Bye, Michael Jackson

Am 29. August wäre Michael Jackson 51 Jahre alt und damit ganz offiziell das älteste Kind der Welt geworden. Ein Herzstillstand verhilft dem gefallenen König des Pop noch einmal zu weltweiter Medienberichterstattung und posthumen Verkaufsrekorden.  Auch der Lindwurm kommt nicht umhin, der 80er-Ikone einen Nachruf zu widmen.

Seien es kosmetische Operationen, ein Vergnügungspark im Vorgarten oder der intensiv gesuchte Kontakt zu, ähem, anderen Kindern – kein anderer Weltstar hat sich dermaßen konsequent gegen ein Dasein als Erwachsener gewehrt wie der immer bleicher werdende Megastar der 80er Jahre. Sollte jemals ein Regisseur eine Horrorfilmversion von „Peter Pan“ drehen, dann wäre Michael Jackson ein heißer Kandidat für die Titelrolle gewesen. Das künstliche Erscheinungsbild, das weiche und leise Säuseln, wenn er sprach, die eigenartigen sexuellen Präferenzen – all das war furchtbar creepy.

Michael Jackson wurde natürlich nicht als Freak geboren, er wurde zu einem gemacht. Vom Vater mit Schlägen zum Vortänzer und -sänger der „Jackson 5“, der Soulvariante der Kelly Family, dressiert, hatte er keine Kindheit im konventionellen Sinn, sondern verbrachte jene Jahre, in denen andere Kinder unter Ihresgleichen das menschliche Sozialverhalten trainieren, auf Bühnen, in Tourbussen und in Hotelzimmern, wo er ungewollt Zeuge wurde, wie sich seine älteren Geschwister mit Groupies vergnügten und Drogen einwarfen. Nicht gerade die Umstände, die eine gesunde Psyche befördern. Die Brüderband war ungemein erfolgreich und Michael Jackson bereits Millionär, als er 1971 im reifen Alter von 13 Jahren seine erste Soloplatte herausbrachte. „The Jackson 5“ bestanden über die gesamten 70er Jahre neben Michaels Soloprojekten weiter – und 1977 durften die schwarzen Superstars sogar in Glasgow vor der Queen spielen, was Michael später immer wieder als den Live-Höhepunkt seiner Karriere bezeichnen sollte. Vielleicht, weil die britische Königin für ihn ähnliche mütterliche Qualitäten ausstrahlte wie später seine langjährige platonische Freundin Elisabeth Taylor . . .

Im Pop-Pantheon

1979 veröffentlichte Jackson das Soloalbum „Off The Wall“, das sein erster Megahit wurde und sich rund 20 Millionen Mal verkaufte. Die Platte aber, die Jackson nicht nur in den Pantheon der Popgötterwelt heben, sondern ihn dort auch gleich zuoberst inthronisieren sollte, folgte im Dezember 1982: „Thriller“ war das, wovon bis heute jeder Plattenfirmenboss tagträumt, wenn er auf die zunehmende Bedeutungslosigkeit seines Geschäfts und die rückläufigen Verkaufszahlen blickt. Das Album setzte sich 1983 in allen Ländern der freien Welt an die Spitze der Charts, wanderte im Laufe der folgenden Jahre geschätzte 60 Millionen Mal über die Ladentheken und machte Jackson zum erfolgreichsten Solokünstler aller Zeiten – und zu einem Star, wie es seit den Beatles keinen mehr gegeben hatte. Fast jeder Song der Platte wurde sowohl in den USA als auch international zu einem Nummer-1-Hit. Michael Jackson war in jenen Tagen die wohl berühmteste Person des Planeten. „Thriller“ verkaufte sich aber nicht nur der durchwegs großartigen Songs und der Top-Produktion von Quincy Jones wegen wie Wasser in der Wüste, sondern auch, weil Jackson und sein Management eine Marketingkampagne führten, wie es sie im Popgeschäft zuvor noch nicht gegeben hatte. Dazu zählten Coups, wie etwa den bekannten Hollywoodregisseur John Landis das Video zum Titelsong von „Thriller“ drehen zu lassen, welches dadurch anhaltenden Kultstatus erlangte, und die damals völlig neuartige Verschmelzung von Pop und Big Business. So wurde Jackson etwa zum singenden Aushängeschild für den Getränkekonzern Pepsi, welcher im Gegenzug viele Millionen Dollar zahlte und über zehn Jahre lang die Tourneen des Sängers finanzierte.

1993 bekam Michael Jackson allerdings zu spüren, dass Konzerne keine Wohltätigkeitsvereine sind und ihre Galionsfiguren rasch fallen lassen, wenn an diesen erste Kratzer sichtbar werden. Zu dieser Zeit war Jackson nach Schmerzmitteln süchtig, galt als seltsamer Wunderling, der im Sauerstoffzelt schlief, war nach vielen Gesichtsoperationen und Hautaufhellungen kaum mehr als Afroamerikaner zu erkennen und eine erste Anklage wegen Kindesmissbrauchs wurde öffentlich bekannt. Mit dem fantastischen Vermögen, das ihm „Thriller“ und die Nachfolgealben einbrachten, hatte sich Michael Jackson nicht nur die Rechte an den Songs der Beatles und damit einen Goldesel gekauft, sondern auch ein von ihm bezeichnenderweise „Neverland“ getauftes riesiges Anwesen samt Kirmesattraktionen, wo er im Laufe der Jahre viele Kinder empfing und auch übernachten ließ. Mit den Eltern jenes Buben, die ihn angezeigt hatten, einigte er sich 1993 noch außergerichtlich, doch zehn Jahre später kam es zu einer offiziellen Anklageerhebung, zu einer Verhaftung des Superstars und schließlich im Jahr 2005 zu einem Geschworenenprozess, bei dem Jackson im Falle einer Verurteilung 20 Jahre Haft gedroht hätten. Die Jury sprach Jackson jedoch von allen Anklagepunkten frei, und er verließ den Gerichtssaal als unbescholtener Bürger. Sein Ruf war trotzdem ruiniert, wozu auch bizarre, größenwahnsinnige Aktionen wie die Enthüllung seiner 30 Meter großen Statue in Budapest beitrugen, oder die Scheinehe mit Lisa Marie Presley und Auftritte zu Vollplayback.

Der Abstieg

Jackson, der insgesamt um die 200 Millionen Tonträger verkauft hat, schaffte es, sein gigantisches Vermögen weitgehend zu verjubeln, daher musste er seine Neverland-Ranch ebenso verkaufen wie große Anteile an den Rechten für die Songs der Beatles. Drei Kinder hatte der ehemalige Kinderstar mit verschiedenen Müttern angeblich gezeugt, und er pendelte später zwischen Irland, Deutschland und Bahrain hin und her. Im Armenhaus wäre er trotzdem nicht gelandet, denn seine früheren musikalischen Glanzleistungen verkauften sich noch immer prächtig, wurden von Radiostationen in aller Welt gespielt, und auch sein – geschrumpfter – Anteil an den Beatlesrechten warf nach wie vor Millionen ab. Dennoch wurde der König des Pop entthront – und die Monarchie nach Michael Jackson I. im Popgeschäft abgeschafft und durch eine wilde junge Republik ersetzt, die sich durch Livemusik und Filesharing konstituiert.

Ob es nun die vielen Medikamente waren, mit denen Jackson sich gegen den mentalen und körperlichen Verfall zu wehren versuchte, oder ob sein Herz einfach die psychische Dauerbelastung nicht mehr mitmachen wollte: Michael Jackson war, ob man ihn nun mochte oder nicht, einer der talentiertesten Musiker des 20. jahrhunderts und DIE Symbolfigur für den vorletzten Goldrausch der Musikindustrie vor Gangstarap und Grunge. Seine eigene Dekadenz spiegelte jene der Industrie und der Konzerne wieder, die in den 80er Jahren den Rock´n Roll fast getötet hätten. Man wird den seltsamen Kerl vermissen, vor allem in den Redaktionen der Yellow Press und in den Vorständen der großen Plattenlabels.

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10 Gedanken zu “Bye, Michael Jackson

  1. They told him don’t you ever come around here
    Don’t wanna see your face, you better disappear
    The fire’s in their eyes and their words are really clear
    So beat it, just HGGGGGNNNNNNgggggggg

    Armer Jacko

  2. Er schläft nur^^

    mit dem will ich fortfahren,

    Mann was wer es toll wenn ich ihn hatte, in meiner Pupatären Phase, es ist schweer diesen Mann in Worte zu fassen, er ist ein einschnitt in meinem Leben gewesen, ich habe ihn bewundert, geliebt, und als Vorbild gehabt^^ Nun ist er nicht mehr da, ich bin soooo traurig

  3. Menschlich bedauere ich Jackson natürlich. Ich hätte ihm einen anderen Abgang gewünscht und vor allem, daß er zuvor sein Leben auf die Reihe bekommen hätte. Musikalisch konnte ich allerdings nie allzu viel mit ihm anfangen. Eins, zwei Lieder gefallen mir ganz gut, aber irgendwie komme ich auf seinen Stil nicht klar. Hat mir einfach nicht wirklich zugesagt und ich konnte nie ganz erkennen, was nun das Bahnbrechende an seiner Musik gewesen sein sollte. Wenn es aber stimmt, daß seine Erscheinung gerade den schwarzen Musikschaffenden einen großen Auftrieb gegeben und gesellschaftliche Akzeptanz bewirkt hat, dann hat der Mann schon eine große Lebensleistung vollbracht, auch wenn ich mit ihr nicht viel anfangen kann.

    RIP, Mike.

  4. Michael Jackson wurde, wie wir jetzt wissen, von der Weltregierung ermordet. Bei Paul McCartney hat das seinerzeit hiernicht funktioniert. Hätte sich Jackson doch ein Beispiel am letzten überlebenden Beatle genommen!

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