Wir Enkelkiller

„Töten wir unsere Enkel?“, titelte profil-Chefredakteur Christian Rainer seinen dieswöchigen Leitartikel. Das passt ganz gut zur jämmerlich marktschreierischen Titelseite, die ein Baby zeigt, neben dem geschrieben steht: „Der Mensch stirbt aus, falls die beinahe utopischen Klimaziele nicht erreicht werden“. Nun, es ist das gute Recht des profil, im Stile der Bild-Zeitung aufzutreten, und die Verkaufszahlen geben Rainer & Co ja recht: „profil“ hat laut Medienanalyse seine Verkäufe stark gesteigert. Eben weil es andauernd mit reißerischen Covers antritt, möchte ich mal spekulieren.

Doch zurück zu Rainers Kommentar. Der ist stellenweise richtig lustig. Da schreibt er zB: „Es sind exakt jene Veränderungen, die profil zur Basis seiner keineswegs alarmistischen verankerten Geschichte gemacht hat“. Aha, Babymord und „Töten wir unsere Enkelkinder“, das hat nichts mit Alarmismus zu tun? Rainer zählt dann in Folge all die Positionen der extremsten Klimahysteriker auf und erhebt sie zu Tatsachen. Da ist die Rede davon, dass „eine Reduktion aller globaler Mobilität, Industrie- und Agrarproduktion, Heizung und Kühlung durchgeführt werden muss – auf jenes Level, das mit einiger Wahrscheinlichkeit am Ende dieses Jahrhunderts über erneuerbare Energien erreicht werden kann. Das entspricht mit ebenso großer Wahrscheinlichkeit einer Minimierung auf einige wenige Basisfunktionen des menschlichen Lebens.“ Sehr fein , Herr Rainer. Das ist ein Programmm zum weltweiten Massenmord, begründet damit, „das Klima“ und damit die Menschen retten zu wollen. Die Menschen müssen also verhungern, erfrieren und auf ein vorindustrielles Entwicklungsniveau zurückfallen, damit sie überleben können? Das, Herr Rainer, würde Milliarden Menschen umbringen. Außerdem bezweifle ich, dass sie immer noch so supercool daherstolzieren würden in einer Welt ohne Haargel…

Ich finde es äußerst bedenklich, dass Österreichs renommiertestes Nachrichtenmagazin per Leitartikel Werbung für reinsten Ökofaschismus macht. Wer angesichts der Zunahme der Weltbevölkerung nach einer „Reduktion der Agrarproduktion“ verlangt, ist für mich ein Feind der Menschheit, basta. Das ist genau der amoralische Müll, der ansonsten von (Öko)Faschisten verbreitet wird. Es gäbe, so deren Kernaussage, einfach zuviele Menschen, vor allem „Untermenschen“ in der Dritten Welt, und das sei ganz arg schlecht für die Umwelt, weshalb deren „Reduzierung“ ein wahrer Segen wäre. Eine feine Gesellschaft, in die sich Rainer da begeben hat…

By the way: Die Menschheit hat Klimaveränderungen überlebt, gegen die die Erwärmung (sofern sie stattfindet – seit 1999 stagnieren die Temperaturen nämlich) ein Kindergeburtstag sein wird. Die Eiszeit, das Ende der Eiszeit (einer Epoche, aus der die Sintflutmythen stammen dürften), extreme Hitzephasen…die Menschen haben das alles überlebt. Daher wird die Menschheit auch jetzt nicht draufgehen, auch wenn Gruselgeschichten die Auflage des profil steigern. Der Fortschritt wird weitaus schneller vonstatten gehen, als Rainer es sich träumen lässt. Der Mensch wird die Herausforderungen meistern, und  zwar weitgehend ohne indirekten Massenmord und Verzicht auf Lebensqualität. Gefahr für die Menschheit geht übrigens nicht von einer Klimaerwärmung aus, sondern zB von einem atomar bewaffneten Iran.

Letzte Frage: Warum geht Rainer eigentlich nicht mit gutem Beispiel voran und stellt das profil ein? Wieviele Bäume und damit CO2-Binder und Sauerstoffproduzenten fallen einer einzigen Auflage zum Opfer?

5 Gedanken zu “Wir Enkelkiller

  1. „Die Menschheit hat Klimaveränderungen überlebt, gegen die die Erwärmung ein Kindergeburtstag sein wird.“

    „Die Menschheit“ ist während der erwähnten Eiszeit wahrscheinlich durch einen Populationsengpass von ein paar tausend Individuen geschlittert – gemeinsam.

    „Die Menschheit“ wird sicher nicht draufgehen, nichtmal bei schlagartigen 10 Grad Klimaerwärmung oder Senkung. Kein Problem, ein paar Flecken gibts immer wo es sich gut aushalten lässt.

    Aber nicht für 8 Milliarden.

    Das ist der Haken: Du vergleichst einen Zustand, in dem auf der Erde ein paar versprengte Siedlungen supi vom umliegenden Land leben (also bis ins spätere Mittelalter hinein) mit den heutigen Bedingungen, wo es Ansammlungen gibt, in denen Kilometerweit kein Quadratmeter Platz ist. Und als Bonus: Die meisten davon in Küstenregionen.

    Versteh mich nicht falsch: CO2 hat unwiedersprochen einen Effekt auf das Klima, nur die Frage nach Stärke des Effekts und der Rückkopplungen ist noch immer nicht ganz astrein geklärt. Aber dein Argument ist halt einfach Mist.

  2. Na, dann schauen wir uns doch die Entwicklung der Menschheit und die des Klimas mal nebeneinander an:
    http://www.uni-stuttgart.de/wechselwirkungen/ww2002/bluemel.pdf
    Ansammlungen, in denen kilometerweit kein Platz ist, die ganz plötzlich untergehen, weil viele, viele menschliche Bösewichter ganz, ganz, ganz böse (mit atmen und so) waren, sehen wir in Filmen, die ein Deutscher und ein Österreicher in Hollywood verbrechen. Diesbezüglich hatten es die Menschen im Mittelalter oder wann auch immer in der „guten, alten Zeit“ tatsächlich besser 😉 In so gut wie allen anderen Bereichen haben wir es heute aber doch besser und andere Möglichkeiten auf etwas zu reagieren. Wenn nicht grad sämtliche Energien in größenwahnsinnige Welteinstellversuche fließen, sollten wir doch Dinge bewältigen können, die unsere Vorfahren bewältigen konnten.
    Flecken, an denen wir es aushalten, müssen wir uns als Menschen ohnehin erschaffen, sonst könnten wir in vielen Regionen nicht überleben und auf eine Veränderung der Lebensbedingungen werden wir eben (auch in Küstenregionen oder in den Niederlanden) entsprechend reagieren müssen. (Mit entsprechender Technologie bleibt dann auch der Engpass aus) Da ist es nicht besonders ratsam vor lauter Zivilisationsmüdigkeit alles einzureißen, was uns das Leben angenehmer gemacht hat und in den finsteren deutschen Wald (der lebt ja noch) zu ziehen.

    Immer, wenn ich über das Schreckgespenst von den angeblich zu vielen Menschen auf diesem Planeten (Lebensraum und Volkszahl oder so) lese, frage ich nach den Konsequenzen: Was gedenken die Bevölkerungskontrolleure mit jenen, die sie für zu viel halten, denn zu tun? Vergasen? Oder etwas weniger auffällig möglichst keine Entwicklung hin zu unserem Lebensstil zulassen, Chancen verdammen und auf den Hunger hoffen, der die „Untermenschen“ dann zum „Wohle von Mutter Gaia“ beseitigt? Oder wie Konrad Lorenz Sympathien für Aids empfinden? Oder irgendwas von den schlimmen, schlimmen Pharmajuden erzählen, damit möglichst viele auf die Lebenserwartung früherer Generationen zurückfallen?
    Es ist schon lustig, dass es sich für uns in unserer Geschichte immer besser bis hin zum heutigen Wohlstand entwickelt hat, während wir immer mehr Menschen geworden sind, für Julian Simon war das mal ein Anlass Paul Ehrlich eine Wette anzubieten, die er zwar gewonnen hat, was aber nix am Heldenstatus der Untergangspropheten geändert hat. Diesen wird anscheinend allzu gerne verziehen, wenn sie sich geirrt haben und die Sehnsucht des Menschen in die Zukunft zu sehen ist ja nicht gerade eine Erfindung der Neuzeit (Wie wäre es mal mit dem Börsenkurs für die nächsten paar Jahre? Da gibt es weitaus handfestere Daten als beim Klima)

    profil ist unter Christian Rainer zu einer ziemlichen Lachnummer verkommen, nur leider erstickt dieses Lachen im Hals, wenn ich dieses Blatt inmitten der österreichischen Medieneinfalt betrachte und an die Auswirkungen dieser Art von Journalismus denke. Unter Czernin und Votzi habe ich es noch gerne gelesen (für weitere Vorgänger bin ich mit 36 zu jung) Mit Christian Rainer kam es gleich zu einem deutlichen Qualitätsverlust, richtig bergab ging es dann aber erst recht nach dem Quotenkampf mit Format. Inzwischen ist das profil wohl tatsächlich eine Bild für Wichtigtuer geworden, na bravo und gute Nacht.

  3. Würde zashimi insofern recht geben, dass ein Klimawandel nicht einfach spurlos an der Menschheit vorbeigehen wird. Klar, auslöschen wird es sie nicht, aber für die heutige Bevölkerung könnte es katastrophal werden.

    Fairerweise muss man sagen, dass Rainer sich mmn für seinen Kommentar an die Rotorblätter einer Windkraftanlage gebunden wahrscheinlich auch ganz gut machen würde…

  4. ap: Polemik wieder einstecken und mal genau lesen, was ich geschrieben habe. Du wirst erstaunt sein.

    Sich über etwas lustig machen löst vielleicht gewisse zwischenmenschliche Probleme. Sich über die Natur lustig machen endet aber erfahrungsgemäß tödlich.

  5. Jajajajajajaja, da kann beim schnellen Lesen was durcheinander rutschen.
    Es handelt sich halt um eines der Themen, bei denen im Hinterkopf sehr viel mitschwingt 🙂
    Gut, dass ich meine Zeilen ohnehin nicht als reine Antwort auf deinen Beitrag verstanden haben wollte, sonst hätte ich ja in der 2. Person geschrieben 😉

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