Die Schweiz im Fadenkreuz

Es hat nichts gebracht, das Entschuldigen und Katzbuckeln und Appeasen, mit dem der schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zwei seiner Landsleute freibekommen wollte, die seit einem Jahr von Gaddafi als Geiseln gehalten werden. Merz kam bloß mit den Gepäckstücken der Männer zurück, die beiden Geschäftsleute werden nun vor Gericht gestellt. Es liegt nahe zu vermuten, dass das von den Eidgenossen angebotene Lösegeld wohl zu niedrig war bzw. der Rahmen der Geiselübergabe nicht pompös genug. Wahrscheinlich müssen noch EU-Spitzendiplomaten sowie Hillary Clinton Gaddafi öffentlich anbetteln, damit sich die Causa zum Guten für die Gefangenen entwickelt.

Die Schweiz bekommt jetzt auf diplomatischer Ebene eine Lektion in Sachen arabische Kultur und Diktatorenpsyche erteilt. Für den Beduinenspross Gaddafi ist Blut dicker als Wasser. Wer es also wagt, einen seiner Söhne zu „demütigen“ – und dass Hannibal al-Gaddafi von der schweizer Exekutive zunäüchst wie ein gewöhnlicher Sterblicher behandelt wurde, empfindet der Größenwahnsinnige Despot ohne Zweifel als Demütigung – der zieht sich den unbändigen Zorn des Clanführers zu. Was die Schweiz, aber auch die USA, Frankreich und Italien, die nun alle große Honigvorräte gekauft haben, um sie Gaddafi ums Maul zu schmieren, auch nicht verstehen, ist, dass ein Tyrann Friedensangebote, Versöhnungsgesten und weiche Diplomatie nicht als Akte sieht, die er durch seinerseitiges Entgegenkommen belohnen müsste, sondern als Zeichen von Schwäche. Jeder Deal, der nun und in den vergangenen paar Jahren mit dem angeblich „ruhiger“ gewordenen Irren von Tripolis geschlossen wird oder wurde, ist wackelig, keine Öllieferung ist sicher, kein ausländischer Investor kann wirklich darauf vertrauen, dass seine Projekte nicht wieder enteignet werden. Und natürlich kann niemand sich niemand sicher sein, dass Gaddafi nicht wieder zum Mittel des Terrorismus greift.

Das Groteske dabei ist, dass man nicht in Harvard studiert haben muss, um zu wissen, wie sehr Diktatoren die Demokratie verachten und als „dekadente“ Systeme betrachten, die sofort einknicken, wenn man ihnen droht. Ein kurzer Blick in die Geschichte reicht aus, um das zu begreifen. Wer vor Typen wie Gaddfi zurückweicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn diese dann in den frei gewordenen Platz vorrücken und immer frechere Forderungen stellen. Und trotzdem setzen westliche Staaten – natürlich auch ihrer Wirtschaftsinteressen wegen und aus Furcht vor Terrorismus – auf das stumpfe Werkzeug des Appesement. Hitler, Stalin, Saddam Hussein und andere haben der Welt doch ausreichend vorgeführt, was geschieht, wenn man sie auch nur im Glauben lässt, ihre Taten blieben ohne Konsequenzen. Andererseits gab und gibt es immer wieder Beispiele, die zeigten, dass Diktatoren klein beigeben, wenn man mit ihnen Klartext redet und ihnen mit Härte und Stärke begegnet. Das liegt an der psychischen Verfassung von Tyrannen. Diese denken stets in Absolutismen, kennen nur Schwarz oder Weiß, Sieg oder Niederlage, Triumph oder Demütigung.

Über die Pläne Gaddafis, die Schweiz zu zerschlagen, darf man ruhig Witze machen, da er nicht die geringste Chance hat, diesen seinen feuchten Traum in die Realität umzusetzen. Eines sollte man aber nicht glauben: Dass der Kerl das nicht ernst meint. Hätte er die diplomatischen, wirtschaftlichen oder gar militärischen Möglichkeiten, dann würde er seinen Worten Taten folgen lassen. Die Schweiz ist im Visier des Wüstenherrschers, und da dieser dank Bush, Berulsconi und Sarkozy nun denkt, er dürfe sich wieder alles erlauben, halte ich die Terrorgefahr für die Schweiz und für schweizer Bürger und Einrichtungen weltweit für extrem hoch.

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