EU-Wahlen: Kurzbetrachtung

-Die ÖVP wurde von ihrer Klientel dafür belohnt, dass sie auf Europaebene eine gute Politik für eben diese Klientel betreibt. Österreichs Unternehmer, Bauern, Banker und Industrielle können sich ja in der Tat kaum beschweren über den Kurs der Europäischen Union.

-Die SPÖ wurde heftig für böses Herumeiern zwischen allen Stühlen abgestraft. Spitzenkandidat Swoboda sagte im Wahlkampffinale war einige richtige Dinge, aber wo war der Mensch die vergangenen fünf Jahre zuvor? Wer hat der Wählerschaft erklärt, warum sie was davon hätte, bei den EU-Walen die Roten zu wählen? Keiner. Warum sollte überhaupt jemand die Roten wählen? So lange das nicht kommuniziert werden kann, wird es mit dem Verein weiter abwärts gehen. Wie in ganz Europa übrigens haben es auch die Ösi-Sozialdemokraten nicht geschafft, ihre Wirtschaftspolitik jener der gerade katastrophal scheiternden der Konservativen als überlegen darzustellen. Ein Armutszeugnis für die ideologische Ausrichtung und die PR.

-Hans Peter Martin hat einerseits – wenig überraschend – bewiesen, dass die „Kronen Zeitung“ eine enorme politische Kraft in diesem Land ist. Andererseits hat er aber auch vorgezeigt, dass man Protestwähler nicht nur mit rechtsextremen Parolen gewinnen kann, sondern auch durch eine vergleichsweise seriöse Kritik an realen oder auch eingebildeten Missständen.

-Die FPÖ hat mal wieder bei den Jungwählern abgeräumt, denen dieser 40-jähriger Discohopper, erbärmliche Deutschrapper und sexistisch-rassistische Comic-Held namens H.C.S. wohl „cool“ vorkam. Und das braune Stammreservoir hat er mit seinen antisemitischen und antitürkischen Ausfällen bedient. Dabei hat er aber wohl ein wenig den Bogen überspannt und viele Protestwähler in die Arme von H.P. Martin getrieben.

-Die Grünen haben mal wieder verloren, was sie sich selbst und ihren Richtungskämpfen zuzuschreiben haben. Und seien wir uns mal kurz ehrlich: Frau Lunacek?

-Das BZÖ hat es nicht ins Europaparlament geschafft und, was bemerkenswerter ist: Es hat in Vergleich zu den letzten Landtagswahlen in Kärnten 50 Prozent an Zustimmug eingebüßt. Das ist doch wenigstens mal was Schönes.

7 Kommentare zu „EU-Wahlen: Kurzbetrachtung

  1. Die Wahlergebnisse sind durchaus erstaunlich, wenn man sie auch unter der Prämisse der niedrigen Wahlbeteiligung sehen muss. Erfreulich ist, dass HPM gezeigt hat, dass Populismus in Österreich auch ohne hässliche braune Untertöne funktionieren kann. Dem Herrn Dichand ist er damit bei weitem lieber als HC Strache – für mich der eigentliche Verlierer des Abends. Neben Faymann natürlich. Über Swoboda braucht man wohl kein Wort mehr zu verlieren. Die Grünen haben sich etwas besser geschlagen als erwartet, vielleicht wurde der „Voggenhuber Effekt“ doch (am meisten von ihm selbst) überschätzt. Die ÖVP sieht sich als Sieger, die Frage ist aber wie es zwischen Karas und Strasser jetzt weitergeht. Bin mal gespannt auf die Vorzugsstimmen. Und letztlich der Stadler. Den kann man vergessen – wie immer.

  2. Und seien wir uns mal kurz ehrlich: Frau Lunacek?

    Es gibt sowas wie Vorzugsstimmen, und Eva Lichtenberger hätte mit ihrer bisherigen Arbeit im Gegensatz zur Lunacek die „street creds“ gehabt. Nur weil da eine Person an erster Stelle der Liste steht, muss man die noch lange nicht wählen.

  3. sehr positives ergebnis. FPÖ viel weniger als erwartet und BZÖ in K halbiert. gibt hoffnung. irgendwie ist es schade um die SPÖ, irgendwie aber auch nicht.

  4. Hallo

    Wie kann man bitte die FPÖ als verlierer hinstellen. Genauso seltsam finde ich das Ko.mmentar aus einen anderen Thread. „Was für eine Jugend wächst da heran“. Die Richtung in die es geht ist die richtige . Weg von diesen linken Ja sager Truppe. Sicher wäre eine echte Mitte Rechts Partei die nicht so Radikal wie die FPÖ ist schön. Aber die gibt es nicht und andere Alternativen auch nicht. Deswegen wird die FPÖ in den nächsten Jahren weiter Stimmenzuwachs bekommen. Bis sie an der Macht sind. Und dann werden wir sehen ob sie unser Land Regieren können. Fakt ist Schwarz,Rot,Grün kann es nicht.

    Schöne Grüße

  5. von einem schönen wahlergebnis kann hier keine rede sein, HPM ist der einzige grund warum die FPÖ nicht den totalen durchbruch geschafft hat.

    und was soll denn noch eine mitte-rechts partei in österreich? neben övp,bzö und fpö irgendwo noch platz finden ist wohl unmöglich.
    die mitte ist für mich die SPÖ – keine richtung, keine forderungen, kein programm – mittiger gehts garnichtmehr.

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