Die Sitzenbleiber

In Österrech streiten sich die Roten und die Schwarzen darum, ob das Sitzenbleiben in der Schule abgeschafft werden soll oder nicht. Das Sitzenbleiben bei Auftritten antisemitischer Wahnsinniger, während denen zivilisierte Staatenvertreter ausziehen, scheint allerdings unumstritten. Eines macht mir aber wirklich Sorgen: Angesichts der zunehmenden Akeptanz des Antisemitismus in Österreich und der Folgenlosigkeit antisemitischer Aussagen für Politiker kann man nicht mal mehr mit Sicherheit sagen, die österreichische Delegation habe nur aus Dummheit, Feigheit oder aus Geschäftsinteresse dem Gestammel des Tollwütigen aus Teheran gelauscht. Ich schließe auch echte Sympathie nicht mehr aus.

5 Gedanken zu “Die Sitzenbleiber

  1. Aber war unsere deutsche Delegation so viel besser?
    Erst einmal zuhören was kommt…also wirklich…
    und dann den Saal verlassen und attestieren, dass die Rede „inakzeptabel antisemitisch“ sei.
    Was sollte von A. anderes kommen, als ähnliches, was er nicht auch in Genf schon sagte?
    Ich würde es als politisch korrektes Verhalten zur Wahrung der eigenen Interessen bezeichnen.
    Dem Iran kann bedeutet werden, dass er weiterhin ein wichtiger Handelspartner ist und Iran kritischen Staaten kann weiterhin das Bedauern ausgedrückt werden, wie inakzeptabel A.’s Rede war.
    Innere Sympathie würde ich allerdings auch nicht ausschließen – stimme dir da zu.

    Die kanadische Delegation ist erst gar nicht zur Rede erschienen, weil sie genau A.’s typisch antisemitischen Auftritt im Vorfelde erwarteten und verurteilten.

  2. Du weißt doch, wir Österreicher sind kulturelle Menschen. Wenn eine Aufführung in diesem großen Welttheater UNO stattfindet, kann man sich das nicht entgehen lassen.

    1. Akt: Der Messias kommt und verkündet den Weltfrieden, ohne Atomwaffen – das Publikum verfällt in orgiastischem Applaus

    2. Akt: Die Spannung steigt, der Narr tritt auf, mit Narrenkappe und Schärpe – die Zuschauer wälzen sich vor Lachen

    3. Akt: Die bärtige Realität, leise, ernsthaft schleicht sich fast unbemerkt auf die Bühne – die Zuschauer, die einen noch immer verzückt vom Messias, die anderen noch immer am Boden liegend vor närrischem lachen.

    Was für eine großartige Vorstellung.

    Bravo, braaaaaaavoooo!!!

  3. Ach, „aus Protest“ den Saal zu verlassen, das hat doch letztendlich nur das Kindergartenniveau, sich die Ohren zuzuhalten und laut „la, la, la, la“ zu rufen. Jeder hat das Recht, sich selbst auf internationaler Bühne zum Affen zu machen, ein demonstratives Rausgehen zeigt dem Ahmadinejad doch nur, dass seine Rede tatsächlich provoziert.

    Daher mein Vorschlag an die dortigen Delegationen: cool bleiben, sitzen bleiben, am Ende mit der Schulter zucken, und sich ja nicht provozieren oder ärgern lassen. Mehr als Rhetorik und heiße Luft ist das sowieso nicht, denn wenn es auch nur die geringsten Beweise dafür gäbe, dass der Iran tatsächlich an Atomwaffen entwickelt (und die gibt es bisher tatsächlich nicht, auch wenn „stop the bomb“ et al was anderes behauptet), dann würde er von der internationalen Gemeinschaft und im speziellen von Israel und den USA ordentlich eines auf den Deckel kriegen, das weiß auch Ahmadinejad selbst. Tatsächlich dienen diese Reden doch nur der Machtdemonstration im Iran selber, a la „ha, jetzt hab ich’s denen wieder so richtig gezeigt!“. Mit Boykott kann man eben langfristig kaum was erreichen, das zeigt sich in Sachen Iran auch wieder mal. Dass Ahmadinejad offen antisemitische Reden hält, ist doch längstens bekannt, auch dass er oft und gerne provoziert, der größte Fehler, den einige Delegationen aus oberflächlicher Naivität gemacht haben, war, auf sein „Trolling“ reinzufallen und ihm so den Ball direkt zuzuspielen.

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