, wird als „Verräter“ inszeniert, der Beweise einer versteckten Bewaffnung des Aufständischen unterschlägt. Das ist bewusste Manipulation, noch dazu auf besonders hinterhältige Weise.

  8. @zashimi:Danke für Deine Erklärungsversuche, hab zwar nix verstanden, ist aber OK so. Fernsehen scheint in Deinem Leben jedenfalls eine grosse , übergeordnete Rolle zu spielen…ein Tipp von mir: Get a life….

  9. Och Tingler, hast du dich überhaupt bemüht? Vielleicht gibst du mir ja noch eine Chance und probierst es nochmal. Könnte sein, dass du sogar etwas entdeckst, was dem Lindwurm im Großen und Ganzen zustimmt? Vielleicht gleich im zweiten Satz?

    Kritik übe ich nur am undifferenzierten Rundumschlag, der ja des Lindwurms Markenzeichen ist. Zugleich wollte ich zeigen, dass es vielleicht lohnender ist, direkt den „Erfinder“ hinter der Geschichte herauszugreifen (Bruckheimer).

    Aber danke, dass du mir einen freundlichen Wink mit dem ach so reifen und erwachsenen Zaunpfahl schickst. Hast schon Recht: Weil fernsehen tun nur die Sozialversager und (deren) Kinder die dann quadratische Augen davon bekommen. Warum sollte man da auch kritisch darüber diskutieren, wenn man nach 5 Minuten eine vollkommene, umfassende Meinung haben kann?

    Ist aber OK so. Blogs und das Internet scheinen in Deinem Leben jedenfalls eine grosse , übergeordnete Rolle zu spielen…ein Tipp von mir: Get a life….

    @nixfürungut: Ja, das wird anscheinend langsam so schlimm, dass sich sogar die Fachliteratur damit auseinandersetzt: http://en.wikipedia.org/wiki/CSI_effect

    Kann mich an einen Bericht erinnern, wo die Jury in einem Betrugsfall nicht mit der Unterschrift unter einem Vertrag zufrieden war: „Wir brauchen die Fingerabdrücke des Angeklagten.“

  10. Scheiße wie CSI, die ja nicht ohne Grund den Big-Brother-Award 2008 gekriegt hat, will ich nicht „differenziert“ kommentieren, lieber Zashimi. Das ist einfach nur fieser Dreck, auf eine unangenehme Art sadistisch. Nicht so offen und herzliche sadistisch und gemein wie etwa „24“ oder „John Rambo“, sondern eben auf diese Spießbürgerart sadistisch, die am ekligsten ist und wegen Triebunterdrückung und Schiefheilung extrem anfällig ist, von Faschisten instrumentalisiert zu werden.

  11. @lindwurm: 2007, ich habs oben sogar verlinkt. Ich habe wohl wahrgenommen, dass du keine große Lust mehr verspürst, Grautöne zu besprechen. Aber dass deine Argument der über Fetische eben ins Leere läuft, sollte doch mit dem Gegenbeispiel aus der Welt sein.

    Ganz abgesehen davon, dass die Serie tatsächlich Gutes bewirkt hat, indem sie etwa mehr Schüler für Naturwissenschaft begeistert. Oder Grissoms Figur tatsächlich brauchbare Zitate in den Mund gelegt und damit unters Volk gebracht werden.

    Die negatven Folgen bestreite ich aber auch garnicht und ich wiederhole mich, wenn ich sage, dass der Stil von CSI auch keineswegs Grund zum erstaunten Innehalten ist, wenn für Idee und Realisierung der Serie Menschen verantwortlich zeichnen, die eine schier unendliche Liste an gleichartigen und -wertigen Produkten vorweisen können und sich als „konservativ republikanisch“ bezeichnen.

  12. Zashimi: Sorry aber was Du in meine kurzen, aber sehr prägnanten und großartigen Posts hineininterpretierst nervt ungemein…das war´s für uns Zwei. Hab noch einen schönen Tag… 😉

  13. @Lindwurm: CSI ist zwar nicht das Gelbe vom EI, aber im Vergleich zu Navy CIS ist die Serie noch direkt harmlos….

  14. CSI und seine Klone sind gar nix gegen deutsche Tatort-Krimis oder den unsäglichen Wallander-Kram. Da wird Ideologie ohne Ende transportiert und obendrein ist es auch noch sterbenslangweilig.

  15. da is mann auf der suche nach brauchbaren infos über die CSI – Serie und dann landet mann hier…!

    ich bin entsetzt über einige Sachen die ich hier eben lese mußte…

    zu erstmal ein Grundlegender Fehler…CSI-Miami und seine Klone… Falsch… CSI-den Tätern auf der Spur… und seine Klone…

    erst informieren und den Mund auf machen…!!!

    Dann… die schon erwähnt Beziehung zwischen Lady Heather und Grissom stellt ja wohl eindeutig ausser Frage ob hier irgendwelche Fetischisten als die ständig böden dargestellt werden… dem ist ganz und garnicht so… wer das ein wenig verfolgt hat kann/muß dies sogar bestätigen können oder hat wie auch schon erwähnt sich die unendliche Mühe gemacht 5min einer beliebigen Folge an zu sehen um dann meinen zu müßen ein Idiologisch wertvolles Statment abgeben zu können…

    Das ist Schubladendenken…!!!

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