Nobelpreis für Träume

Im Nobelpreiskomitee von Oslo müssen ganz interessante Kerlchen sitzen. Vor allem bei der Verleihung des Friedensnobelpreises zeigten uns diese Kerlchen immer wieder eine verblüffende Sicht, welche Personen einer solchen Ehrung würdig seien. Da fallen dem Lindwurm beispielsweise Jassir Arafat, Shimon Peres und Jitzhak Rabin ein, drei Personen, die im Laufe ihres Lebens aus unterschiedlichen Motiven doch öfters mal das Badezimmer aufsuchen mussten, um das Blut von ihren Händen zu waschen (auch bei Verteidigungskriegen macht man sich die Hände schmutzig). Oder denken wir an Henry Kissinger. Die tausenden Opfer der „Operation Condor“ und die ca. 60.000 massakrierten Bewohner Osttimors hätten sicher begeistert in die Hände geklatscht bei der Verleihung des Preises an ihn, wären sie nicht, leider leider, tot gewesen.

Und nun also Barack Obama, ein amtierender US-Präsidert,  der gerade zwei Kriege führt und zumindest im Wahlkampf versprochen hatte, den einen der beiden, nämlich den in Afghanistan, deutlich zu intensivieren. Es hilft, diese seltsam anmutende Angelegenheit zu verstehen, wenn man genau hinsieht, wofür Obama geehrt wird, nämlich für „Einsatz um internationale Diplomatie und Verständigung zwischen den Völkern“. Er kriegt den Nobelpreis also nicht für einen geschlossenen Frieden, eine befriedete Nation oder Region, sondern  für´s Reden schwingen und „Hände ausstrecken“ und  für das verbale Streicheln von Menschen mit pazifistischen Wunschvorstellungen. Ein pikanterweise ganz ähnlicher Hintergrund wie bei Kissinger, der ja auch für sein Entspannungsgerede und seine Reisediplomatie den Preis abstaubte und nicht so sehr für reale Friedliebigkeit. Aber bleiben wir bei Barack Obama. Was hat der Mann bisher erreicht? Nix! Der Irak wurde bereits unter seinem international so verhassten Vorgänger weitgehend befriedet, aber in Afghanistan steppt der Talibanbär, dort verschärft sich der Krieg von Tag zu Tag. Obama weiß darauf bis heute keinen Lösungsvorschlag, er zaudert und tut, was er am besten kann: Er redet. Und im Nahen Osten hat er bislang nur für mehr Nervosität bei den israelis und mehr Kriegslüsternheit bei den Palästinensern und dem Iran gesorgt. Realistische Pläne für einen Nahostfrieden? Fehlanzeige. Aber das Nobelpreiskomitee wünscht sich einen US-Präsidenten als globale Friedenstaube, als Löser aller Konflikte, als Überwinder des Unüberwindbaren, und dafür gibt es den Preis. Nicht für die Wirklichkeit, sondern für den Traum einer alternativen Realität, den die Kerlchen im Komitee träumen.

ps: Mir träumte gerade von spottbilligen Meereswasserentsalzern und umweltfreundlichen Fusionsreaktoren. Bekomme ich jetzt den Nobelpreis für Physik, wenn ich nur laut genug über meinen Traum rede?

5 Gedanken zu “Nobelpreis für Träume

  1. Tja, da ist der Lindwurm als einer von vielen auf den Trugschluss reingefallen, der Friedensnobelpreis würde für Lebenswerke o.ä. vergeben. Dem ist nicht so. Die Kategorien, nach denen Preisträger ausgewählt werden, lauten, dass Verdienste zum friedlichen Zusammenleben der Menschen im Zeitraum seit der letzten Preisverleihung gewürdigt werden.

    Bei Obama wären das konkret: die Deeskelation des osteuropäischen Konflikts mit der Entscheidung, das Raketenabwehrschild nicht zu bauen, die (Wieder)aufnahme von ernsthaften Gesprächen mit Kuba und Nordkorea, die Kairoer Rede, und generell die Einstellung, sinnvolle Verhandlungen vor militärische Gewalt zu stellen.

    Bei Kissinger war das konkret der erfolgreiche Abschluss der Friedensverhandlungen in Vietnam.

    Bei Jassir Arafat, Schimon Peres und Jitzhak Rabin waren das konkret die Friedensverhandlungen zwischen Israel und der PLO, die zu einer gegenseitigen Anerkennung führte, was im Friedensprozess aus damaliger Sicht ein wirklich gewaltiger Schritt war.

    Dass Obama weiter Krieg führt (die er beide geerbt hat, im Jargon der aktuellen Debatte zum Gesundheitssystem in den USA wäre das wohl eine „pre-existing condition“), dass Kissinger, Arafat, Peres und Rabin auch so ihre Leichen im Keller haben, das spielte bei der Auswahl der Preisträger keine Rolle.

    Aber naja, was wundert es mich, polemisieren ist leichter als mal ordentlich recherchieren, das ist man von dir ja gewohnt.

  2. Vielleicht hat auch eines dieser Kerlchen so etwas Ähnliches wie das Badezimmer besucht und bei seiner Rückkehr freudestrahlend verkündet: „Yes, we can“.
    Nachdem es wahrscheinlich nur schwerer Verträgliches aus dem Bioladen zu essen gab, mussten die anderen dann wohl auch diesen Ort aufsuchen, um nach der Befreiung ebenfalls zu verkünden: „Yes, we can“.
    Ob die Entscheidung dann schnell gefallen ist, weil die Kerlchen allesamt doch nobel sein wollten, sich für ihre Erleichterungsseufzer geschämt und darum sofort zugestimmt haben, als es aus irgendeiner Ecke hieß, dass das nur ein Vorschlag gewesen wäre, entzieht sich jedoch meiner Kenntnis.
    Sorry, aber diesen Preis nehme ich schon lange nicht mehr ernst, seit Arafat, um genau zu sein.
    Als er voriges Jahr an den Macher eines Films ging, der mit Propagandamitteln, die wir uns eigentlich nicht mehr gefallen lassen sollten, arbeitet, konnte ich nur noch den Kopf schütteln. Über die Verleihung des Nobelpreises an Obama kann ich wenigstens wieder lachen.

  3. Nachdem Udo Deinen Artikel bei mir verlinkt hat und ich nachgesehen habe, was denn da so steht, will ich auch ein paar Worte dazu sagen:

    Prinzipiell bin ich der gleichen Meinung wie Du (siehe auch mein Eintrag zu diesem Thema), aber in der Argumentation machst Du Dich ein wenig angreifbar, wie „foo“ aufgezeigt hat: Der Friedensnobelpreis kann natürlich nicht für ein Lebenswerk vergeben werden (wie die von Dir gewählten Beispiele auch demonstrieren), wohl aber für preiswürdige HANDLUNGEN. Ein Staatsmann (Anführer, was auch immer), der vorher Krieg geführt hat, jetzt aber bereit ist, Frieden zu schließen, kann ihn durchaus zu Recht erhalten. Wie kann es nicht preiswürdig sein, einen lang andauernden Krieg zu beenden?

    Doch auch auf dem Gebiet der Handlungen hat Obama eben noch nichts geleistet. Rhetorik allein ist einfach zu wenig. Das ist gar nicht einmal unbedingt ein Vorwurf an ihn, denn der Mann ist schließlich kein Zauberer, sondern muss Ergebnisse mit knallharter Politik herbeiführen, aber für eine solche Auszeichnung ist guter Wille allein einfach zu wenig – da sind wir uns einig!

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