Angst vor der Schokoladenkeule

Neulich saßen wir in einem  Klagenfurter Traditionsgasthaus zusammen, der Ferdl, der Franz, der Tommy und ich, und nachdem wir uns mit einem kräftigen Gulasch, der einen Spezialität des Hauses, und ein paar Bieren, der anderen Spezialität des Hauses, gestärkt hatten, fingen wir an, zu politisieren, wie wir das nennen. Der Alkohol hatte uns gesprächig gemacht, so wie er das meistens tut, es sei denn, ein Landeshauptmann wird tot in seinem Autowrack aufgefunden, denn in so einem Fall schweigen wir feierlich, aber diesmal war kein Politiker verunglückt, nicht einmal einen Zeh hatte sich einer unserer Volksvertreter verstaucht, also gab es keinen Grund, mit Trauermine ins unser Bier zu weinen, wir konnten unbekümmert reden. Ein bisschen zu unbekümmert vielleicht, denn wir sprachen über ein Land, das man nicht kritisieren darf, es sei denn, man möchte es mit seiner mächtigen Lobby zu tun bekommen, und wer möchte das schon? Doch der Ferdl, nach drei Bieren mutig geworden, sprach aus, was wir alle dachten: „Es ist doch eigentlich eine Sauerei, dass man die Schweiz nicht einmal kritisieren darf, ohne gleich des Antischweizerismus geziehen zu werden. Ihr wisst, ich bin bei Gott kein Antischweizer, aber dieses Land hat Narrenfreiheit und tanzt  der Internationalen Staatengemeinschaft auf der Nase herum.“ Der Ferdl nahm einen tiefen Schluck von seinem Bier und starrte auf das schwarze dicke Holz des Stammtisches. „Recht hast, Ferdl“, sagte nun der Franz, sich den Bierschaum vom Mund abwischend. „Die Schweizer meinen ja echt, sie könnten sich alles erlauben mit ihrem zusammengestohlenen Reichtum, ihren pervers sauberen Städten, ihrer Anbiederei bei der UNO als angeblich urneutraler Staat. Ha, Staat! Dabei ist immer noch umstritten, ob die Loslösung vom Habsburgerreich völkerrechtlich gedeckt war. Bis heute sind die Nachkommen der österreichischen Burgherren und Landsknechte, die damals im von der Schweiz provozierten Krieg ermordet wurden oder fliehen mussten, nicht entschädigt worden, von einem Rückkehrrecht ganz zu schweigen. Eine Sauerei sondergleichen, die sich nur ein Land leisten kann, das sich für was besseres hält und für unantastbar. Und leider ist es ja auch so, dass man gegen die Schweizer nichts sagen darf, will man nicht von der Schokoladenkeule erschlagen werden, mit der Kritiker dieses aggressiven Staates mundtot gemacht werden.“ Befeuert vom Mut meiner Freunde stieg nun auch ich in die Diskussion ein. „Bei rechtem Licht betrachtet ist das schon ein Volk, das stets nur Zwietracht säht und die friedliche Entwicklung in Europa noch nachhaltig gefährden wird. Ich meine, das ist doch nicht normal, dass diese arroganten Leutchen ganze Landesteile von Italien, Frankreich und Deutschland einfach so besetzt halten, oder? Und keiner traut sich, dagegen mal was zu sagen. Unsere Politiker sind alle feige Kriecher vor dem Mammon und dem damit einhergehenden Einfluss der Schweizer, nur der Dings, der Gaddafi, der traut sich noch, die Wahrheit zu sagen, der hat keine Angst, obwohl er genau weiß, wie gefährlich der schweizer Geheimdienst ist. Und die Brutalität der schweizer Polizei erst! Angeblich haben sie Hannibal Gaddafi, nur weil er Araber ist, bei der Verhaftung einen Finger angebrochen, diese brutalen Schweine. Und den Roman Polanski haben sie in eine hinterhältige Falle gelockt, aber das ist ja auch typisch für dieses Volk, diese Hinterfotzigkeit, mit der es agiert. Und kann man Leuten trauen, die so eine perverse Sprache sprechen, die klingt, als hätte sie ein geistig Behinderter auf LSD erfunden?“ Der Ferdl unterbrach mich. „Nicht so laut“, sagte er für Besoffenenverhältnisse relativ leise, also mit ca 120 Dezibel, „man kann nie wissen, wer am Nebentisch sitzt und mithört. Du willst doch nicht von der Schweizerlobby vernichtet werden, oder?“ Nein, das wollte ich tatsächlich nicht, der Krake hatte seine Arme bekanntlich überall, also nahm ich zunächst einmal einen großen Schluck Bier. Tommy, der bislang geschwiegen hatte, wollte nun aber auch was sagen, und wenn es um die Schweiz geht, dann hat Tommys Wort Gewicht, denn er ist quasi selber Schweizer, obwohl seine Großeltern aus unbekannten Gründen 1939 nach Österreich ausgewandert waren. „Gerade ich als Schweizer“, hob Tommy an, „finde die Politik und die Machenschaften dieses Staates unerträglich. Ich besitze zwar nicht mehr die schweizer Staatsbürgerschaft, bin aber in meinem Herzen mindestens so viel Schweizer, nein, noch viel mehr Schweizer als diese mit Schokoguss überzogenen Bankiers, die das Gold der Verbrecher dieser Erde horten. Und meint ihr, es sei ein Zufall, dass fast jeder Schweizer ein Sturmgewehr zuhause hat? Nein, die sind bis an die Zähne bewaffnet, weil sie genau wissen, dass ansonsten der gerechte Zorn der Ladiner, der Italiener, der Franzosen, der Deutschen, der Österreicher, ja der ganzen Welt über sie käme. Aber weil sie eine der besten Armeen der Welt haben und nie bestätigt haben, keine Atomwaffen zu besitzen oder bauen zu können, traut sich keiner, etwas gegen diese Verbrecher zu unternehmen. Immer wieder mal donnert die gewaltige Luftwaffe der Schweiz über den Bodensee, um die Nachbarn einzuschüchtern. Aber gerade ich als Schweizer sage euch: Lange wird sich dieses Unrechtsregime nicht mehr halten können, das eidgenössische Gebilde wird von den Seiten der Geschichte verschwinden.“ Wir sahen einander nickend an und bestellten noch ein Bier. Dann sagte der Franz: „Traurig ist nur, dass niemand die Schweiz kritisiert und sich keiner traut, öffentlich mal was gegen die Schweizer zu sagen“. Wir nickten wieder und nahmen den ersten Schluck vom neuen Bier, das der Kellner gebracht hatte.

Ein Kommentar zu „Angst vor der Schokoladenkeule

  1. Sollte ich Toblerone und Emmentaler Käse boykottieren? Ich überleg´mir das ernsthaft. Michelle Hunziker´s Nacktbilder schmeiss´ich dann auch weg. 😉

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