Thesen zu Teheran

Liebe Leserinnen und Leser

Da ich nach wie vor gegen eine schwere Krankheit behandelt werde und diese Behandlung mir auch das Bloggen erschwert, entschuldige ich mich mal für die seltenen updates der vergangenen Wochen.

Nachdem das erledigt ist, meine Thesen zu Teheran:

1. Im Iran kämpfen nicht Demokraten gegen Diktatoren, kein Schwarzer Schurke gegen den Weißen Ritter. Moussavi und Ahmadinedschad sind zwei Handpuppen im selben Kasperltheater, das unter der Leitung eines auf Lebenszeit bestimmten religiösen Führers steht. Würde Moussavi nicht in den wichtigen Belangen mit dem Puppenspieler übereinstimmen, wäre er nicht zur Wahl zugelassen worden.

2. Angesagte Revolutionen finden nicht statt, vor allem dann nicht, wenn sie von westlichen Medien und iranischen Regimefeinden angesagt werden. Die Mullahs werden entweder beinhart durchgreifen oder der Jugend erlauben, AC/DC zu hören, und das war´s dann.

3. Es ist keineswegs sicher, dass eine Wahlfälschung stattgefunden hat. Sicher, Indizien deuten darauf hin, aber warum sollten über 60 Prozent der Iraner denn nicht für einen hemdsärmeligen Populisten stimmen, der ihnen sagt, nicht die eigene Unfähigkeit und die inhärenten Schwächen des Systems seien dafür verantwortlich, dass man im größten erdölproduzierenden Land der Welt an den Tankstellen Schlange stehen muss, sondern die Weisen von Zion? Auch wenn es schwer zu glauben ist: Es ist durchaus möglich, dass mehr als 60 Prozent der Menschen einfach nur bescheuert sind.

4. Im Iran gibt es Potenzial für einen Umsturz der Verhältnisse. Würden diese Verhältnisse von außen umgestürzt, müsste man mit wesentlich weniger terrroristischer Aktivität rechnen, als es in Irak und Afghnaistan der Fall war/ist.

7 Kommentare zu „Thesen zu Teheran

  1. Im Iran kämpfen nicht Demokraten gegen Diktatoren

    Wobei der Aufstand auf der Straße durchaus nach diesem Muster abzulaufen scheint, auch wenn das natürlich schwer zu beurteilen ist.

  2. ad 3
    man muss sich nur die wahlergebnisse in österreich (v.a. kärnten) anschauen auch alle bescheuert.

  3. Bei der Vorstellung, daß über 60 Prozent der Iraner den Schlächter Ahmadinedschad gewählt haben könnten, wird mir wirklich schlecht. Allerdings hast Du wohl recht, wenn Du schreibst, daß es letztlich scheißegal ist, welche der Marionetten der Klerikalfaschisten im Iran eigentlich gewählt wurde, immerhin hat der ‚Revolutionäre Rat‘ die Chose in der Hand und sorgt auch dafür, daß da niemand an die Macht kommt, der Frauen, Schwulen und Freigeistern wirklich eine Chance geben würde. Und vielleicht ist das Wahlergebniss kein Wunder, wenn man bedenkt, daß die fortschrittlichen Iraner mit Durchblick seit fast 30 Jahren im Ausland leben, dort ihre Familien gegründet haben und nützliche Mitglieder der westlichen Gesellschaft wurden. Nicht umsonst dürfte der iranische Arzt in der BRD sich eines so guten Rufes erfreuen.
    Es bleibt zu hoffen, daß einerseits die 30 % der iranischen Bevölkerung unter 30 keinen Bock mehr hat auf Bevormundung und Schleier und sich endlich durchsetzt, anderseits, daß nicht die Machthaber zu einer ‚chinesischen Lösung‘ greifen. Vielleicht erleben wir im Iran ja eine neue Demokratiebewegung.

  4. Die Prostete waren spaetenstens ab dem 3. Tag groesser als nur Moussavi gegen Ahmadinejad! Kennst Du die 7 Punkte der Demonstranten nicht?

    Die Wahlen werden nicht deshalb fuer gefaelscht gehalten, weil Ahmadinejad gewonnen haben soll, sondern weil die Wahlergebnisse voellig unplausibel wirken. Zwei Kandidaten sollen nirgends (!) ueber 2% erhalten haben, Ahmadinejad soll ueberall (!) mindestens 60% erhalten haben. Diese Uniformitaet weist auf eine schlechte Faelschung hin.

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