Obama zu impulsiv für den Job?

Wer schon mal in den USA war, der weiß, dass man folgende Dinge auf keinen Fall machen sollte:

-Das Schloss der Tür seines Hauses von außen aufbrechen statt einen Schlüsseldienst zu rufen, noch dazu tagsüber, wenn die lieben, sehr „vorsichtigen“ Nachbarn zusehen und man selber schwarz ist.

-Sich gegenüber den Cops, die dann unweigerlich anrücken, rüde benehmen. Da kann man zehnmal in Harvard unterrichten und ein Kapazunder auf dem Gebiet der Literaturwissenschaft sein. Amerikanische Polizisten sind in der Regel nicht ganz grundlos ängstlich (weshalb sie ja immer deine Hände sehen wollen, damit diese Hände keine Knarre halten). Und Polizisten sind im Prinzip überall gleich: Wenn man ihnen blöd kommt oder sie gar beschimpft, und es gibt keine oder nur sehr wenige Zeugen, dann fahren sie mit dir Schlitten und verhaften dich. Und in den USA wie auch in Europa gibt es natürlich auch rassistische Cops, was man leider immer einkalkulieren sollte, wenn man als dunkelhäutiger Mensch mit der Exekutive zu tun hat.

Was sich nun bei der Verhaftung des schwarzen Universitätslehrers und Literaturwissenschafters Henry Lewis Gates genau abgespielt hat, ist immer noch nicht restlos geklärt. Aber US-Präsident Obama fand es passend, den involvierten Polizisten gleich mal „Dummheit“ zu unterstellen, was höchst unsouverän war und wodurch er sich der Feindschaft der Polizei versichert hat. Das deutet auf einen impulsiven Charakterzug Obamas hin, auf unkontrollierte Ausbrüche, und das ist etwas, was beim mächtigsten Mann der Welt doch ein wenig Fehl am Platze ist und zumindest mir auch Angst macht. Jedenfalls war die Wortmeldung des US-Präsidenten voreilig und taktisch unklug, und diese vergleichweise kleine Geschichte sagt viel aus über die Troubles, die nicht nur Obamas Gegner ihm bescheren, sondern die er sich oft genug selbst zuzuschreiben hat. Er ist rasch mit großen Gesten und wuchtigen Statements zur Hand, die dann aber an der Realität zerschellen. Vor allem zeigt die Episode eines: der Mann ist nicht besonders geschickt als Taktiker und im Umgang mit den Untiefen und Sensibilitäten der amerikanischen Wirklichkeit, und er erinnnert auch darin an den unseligen Jimmy Carter. Sollte Obama bei der Umsetzung seiner zentralen innenpolitischen Wahlversprechen wie etwa der Reform des Gesundheitswesens scheitern, dann wird ihm keine zweite Amtszeit vergönnst sein, denn ein enttäuschtes Volk lässt sich kein zweites Mal vom selben Politiker in eine Change-Hysterie stürzen. Der derzeitige Fettnäpfchenmarathon, den Obama läuft, verheißt für ihn diesbezüglich nichts Gutes.

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