Grinsenazis und Gesetze

Heute war ich bei meiner ersten Krebs-Nachsorgeuntersuchung, bei der glücklicherweise nichts Besorgniserregendes festgestellt wurde. Leider musste ich etwa eine Stunde lang auf die Testresultate warten, was einem alten Zausel die Gelegenheit gab, sich neben mich auf eine Wartebank zu setzen und mich anzureden. Ob ich mich denn gegen die „Schweinegrippe“ impfen lassen würde, wollte er wissen, um dann, gleich nach meiner Antwort, zur Sache zu kommen: Das Virus sei doch ganz sicher in einem israelischen Labor gezüchtet worden, um die Welt ins Chaos zu stürzen, wie es ja die Juden seit jeher versucht hätten, aber man werde es den Juden nicht durchgehen lassen, so wie einst schon Hitler die Juden für ihre „Kriegspläne bestraft“ habe. Und während er diesen Irrsinn von sich gab, war es wieder zu sehen, dieses Grinsen, das ich immer wieder bei Nazis beobachte, wenn sie loslegen, ein Grinsen, das wohl ein verschwörerisches „weißt eh Bescheid, wie verstehen uns“ ausdrücken soll, oder, was auch möglich ist, einfach ein körperliches Symptom der totalen geistigen Verrohung dieser Leute ist. Ich hab dem alten Deppen dann dermaßen die Meinung gegeigt, dass das halbe Krankenhaus gezittert hat, woraufhin sich der Kerl ganz verdattert an das andere Ende des Warteraums zurückgezogen hat. Vielleicht habe ich ja nur Pech, vielleicht liegt es an meiner krebsbedingten (und zuvor eitelkeitsbedingten) Glatze, aber ich werde fast jedes Mal in Wartesituationen von einem antisemitischen Irren angequatscht, zumeist ältere Semester, die zumindest noch als Flakhelfer aktiv waren.

Solche Erlebnisse sagen für mich ebenso viel aus wie Statistiken (die übrigens in Bezug auf Antisemitismus verheerend ausfallen). Und solche Erlebnisse beweisen mir auch, dass das Gesetz gegen die Holocaustleugnung nicht fallen darf. Da mögen Ultraliberale zetern und schreien, es ist mir wurscht: Keine Erleichterungen für Nazis, kein Nachgeben der Geschichtsfälschung, keine freie Meinung für Nazis und Faschisten! Entsprechende Gesetze zur Einschränkung des Lügenverbreitens sind leider notwendig, denn ein Nazi will nicht diskutieren, er will nicht lernen, er will Juden umbringen, wenn er die Gelegenheit dazu hat, oder zumindest möchte er den geistigen Nährboden für mörderischen Antisemitismus schaffen. Das Engagement liberaler Kreise für absolute Redefreiheit auch für Nationalsozialisten will mir nicht einleuchten. Wir legalisieren ja auch nicht das Kinderficken, bloß weil es eine beträchtliche Anzahl von Pädophilen gibt?

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6 Gedanken zu “Grinsenazis und Gesetze

  1. Alter Schwede…mir scheint Du ziehst solche Individuen geradezu an..interessant eigentlich.
    Gottseidank treffe ich nie solche Trottel!

  2. Kompliment!
    Der alte Grinsenazi ist da wohl an den Falschen geraten und hat den Widerstand erlebt, den er verdient.

    Das Argument von der „Meinungsfreiheit“ für Nazis kann ich auch nicht mehr hören.
    Ein Recht hört da auf, wo das andere beginnt und gerade die Meinungsfreiheit wird diesbezüglich von mehreren Seiten eingeschränkt. sobald ein anderer Mensch in seinen Rechten eingeengt wird, ist es vorbei mit der Meinungsfreiheit, die sich da z.B.: vom Folterverbot unterscheidet.

  3. @ap: Wo werden bei einer reinen Meinungsäußerung (die Produktion von Schallwellen oder Datenmaterial) die Rechte anderer Menschen eingeschränkt? Es gibt nicht so etwas wie den „Schutz vor unliebsamen Meinungen“.

    (Dass das NS-Verbotsgesetz zur Verhinderung von neuem Nazi-Aufkommen seinen Zweck hat – okay, darüber lässt sich streiten. Meinungsfreiheit ist aber niemals rechteeinschneidend, deswegen zieht die alte Doktrin der freiheitseinschränkenden Freiheit hier nicht.)

  4. Haider als Ziehvater des rechtsextremen Terrors zu bezeichnen war eine Meinung von Peter Pilz, die gerade noch durchgegangen ist. Wenn ich mich richtig erinnere, stand in der Begründung was vom raueren Umgangston in der Politik.
    Unabhängig davon, wie das ausgegangen ist, sind das Grenzen, an denen Juristen sich abarbeiten dürfen. Mit etwas Suchen finde ich auch ein Beispiel dafür, dass Mölzer nicht alles ungestraft sagen (schreiben) kann, was wohl seiner Meinung entspricht: http://diepresse.com/home/recht/rechtallgemein/358345/index.do
    „Jagdkomplott“ kann eben mal beim OLG Wien als von der Meinungsfreiheit gedeckt gesehen werden und Straßburg sagt dann dazu: „Das Recht des Beschwerdeführers auf Schutz seines guten Rufes hätte gegenüber der Meinungsfreiheit Vorrang gehabt,“

    Üble Nachrede, Rufschädigung, Beleidigung und was weiß ich, was es da noch gibt? Die Grenzen zwischen diesen Dingen und dem Sagen (Geigen) der Meinung müssen immer wieder neu ausgehandelt werden. Aber Folter ist Folter, da hat die Absicht z.B.: das Versteck einer Bombe rauszukriegen keinen Vorrang.

    p.s.: Schon lange nicht mehr in deinem Blog gelesen, da muss ich doch gleich rüberklicken 🙂

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