Passiv-Shoa

Über die seltsame Frau Felicia Langer, laut Ralph Giordano „die schrillste Anti-Israel-Fanfare in Deutschland„, haben andere schon vieles und treffendes geschrieben. Was nicht alle ausreichend zu würdigen wissen: Die Dame, die nun mit dem deutschen Bundesverdienstkreuz  für ihre unermüdlichen israelfeindlichen Aktivitäten ausgezeichnet wurde, ist ein Quell für absurde Wortmeldungen, die oft genug so strange sind, dass man meinen könnte, ein genialer Satiriker hätte sie geschrieben.

Mein derzeitiges Lieblings-Langer-Zitat: Als Jüdin und Israelin, als Überlebende des Holocaust (indirekt, denn direkt ist mein Mann Überlebender), habe ich die Lehre aus dem Holocaust gezogen. Ich habe die Pflicht dazu. Meine Lehre daraus ist Menschlichkeit. Meine Lehre ist Erbarmen. Das ist ganz groß! Nach dem Passivrauchen nun also die Passiv-Shoa. Gut, zugegeben, es ist wahr, dass Verwandte an Traumata ihrer Angehörigen mitleiden können, aber sich in einem Satz als „Überlebende des Holocaust“ zu stilisieren und gleichzeitig zuzugeben, dass das gelogen ist, das hat schon was von absurdem Theater. Die einzigen Menschen, die sich als „indirekte Überlebende des Holocaust“ bezeichnen dürfen, ohne die Unwahrheit zu sagen, sind die Kinder jener Jüdinnen, Juden und anderer Opfergruppen, die nur deswegen auf der Welt sind, weil den Nazis die Ermordung ihrer Eltern nicht geglückt ist.

Der Lindwurm ist übrigens Securitate-Opfer (indirekt, meine Frau hat das Ceaușescu-Regime durchlitten)

Mit Dank an Castollux

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14 Gedanken zu “Passiv-Shoa

  1. Direkt oder indirekt ist eigentlich wurscht, wennst mich fragst. Schockierend ist, dass die Dame eine Lehre daraus gezogen hat. Eine Lehre zum Besseren? Also waren die Todeslager Besserungsanstalten, zumindest für die, die überlebt haben, so nach dem Motto, ich knalle eine Lage Eier an die Wand und die, die nicht kaputt sind, sind die Guten.
    Die gute Felicia hat also eine Lehre aus der Shoah gezogen, die bösen Israelis offensichtlich nicht. Die gute Felicia hat also das Seminar der Nazis, speziell für Juden um aus ihnen bessere Menschen zu machen, zwar nicht besucht aber eine Lehre daraus gezogen. Gratulation, Auschwitz, Buchenwald Treblinka usw, als Camps für schwererziehbare Juden.

  2. Mein Lieblingszitat:
    „Erstens, ich bin auch Jüdin und Israelin, und hoffe, dass Sie mich auch so vorstellen. Ich bin zudem Trägerin des alternativen Nobelpreises.“

  3. Cool! Ich bin ein Opfer des Naziregimes (indirekt, mein Großvater starb in einer Strafkompanie).

    Im Ernst: Leute, die Vernichtungslager mit Besserungsanstalten verwechseln so wie Fr. Langer, machen mich immer wieder fassungslos.

  4. ‚Passiv-Opfer‘ gefällt mir. Da eröffenen sich einem gleich ganz neue Möglichkeiten. Wie heißt es doch so schön in Jacques Offenbachs ‚Tromb al ca zar‘: „Lerne klagen ohne zu leiden!“

  5. Das ist groß. Fast so schön wie Leute, die schon einmal fast(!) Opfer eines Terroranschlag wurden und diesem nur entgingen, weil sie zufällig zu dieser Zeit nicht am Anschlagsort waren.

  6. „Das ist groß. Fast so schön wie Leute, die schon einmal fast(!) Opfer eines Terroranschlag wurden und diesem nur entgingen, weil sie zufällig zu dieser Zeit nicht am Anschlagsort waren.“

    Du sagst es. War nur ein doofer Zufall, daß ich am 11. September nicht in New York in den Twin-Towers war, sondern in einer sicheren Stadt in der BRD und mich darüber ärgerte, daß meine damalige Lieblingsserie „Streit um Drei“ wegen den aktuellen Nachrichten unterbrochen wurde. Und im Grunde genommen bin ich ja auch Opfer der Anschläge. Immerhin weiß ich bis heute nicht, ob der damalige Angeklagte nun schuldig oder unschuldig war. Ich denke, ich kann Opferentschädigungszahlungen einfordern, mindestens.

  7. Soll Langer etwa nur deshalb nicht als Holocaust-Überlebende gelten, weil ihre Eltern durch Flucht sich und ihr Kind dem Zugriff der Nazis entzogen?
    Ob sie selbst sich nur als „indirekt Überlebende“ begreift, ist irrelevant (schließlich hat sie auch so nicht alle Tassen im Schrank), aber daß sie Opfer des deutschen Vernichtungswahns wurde, ist historischer Fakt.

  8. Es ist traurig genug, dass diese Ehrung vergeben wurde.
    Allerdings glaube ich in diesem Fall, dass keine schlechte Absicht dahinter steckte. Das war Dummheit. Oettinger wollte mit Sicherheit nicht diese Art medialer Aufmerksamkeit.
    Selbst schuld – ein paar Klicks Internet-Recherche hätten einen davor bewahrt, blind einem Nominierungsvorschlag ausgerechnet von Frau Hecht-Galinski zu folgen.
    Schlimmer sind die Folgen für die Zukunft. Wer sich durch diese Ehrung bestätigt und ermutigt fühlen wird – in Deutschland und anderswo – kann man sich leider unschwer ausmalen.

    Beste Grüße,
    Bob

  9. „Gegen die Jüdin, die nur knapp der Vernichtung im Nationalsozialismus entkommen war“

    langer konnte fliehen – und ist daher der vernichtung entkommen. aber das reicht nicht aus für deutsche und österreicher, die ganz genau meinen, definieren zu können, wann jemand noch als ns-opfer gilt und wann nicht.

  10. Bzgl. der Ehrungen für Felicia Langer und Henning Mankell habe ich das Bundespräsidialamt und Boris Palmer wiederholt um die Beantwortung einiger Fragen gebeten. Leider blieben meine Fragen ungeklärt. Die Ordenskanzlerin des Bundespräsidialamts hat vor drei Wochen unseren Briefwechsel freundlich für beendet erklärt. Daher habe ich einen meiner Briefe online gestellt:

    http://langermankell.wordpress.com/2010/01/28/hilfe-fuer-offene-fragen-2/

    Wer dem Bundespräsidialamt und dem Oberbürgermeister helfen kann die offenen Fragen zu beantworten, sei freundlich eingeladen einen Kommentar zu hinterlassen.

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