Kärnten dreht durch – diesmal wirklich

Jetzt musste ich doch glatt meinen Kalender konsultieren um sicherzustellen, dass nicht schon 11 Uhr 11 am 11.11. ist. Der oberösterreichische Fotograf Wolfgang Bogner wird am 21. Oktober im Klagenfurter Landhaus eine Ausstellung eröfffnen, mit der er beweisen will, dass wir dummen  westlichen Demokratie-Idioten einer „imperialistischen Lügenpropaganda“ aufgesessen sind, was die Verhältnisse in Nordkorea betrifft. Die APA berichtet: Auf der Einladung zur Ausstellungseröffnung steht – über einem Bild der nordkoreanischen Flagge – der Text: „Nordkorea – Fernöstliche Faszination mit starkem Nationalbewusstsein und Heimattreue … keine Ausländer … keine Asylanten.“ Keine Asylanten! Keine Ausländer! Nationalbewusstsein und Heimattreue! Bei solchen Ekel-Floskeln springt das BZÖ, das gerade erst versucht hat, eine „liberale Partei“ zu schauspielern, voll an. Kärntens Landtagspräsident Josef Lobnig (BZÖ), der für das Landhaus verantwortlich ist, verteidigt die Ausstellung mit den Worten: „Bogner versucht zu dokumentieren, dass diese Lügenpropaganda nicht stimmt, dass das Land frei ist, dass die Menschen dort nicht in Armut leben und ihre Kultur leben dürfen.

Das, meine Herren und Damen, ist mit das Unfassbarste, was ich bislang in der an Unfassbarkeiten nicht armen kärntner Politszene erlebt habe. Angesichts des grotesken Personenkults, den das BZÖ um die Alkoleiche Jörg Haider veranstaltet, habe ich noch im Spaß geschrieben, das erinnere an Nordkorea. Und jetzt kommt ein Spitzenrepräsentant dieser Zombiepartei daher und bezeichnet die erschütternden Zustände im bettelarmen Nordkorea, dieser Steinzeitkommunismusdiktatur, in der die Menschen gezwungen werden, an Kim Il-Sungs Grab zu weinen, und wo außer der Armee und der asiatischen Radikal-Stasi nix funktioniert, als „Lügenpropaganda“! Zum ersten Mal in meinem Leben fehlen mir fast die Worte (Übrigens tut mir gerade meine rechte  Arschbacke weh, da ich mich dauernd kneife, um sicherzustellen, dass ich nicht träume). Einer Verherrlichung des letzten stalinistischen Regimes der Welt öffnet das BZÖ die Türen, während dieselben Türen für die Konsensgruppe, die sich um den Ausgleich zwischen den kärntner Sprachgruppen verdient gemacht hatte, verschlossen blieben? Ich weiß echt nicht mehr, was ich dazu sagen kann. Daher lasse ich den kärntner SPÖ-Chef Reinhart Rohr, zitiert aus der Austria Presse Agentur, zu Wort kommen: „Die Aussagen Bogners spiegeln die Geisteshaltung Lobnigs zu 100 Prozent wieder.“ Es sei einfach schlimm, wenn der Landtagspräsident der Verherrlichung totalitärer Regime die Tore des Landhauses öffne, und auf der anderen Seite etwa hohen Repräsentanten des Europaparlaments den Zutritt verweigere. Rohr spielte damit auf den Wirbel um die Verleihung des „Europäischen Bürgerpreises“ an die Kärntner Konsensgruppe Anfang Juli an, als Lobnig dem Vizepräsident des EU-Parlaments, Miguel Angel Martinez, die Überreichung des Preises im Wappensaal des Landtages verweigerte.

Großer Gott, ich glaub das alles immer noch nicht. Das MUSS doch eine Ente sein? Ist es aber nicht. Wahhhhh, holt mich hier raus!

9 Kommentare zu „Kärnten dreht durch – diesmal wirklich

  1. Bisher dachte ich immer, nach Haiders Tod würden in Österreich undspeziell in Kärnten narmalere wesrliche Zeiten anbrechen… ich helfe gerne Regimeflüchtlinge auch aus Kärnten 😉

  2. Einer Verherrlichung des letzten stalinistischen Regimes der Welt

    Lindwurm, so eine Formulierung mag vielleicht knackig klingen, tatsächlich hat das politische System in Nordkorea nichts mit Stalinismus zu tun, weil es schon mit dessen ideologischen Untergrund (Marxismus-Leninismus) nichts mehr zu tun hat. Nordkorea hat die Vision der „klassenlosen Gesellschaft“ schon in den 1970er Jahren an den Nagel gehängt, und stattdessen eine Ideologie der „Freundschaft der Klassen“ sowie „Militär zuerst“ und dem Hirngespinst einer Autarkie etabliert – gemeinhin bekannt als Juche-Ideologie.

  3. Für gewöhnlich betrachte ich solche Ereignisse in Kärnten immer mit einer gewissen Schadenfreude, und lass mir meist mindestens an 1-2 kleinen Witzen darüber die Freude nicht nehmen ehe ich es als traurige Idiotie wieder zu ignorieren beginn…

    Damit allerdings ist ein Punkt erreicht bei dem die Sprachlosigkeit und die schiere Unfassbarkeit dieser Frechheit in mir beginnen zu Wut zusammenzuköcheln…
    Ich find dazu echt keine Worte, alles was mir einfällt ist der kotzende Lindwurm, den ich dir mal geschickt hatte

  4. Speiben hin, speiben her, was erwartet ihr euch von einer Gegend, in der Jahrzehnte lang die Sozialdemokraten die besten Nazis waren? Die Sozialdemokratie, hat in Österreich und besonders in Kärnten vollkommen versäumt gesellschaftspolitisch aufzuklären, die Option mit der Fpö zu koalieren war immer zu verlockend, die Gefahr die ehemaligen Nazis als Wähler zu verlieren immer zu reell. Das, was jetzt an der Regierung ist in Kärnten sind die Exkremente, die die Nazi-Sozialdemokraten übriggelassen haben. Was soll man sich da erhoffen oder erwarten?

  5. es wächst zusammen was zusammen gehört.

    interessant ist, dass im Print-Standard von einer „amerikanisch-jüdischen imperialistischen lügenpropaganda“ die rede ist. im internet ich das aber so nirgends finden kann?

    im grunde trifft diese formulierung (wenn auch scheinbar ungewollt) das totalitäre denken im kern, welches verschwörungstheorien zu seinem prinzip macht.
    die aufgabe des letzten restes der vernunft.

  6. @ foo: Selbstverständlich kenne ich die „Juche“-Ideologie, doch die Herrschaftsform- und ausübgung in Nordkorea ist trotzdem stalinistisch. Merkmale des Stalinismus: Führerkult (check), Totale Unterdrückung jeglicher Opposition durch Terrormaßnahmen wie Schauprozesse samt grotesk harten Urteilen (check), Vorrang des Militärischen vor allem anderen (check), Ein unnachgibiger Kampf gegen den individualismus (check) und eine über Leichenberge gehende Industrialisierung, Vernichtung des traditionellen Agrarsektors und militärische Aufrüstung (halb check, check und check).

  7. Wenn du so binär denkst, bitte: lass die Agrarkollektivierung weg, und du hast Kategorien, die ebenso auf den Nationalsozialismus zutreffen. Aber ist deswegen das 3. Reich als stalinistisch kategorisierbar? Klar nein.

    Oder um es noch plakativer zu umschreiben: Stalin hat Toiletten benützt, aber das macht jemanden, der sich ebenfalls auf eine Klomuschel setzt, noch lange nicht zu einem Stalinisten.

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